Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Her mit den leicht bekleideten Romanen

| 701 Lesermeinungen

Sie schaut her, und ich schau hin – Schwupps! – Heidi, nun bin ich drin!
Demetrius Schrutz

Ich bin – eigentlich – der ideale Kunde für Verlage. Und wenn mein wohlgesonnenes Auge auf dem stetig wachsenden Bücherstapel am Sofa ruht, verzeichnen mich die deutschen Verlage sicher auf der Seite der wirklich guten Kunden. Immer noch. Der Buchmarkt lebt, ähnlich wie Konzertveranstalter, von Menschen wie mir. Von einem kleinen Teil der Bevölkerung, der Zeit und Geld hat und wirklich gern liest. Von denen, die wirklich noch in kleine Buchgeschäfte gehen. Wenn ich in Bad Tölz bin, zum Beispiel, gibt es eine hübsche kleine Buchhandlung. Da gehe ich praktisch immer hinein und kaufe ein Buch. Da gibt es, wie in der dummen, kleinen Stadt an der Donau oder in Wasserburg, einen Buchhändler, der selbst liest und mir zutreffend sagen kann, was mir gefallen könnte.

Manchmal lese ich auch den Waschzettel und sage mir: Das probieren wir mal. Das sind dann meistens die Rohrkrepierer, bei denen ich nach 50 Seiten den Eindruck habe, man müsste mir die Innenwände meines Gehirns mit Kernseife ausschrubben. Natürlich mag man das unter denen, die nicht nur aus Freude lesen, anders sehen, aber einmal lieh sich meine Mutter am Tegernsee ein Werk eines eher akademischen, deutschen Nachwuchsautors aus und rief mich an, nur um mir mitzuteilen, dass das Buch ganz schrecklich sei und sie nicht gedenke, da auch nur einen einzigen weiteren Absatz zu lesen. Manchmal kaufe ich Bücher, weil ich mir sage: Es mag sein, dass es mir beim ersten Anschein nicht gefällt, aber man muss alles mal probiert haben. Dadurch kam ein in den Medien Vielgerühmter mit beachtlicher Preissiegerliste in meiner Wohnung, und ich fand ihn selbst ganz schrecklich. Früher empfand ich es als persönliche Niederlage, ein Buch nicht auszulesen, Inzwischen bin da radikal: Es gibt keinen Grund, sich von so einer Person nach einer gewissen, ernsthaften Abmühung am Text auch nur eine weitere Minute Lebenszeit vergällen zu lassen. Ich lasse mich schließlich auch nicht zwingen, Leberkäse zu essen. Im Sommer darauf griff meine Mutter ins Regal und lieh sich ein Buch von Deborah Levy aus, weil sie dachte, es könnte spannend sein. Das habe ich mir damals rein äußerlich auch gedacht, sicher irgendeine französische Poolgeschichte, und wir beide fanden es dann belastend. Da bin ich auf Cover und Waschzettel hereingefallen.

Wenn man eine weitere Wohnung bezieht, wächst eine Bibliothek der dort gekauften Bücher, und daher habe ich etwas Überblick über meine immer noch häufigen, aber seit Studentenzeiten klar abnehmenden Erwerbungen. Zwei von drei Büchern sind Monographien und Ausstellungskataloge über Kunst, denn ich gehe in kein Museum, ohne mir nicht mindestens ein Buch zu kaufen. Das ist geblieben, wie es schon immer war. Bei Belletristik könnte ich nun geschickt ablenken und Ihnen die bibliophile Ausgabe der Prínzessin Brambilla dem Verlag Artur Wolf, Wien, zeigen, und erzählen, wie ich dieses Buch im Privateinband mit Kennerblick aus einer roten Plastikkiste auf dem Flohmarkt zog. Ich könnte versonnen im weimarschen Musenhof von Wilhelm Bode blättern und sie darauf hinweisen, schauen Sie mal, dass das Buch noch 1919, ein Jahr nach der Revolution, von Mittler&Sohn, königliche (!) Hofbuchhandlung verlegt wurde, und gemütlich in eine Debatte über monarchistische Kultur in der Weimarer Republik abrutschen. Seit 1901 hatte dieses Werk damals bereits 17.000 Exemplare verkauft, und es liest sich erfrischend. Und es ist als Buch nach 100 Jahren mit seinem Dünndruckpapier der allerschlechtesten Zeit immer noch in einem famosen Zustand.

