Fazblog https://blogs.faz.net/ Fazblog - Blogs der FAZ Tue, 23 Apr 2019 08:03:49 +0200 de-DE hourly 1 Ungerecht und willkürlich https://blogs.faz.net/bierblog/?p=3954 https://blogs.faz.net/bierblog/?p=3954#comments Tue, 23 Apr 2019 08:03:19 +0200 Sebastian Mergel https://blogs.faz.net/bierblog/2019/04/23/%ef%bb%bfungerecht-und-willkuerlich-3954/ In Deutschland dürfen Brauer „besondere Biere“ auch mit Zutaten herstellen, die im Vorläufigen Biergesetz nicht aufgeführt sind – allerdings müssen sie behördlich genehmigt werden. Wie... Mehr

von Sebastian Mergel erschienen in Reinheitsgebot ein Blog von FAZ.NET.

Reinheitsgebot

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In Deutschland dürfen Brauer „besondere Biere“ auch mit Zutaten herstellen, die im Vorläufigen Biergesetz nicht aufgeführt sind – allerdings müssen sie behördlich genehmigt werden. Wie uneinheitlich dieses Verfahren allein in den Berliner Bezirken abläuft, schildert der Brauer Sebastian Mergel. Ein Gastbeitrag zum Tag des deutschen Biers.

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Welche Faktoren gewährleisten Biervielfalt im Rahmen der Gesetze?

Auf dem Parlamentarischen Abend 2016 des Deutschen Brauerbundes stellte nicht nur die Zunft der Brauer (vertreten durch Oliver Lemke), sondern auch die Bäckerinnung ihre Handwerkskünste vor. Ein Brotsommelier präsentierte kreative Köstlichkeiten. Mein persönliches Highlight war ein Graubrot mit Nüssen und Cranberries. Es schmeckte vorzüglich, und sowohl die Auswahl als auch die Menge der eingesetzten Zutaten zeugten von hoher handwerklicher Kunst und einem ausgeprägten Geschmacksbewusstsein. Es ist toll, dachte ich mir, dass die Bäcker ohne große Schwierigkeiten auch Zutaten jenseits von Wasser, Mehl und Hefe einsetzen können, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Wie schön wäre es, wenn auch die Brauer in Deutschland nach Herzenslust – natürlich im Rahmen des Lebensmittelgesetzes und im Rahmen einer leicht verständlichen, eindeutigen Deklarationspflicht – unter Zuhilfenahme aller erdenklichen Nüsse, Früchte oder Gewürze Biere brauen dürften. Bekanntlich ist es in Deutschland durchaus möglich, solche „besonderen Biere“ zu brauen. Aber einfach macht es einem der Gesetzgeber nicht. In unserem konkreten Fall hat es fast ein halbes Jahr gedauert und 250 Euro Bearbeitungsgebühr gekostet, bis unser Antrag, ein Maple Walnut Stout als „besonderes Bier“ brauen zu dürfen, genehmigt wurde – wenn auch nur unter Vorbehalt.

Betriebswirtschaftlicher Wahnsinn

In unserem Sudhaus der "Berliner Bierfabrik" können wir zehn Hektoliter brauen. Je höher die Stammwürze ist, desto geringer wird die Ausstoßmenge. Wenn ich also ein „besonderes Bier“ nur einmal braue, dann erhöhen sich die Kosten aufgrund der Bearbeitungsgebühr um mindestens 25 Cent pro Liter – ein betriebswirtschaftlicher Wahnsinn. Im Falle des Maple Walnut Stouts – beziehungsweise des Ahorn Walnuss Stouts, wie es jetzt auf Anordnung unseres Sachbearbeiters heißen soll – könnten wir zwar irgendwann Gewinne erzielen, aber nur, wenn wir es häufig genug brauen. Viele der sogenannten Craftbrauer brauen ihre „besonderen Biere“ allerdings nur einmal. Denn dann muss etwas Neues her. Der Markt scheint es so zu wollen.

Es muss sich etwas ändern. Wenn schon nicht das Vorläufige Biergesetz angefasst wird, in dem die erlaubten Zutaten zum Bierbrauen festgelegt sind, dann doch zumindest die Gebührenverordnung, die die Gebühren für die Genehmigung „besonderer Biere“ regelt. In unserem Fall ist das die „Verordnung über die Erhebung von Gebühren im Gesundheitlichen Verbraucherschutz des Landes Berlin“ vom 7. November 2017. Wir müssen handeln. Also handelten wir.

In jedem Bezirk wird es anders gehandhabt

Am 26. Oktober 2018 traf sich eine Handvoll Brauerinnen und Brauer zu einem Gedankenaustausch in einem Hinterzimmer des Restaurants Meisterstück in Berlin-Mitte. Es war eine äußerst heterogene Truppe: Männer und Frauen waren dabei, Deutsche und Ausländer – und sogar ein paar Berliner. Man traf sich zum gegenseitigen Austausch. Man wollte wissen, wie es in den anderen Bezirken aussieht: Wie wird es jenseits der eigenen Bezirksgrenzen mit den „besonderen Bieren“ gehandhabt?

Es bestätigte sich rasch, was man bis jetzt nur durch den Buschfunk vernommen hatte: In jedem Bezirk wird es etwas anders gehandhabt. Denn in jedem Bezirk sind andere Behörden zuständig. Bei uns ist es das Ordnungsamt Marzahn-Hellersdorf, Abteilung Wirtschaft, Straßen und Grünflächen. In manchen Bezirken interessiert es offenbar keine Behörde, was man so in seine Braukessel wirft. In anderen Bezirken reicht eine E-Mail samt formlosem Antrag, und der Brauer erhält wenig später die Genehmigung, zum Beispiel eine Gose mit Salz und Gewürzen zu brauen. In einem Bezirk wartete ein Brauer hingegen bereits seit über einem Monat auf die Genehmigung für ein Bier desselben Stils – einem Bierstil immerhin, der in Deutschland 1337 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Auch auf Nachfrage gab es zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen noch nicht einmal die Auskunft, ob der Antrag denn eingegangen sei und bereits bearbeitet werde.

"Eine Form von künstlerischer Zensur"

In einem südlichen Berliner Bezirk muss eine große Brauerei eine von einem unabhängigen Labor verfasste, sensorische Beschreibung samt umfangreichem und ganz und gar nicht formlosem Antrag bei der zuständigen Behörde einreichen. Dafür muss das Bier natürlich erst einmal gebraut werden – und das, obwohl es sich beim Vorläufigen Biergesetz um eine Verordnung zur Herstellung handelt. Es muss also zuerst ein Bier gebraut werden, bevor man die Genehmigung zur Herstellung erhält?!

Und wenn man die Genehmigung nicht erhält? Muss man die vielen Liter Bier dann in den Kanal laufen lassen? Föderalismus mag dem Zentralismus vorzuziehen sein. Föderalismus mag Demokratien stabilisieren. Föderalismus mag in vielen gesellschaftlichen Belangen für die Bürger ein glücklicher Umstand sein. Für die Brauer ist er es in diesem Fall nicht. Wenn nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern sogar zwischen den Bezirken einer Stadt Uneinigkeit herrscht, dann stimmt etwas nicht.

Und dann sollte gehandelt werden. Der US-amerikanische Brauereibesitzer Sam Calagione hat einmal gesagt: „After reading the history of the Reinheitsgebot, I felt in my heart that the regulation is nothing more than a form of art censorship.“ („Nachdem ich die Geschichte des Reinheitsgebotes gelesen hatte, fühlte ich, dass es sich dabei um nichts anderes als eine Form von künstlerischer Zensur handelt.“) Ich finde das sehr treffend.

Was wir uns wünschen

Uns geht es allerdings nicht darum, das Reinheitsgebot abzuschaffen. Doch meine Kollegen und ich wünschen uns, dass uns die freie Berufsausübung ermöglicht wird, dass wir nicht monatelang auf eine Genehmigung warten und keine absurd hohen Bearbeitungsgebühren zahlen müssen, die es betriebswirtschaftlich gesehen unmöglich machen, einen kreativen Kleinsud gewinnbringend zu produzieren.

Wir wünschen uns deshalb eine schnellere Bearbeitung der Anträge, wir wünschen eine Streichung der Bearbeitungsgebühren und wir wünschen uns einheitliche Vorgaben für die Genehmigung „besonderer Biere“. Denn so, wie es heute gehandhabt wird, ist es ungerecht und willkürlich. Das zeigt dieses Beispiel: In unserem Bezirk haben wir die Genehmigung erhalten, mit kanadischem Bio-Ahornsirup zu brauen. Einem anderen Brauer aus demselben Bezirk wurde es hingegen verboten, mit Honig zu brauen.

Dieser Artikel erschien zuerst in "Bier & Brauhaus" (Print und Online)

von <a href="https://blogs.faz.net/bierblog/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Reinheitsgebot ein Blog von FAZ.NET.

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Gibt es christliche Politik – und wenn ja, warum und wie viel? https://blogs.faz.net/essay/?p=2222 https://blogs.faz.net/essay/?p=2222#comments Mon, 22 Apr 2019 10:00:16 +0200 FAZ.NET- Politik https://blogs.faz.net/essay/2019/04/22/gibt-es-christliche-politik-und-wenn-ja-warum-und-wie-viel-2222/ Seit Anbeginn wendet sich das Christentum nicht an ein bestimmtes Volk, sondern an alle Menschen guten Willens: Auch in lebenspraktischen Fragen erhebt es einen universalistischen Anspruch. Handfeste... Mehr

von FAZ.NET- Politik erschienen in F.A.Z. Essay Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Essay Podcast

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Seit Anbeginn wendet sich das Christentum nicht an ein bestimmtes Volk, sondern an alle Menschen guten Willens: Auch in lebenspraktischen Fragen erhebt es einen universalistischen Anspruch. Handfeste politische Rezepte verbieten sich. Aber im Christentum wurzeln zahlreiche Gestaltungsgrundsätze, die zusammengenommen den Rang einer sozialethischen Grammatik für offene Gesellschaften verdienen. Ein Essay von Professor em. Dr. Dr. h. c. mult. Otfried Höffe.

