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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Funke kauft zu: Ein neues Medienhaus baut sich gewagt auf

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Die Funke-Gruppe ordnet ihre Geschäftsführung und will von den neuen Springer-Titeln lernen. Im Januar soll der Zukauf eingemeindet sein. Doch das Kartellamt dürfte das Geschäft länger prüfen.

Die Funke-Mediengruppe baut neu. Mitten in Essen will der Regionalzeitungsverlag in einen großen, runden Turm aus Glas einziehen. Bis dahin dauert es aber noch. Erst 2015 werden die tausend Mitarbeiter in den neuen Gebäudekomplex am Berliner Platz einziehen, der auf dem Entwurf recht futuristisch erscheint. Fest steht immerhin, wer den Neubau konzipiert: Das Wiener Architekturbüro „Alles wird gut“ soll seinem Namen gerecht werden.

Die Funke-Gruppe will aber mehr als einen Neubau, sie will zu einem führenden, nationalen Medienhaus aufsteigen. Dafür nimmt das Unternehmen, das früher WAZ-Gruppe nach ihrem Titel „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ hieß, einen hohen Kredit in die Hand. Zum Jahreswechsel soll das große Geschäft vollzogen werden, wenn Funke die Regionalzeitungen „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ sowie Programm- und Frauenzeitschriften wie „Hörzu“ von der Axel Springer AG eingemeindet. .

Einer für die Zeitungen, einer für die Zeitschriften, einer für das Geld

Für die neuen Aufgaben teilt sich die Konzerngeschäftsführung jetzt neu auf: Manfred Braun übernimmt die Zeitschriften, Christian Nienhaus die Regionalmedien sowie Druckereien und Logistik und Thomas Ziegler dann Personal, Finanzen und Dienstleistungen. Damit wechselt in erster Linie die Verantwortung der wichtigen nordrhein-westfälischen Zeitungen, die die Hälfte des bisherigen Gruppenumsatzes aufbringen, komplett auf Nienhaus. Bisher war Braun noch für die Redaktionen zuständig. In der Mitteilung des Verlages finden sich am Dienstag lobende Worte für Braun. „Ganz bewusst stärken wir den Zeitschriftenbereich“, sagt Klaus Schubries, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Dieser habe sich unter Brauns Führung zu einer tragenden Säule des Unternehmens entwickelt. „Wir wollen ihn unter seiner Verantwortung weiter ausbauen.“ Zu den Zeitschriften des Hauses gehören „Gong“, „Das goldene Blatt“ sowie „Ein Herz für Tiere“.

Vom vorherigen Lebensweg passt es jedenfalls, dass sich die beiden Manager Zeitschriften und Zeitungen aufteilen. Braun arbeitete früher an der Spitze des Bauer-Verlages, der zahlreiche Frauen- und Programmzeitschriften ausliefert. Nienhaus war für allerlei Zeitungen tätig, zuletzt als Verlagsgeschäftsführer für Springers „Bild“-Zeitung. Ziegler kam vor einem Jahr von der Metro-Gruppe und hat als Finanzchef die Strippen gezogen, um die Finanzierung für den großen Zukauf zu stemmen.

Das Kartellamt wird genau hinschauen

Im Moment müssen die Medienmanager in Essen und Berlin allerdings auf das Kartellamt warten – und das kann dauern. Erst am 10. September haben Springer und Funke ihren Antrag eingereicht. Das bestätigte das Kartellamt dieser Zeitung. Die Prüfung darf nach der gesetzlichen Frist bis zu vier Monaten dauern. Bis zum 1. Januar kann es mit der Erlaubnis der Behörde knapp werden. Das eingeleitete Hauptprüfverfahren kann sich bis zum 10. Januar hinziehen, wie das Kartellamt am Mittwoch ankündigte. Sicher ist, dass das Kartellamt den Fall intensiv prüft. In den Blickpunkt werden dabei die neuen Gemeinschaftsunternehmen geraten, die Springer und Funke gründen und betreiben wollen. Ein Gemeinschaftsunternehmen soll gemeinsame Anzeigen einwerben, das andere den Vertrieb übernehmen. Damit dürfte auf diesen Märkten weniger Wettbewerb entstehen, was Kartellbehörden generell nicht mögen.

Der Zukauf vom großen Springer-Konzern ist ein Befreiungsschlag für die Essener Manager, die bislang immer nur Stellenstreichungen und Sparrunden zu verkünden hatten. Zuletzt hat der Verlag mit der lange defizitären „Westfälischen Rundschau“ gar eine ganze Redaktion von mehr als hundert Mitarbeitern entlassen. Die Zeitung erscheint indes weiter – nur kommen die Inhalte jetzt von anderen Redaktionen des Hauses oder gar von der Konkurrenz. Funke trifft, dass die nationalen Anzeigenumsätze vieler Regionalzeitungen wesentlich zurückgehen.

Lernen von den profitablen Zukäufen

Die Funke-Gruppe erhofft sich von dem Zukauf auch, dass sich die bisherigen Medien den Erfolg der neuen Titel abschauen, ist in Unternehmenskreisen zu hören. Denn die Springer-Titel sind weitaus profitabler als das, was Funke an den Kiosk bringt. Die zugekauften Regionalzeitungen sowie die Programm- und Frauenzeitschriften kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 512,4 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von 94,8 Millionen Euro (Ebitda). Die Funke-Mediengruppe veröffentlicht zwar keine Zahlen, sie dürfte im vergangenen Jahr insgesamt aber einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro sowie ein operatives Ergebnis von etwa 100 Millionen Euro erzielt haben. Damit wäre der Essener Umsatz zwar doppelt so hoch, aber das Ergebnis fast gleich.

Zudem haben die Essener in den vergangenen Jahren stetig an Umsatz verloren. Dazu beigetragen hat das Mediengeschäft in Osteuropa, aus dem sich Funke fast vollständig zurückgezogen hat. Eigentlich sollte dies ein Wachstumsfeld werden, doch stattdessen hat es dem Konzern wohl Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe beschert

Die Funke-Mediengruppe rechnet nun damit, dass sie in etwa fünf Jahren ihre Ausgaben für den Zukauf der Zeitungen und Zeitschriften wieder eingespielt habt, heißt es in Unternehmenskreisen. Problematisch dürfte das werden, wenn Anzeigen der zugekauften Titel allzu sehr nachgeben. Insofern ist der Kauf auch mutig. In Essen glauben sie daran, dass ihr Neubau gelingt. Und das Kartellrisiko trägt im Übrigen Funke.

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1 Lesermeinung

  1. Was Buffet Recht war, könnte der WAZ-Gruppe billig sein.
    Old Warren kauft Zeitungen in USA im Dutzend auf – und denkt sich etwas dabei.
    Die WAZler haben schließlich ebenso ein Hirn zum Nachdenken – und werden es nutzen.

    Ohne Risiko geht natürlich auch die Erweiterung und Manifestation auf Print-Erzeugnisse nicht ab.
    Insgesamt bieten sie aber auch im Zeitalter des (verwanzten) Internet durchaus eine reale Chance, zumal Platzhirsche wie etwa Springer das Feld zu räumen scheinen.
    Nötig ist allerdings in jedem Falle strikte Rationalisierung und höchste Produktivität.

    Nachdem sich die Erkenntnis nach und nach durchsetzt, daß auch das Internet nur in Grenzen Freude bereitet und keineswegs den Segen der Menschheit verspricht – vielleicht sogar eher das Gegenteil -, könnte in der Tat just der rechte Zeitpunkt für ein ernstes Engagement im Druck sein.

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