Ich lese also auch “alte Schinken”, die andere achtlos dem Wohnungsausräumern überlassen. Ich habe meine Vorlieben und gebe für eine gute Gestaltung der Bücher auch gern mehr Geld aus. Ich komme aus einem lichten Tale und singe ein Lied, das lautet “Kommet zu mir, Verleger, bringt mir Eure Güter, die jungen, heissen Feger, die delektieren die Gemüter”. Aber das Tal wird zu einer nebligen Schlucht, und während überraschenderweise der grässlich klingende Titel Krematorium von Rafael Chirbes tagelanges Lesevergnügen nahe an Gabriel Garcia Marquez lieferte, rutschte meine Stimmung bei Veronique Ovalde, Die Männer im allgemeinen gefallen mir sehr, zunehmend in den Abgrund Bei manchen schlechten Büchern lese ich hinten wenigstens nach, was aus den Figuren wurde, aber mittlerweile ist mir das mitunter egal.

Es ist nicht durchgehend so, dass “alle jungen Frauen und alle deutschen Autoren” langweilig wären, und nachdem ich Nora Gomringer persönlich erlebt habe, habe ich ihre Bücher gekauft und mit Genuss gelesen. Ich stehe nur in Buchläden vor den Regalen und merke selbst, wie spanische oder portugiesische Namen und deren Titel meine Aufmerksamkeit bekommen. Das ist nicht neu, in meiner Jugend galt zum Beispiel Jorge Amado als absolute Pflichtlektüre für jeden, der sich auf amüsante, linksliberale Art mit den Kulturen und Widersprüchen Südamerikas auseinander setzen wollte. Es kann sein, dass “Das Nachthemd und die Akademie” heute noch einen neuen Verleger fände, aber “Dona Flor und ihre zwei Ehemänner”, “Die Geheimnisse des Mulatten Pedro” und “Die Abenteuer des Kapitäns Don Vasco Moscoso“? In einem Land, in dem Mohrenapotheken wegen ihres Namens unter Druck gesetzt werden, wäre Amado einer der ersten Kandidaten für das Autodafé der Bildungsfernen. Was glauben Sie, wie oft bei Amado Frauen, gern auch mit Hinblick auf ihre teilweise afrikanische Abstammung – Amado geht damit ganz offen um – auf den Hintern… Das könnte man heute nicht mehr neu verlegen. Dauernd reden die Leute und Sex, Essen und soziale Gerechtigkeit – zwei von drei Themen haben im von jungen Frauen dominierten Verlagswesen gar nichts mehr verloren. Aber ich merke beim Lesen, dass Amado, Ibargüengoitia und andere immer noch bei jüngeren Autoren Lateinamerikas durchscheinen.

Das geht auch in Italien, wo das Erbe von Calvino nicht unbedingt vergessen ist. Aber wenn ich vor Deutschen stehe, und die machen klar die Mehrheit in Buchläden aus – da denke ich mir: Wenn ich das jetzt kaufe, und es ist schon wieder ein Literaturbetriebsprodukt mit Blick auf Studienaufenthalte in Rom und Stadtschreiberposten in Bochum, dann denken die Verlage, sie könnten sich das leisten, und publizieren noch mehr von dieser Sorte. Meine Experimentierfreude bestätigt sie in der Einfallslosigkeit anämischer Stilisten, die wahrhaft schöne Themen nur in ironischer Verblendung oder gestelzter Distanzierung aufnehmen, mit dem klaren Ziel, überall ein Problem zu sehen. Oder eine Nazigeschichte. Oder ein Vergewaltigungstrauma. Oder eine ansteckende Krankheit. Oder einen Mutter-Tochter-Konflikt, den ich auf meinem Sofa nicht lesen will, und auch nicht gern im Regal meiner geschätzten Buchhandlungen sehe.

Im Ergebnis dominieren zwar Frauen die Bestsellerlisten, aber sie tun es mit geringer werdenden Umsätzen. Das kann ihnen gleichgültig sein, der Ruhm ist ihnen gewiss. Aber auf der Kundenseite finde ich wie viele andere weniger, was ich einfach gerne haben will. Ich ertrage nur einen gewissen Anteil Experiment auf sicherer Freude, ich werde ungehalten, wenn jedes dritte Buch ein Flop ist, und kaufe dann lieber noch eine Kunstmonographie.