Der Verfasser ist Leiter der Forschungsstelle Politische Philosophie an der Universität Tübingen. Daniel Deckers, Politikredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dort verantwortlich für das Ressort „Die Gegenwart“, trägt den Essay vor.

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Der Podcast F.A.Z. Essay widmet sich jede Woche aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen – und gibt ihnen mit geistreichen Beiträgen von Wissenschaftlern und Politikern Tiefe und Substanz. Mehr über die Geschichte hinter dem Podcast erfahren Sie hier.

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Musik hilft – gegen schlechte Laune, ein schwaches Immunsystem oder gegen Parkinson https://blogs.faz.net/gesundheit/?p=572 https://blogs.faz.net/gesundheit/?p=572#comments Sun, 21 Apr 2019 05:00:47 +0200 Lucia Schmidt https://blogs.faz.net/gesundheit/2019/04/21/musik-hilft-gegen-schlechte-laune-ein-schwaches-immunsystem-oder-gegen-parkinson-572/ Dank der Musik können sich Parkinson-Patienten plötzlich wieder geschmeidig bewegen, Kinder mit Autismus bauen Beziehungen auf. Und eigentlich jeder kann sein Immunsystem stärken – wenn er nur... Mehr

von Lucia Schmidt erschienen in F.A.Z. Gesundheit - der Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Gesundheit - der Podcast

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Dank der Musik können sich Parkinson-Patienten plötzlich wieder geschmeidig bewegen, Kinder mit Autismus bauen Beziehungen auf. Und eigentlich jeder kann sein Immunsystem stärken – wenn er nur morgens etwas singt und tanzt. Professor Stefan Kölsch von der Universität Bergen in Norwegen spricht im Podcast über die positive Wirkung von Musik in unserem Leben. 

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Weitere Beiträge aus unserem Gesundheitsressort finden Sie hier.

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Warum alte Geschichten gerade so beliebt sind https://blogs.faz.net/erklaeren/?p=292 https://blogs.faz.net/erklaeren/?p=292#comments Fri, 19 Apr 2019 07:20:08 +0200 F.A.Z. - Feuilleton https://blogs.faz.net/erklaeren/2019/04/19/warum-alte-geschichten-gerade-so-beliebt-sind-292/ Percy Jackson, „Das Magische Baumhaus“ und Co.: In vielen beliebten Kinder- und Jugendbüchern kommen jahrhundertealte Figuren vor. Ein Grund dafür liegt bei den Autoren, einer bei den Lesern... Mehr

von F.A.Z. - Feuilleton erschienen in Wie erkläre ich’s meinem Kind? ein Blog von FAZ.NET.

Wie erkläre ich’s meinem Kind?

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[caption id="attachment_291" align="alignleft" width="210"] Der Flammenvogel ist älter als „Harry Potter“: Phönix-Darstellung auf einem Holzschnitt von Conrad Gesner aus dem Jahr 1669.[/caption]

Percy Jackson, „Das Magische Baumhaus“ und Co.: In vielen beliebten Kinder- und Jugendbüchern kommen jahrhundertealte Figuren vor. Ein Grund dafür liegt bei den Autoren, einer bei den Lesern und einer bei den Käufern.

Von Tilman Spreckelsen

von <a href="https://blogs.faz.net/erklaeren/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Wie erkläre ich’s meinem Kind? ein Blog von FAZ.NET.

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Die Schlacht der Streaming-Anbieter https://blogs.faz.net/digitec/?p=356 https://blogs.faz.net/digitec/?p=356#comments Thu, 18 Apr 2019 16:08:20 +0200 Alexander Armbruster https://blogs.faz.net/digitec/2019/04/18/die-schlacht-der-streaming-anbieter-356/ Disney bläst zum Angriff auf Netflix und Amazon. Der traditionsreiche Unterhaltungskonzern ist dabei nicht der einzige neue Wettbewerber auf dem schnell wachsenden Markt. Welche Chancen hat er? Wie... Mehr

von Alexander Armbruster erschienen in F.A.Z. Digitec Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Digitec Podcast

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Disney bläst zum Angriff auf Netflix und Amazon. Der traditionsreiche Unterhaltungskonzern ist dabei nicht der einzige neue Wettbewerber auf dem schnell wachsenden Markt.

Welche Chancen hat er? Wie robust ist der Pionier Netflix eigentlich? Und wieso muss Reed Hastings Amazon und Apple vermutlich weniger fürchten als Disney?

Wenn Sie noch mehr wissen wollen über die technologischen Entwicklungen auf der Welt, möchten wir gerne auf unsere neue App "F.A.Z. Digitec" verweisen, die Sie hier finden:

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von <a href="https://blogs.faz.net/digitec/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in F.A.Z. Digitec Podcast ein Blog von FAZ.NET.

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Laura Karasek, wie wird man von der Wirtschaftsanwältin zur Schriftstellerin? https://blogs.faz.net/tresen/?p=317 https://blogs.faz.net/tresen/?p=317#comments Thu, 18 Apr 2019 15:20:10 +0200 Timo Steppat und Maria Wiesner https://blogs.faz.net/tresen/2019/04/18/laura-karasek-wie-wird-man-von-der-wirtschaftsanwaeltin-zur-schriftstellerin-317/ Foto: Helmut Fricke   Jedes zweite Wort musste Laura Karasek googeln, als sie in der Wirtschaftskanzlei anfing: „Das ist so eine Businesssprache: Ich habe einen All Nighter gemacht, der... Mehr

von Timo Steppat und Maria Wiesner erschienen in Am Tresen ein Blog von FAZ.NET.

Am Tresen

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Foto: Helmut Fricke

 

Jedes zweite Wort musste Laura Karasek googeln, als sie in der Wirtschaftskanzlei anfing: „Das ist so eine Businesssprache: Ich habe einen All Nighter gemacht, der Kickback läuft so und so.“ Da lernte sie die harten Arbeitszeiten der Branche kennen - und Kollegen, „die sehr gerne mal das Licht angelassen haben, das Jackett über dem Stuhl – und die so vorgegeben haben, bis 24 Uhr im Büro gewesen zu sein.” 

Vor wenigen Monaten hat die 1982 geborene Karasek ihren Job in der Kanzlei gekündigt und will sich jetzt auf das Schreiben von Büchern und eine neue Talkshow konzentrieren, die bald bei ZDFneo startet. „Es war auch ausgelöst durch den Tod meines Vaters, dass ich dachte: Deine Träume haben nicht ewig Zeit. Ich bin jetzt Mitte 30. Irgendwann ist es sonst zu spät. Jetzt schreibe ich meinen zweiten Roman.” 

Am Tresen eines Frankfurter Wasserhäuschens berichtet Karasek von der Kindheit mit einem prominenten Vater, Preisverleihungen mit den Backstreet Boys, davon, wie es war von Thomas Gottschalk von der Tanzschule abgeholt zu werden und wie es war, mit 13 die Diabetes-Diagnose zu bekommen („Ich habe erst mal angefangen zu rauchen.“) 

 

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Böhmermann gegen Merkel: Aufsehenerregend, aber aussichtslos https://blogs.faz.net/einspruch/?p=1850 https://blogs.faz.net/einspruch/?p=1850#comments Wed, 17 Apr 2019 16:55:15 +0200 Constantin van Lijnden und Hendrik Wieduwilt https://blogs.faz.net/einspruch/2019/04/17/boehmermann-gegen-merkel-aufsehenerregend-aber-aussichtslos-1850/ Herzlich Willkommen zur 70. Folge unseres F.A.Z. Einspruch Podcasts! Sie haben diesen Beitrag auf einem Mobilgerät aufgerufen und sehen den eingebetteten Podcast-Player nicht? Dann klicken Sie... Mehr

von Constantin van Lijnden und Hendrik Wieduwilt erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von FAZ.NET.

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Herzlich Willkommen zur 70. Folge unseres F.A.Z. Einspruch Podcasts!

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In der heutigen Sendung sprechen wir über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Wahlrechtsausschluss behinderter Menschen bei der Europawahl, die Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zum Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe, die Verabschiedung der Urheberrechtsrichtlinie und die deutsche Protokollerklärung, die Klage von Jan Böhmermann gegen Angela Merkel, das Auslieferungsverfahren gegen Julian Assange, ein ziemlich angestaubtes Urteil des BGH zur Obliegenheit von Rechtsanwälten, ihre Fristenkalender auszudrucken und zu einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Cannabiskonsum im Straßenverkehr.

Sehen Sie hier das gesamte Angebot von F.A.Z. Einspruch – Alles was Recht ist. Und schließen Sie hier ein kostenloses, vierwöchiges Probeabonnement ab.

