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Der doppelte Karjakin

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Sergei Karjakin hat unter den acht Teilnehmern des am Samstag beginnenden WM-Kandidatenturniers die niedrigste Elozahl. Trotzdem tippen manche Experten auf den 28-Jährigen als Sieger. Den gleichen Wettbewerb hat er vor zwei Jahren in Moskau nämlich überzeugend gewonnen. Seit dem WM-Kampf, in dem er nicht weit davon entfernt war, Carlsen zu entthronen, enttäuschte er zwar auf Turnieren häufiger, als dass er überzeugen konnte. Doch wenn für ihn viel auf dem Spiel steht, ist der nervenstarke Russe wie ausgewechselt und agiert meist um ein bis zwei Klassen stärker. Zwei verschiedene Karjakins beobachten auch seine russischen Kollegen. Privat gilt der zweifache Vater als freundlich und umgänglich. In der Öffentlichkeit aber nervt er als strammer Anhänger von Präsident Putin und vermeintlich einziges Aushängeschild des russischen Schachs.

Karjakin voll konzentriert beim Tal-Gedenkblitz (Foto: Eteri Kublaschwili)

Während dem letzten WM-Kampf und in den Monaten danach war Karjakin in den russischen Medien so präsent wie lange kein Schachspieler mehr. Dazu kamen zahlreiche Werbeverträge. Sein Verband unterstützt ihn so umfassend, dass sich manche wundern, ob Russland keine anderen Spitzenspieler mehr habe. Die Verbandstrainer Alexander Motyljew und Alexander Rijasanzew sind für Karjakin abgestellt. Im Februar mietete er sich mit seinem Team zur Vorbereitung in ein Schloss in Schottland ein, wie er auf .

In Wijk aan Zee überließ er wie so oft den Kampf um den Turniersieg anderen. Selbst legte er ein solides Resultat hin: Elf Remis und zwei Siege – letztere gegen zwei Mitfavoriten im Berliner Kandidatenturnier, nämlich Fabiano Caruana und Wladimir Kramnik. Nach dem Turnierfavoriten gefragt hat Karjakin Lewon Aronjan genannt. Der Armenier sei sehr stark und verdiene eigentlich den Sieg, doch er werde selbst sein Bestes geben, damit es nicht so kommt.

Der Russische Verband organisierte sein wichtigstes Event, das Turnier zum Andenken an Weltmeister Michail Tal, wegen der zeitlichen Nähe zum Kandidatenturnier ausnahmsweise mit verkürzter Bedenkzeit. So konnten sich die russischen Teilnehmer – neben Karjakin Wladimir Kramnik und Alexander Grischtschuk, auch der Aserbaidschaner Schachrijar Mamedscharow war eingeladen – warmspielen, ohne sich über viele lange Partien zu verausgaben. Karjakin wurde und hinter Vishy Anand und reist offenbar in guter Form nach Berlin.

Ab Samstag werde ich Ihnen hier die wichtigsten Partien und kritischen Momente aus dem Kühlhaus am Gleisdreieck präsentieren. Eintrittskarten für das 14rundige Turnier und ein Abo der mit Judit Polgar als Kommentatorin gibt es für Mitglieder des Deutschen Schachbunds um 25 Prozent verbilligt mit dem Code „FIDE2018CHESS“.

In das Kandidatenturnier vor zwei Jahren in Moskau startete Karjakin genau wie jetzt als 13. der Weltrangliste – damals mit 2760 Elo, heute sind es 2763. Die Entscheidung über den Turniersieg fiel damals in der Schlussrunde in der direkten Begegnung mit Caruana. Dank einer mehr erzielten Gewinnpartie reichte Karjakin auch ein Remis. Für die Initiative hatte er einen Bauern geopfert. Bei knapper Bedenkzeit deckte der Amerikaner hier mit Te5-e4 sowohl den angegriffenen Bauern b4 als auch dank des Angriffs auf den Turm indirekt seinen Läufer auf g2.

Sehen Sie, welchen coolen weißen Zug Caruana vor zwei Jahren nicht auf der Rechnung hatte und Karjakin damals zu Carlsens Herausforderer machte?


1 Lesermeinung

  1. Txd5 glaube ich
    1. Txd5 exd5 2. Dxd5
    Wenn 2… Dc7 dann 3. Dxh5 und 4. Dh7+ kann nicht gestoppt werden.
    Wenn 2.. f5 dann 3.Dd7+ Kf6 4. Td6+ Dxd6 5. Dxd6+ Kg7 aber hier sehe ich nichts mehr.

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