Es macht mich nicht ungebildeter, mein Schwerpunkt verlagert sich, und wenn ich dann höre, dass der Buchhandel mit Einbrüchen zu kämpfen hat, denke ich mir nur: Ach? Soso. Ja, das mag sein. Wissen Sie, früher wurden Buchgeschäfte gleichermaßen von Männern und Frauen besucht, heute stelle ich oft fest, dass auf einen Kunden drei, vier Kundinnen kommen. Vielleicht bin ich nicht der einzige, der nicht schon wieder Bücher über Ekzeme und SS-Opas lesen will.

Literatur war nie die Literatur für alle, aber früher angelte die gewerkschaftliche Büchergilde Gutenberg den Arbeiter wie den besseren Sohn mit Büchern von B. Traven – ein weisser, deutscher Mann, der die grausame Geschichte von indigenen Völkern für seinen eigenen Weltruhm benutzte und an Hollywood verkaufte. Man fühlt geradezu das aufgeregte Tastenhämmern von Schwarzrandbrillenträgern, die einen Rollkragenpulli tragen und sich deshalb trotz Tätigkeit für SPON für Feuilletonisten halten, um so einen Kolonialrassisten zur Strecke zu bringen, denn bei Christian Kracht konnten sie sich damit ja auch schon ins Scheinwerferlicht inquisitionieren. So trägt der Betrieb dazu bei, dass das eine in die Vorschauen kommt, und das andere vielleicht eher nicht, und wer will schon den verbliebenen Markt der mittelalten, weissen Frauen mit sozial korrektem Bewusstsein gefährden, um verlorene Leserschichten anzusprechen, denen nur mit viel Sex und Gewalt eine undogmatische Ahnung der richtigen Einstellung angeboten werden konnte.

Also, komplizierte Gouvernantenliteratur kaufe ich nicht, um Verlage nicht auf falsche Ideen zu bringen, Amado kann man auch drei, vier mal lesen, ohne dass es langweilig werden würde, es kostet auch nichts, und Museen freuen sich natürlich, wenn teure Werke über Bustellis laszive Porzellanarbeiten, Photographie im Moulin Rouge oder die Beziehungen zwischen Rom und den Barbaren zum Festpreis verkauft werden. Ich bin Kunde, man liefere nach meinem Plaisier: Hic Rhodus, hic salta. Tanja Blixen hat es doch auch geschafft, auf 65 Seiten sieben Skandale der besseren Kreise mit Sex und Gewalt unterzubringen: Beziehungen können ohne 180 Seiten Leiden an der deutschen Geschichte formvollendet scheitern.

Und Wagenbach möchte ich von der Kritik meistens ausdrücklich ausnehmen.


701 Lesermeinungen

  1. B. Traven
    Danke für die Erinnerung an B. Traven, „ein weißer deutscher Mann“. Er hat mir in meiner Kindheit viele schöne Stunden und Tage beschert, bei der Lektüre seiner Werke (von meinen Eltern bei der Büchergilde Gutenberg erworben). Damals durfte man noch von Abenteuern in fremden Welten bei den „Wilden“ träumen und sich unbefangen in Lesefreuden stürzen.
    Heute kaufe ich – nach etlichen Enttäuschungen – fast nichts Neues mehr, von Sach- und Fachbüchern abgesehen, sondern gehe an meine Bücherregale und lese ein zweites oder drittes Mal das, was ich vor Jahren oder Jahrzehnten gern gelesen und genossen habe.

    • Gemessen an heutigen Linkstheorien wäre dieser Anarchist ein Nazi. Da sieht man, was aus Links geworden ist.

    • Anarchist
      Celine ist auch gut. Reise ans Ende der Nacht.

    • So geht es vielen:
      mit fortschreitendem Alter verengt sich der Interessenhorizont, man verlegt sich aufs Althergebrachte und Bekannte, und scheut das Neue und Herausfordernde.

      Nehmen Sie es nicht schwer.

    • @titou
      Mit zunehmendem Alter hat man nur alles schon mal gelesen, weil es nur eine begrenzte Anzahl von Geschichten gibt, die in Variationen immer wieder erzählt werden.