 

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Die Kapitel:

03:58 BVerfG zu Wahlrechtsausschluss geistig behinderter Menschen

09:21 BVerfG Verhandlung zu Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe

15:00 Verabschiedung der Urheberrechtsrichtlinie und deutsche Protokollnotiz

28:03 Klage von Jan Böhmermann gegen Angela Merkel

42:21 Auslieferungsverfahren gegen Julian Assange

1:00:41 BGH zu Ausdruckobliegenheit zwecks Wiedereinsetzung

1:06:50 Bundesverwaltungsgericht zu Kiffen im Straßenverkehr

 

Die Links zu dieser Sendung: 

BVerfG zu Wahlrechtsausschluss geistig behinderter Menschen:

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-16/mit-einem-eilantrag-ans-ziel/234309.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-16/fuer-beteiligung/234205.html

BVerfG Verhandlung zu Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe:

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-17/das-recht-zu-sterben-gegen-die-pflicht-nicht-zu-toeten/234829.html

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wahlrecht-fuer-behinderte-demokratie-ist-keine-phrase-16143792.html

Verabschiedung der Urheberrechtsrichtlinie und deutsche Protokollnotiz:

https://einspruch.faz.net/einspruch-magazin/2019-04-17/was-die-protokollerklaerung-verspricht-und-was-sie-halten-kann/234911.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-16/die-chimaere/234269.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-16/fuers-protokoll/234267.html

Klage von Jan Böhmermann gegen Angela Merkel:

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-17/merkels-worte/234721.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-17/ein-witz/234609.html

Auslieferungsverfahren gegen Julian Assange:

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-12/zurueck-im-rampenlicht/232789.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-12/wikileaks-vor-gericht/232837.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-13/aktivist-journalist-hochverraeter/233237.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-13/von-der-trophaee-zum-quaelgeist/233261.html

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-13/stein-auf-stein/233253.html

BGH zu Ausdruckobliegenheit zwecks Wiedereinsetzung:

https://www.lto.de/recht/juristen/b/bgh-iii-zb-96-18-fristen-elektronischer-kalender-anwalt-organisationsverschulden/

Bundesverwaltungsgericht zu Kiffen im Straßenverkehr:

https://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2019-04-12/urteil-zum-fahren-nach-cannabis-konsum/232675.html

von <a href="https://blogs.faz.net/einspruch/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von FAZ.NET.

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Magnus zeigt Format https://blogs.faz.net/schachblog/?p=1671 https://blogs.faz.net/schachblog/?p=1671#comments Tue, 16 Apr 2019 12:55:06 +0200 Stefan Löffler https://blogs.faz.net/schachblog/2019/04/16/magnus-zeigt-format-1671/ Der Weltmeister kommt in großer Form zum Grenke Chess Classic, das am Karsamstag in Karlsruhe beginnt. Magnus Carlsen hat gerade im aserbaidschanischen Schamkir ein dem jung verstorbenen Wugar... Mehr

von Stefan Löffler erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

Berührt, geführt

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Der Weltmeister kommt in großer Form zum Grenke Chess Classic, das am Karsamstag in Karlsruhe beginnt. Magnus Carlsen hat gerade im aserbaidschanischen Schamkir ein dem jung verstorbenen Wugar Gaschimow gewidmetes Weltklasseturnier überlegen gewonnen. Zwei Punkte Vorsprung hatte er dort nach den neun Runden. Vor allem überzeugte Carlsens Schach. Wie er seine Gegner in den letzten drei Runden jeweils mit einem positionellen Bauernopfer überspielte, zeugt von ganz großer Klasse und von endlich gefundener Weltmeisterform.

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Carlsen - Giri (7. Runde) nach 17. f2-f4!

Die meisten hätten das thematische f2-f4 wohl mit einem Turmzug nach e1 oder mit 17. Kh1 vorbereitet. Carlsen schritt sofort zur Tat. Anish Giri wäre gut beraten gewesen, den Vorstoß des weißen f-Bauern mit 17. ... f5 zu verhindern, was zugleich den weißen Angriff auf e5 abwehrt. Doch er glaubte, sich mit 17. ... exf4 18. gxf4 Dxe3+ straflos am weißen e-Bauern bedienen zu können. Nach 19. Kh1 Td8 20. Tce1 Dc5 21. f5 hatte Weiß so starken Angriff, dass der Niederländer bald Material gab. Carlsen verpasste im späteren Verlauf zwar einen spektakuläreren Gewinnweg, aber sein Sieg stand nicht in Frage.

Tags darauf traf der Weltmeister auf seinen Herausforderer von 2016. Sergei Karjakin lag einen halben Punkt zurück und brauchte einen Sieg, um selbst Erster werden zu können. Wie schon im WM-Kampf gegen Caruana eröffnete Carlsen mit dem Sweschnikow-Sizilianer und brachte ein Bauernopfer, das er in ähnlicher Form schon im Januar in Wijk aan Zee gegen Jorden van Foreest anbrachte und dessen Motive wohl in seiner WM-Vorbereitung vorkamen.

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Karjakin - Carlsen (8. Runde) nach 20. ... 0-0!?

Den h-Bauern unangetastet zu lassen, bringt auch nichts, also 21. Lxh5 Se5 22. Le2 Dd7 23. Da4 Dc8 mit Spiel für Schwarz auf den weißen Feldern. Karjakin versuchte 24. c5 dxc5 25. Sxe4, doch nach 25. ... c4! war Carlsen am Drücker und führte die Partie eindrucksvoll zum siegreichen Ende.

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Carlsen - Grischtschuk (9. Runde) nach 29. Lc1-e3!

Während in Schamkir am letzten Tag alle Kollegen das Turnier abhaken wollten und mit schnellen Remis zufrieden waren, wollte Carlsen, der bereits als Turniersieger feststand, mehr. Käme Alexander Grischtschuk hier zu c5-c4, stünde Schwarz okay. Doch Carlsen opfert einen Bauern, um den schwarzen c-Bauern zu fesseln. Zudem hat er gesehen, dass ihm die Linienöffnung nützt. Nach 29. ... exf4 30. gxf4 Txe4 31. Lb1 Te7 32. Tfe1 drohte Weiß Lg6 nebst Lf2 und Matt auf e8. Das konnte Grischtschuk zwar abwehren, doch dann wurde er von Carlsen auf der d-Linie erledigt.

Voriges Jahr fragte sich Carlsen, warum er nicht besser spielte, obwohl er Schach doch inzwischen besser verstand als in den Jahren 2013 und 2014, als er die Konkurrenz beherrschte. Wahrscheinlich ist sein Selbstbewusstsein nun wieder da, wo es damals war, und sein höheres Verständnis kommt nun endlich zum Tragen. Schon in der ersten WM-Partie gegen Caruana agierte er zunächst so kraftvoll wie nun in Schamkir, warf aber in gegnerischer Zeitnot den gewinnverheißenden Vorteil weg. Danach hat er in London vorsichtiger gespielt, um nur ja seinen Titel zu verteidigen.

In Schamkir hat Carlsen eingelöst, was er schon länger von sich erwartet hat. Während der Pressekonferenz (Youtube) nach seinem obigen Sieg gegen Karjakin verglich er sich mit 2014: "Ich glaube, es gibt definitiv einen Unterschied im Stil. Ich spiele sicherlich anderes als damals. Ich denke, ich weiß heute viel mehr über Schach als vor fünf Jahren. Ich hatte damals ein höheres Rating, was diese Aussage nicht zwingend nahelegt, aber ich fühle, dass ich mehr weiß, dass ich mehr kann, dass ich mehr Optionen habe. Ich habe ein weiteres Arsenal an Waffen im Vergleich zu damals." (Übersetzung Chess24)

Beim Grenke Chess Classic trifft er erstmals wieder auf Caruana, aber auch auf Vachier-Lagrave, Aronjan, Anand und das deutsche Talent Vincent Keymer. Bei den Runden am Osterwochenende in der Karlsruher Schwarzwaldhalle wird er so viel Gesellschaft haben wie noch nie. An die 2000 Spieler treten in den gleichzeitig stattfindenden Opens an. Ein so teilnehmerstarkes, mehrtägiges Schachfestival gab es noch nie.

von <a href="https://blogs.faz.net/schachblog/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

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https://blogs.faz.net/schachblog/2019/04/16/magnus-zeigt-format-1671/feed/ 0
Plötzlich Hausmann https://blogs.faz.net/schlaflos/?p=1211 https://blogs.faz.net/schlaflos/?p=1211#comments Tue, 16 Apr 2019 11:43:02 +0200 Janosch Niebuhr https://blogs.faz.net/schlaflos/2019/04/16/ploetzlich-hausmann-1211/ Einer hält die Fäden in der Hand, aber der andere macht ja auch seinen Teil – so sehen es die meisten Eltern. Der Rollentausch mit seiner Frau hat unserem Autor die Augen geöffnet. Mehr

von Janosch Niebuhr erschienen in Schlaflos ein Blog von FAZ.NET.

Schlaflos

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[caption id="attachment_1235" align="aligncenter" width="1200"] Vorlesen ist der nette Teil: Zum Vatersein gehört sehr viel mehr, wenn die Mutter der Kinder nicht den Chefposten innehat.[/caption]

Umbesetzungen sind in jeder Film- oder Theaterproduktion eine knifflige Sache. Das Zusammenspiel der Akteure muss neu geübt, die noch unbekannte Rolle verinnerlicht werden, der Text, die Übergänge. Selbst wenn die Rollen klar beschrieben sind – jeder füllt sie anders. Und manche Zuschauer müssen sich an das neue Gesicht gewöhnen. In unserer Familien-Soap haben wir jetzt eine radikale Umbesetzung: Meine Frau ist jetzt voll berufstätig, von Montag bis Freitag, von morgens bis abends weg, manchmal auch am Wochenende – und ich spiele vor allem die Rolle des Majordomus und Pater familias, vulgo: Ich muss zusehen, dass der Laden zuhause läuft, die Kinder nicht nur Reiswaffeln essen, wir nicht vermüllen und das richtige Kind zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt. Wenn das geschafft ist, darf ich arbeiten (sic!). Ich weiß: Andere machen das mit links. Oder sind alleinerziehend, voll berufstätig und müssen das alles ohne viel Bohei hinkriegen.

Aber ich habe Angst. Und das aus gutem Grund. Meine Frau und ich haben uns die Familien- und Haushaltsaufgaben bisher fair geteilt. Habe ich immer so geglaubt. So würde ich das zumindest bis vor kurzem beschrieben haben. Rückblickend weiß ich: Das hat nicht gestimmt. Sprache ist auch da verräterisch. Mein „Komm, ich helf dir bei der Vorbereitung des Kindergeburtstags (oder mit dem Termin für den Kinderarzt oder mit der Wäsche)“ war ja nichts anderes als das Eingeständnis, dass ich nicht zur regulären Besetzung gehöre. (Weshalb ich auf meine so freundlich gemeinten Hilfsangebote auch so selten ein ebenso freundliches Feedback bekam). Seien wir, jetzt da ich die Wahrheit kenne, mal ehrlich: Meistens gibt es in Familien keine gemeinsame Verantwortungsübernahme – einer oder eine hat die Chefkappe auf. Und die ist gleichzeitig die Dienstbotenmütze. Der oder die andere spielt dagegen das, was im Abspann von manchen amerikanischen Filmen oder Serien als „guest star“ oder „guest character“ erwähnt wird. „Ein Gastdarsteller ist ein Darsteller, der nur in wenigen Episoden oder Szenen wirkt. Im Gegensatz zu regulären Charakteren müssen die Gastdarsteller nicht mit allen ihren Auswirkungen sorgfältig in die Handlung integriert werden: Sie erzeugen ein Stück Drama und verschwinden dann ohne Folgen für die Erzählstruktur.“ (So die Übersetzung aus dem entsprechenden englischsprachigen Wikipedia-Artikel.)

Das bedeutet aber nicht, dass ich mich bisher haushalts- oder familientechnisch ausgeruht hätte. Es ist nur eben etwas ganz anderes, ob ich Kind 3 (weisungsgemäß) bei ihrer Freundin abliefere und wieder abhole – oder ob ich mit der Mutter der Freundin eine Woche vorher einen Termin abstimmen und die Frage von Ort und Logistik klären muss. Überhaupt ist das im Moment mein größter Horror: Plötzlich mit so vielen Menschen in Beziehung treten zu müssen, die ich bisher mit einem „Ja, ja, die lieben Kinder“-Lächeln abspeisen konnte oder bestenfalls mit zwei, drei Floskeln über das Wetter.

Ein erster Schritt, sozusagen das Propädeutikum für die neue Rolle, ist das Namenlernen. Wer spielt überhaupt mit? Wie heißen die anderen Kinder in der Kindergartengruppe unsere Jüngsten? Wer geht (seit vier Jahren!) in die gleiche Klasse wie unsere Mittlere? Wer ist bei der Ältesten dabei? (Fortgeschrittene merken sich dann auch gleich die Vornamen der Eltern, zumindest der Eltern der besten Freundinnen, aber so weit bin ich noch nicht. Noch lange nicht.)

Zugegeben: Es ist mühsam, all diese vielen Menschen nachträglich abzuspeichern. Und es ist peinlich, wenn ich dem eigenen Kind in der Kita-Garderobe meine Fragen zuflüstern muss: „Wie heißt das Mädchen da drüben?“, „Wie heißt die Erzieherin, die immer nur freitags kommt?“, „Wer ist das nochmal, der gern zu uns zum Spielen kommen möchte?“ Und es ist einigermaßen demütigend, wenn andere Eltern meine Tochter ganz selbstverständlich mit Namen begrüßen. (Diese elenden Streber!) Aber jeder gelernte Name ist ein kleiner Sieg.

Leider habe ich keine Einarbeitungszeit für meine neue Rolle, das heißt die Umbesetzung findet bei laufender Produktion statt. Praktisch bedeutet das, ich muss jetzt schon hochkomplexe Organisations- und Logistikentscheidungen treffen („Kann die Mutter von Mitschülerin X nächste Woche Tochter 2 nach Hause bringen, während ich Tochter 3 zum Klavierunterricht bringe und Tochter 1 mit ihren Freundinnen bei uns zuhause Muffins backt?“), dabei ständig Kosten, Nutzen und Risiken abwägen („Soll ich wirklich vier pubertierenden Mädchen unsere Küche unbeaufsichtigt überlassen? Wer putzt? Was zahlt die Versicherung?“) und gleichzeitig immer noch die Basisqualifikationen für meine neue Rolle erwerben („Wo ist die verdammte Telefonnummer von dieser Mutter?“).

Natürlich gibt es bei solchen Umbesetzungen, sagen wir mal: Friktionen. Mails von Klassenlehrern, die auf eine Rückmeldung oder die Überweisung für die Klassenkasse warten; Whatsapp-Anfragen von anderen Eltern, ob es bei der Verabredung der Kinder bleibt (Welche Verabredung um Himmels willen?!); enttäuschte Gesichter beim Abendessen, weil es wieder nur Käsebrote gibt statt der angekündigten Pizza; Möbeloberflächen, auf deren Staubschicht man ganze Kolumnen schreiben könnte; Fußböden und Teppiche, auf denen genug Anzuchterde liegt, um Kresse darauf zu säen; Wäscheberge, die Zimmer in Mittelgebirge verwandeln; Einkaufs-, Besorgungs-, Reparatur- und sonstige To-Do-Listen, bei denen seltsamerweise immer wieder die Haken verschwinden, die ich schon gemacht habe. Friktionen eben.

Aber im Großen und Ganzen zeigen sich meine Mitspielerinnen bisher sehr geduldig. Was man von mir nicht unbedingt behaupten kann: Tatsächlich habe ich in dieser Umbesetzungsphase eine gewisse Dünnhäutigkeit entwickelt, die sich vor allem in einer sehr rigiden Nulltoleranzpolitik äußert. Irgendwo fallen- oder liegengelassene Kleidungsstücke der Kinder zum Beispiel werden von mir jetzt zeitnah und kommentarreich an die Verursacher zurückgeliefert. Das nervt zwar die Empfänger, hilft aber meinem seelischen Gleichgewicht in dieser schwierigen Umbruchzeit. (Außerdem verhindert ja nach der Broken-Windows-Theorie ein frühzeitiges Einschreiten gegen erste Anzeichen der Verwahrlosung und Desorganisiertheit möglicherweise Schlimmeres.)

Nüchtern betrachtet bin ich jetzt Supply Chain Manager in der Probezeit und pfeife mir die notwendigen Soft Skills gerade in einer Art Crash-Kurs rein. Das klingt anstrengend – und ist es auch. (Das wissen längst alle Eltern, die nicht nur Gastrollen im Familienleben haben.)

Aber, ja, es gibt auch die Hochgefühle der neuen Rolle. Das Wissen, tatsächlich zur Stammbesetzung zu gehören – und nicht nur ein Gaststar zu sein. Wirklich teilhaben zu dürfen am Leben der Kinder zum Beispiel, die Namen zu kennen, die in ihrem Leben bedeutsam sind. Und nicht nur abends „Guten Abend, gute Nacht“ zu singen und an Geburtstagen den Pausenclown zu machen.

Vor einiger Zeit brachte ich unsere Mittlere wieder zu einem Kindergeburtstag. Der Vater des Geburtstagskinds begrüßte sie mit den Worten: „Oh hallo, schön, dass du da bist. Herzlich willkommen!“ Da wusste ich, dass uns ein Gaststar die Tür aufgemacht hatte – und nicht einer von der Stammbesetzung.

von <a href="https://blogs.faz.net/schlaflos/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Schlaflos ein Blog von FAZ.NET.

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Länger sitzen im privaten Knast https://blogs.faz.net/fazit/?p=10663 https://blogs.faz.net/fazit/?p=10663#comments Tue, 16 Apr 2019 10:03:45 +0200 Patrick Welter https://blogs.faz.net/fazit/2019/04/16/laenger-sitzen-im-privaten-knast-10663/ In Amerika sind viele Gefängnisse in privater Hand. Für die Häftlinge ist das nicht von Vorteil. Das Angebot schafft sich seine Nachfrage. Mehr

von Patrick Welter erschienen in Fazit - das Wirtschaftsblog ein Blog von FAZ.NET.

Fazit - das Wirtschaftsblog

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In Amerika sind viele Gefängnisse in privater Hand. Für die Häftlinge ist das nicht von Vorteil. Das Angebot schafft sich seine Nachfrage. 

Iudex non calculat, der Richter rechnet nicht. So ist es aus dem römischen Recht überliefert. Was aber ist damit gemeint? Zyniker lesen daraus eine Abneigung der juristischen Profession gegen das scheinbar schnöde Wirtschaftliche. Eine gängigere Interpretation der Floskel verweist darauf, dass Rechenfehler in einem Urteil jederzeit vom Gericht zu korrigieren seien und der Richter deshalb keine Rechenkünste brauche.

Der Spruch gilt auch als Hinweis, dass Gerichtsurteile mathematisch exakt nicht zu begründen seien und von der wertenden Einschätzung des Richters lebten. Nirgends wird das deutlicher als im Richterrecht angelsächsischer Prägung, in dem die Richter beim Entscheid über Schuld und Sühne viel Spielraum auch für Erwägungen außerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens haben.