      Ich glaube mich zu erinnern, daß die alten Griechen von zwölf grundlegenden Geschichten sprachen (lieber Don, können Sie mir da aushelfen?), aber auch das macht es nicht viel besser über die Jahrtausende.

      Ich denke niemand hat etwas gegen das Neue und Herausfordernde, es schaffen nur immer weniger Autoren, das Alte neu und herausfordernd zu servieren.

    • @Zuagroaster
      Zwölf ist eine „heilige“ Zahl: zwölf Titanen, zwölf olympische Götter, der Dodekanes, unter anderem. Dezimalsystem.

      Ein tolles Buch über derartige linguistische und andere Dinge ist das von Guy Deutscher, Im Spiegel der Sprache: Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht. Das ist ganz wunderbar.

      Ich habe es mir gekauft, weil er in einem Kapitel darüber referiert, warum es bei den alten Griechen keine wirkliche Farbe für das Meer und den Himmel gab. Warum Homer das Meer im beschreibendsten Falle weinfarben nannte – und das war dann wirklich tiefrot.

      Deutschers kleiner Tochter gegenüber äußerte er nie ein beschreibendes Wort zur Himmelsfarbe. Als sie sprechen konnte, fragte er und bekam die Antwort: weiß.

      Wer so etwas mag, bekommt da vieles. Wer ein Faible für Keilschrift nicht schlimm, sondern eher interessant findet, mehr. Leseempfehlung.

    • Verehrter Zuagroaster, eventualiter meinen Sie die 12 Heldentaten des Herkules?
      1. Der Nemeische Löwe
      2. Die Lernaeische Hydra
      3. Die schnelle Hirschkuh Kerynitis
      4. Der erymanthische Eber
      5. Die Ställe des Augias
      6. Die Stymphaliden
      7. Der wilde Stier von Kreta
      8. Die vier menschenfressenden Stuten des Diodemes
      9. Der Gürtel der Amazone Hyppolyta
      10. Die Rinder des Riesen Geryones
      11. Die Äpfel der Unsterblichkeit aus dem Garten der Hesperiden
      12. Der Höllenhund Kerberos

    • @ Thomas, @ DON
      @DON: da sieht man was aus links geworden ist

      Ganz genau. Links ist heute keine vitale Sache mehr, es fehlt die Ursprünglichkeit, der revolutionäre Pep, den das Ganze mal hatte. Viele klammern sich in ihrer Erinnerung immer noch daran, dreschen jene Phrasen wieder und wieder, die zu der Zeit als „Links“ noch lebte gedroschen wurden. Aber das alles wirkt mittlerweile stark runderneuert, aufgewärmt, ohne Originalität, leblos. Und das gilt natürlich vor allem für die „modernste“ Variante: linksgrün. Um jetzt keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, Mutti und jede Art von fürsorglicher Belagerung ist selbstverständlich noch viel unerträglicher.

      Da lobe ich mir meinen Knut Hamsun. Darf man ihn erwähnen? Ich finde, wenn Reich-Ranicki (in Kenntnis der Hamsun’schen Vita) ihn und seinen Roman „Mysterien“ in einer seiner letzten Sendungen des „Literarischen Quartetts“ lobend erwähnt und zur Lektüre empfohlen hat darf man das. Durchaus in vollem Bewusstsein seiner reaktionären Geisteshaltung.

      Und da komme ich zu Céline:
      @Thomas: wenn man ihn (und ich finde auch er war ein ganz Großer) erwähnen darf, so muss man auch Hamsun erwähnen dürfen. Als studierter Romanist kenne ich natürlich „voyage au bout de la nuit“. Zum ersten Mal begegnet ist es mir in einem Lektüreseminar eines Romanistikprofessors, der interessanterweise mit einer Jüdin (auch Dozentin an der Uni damals) verheiratet war. Und obwohl Céline erklärter Kollaborateur gewesen und nach dem Krieg dafür verurteilt worden war hat es wohl bei dem Prof nicht zu einer Ehekrise geführt, dass er ihn auf die Lektüreliste setzte. Dass er den Mut hatte Célines wichtigsten Roman im Seminar zu behandeln ist für mich ein Zeichen echter Liberalität. Ein intelligenter Autor wie Céline bietet ungeheuer viel Ansatzpunkte für eine frische, unvoreingenommene und sehr produktive, kontroverse Diskussion.