Ein solcher Einflussfaktor außerhalb des Rechtsrahmens könnte die Existenz privater Gefängnisse sein. Das ist in den Vereinigten Staaten ein heißes Thema. Seitdem Mitte der achtziger Jahre private Gefängnisse aufkamen, hält sich der Verdacht, dass Gefängnisse als Geschäftsmodell zum rasanten Zuwachs der Gefängnisinsassen in Amerika beigetragen haben. Die Zahl der Einsitzenden hat sich seit 1985 ungefähr verdoppelt und ist damit weit stärker gewachsen als die Bevölkerung. Die Mutmaßung, dass die Existenz privater Gefängnisse damit zu tun hat, ist auf den ersten Blick nicht von der Hand zu weisen. Private Gefängnisbetreiber wollen Gewinn erzielen und haben ein Interesse daran, dass es mehr Gefangene gibt und dass diese länger einsitzen.

Privatisierung im Krieg gegen Drogen

Aber lässt sich diese Vermutung in der Realität nachweisen? Die Ökonomen Christian Dippel und Michael Poyker haben sich auf die Suche gemacht, und das heißt in diesem Fall, Statistiken und Daten zu bemühen. Die Genese der privaten Gefängnisse in den Vereinigten Staaten deutet zunächst auf einen anderen Zusammenhang hin. Private Gefängnisse dienten danach der Lösung eines Problems: Mit dem „Krieg gegen die Drogen“, den der amerikanische Präsident Richard Nixon im Jahr 1971 ausrief, stieg die Zahl der Häftlinge rapide an. Überfüllte Gefängnisse und immer höhere Kosten belasteten die Regierungen auf allen staatlichen Ebenen. Deshalb erschienen private Gefängnisse als praktischer Ausweg, weil die Anbieter versprachen, Gefangene kostengünstiger wegzuschließen.

Die Logik ist die gleiche wie bei der Privatisierung anderer öffentlicher Leistungen, die früher von staatlichen Bürokratien im Monopol erbracht wurden. Man denke an Telefonate, den Versand von Briefen oder die Fahrt mit der Eisenbahn. All diese Dienstleistungen wurden billiger und besser. Der Markt für private Gefängnisse wird in Amerika heute mit etwa fünf Milliarden Dollar beziffert. Rund sechs Prozent der Häftlinge auf der Ebene der Bundesstaaten und 16 Prozent der Gefangenen auf Bundesebene werden privatwirtschaftlich betreut.

Hat der Einzug der Privatwirtschaft in den Strafvollzug die Zahl der Gefangenen erhöht? Dippel und Poyker untersuchten Strafurteile mehrerer Jahrzehnte aus 13 Bundesstaaten genauer: aus 252 Landkreisen, die an den jeweiligen Staatengrenzen liegen. Diese geographische Beschränkung ist wichtig, weil sie direkte Vergleiche über die Staatsgrenze hinweg ermöglicht.

Das Angebot schafft sich seine Nachfrage 

Die ökonometrischen Tests zeigen zunächst, dass das Angebot privater Gefängnisse keinen oder nur geringen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, verurteilt zu werden. Signifikant und recht robust ist ein anderes Ergebnis: Je mehr private Gefängnisse in einem Bundesstaat vorhanden sind, desto länger fallen die Gefängnisstrafen aus. Konkret heißt das: Verdoppelt sich die Kapazität der privaten Gefängnisse, steigt die Länge der Haftstrafen um 1,3 Prozent oder 23 Tage. Das ist ein kleiner Effekt, der sich für den einzelnen Gefangenen dennoch sehr negativ auswirken kann. Der Zusammenhang scheint nach der Studie unabhängig vom Alter oder von der Rasse der Angeklagten zu sein. Der oft gehörte Vorwurf, private Gefängnisse benachteiligten schwarze Amerikaner, träfe demnach nicht zu.

Spannend ist die Frage nach dem Warum. Wie kommt es, dass mit der Zahl der privaten Gefängnisse die Länge der Haftstrafen steigt? Die beiden Ökonomen bieten drei mögliche Erklärungen an. Erstens könnten die Anbieter privater Gefängnisse versuchen, mit Geschenken oder Lobbyarbeit die Abgeordneten zu beeinflussen, höhere Haftstrafen gesetzlich festzuschreiben. Die Testmethode in der Studie lasse es nicht zu, diesen möglichen Einfluss zu untersuchen, schreiben die Autoren. Schade!

Zweitens könnten Gefängnisunternehmen versuchen, die Richter in Richtung längerer Haftstrafen zu beeinflussen. Geschenke oder auch Spenden im Wahlkampf könnten die Ohren der Richter für Einflüsterungen weiten, denn in manchen Bundesstaaten werden die Richter nicht von Staats wegen ernannt, sondern von der Bevölkerung gewählt. Solche Einflussnahme sollte sich besonders dann zeigen, wenn die Richter zur Wiederwahl anstehen und sich dieser Umstand in längeren oder mehr Haftstrafen niederschlägt. Die von Dippel und Poyker untersuchten Daten stützen diese Vermutung allerdings nicht.

Rechnen Richter doch?

So bleibt als dritter möglicher Grund für das Phänomen, dass die wirtschaftliche Rationalität zu ihrem Recht kommt. Die Kosten der Inhaftierung sind in privaten Gefängnissen üblicherweise niedriger, zumal manche Bundesstaaten den Anbietern vorschreiben, dass die Kosten pro Gefangenen niedriger als in staatlichen Gefängnissen liegen müssen. Kentucky, Mississippi und Texas verpflichten die Anbieter privater Gefängnisse etwa, dass sie zehn Prozent billiger sein müssen als die öffentliche Konkurrenz. Dem Bundesstaat Tennessee reichen schon fünf Prozent weniger.

Diese wirtschaftliche Komponente erweist sich in den Tests der Autoren als das wahrscheinlichste Argument, um den Zusammenhang zwischen privaten Gefängnissen und der Haftdauer zu erklären. Die Analyse deutet darauf hin, dass die Strafrichter Rücksicht auf die begrenzte Finanzkraft der Bundesstaaten nehmen und kürzere Haftstrafen verhängen, wenn weniger kostengünstigere private Gefängnisse zur Verfügung stehen. Ein endgültiger Beleg sind die statistisch-ökonometrischen Tests natürlich nicht. Doch es sieht fast so aus, als ob amerikanische Strafrichter doch rechnen.

Christian Dippel, Michael Poyker: Do Private Prisons Affect Criminal Sentencing? NBER Working Paper Nr. 25715, National Bureau of Economic Research, März 2019.

Christian Dippel, Michael Poyker: How Common Are Electoral Cycles in Criminal Sentencing? NBER Working Paper Nr. 25716, National Bureau of Economic Research, März 2019.

Der Text erschien als „Sonntagsökonom” am 14. April in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Der Autor auf Twitter und  Facebook.

von <a href="https://blogs.faz.net/fazit/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Fazit - das Wirtschaftsblog ein Blog von FAZ.NET.

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Laufstilwechsel – von der Hacke an die Spitze https://blogs.faz.net/nilslaeuft/?p=1894 https://blogs.faz.net/nilslaeuft/?p=1894#comments Tue, 16 Apr 2019 10:00:53 +0200 Nils Thies https://blogs.faz.net/nilslaeuft/2019/04/16/laufstilwechsel-1894/ Wer falsch läuft, schadet. Dabei lässt sich die Belastung leicht verringern und der Laufspaß erhöhen. Zeit für einen Laufstilwechsel. Mehr

von Nils Thies erschienen in #Nilsläuft ein Blog von FAZ.NET.

#Nilsläuft

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Wer falsch läuft, schadet seinem Körper. Dabei lässt sich die Belastung einfach verringern und der Laufspaß erhöhen. Zeit für den Laufstilwechsel.

Läufer mit gutem Laufstil
Guter Lauf über den Mittelfuß. Der Schwerpunkt liegt unter dem Körper. Der Oberkörper bleibt aufrecht.

Als ich vor etwa zwei Jahren begann auf dem Vorfuß zu laufen, dachte ich, dass ich diesen für mich neuen Laufstil innerhalb von ein paar Wochen gelernt hätte. Doch ich irrte. Selbst während meines Ironmans im vergangenen Jahr hatte ich noch Zweifel, ob ich den Marathon auf diese Art schaffen würde. Aber es lief. Und, es läuft immer noch - besser als je zuvor.

Mein Laufstilwechsel war zwar etwas zu schnell, zumindest in den ersten Wochen, aber eine sehr gute Entscheidung. Bei einem Trainingslauf entschloss ich mich zu wechseln. Ich wollte es einfach ausprobieren. Wie ein guter Laufstil aussehen sollte, hatte ich während eines Vortrages gesehen, bei dem es um das Barfußlaufen ging. Der Trainer zeigte Videos verschiedener Laufstile während eines Marathons. Fersenlauf gegen Ballenlauf, bzw. Mittelfußlauf, wobei der Unterscheid ziemlich deutlich war. Die Vorfußläufer sahen sichtlich dynamischer aus als die „Marathonies" mit dem Stechschritt.