      Ich persönlich halte Céline für einen Epigonen (aber einen sehr guten!) von Hamsun, sein Stil trägt eindeutig die freche Handschrift von Knut Hamsun.

      Noch ein paar Worte zu Letzterem: er war Zivilisationskritiker, verachtete jede Form von Spießigkeit, Engstirnigkeit, Verlogenheit, Doppelmoral und zu engen bourgeoisen Konventionen, mochte Autoren wie Nietzsche und Strindberg, war neben seiner Tätigkeit als Autor auch noch Bauer (betrieb in Gutsherrenmanier [die er sehr mochte] einen Hof [war aber kein Ökobauer!]), war wild und ursprünglich.

      Ich wünschte mir jemand wie ihn in der heutigen Zeit, die hätten ihren Spaß mit ihm. Wenn irgend jemand in der Lage wäre, den ganzen Müll, von Feminismus bis linksgrünem Pharisäertum, gekonnt durch den Kakao zu ziehen, dann Hamsun. Aber man kann ihn ja immer wieder lesen.

      Auch Hamsun wurde nach dem Krieg als Kollaborateur verurteilt, obwohl er eigentlich kein Nazi war. Er hat sich nur einmal mit dem Schickelgruber getroffen (auf dem Obersalzberg); das Treffen endete im Fiasko und danach hat Schickelgruber sich jeden weiteren Kontakt mit ihm verbeten. Seinem Sohn sagte Hamsun danach (in Bezug auf den Schickelgruber) „Ich mochte ihn nicht“. Trotzdem hielt Hamsun Deutschland die Stange, seine Liebe galt unserem Land und seiner Kultur, nicht den Nazis.

      Sowohl Hamsun als auch Céline sind große Autoren und leider zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten. Schade-ein echter Verlust, wie vieles andere in dieser dunklen Zeit.

  2. Ausstellungskataloge der großen Museen
    … sind ein bleibender Gewinn. Sie sind stets hervorragend recherchiert und reich dokumentiert. Im Laufe der Jahre erreichen sie das geballte Wissen von Nachschlagewerken, auf die man immer wieder zurück greift. Romane dagegen sollte man sich von einer Bibliothek leihen, oder als Taschenbuch kaufen, denn man liest sie ja meist nur einmal. Ich bl
    Geschichte der Neuzeit kaufe ich nie — bin dabei gewesen. Auf der Bahn lese ich oft Taschenbücher, die ich dann im Zug hinterlasse, damit sich noch jemand anders daran erfreuen kann.

    • Vor allem kann nicht jeder die MGH, Ber. RGK oder die Germania bestellen und binden lassen. Als Privatmensch muss man sich beschränken können.

    • Titel eingeben
      MGH kann man bis auf die neuesten Bände ohnehin online einsehen.

    • Ja, aber wer hätte nicht gern die Bände in der Wohnung?

    • Titel eingeben
      Ausstellungskataloge… vor vielen, vielen Jahren arbeitete die damalige Freundin an einem solchen mit. Kunsthistorik ist ja eher eine brotlose und eher selbstreferentielle Kunst, da ist die Möglichkeit zur Mitarbeit an einem Katalog eine der ganz wenigen Möglichkeiten, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu profilieren, und ein paar DEM gab es damals auch dafür – was wohl zumindest seinerzeit alles andere als üblich war.
      Wer, wie sie damals, sein Fach ernst nahm, hat in diese Visitenkarte des eigenen Könnens richtig viel Arbeit und Sorgfalt reingesteckt.
      Seither kaufe ich meistens einen Katalog – mit viel Freude und einem ganz anderen Zugang. Schade nur, dass man letztlich alleine in die Ausstellung muss, weil Familie und Freunde oft nicht so viel Geduld haben.

    • Das ist in meiner Familie zum Glück anders. Abgesehen davon bin ich ein elender Austellungströdler. Das halten auch manche nicht aus.

  3. 'Die Innenwände des Gehirns', was ist das?
    Und war nicht das Auswaschen mit Seife vor allen Dingen eine angelsächsisch-puritanische Maßnahme und Sozialangewohnheit die vor allem den Mund betraf nach Gebrauch und christlicher Ausdrücke? Und wie kam die eventuell unbemerkt nach Bayern in einen katholischen Text?