Er erklärte, dass wir natürlicherweise auf dem Vorfuß laufen. Wer barfuß läuft, macht das ganz automatisch. Also probierte ich es auf meiner Trainingsrunde (aber erstmal mit Schuhen) aus. Dabei wechselte ich von der Ferse auf den Ballen. Da merkte ich erst, wieviel Aufprallenergie in einem Schritt steckt, obwohl die Schuhe schon sehr viel abfangen. Das war ein richtiger Bumms – im Gegensatz zum leichten Aufkommen mit dem Vorfuß. Und ich bin noch ein ziemlich leichter Läufer. Was müssen dann erst die Gelenke schwerer Menschen aushalten? Derartig zu laufen machte mir so viel Spaß, dass ich den neuen Stil gleich den Rest der Strecke beibehielt.

Die nächsten Trainingsläufe verliefen ähnlich, bis ich dauerhafte Schmerzen in Schienbeinen und Waden bekam. Das war zu schnell für die noch schwachen Muskeln. Also verringerte ich meine Trainingsbelastung, schwamm stattdessen und fuhr Rad. Außerdem duschte ich die Beine nach dem Läufen kalt ab. Mit Erfolg. Mittlerweile sind lange Trainingsläufe und auch Wettkämpfe wie die 42 Ironman-Kilometer kein Problem mehr. Im Gegenteil.

Vorfußlaufen
Schneller Laufstil mit Landung auf dem Vorfuß und weitem Schritt nach hinten.

Durch den neuen Laufstil bin ich zugegebenermaßen etwas langsamer (das ist dann eher Mittelfußlauf), aber beständiger unterwegs. Die Schnelligkeit kommt langsam. Meine Füße kommen nun wesentlich weiter unter dem Körper auf, denn der Schwerpunkt hat sich verschoben. Das sieht man auf den Bildern ganz gut. Während die Hacken auf dem einen Bild sprichwörtlich in den Teer hauen, kann man eine flüssigere Bewegung beim Vorfußlauf erkennen.

Außerdem mache ich nun auch mehr kleine Schritte, was die Aufprallenergie weiter verringert. Bergauf- und bergablaufen fällt mir nun auch deutlich leichter und Knieschmerzen sind passé. Man fühlt sich leicht. Und das ist nicht nur auf kurzen Strecken der Fall. Von langen Trainingsläufen komme ich wesentlich frischer zurück, was die Gelenke angeht. Da zwickt nichts mehr.

Mit dem Laufstilwechsel und seiner Weiterentwicklung, die noch andauert, wurde aber auch der Spaßfaktor größer. Auf einmal quälte ich mich nicht mehr, sondern rannte befreit auf. Okay, nicht jeder Lauf wird dadurch schön, aber das Gros der Kilometer wird leichter. Das kann beispielsweise bei den 320 Kilometern WiBoLT (Wiesbaden-Bonn-Landschafts-Trail, ab 19.06.2019) sehr viel ausmachen.

Ich kann den Laufstilwechsel allen empfehlen, die das Gefühl haben, irgendwie nicht richtig in Schwung zu kommen oder Schmerzen haben. Nimm dir ein Bisschen Zeit auf deiner normalen Runde und such dir ein scherbenfreies Rasenstück. Vielleicht ist ja auch ein Sportplatz in der Nähe. Zieh die Schuhe aus und gehe ein Stück barfuss. Steigere die Geschwindigkeit und werde schneller. Irgendwann fühlt sich der Fersenlauf nicht mehr richtig an. Achte auf den natürlichen Drang zum Vorfußlaufen und spüre die Veränderung im Aufprall. Wechsel zurück in der Fersenlauf und versuche andere Untergründe.

Unvorteilhafter Fersenlauf
Schlechter Laufstil mit Hackenlauf. Der Schwerpunkt liegt vor dem Körper

Am Anfang wirst du eher zu weit vorne auf dem Ballen landen, gerade auf harten Böden. Das fühlt sich unbeholfen an, gibt sich aber mit der Zeit. Du kannst nun immer wieder ein Stück in deine Trainingsrunde integrieren. Auch mit Schuhen. Erst hundert Meter, dann mehr. Mal einen Kilometer und dann mal sehen wie es läuft. Und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann Du ganz umsteigst. Besonders schwere Läufer werden nach dem Wechsel eine deutliche Erleichterung spüren.

Ich will den Vor- bzw. Mittelfußlauf nicht als Krönung des Laufens bezeichnen, aber es gibt viele Argumente für einen Wechsel. Wer das langsam hinbekommt, wird schon bald die Vorzüge dieses Laufstils spüren. Es dauert seine Zeit und du bist anfangs auch nicht schneller, aber die Beine danken es Dir bestimmt. Klar rennen viele Läufer und Läuferinnen auch auf der Ferse ins Ziel, aber mit jedem Bumms schaden wir unseren Gelenken. Wenn man das mal auf lange Zeit betrachtet, finde ich es logisch, dass viele fersenlaufende „Marathonies" mit Schmerzen kämpfen und die Knie schmerzen. Überlastung und falscher Laufstil rächen sich irgendwann. Wenn Du davon noch nicht überzeugt bist, dann schaue dir gerne die besten Läuferinnen und Läufer dieser Welt an. Rate mal welchen Laufstil die drauf haben.

Wenn du noch Fragen oder Anmerkungen zum Laufstilwechsel hast, melde dich gern über das Kommentarfeld oder Instagram (Nils_laeuft) oder per Mail (nilsthies@gmx.de).

von <a href="https://blogs.faz.net/nilslaeuft/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in #Nilsläuft ein Blog von FAZ.NET.

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https://blogs.faz.net/nilslaeuft/2019/04/16/laufstilwechsel-1894/feed/ 0
Leben in der Riesen-WG https://blogs.faz.net/blogseminar/?p=7601 https://blogs.faz.net/blogseminar/?p=7601#comments Mon, 15 Apr 2019 15:48:40 +0200 Philipp Frohn https://blogs.faz.net/blogseminar/leben-in-der-riesen-wg/ Dreißig Prozent der Studenten leben in einer WG. In Wuppertal gibt es eine besonders ungewöhnliche. 22 Leute bevölkern eine umgebaute Fabrikhalle. Man muss es mögen, sagt einer der... Mehr

von Philipp Frohn erschienen in Blogseminar ein Blog von FAZ.NET.

Blogseminar

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Dreißig Prozent der Studenten leben in einer WG. In Wuppertal gibt es eine besonders ungewöhnliche. 22 Leute bevölkern eine umgebaute Fabrikhalle. Man muss es mögen, sagt einer der Gründer.

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Die Wuppertaler WG ist eine Dauer-Baustelle: Momentan werkeln die Bewohner an einer 70 Quadratmeter großen Dachterrasse.

Die Wohnung von Marc Bruch ist alles andere als normal. Sie ist groß – sehr groß. Über stolze 1140 Quadratmeter erstreckt sich sein Reich, hat sieben Bade- und mehrere Wohnzimmer. Dass dort mal Menschen leben, darauf war die Immobilie ursprünglich nicht ausgerichtet – und blickt auf eine wandlungsreiche Geschichte zurück. Vor rund 70 Jahren als Marmeladenfabrik zur Produktion von Frühstückskonfitüre im nordrhein-westfälischen Wuppertal erbaut, diente die industrielle Kulisse zwischenzeitlich als Büro- und Lagerfläche. Allein nutzt Bruch die riesige Fabrikhalle aber nicht. Läuft man die langen Flure des beinahe an ein Labyrinth erinnernden Komplexes entlang, stößt man auf diverse verschlossene Türen. Wie 30 Prozent der Studierenden wohnt er in einer Wohngemeinschaft. Während die meisten zu dritt oder viert eine Wohnung mieten, herrscht in Bruchs Wohngemeinschaft stets reges Treiben. 22 Menschen haben dort ihr Zuhause.

Langweilig wird es nie, so der frühere Student, wenn so viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen.  „Wenn man will, muss man nicht mehr viel Kontakt zur Außenwelt haben“, sagt er. Wer in einer Wohngemeinschaft lebt, sucht in der Regel nicht einfach einen Platz zum Schlafen, eine rein zweckmäßige Unterkunft, sondern will dort auch Freundschaften knüpfen und mit anderen eine gute Zeit verbringen. So auch der 31-Jährige, der sich selbst als Gesellschaftsmensch bezeichnet. Genau das war auch ein Hintergedanke bei der Planung, der ihm und seinem Freund Lars Roth vorschwebte. Schon damals lebten die beiden in einer Wohngemeinschaft, genossen das Gefühl ständiger Interaktion. Doch sie träumten von einem größeren, Loft-artigen Zuhause. Der Wuppertaler Immobilienmarkt gab allerdings nichts her, was die Ansprüche der beiden Studenten hätte befriedigen können. Dann stießen sie auf die alte Fabrikhalle im Stadtteil Steinbeck und erkannten schnell: Hier müssen ordentlich Schweiß und Geld fließen, bevor das Ganze bewohnbar wird.

Sieben Jahre und 200.000 Euro später blickt das Gebäude auf eine Generalüberholung zurück, größtenteils selbst durchgeführt, betont Bruch. Das Geld stammt von Freunden und Bekannten, die von der Idee der Riesen-WG überzeugt waren, aber auch viele Kleinkredite in Höhe von 5000 bis 10.000 Euro mussten aufgetan werden.

Keine hippieske Kommune

Lars Roth und Marc Bruch (rechts)

Der Wunsch von Bruch und Mitgründer Roth nach einem Ort für Begegnungen ist Realität geworden. Wie hoch der Stellenwert des gemeinschaftlichen Gedankens ist, zeigt bereits die Aufteilung der Wohnfläche. Mit 600 Quadratmetern besteht mehr als die Hälfte der Wohnfläche aus Gemeinschaftsräumlichkeiten. Allein eine der beiden Küchen ist mit 70 Quadratmetern so groß wie so manche Wohnung – und bietet ebenso wie die entstehende Dachterrasse mit dem Ausblick aufs bergische Wuppertal ein besonderes Panorama. Das Herz des Anwesens ist die gigantische Halle. Acht Meter hohe Decken, 150 Quadratmeter Fläche und eine verglaste Dachfront erwecken tatsächlich Loft-Feeling. Billardtisch und eine gemütliche Sitzecke krönen den Raum als sozialen Umschlagplatz. Gar eine Bühne samt Musikinstrumenten stehen den Bewohnern zur Verfügung. Nur im Winter sollte man sich besser in eine Decke einkuscheln. Schließlich wird der Raum als einziger in der Wohngemeinschaft nicht beheizt. „Da würde man die Kohle aus dem Fenster rausschmeißen“, sagt Bruch pragmatisch. „Es ist reine Abhärtung.“

Die Halle ist der Mittelpunkt der Wohngemeinschaft. „Wenn du an einem Freitagabend was machen willst, musst du niemanden anrufen – sondern gehst einfach rüber ins Wohnzimmer“, führt er aus. Auch Partys finden dort statt. Mit einer Teilnehmerzahl von 200 und 400 Menschen machen sie kleineren Diskotheken durchaus Konkurrenz. Doch die Wochenenden verwandeln sich deshalb nicht in eine Anreihung von Partyexzessen – nur ein paar Mal im Jahr kommt es zu größeren Feten, auch aus Rücksicht auf die Nachbarn, die sich nicht an singende Mittzwanziger auf dem Nachhauseweg gewöhnen wollen.

Und auch wenn das soziale Miteinander Kernwert einer solchen Wohngemeinschaft ist: Es handelt sich um keine hippieske Kommune. Selbst wenn man in einer solch außergewöhnlichen Umgebung wohnt, hat man einen Alltag. „Manchmal sehe ich Mitbewohner wochenlang nicht“, erzählt Bruch lachend. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Tagesablauf, muss zu unterschiedlichen Uhrzeiten das Haus verlassen oder ihm ist anderes gerade wichtiger, als Kontakt zu den Mitbewohnern zu suchen.

„Probleme wie in jeder anderen Wohngemeinschaft“

„Wenn man sich mal zurückziehen möchte, geht man einfach in sein Zimmer – da ist Halligalli tabu“, so Bruch. Die Schlafräume sind unterschiedlich groß – je nach Bedürfnis können Interessenten Zimmer zwischen zwölf und 35 Quadratmetern mieten. Die Preise schwanken zwischen knapp 300 und 410 Euro – inklusive Internet und einem Reinigungsdienst für die Badezimmer. Wer zum Beispiel näher an der Halle wohnt, bekommt preisliche Abstriche. Der Markt gibt auch hier die Preise vor. Wie lange die Bewohner letztlich Teil der Wohngemeinschaft sind, darüber führt Bruch keine Statistik. Manche verweilen seit Bestehen dort, andere ziehen nach zwei Jahren aus. Der Negativrekord lag bei gerade einmal zwei Wochen.

Zimmer mit Aussicht in der Riesen-WG

Wie in jeder Wohngemeinschaft suchen auch Bruch und seine Mitbewohner regelmäßig Nachmieter. Wem dieses ungewöhnliche Konzept zusagt, der findet die Wuppertaler zum Beispiel über deren Internetseite. In gemeinsamen Gesprächen wird anschließend eruiert, ob dieses ungewöhnliche Konzept mit den Vorstellungen des Bewerbers auch wirklich übereinstimmt. „Man muss für so etwas gemacht sein“, sagt Bruch. Dabei spielt es nicht die ausschlaggebende Rolle, ob jemand studiert. Die Wohngemeinschaft ist sehr durchmischt. Momentan besucht sogar nur rund ein Drittel die Universität. Die anderen absolvieren eine Ausbildung, jobben, befinden sich in einer Orientierungsphase oder sind selbständig. Bruch selbst brach sein Studium des Bauingenieurwesens ab und arbeitet mittlerweile in der Firma seines Vaters, die sich mit Kälte- und Klimatechnik beschäftigt. Wichtig ist im Zusammenleben vor allem eins: dass die Chemie stimmt.

22 unterschiedliche Menschen, 22 unterschiedliche Lebensstile und 22 unterschiedliche Wertvorstellungen. Da kann es auch zu Reibereien kommen. „Natürlich gibt es beim Putzplan auch Leute, die meinen, in der Anonymität von so vielen Leuten unterzugehen“, sagt Bruch. Doch insgesamt beschränkten sich die Probleme auf ein Minimum. Käme es zu Konflikten, seien diese meist durch Gespräche leicht zu lösen. Nur zwei Mal wurde Leuten in der siebenjährigen WG-Geschichte nahegelegt, sich eine neue Bleibe zu suchen. „Obwohl wir so groß sind, haben wir keine anderen Probleme als andere Wohngemeinschaften“, sagt Bruch.

So schnell wird Marc Bruch die Riesen-WG aber nicht verlassen. Für ihn sind der Trubel, der ständige Kontakt mit anderen Menschen und die nie aufkommende Langeweile genau das Richtige. Erst wenn mal Familienplanung bevorstehe, könne er sich vorstellen, seine Sachen zu packen. Bis dahin hat er noch viel vor. Mittlerweile gehört ihm der gesamte Gebäudekomplex – und damit zusätzlich zur Wohnfläche weitere fast 2.400 Quadratmeter. Den Platz will er nutzen, um ein Kulturzentrum ins Leben zu rufen, die Nachbarschaft mit Ateliers, Proberäumen und einer Begegnungsstätte zu bereichern. Bis das so weit ist, dürften aber noch einige Jahre ins Land ziehen.

von <a href="https://blogs.faz.net/blogseminar/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Blogseminar ein Blog von FAZ.NET.

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https://blogs.faz.net/blogseminar/leben-in-der-riesen-wg/feed/ 22
The Beatles: „In My Life“ https://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1943 https://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1943#comments Sat, 13 Apr 2019 08:26:12 +0200 Jens Buchholz https://blogs.faz.net/pop-anthologie/2019/04/13/the-beatles-in-my-life-1943/ Dieser Song ist eines der originellsten Erinnerungslieder des Pop. Die Geschichte seiner Entstehung eröffnet einen faszinierenden Blick in die Werkstatt von Lennon und... Mehr

von Jens Buchholz erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von FAZ.NET.

Pop-Anthologie

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Dieser Song ist eines der originellsten Erinnerungslieder des Pop. Die Geschichte seiner Entstehung eröffnet einen faszinierenden Blick in die Werkstatt von Lennon und McCartney.

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[caption id="attachment_1956" align="alignnone" width="620"] The Beatles, 1965[/caption]

Popmusik ermöglicht es ihren Hörern, sie mit ihren Erinnerungen und Gefühlen zu bewohnen. Man zieht in sie ein, wie in eine Mietwohnung. Die äußere Struktur ist da, aber streichen und einrichten muss man selber.  „In My Life“ von den Beatles ist dafür ein so gutes Beispiel wie kaum ein anderes Lied. Es ist das Ergebnis eines poetischen Verdichtungsprozesses, an dessen Ende ein für alle Hörer-Erinnerungen leicht beziehbarer Song steht.

Die Langspielplatte „Rubber Soul“ ist am 3. Dezember 1965 erschienen. Die Beatlemania hatte ihren Höhepunkt erreicht. Die Fab Four waren ständig auf Tour, traten im Fernsehen auf oder arbeiteten im Studio an neuen Songs. Überall, wo sie hinkamen, lösten sie Massentumulte aus. Im Jahr 1965 hetzten die Jungs von einem Termin zum nächsten. Im August war ihr Album „Help!“ erschienen: der Soundtrack zu ihrem zweiten Film, der im selben Jahr gedreht wurde und ins Kino kam. Und im Herbst begannen bereits die Aufnahmen zu dem Album „Rubber Soul“, das dann im Dezember erschien. Akkordarbeit. Und für 1966 war keine Entspannung in Sicht.

„In My Life“ wurde am 18. und 22. Oktober 1965 in den Abbey Road Studios aufgenommen. „Das war das erste Lied, das ich ganz bewusst über mein Leben geschrieben habe“, erzählte John Lennon 1980 in dem berühmten Interview mit dem Playboy.  Vor „In My Life“ seien die Texte der Beatles nebensächlich gewesen. Immer nach dem Motto „Ich-Du-Liebe“. Ende 1965 hatten die Beatles ihre Bob-Dylan-Phase. Auch die Byrds wurden zu einem wichtigen Einfluss. Das hört man auf „Rubber Soul“ gerade bei den Songs von Lennon sehr deutlich. „Nowhere Man“ und „Norwegian Wood“ sind dylaneske Meisterwerke.