    Rein zufällig war dies hier vor ein paar Stunden wieder einmal bei uns abgegeben worden, ein Text lediglich, kaum mehr als ein Text: – 20, 30, 40 Minuten hineingehört immer ein Gewinn, mehr Konstanz verlorener Westviertel in steter Erneuerung kann man zum Tage vermutlich kaum finden.

  4. Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt
    Der Besuch von Antiquariaten in allen Städten oder, hier im Dorf, der regelmäßige Gang zum Caritas-Laden, wo sich immer mehr und nach jedem längeren Glockengeläut die schönsten Sammlungen stapeln, oft unberührte Bücher, die aus rätselhaften Impulsen gekauft und verschenkt worden sind. Anders als in der Bibliothek keine Popel drin, keine gekrausten Haare, keine toten Fliegen, Kaffee- oder Speisereste.

    Gute, aber ungelesene Bücher sind eine Schande – oder um hier etwas zu gomringern: wie ungeliebte Frauen oder übersehene Blumen.

    Die russische Moderne zieht mich gerade in den Bann, ein verpasster Kosmos. Der Russischkurs am Gymnasium wurde seinerzeit beim Einmarsch der Warschauer Truppen in Prag von der Schulleitung abrupt beendet, trotz vehementer Proteste. Heute ein spätes Glück mit
    Ljudmila Ulitzkaja, Warlam Schalamow, Michail Bulgakow, Isaak Babel u.a.m.

    Apropos Demetrius Schrutz: der publizierte unter dem Pseudonym Z. Tursch ganz unschenant ein Bändchen mit dem Titel „Herren-Humor. Heitere und drastische Vorträge für Herrenabende“. Das die das noch durften!

    • Wenn sie es kriegen: Rudolf Presber, Von ihr und ihm. auch so ein buch, da muss man erst mal schlucken.

    • Ich kenne das Werk nicht
      … aber allein des Titels wegen würde ich es erwerben, um Anregungen zu erhalten, wäre ich ein Büttenredner im Karneval :)

    • Titel eingeben
      Daniel Charms !!
      Anna Achmatova !!
      Marina Zwetajewa !
      Andrej Bely !
      Sergej Jessenin !
      und immer noch und immer wieder:
      Vladimir Nabokov !!

    • Charms habe ich wieder wegen eigener Verwendung gestrichen, aber an ihm sieht man ja recht deutlich,. was ein freier Geist von radikalen Leuten zu erwarten hat-

    • Rudolf Presber?
      FAZ, 26. Oktober 1933 …

      Achtunterste Zeile.

      Wie oft man wünschte, dass ein Werk nur für sich selber steht.

    • Das merkt man seinen Büchern der 20er Jahre definitiv nicht an.

      das mag wie mit Evelyn Waugh sein, der als Mensch reaktionär war und dessen Bücher so viel Verständnis für andere haben.

    • Sozialkaufhäuser usw....
      ….da werde ich auch regelmäßig fündig.
      Allerdings muss ich zugeben, dass ich da schon manch ein Exemplar erworben habe, um es aus dem Verkehr zu ziehen, respektive es nicht in unkritische Hände gelangen zu lassen.
      Asche auf mein Haupt…

  5. Ich weiß nicht, was es ist, aber
    Bei Büchern, die von Frauen geschrieben sind – da bekomme ich zu 90% einen Pilz. Da ist das Lesen nach 20 Seiten vorbei.

    Meine Chefin ist Frau (sonst wäre sie ja mein Chef…), meine Frau ist eine Frau. Beide sind mir an Kompetenz überlegen. Ich hab‘ echt nichts übrig für so’nen Überheblichks-Machismo.

    Aber von wenigen Ausnahmen abgesehen, kann ich die Elaborate von Frauen nicht lesen.

    Es ist mit der Schwemme der hochgeschriebenen Schreiberinnen von Feuilletons Gnaden nicht besser geworden.

    Danke für den Text!

    • Gern geschenen!

    • @Booster
      da sind wir schon mal zu zweit.

    • Lanze für Autorinnen
      Ok, für die restlichen 10 Prozent: Der Flammenwerfer (Rachel Kushner); Der Distelfink (Donna Tarrt); Die Erfindung der Natur (Andrea Wulf) fand ich lesenswert. Bei allen drei Büchern geht’s auch nicht um normale Alltagssorgen, Liebeskummer einer Vierzigerin mit oder ohne Familie oder blöde