„In My Life“ sollte ein Erinnerungslied werden. Lennon stellte sich eine Busfahrt durch Liverpool vor. Ihren Ausgangspunkt sollte sie in der Menlove Avenue nehmen. Dort ist Lennon bei seiner Tante aufgewachsen. Von da aus sollte der Text an all den Plätzen vorbei führen, mit denen er wichtige Erinnerungen verband. „Ich schrieb das alles auf und es war langweilig. Also ließ ich das erst einmal liegen und entspannte mich. Und dann fiel mir dieser Text ein, über Freunde und Geliebte aus meiner Vergangenheit.“

[caption id="attachment_1950" align="alignnone" width="620"] Der Originaltext des Beatles-Songs "In My Life"[/caption]

Im Besitz von Paul McCartney befindet sich eine frühe Version des Textes. Tatsächlich zählt Lennon hier alle möglichen Plätze in Liverpool auf. Eine Passage lautet so:

Penny Lane is one I'm missing,
up church and to the clocktower,
in the circle of the Abbey
I have seen some happy hours
… past the tram sheds with no trams...
to the Dockers' Umbrella that they pulled down …

Das Lied wurde in John Lennons spießiger Villa in Kensington komponiert. Allerdings waren sich McCartney und Lennon später uneins, wer welchen Beitrag geleistet hatte. Lennon war der Ansicht, er habe alles bis auf den Mittelteil geschrieben. McCartney dagegen erinnert sich, dass er nicht nur die Melodie alleine geschrieben, sondern auch wesentliche Beiträge zum Text geleistet habe. Obwohl es sich sehr nach John Lennon anhört, ist „In My Life“ also ein echtes Gemeinschaftswerk.

Spannend ist, was mit dem Text geschieht. Denn die beiden Komponisten strichen letztlich jeden konkreten Ort. Dann sah der Text so aus:

There are places I'll remember
All my life, though some have changed
Some forever, not for better
Some have gone and some remain
All these places have their moments
With lovers and friends I still can recall
Some are dead and some are living
In my life, I've loved them all
But of all these friends and lovers
There is no one compares with you
And these memories lose their meaning
When I think of love as something new
Though I know I'll never lose affection
For people and things that went before
I know I'll often stop and think about them
In my life, I love you more
Though I know I'll never lose affection
For people and things that went before
I know I'll often stop and think about them
In my life, I love you more
In my life -- I love you more

Das Ergebnis ist eine Art Koordinatensystem des Erinnerns: People, Things, Places, Moments und Affection. Dieses Eindampfen auf eigentlich lapidare Stichworte ist in zweifacher Hinsicht ein genialer Kunstgriff. Denn ein Hörer, der die Beatles kennt, wird die abstrakt besungenen Erinnerungen in genau den Liverpooler Kontext setzen, den Lennon und McCartney aus dem Text gestrichen haben.

Aber die spärliche Möblierung des Textes ermöglicht noch etwas ganz anderes. „Populäre Texte sind in sich unvollständig“, behauptet der britische Kulturwissenschaftler John Fiske, „… sie werden nur komplett, wenn sie von den Menschen aufgenommen und in ihre Alltagskultur eingesetzt werden.“ Die Hörer von „In My Life“ werden von dem abstrakten Text mit sanftem Zwang genötigt, die Leere mit eigenen Inhalten zu füllen. Und so wird das Lied zum Medium einer Selbstbetrachtung der Hörer. Was sind meine People, Things, Places und Moments, bei denen ich innehalte und an sie denke?

Der Song ist eine Singularisierungsmaschine. Andreas Reckwitz entfaltet seine Theorie der Singularisierung anhand der folgenden Begriffe: Objekte, Subjekte, Räumlichkeiten, Zeitlichkeiten, Kollektive, Affektintensivierung. Das liegt erstaunlich dicht am Erinnerungskoordinatensystem Lennons.

Lennon

Reckwitz

Things

Objekte

People

Subjekte

Places

Räumlichkeiten

Moments

Zeitlichkeiten

Friends & Lovers

Kollektive

Affections

Affektintensivierung

Die Kunst liegt manchmal näher an der Wissenschaft, als man denkt. Aber vielleicht ist das auch zu verwegen gedacht.

Das Schema „Ich-Du-Liebe“ ist in dem Song immer noch enthalten.

But of all these friends and love
There is no one compares with you
And these memories lose their meaning
When I think of love as something new

Das scheint das spätere Beziehungsmuster zu Lennon/Ono vorweg zu nehmen. Es könnte aber auch ein Beitrag von Paul McCartney sein, der dem Ganzen einen vorwärtsgewandten Liebesliedtouch verleihen wollte. Und es verstärkt auch den Aspekt, dass das singende Ich seine Lebens- und Identitätsgeschichte durch Beziehungen definiert. „I know I’ll often stop and think about them“, singt Lennon. Unsere Erinnerungen sagen uns, wer wir sind. Wir schichten Ge-schichten. „Während ich an meiner Geschichte arbeite“, meint Judith Butler, „erschaffe ich mich selbst in neuer Form, weil ich dem „Ich“, dessen vergangenes Leben ich zu erzählen versuche, ein narratives „Ich“ hinzufüge.“ Erzählmarker dieses Narrativs unserer Beziehungen sind Menschen, Orte und Dinge, mit denen wir in einem bestimmten Moment etwas erlebt haben. Zusammengehalten von den damit verbundenen Gefühlen: „Though I know I'll never lose affection / For people and things that went before.“

Jeder Mensch ist nicht nur Herr seiner Beziehungen, sondern auch ihr Produkt. „Unter sich ständig wandelnden und immer neuen Einflüssen entwickeln wir unsere Persönlichkeit und unseren Lebensstil, so dass wir uns weniger als autonome Individuen denn als Knotenpunkte von Beziehungen betrachten sollten“, meint der Kulturwissenschaftler Daniel Miller. „Unsere Identität ist der Knotenpunkt unserer Beziehungen.“ Und „In My Life“ führt die Fäden dieses Knotenpunktes zusammen.

In dem Film „Help!“ gibt es diese Szene, in der die Beatles in den Bann der Zeitlupenkanone geraten. In herrlichen Technicolor-Farben zappeln die Beatles herum, als würden sie am Boden eines Swimmingpools tanzen. Und genau so stelle ich mir die Stimmung bei den Aufnahmen zu „Rubber Soul“ vor. Das ganze Album hat einen leicht schwebenden und entrückten, aber irgendwie auch wilden und knallbunten Sound.

Ein sehr schlichtes Lied mit Strophe, Bridge und Refrain

„Gut, du hast keine Melodie, laß mich schnell daran arbeiten“, will Paul McCartney zu John Lennon gesagt haben. So steht es in Barry Miles‘ McCartney-Biographie. „Und ich ging zum Treppenabsatz, wo John ein Mellotron stehen hatte, setzte mich dort hin und schrieb eine Melodie, die ich im Kopf hatte und die von Smokey Robinson and the Miracles inspiriert war.“ Schwer vorstellbar, dass das die Inspiration war, aber so war es wohl. „Man bezieht sich auf etwas, das man mag und versucht, die Stimmung zu erfassen und etwas Neues zu schreiben“, beschreibt McCartney seine Vorgehensweise. Der Beatles-Produzent George Martin soll einmal über Paul McCartney gesagt haben, dass er wahrscheinlich sogar auf Befehl Melodien machen könne. Das Ergebnis bei „In My Life“ erinnert nicht im Geringsten an Smokey Robinson. Lennon und McCartney waren keine Genies. Aber es ist ihnen immer wieder gelungen, die aktuelle Strömungen und alles mögliche Andere, was sie interessiert hat, zu Hits zu stricken. Sie waren die kommerzielle Avantgarde der Sechziger.

„In My Life“ ist ein sehr schlichtes Lied mit Strophe, Bridge und Refrain. Der Rhythmus, den Ringo Starr spielt, wirkt stets ein wenig verzögert. Die Dur dominierten Gitarren hallen in einen klaren Raum hinein und stellen sicher, dass es keine düsteren Erinnerungen sind, die den Hörer heimsuchen, sondern die bittersüße Sehnsucht nach dem alten Schulweg, der ersten Freundin, der ersten heimlichen Zigarette. Die Melodie ist der honigfarbene Bernstein, der die Erinnerungslyrik einschließt und zum Glänzen bringt.

Und dann ist da natürlich noch George Martins barockes Solo. Im  Anthology-Buch erzählt er, dass er die Beatles bei der Aufnahme-Session in die Mittagspause geschickt habe, um in aller Ruhe seine Idee für das Solo auszuprobieren. „Was ich haben wollte, war zu kompliziert für mich, um es im richtigen Tempo zu spielen, also nahm ich es mit halber Geschwindigkeit auf, spielte es in höherer Geschwindigkeit ab, und es gefiel ihnen.“ Ich hätte das gerne gehört und gesehen, wie das um die Hälfte verlangsamte „In My Life“ durch das dunkle Studio wabert und George Martin dazu Klavier spielt. Vielleicht erklärt das auch ein wenig den entrückten Sound des Songs.

Und so passt die Aufnahme auch in dieser Hinsicht perfekt zu einem Erinnerungslied. Denn auch Erinnerungen sind ja immer ein bisschen entrückt.

von <a href="https://blogs.faz.net/pop-anthologie/author/tspreckelsen/">Tilman Spreckelsen</a> erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von FAZ.NET.

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https://blogs.faz.net/pop-anthologie/2019/04/13/the-beatles-in-my-life-1943/feed/ 18
Wie dieser Schiller schillert https://blogs.faz.net/comic/?p=1417 https://blogs.faz.net/comic/?p=1417#comments Fri, 29 Mar 2019 10:07:47 +0100 andreasplatthaus https://blogs.faz.net/comic/2019/03/29/wie-dieser-schiller-schillert-1417/ Ein echter Klassiker versteht von allem was, und so hat Friedrich Schiller auch etwas gezeichnet, was manche Comic nennen wollen. Die „Avanturen des neuen Telemachs“ werden jetzt erstmals nach dem Originalmanuskript veröffentlicht. Mehr

von andreasplatthaus erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

Comic

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Bevor ich dieses Blog für vier Monate schließe, um in die Neue Welt zu reisen, soll noch einmal ein Blick auf die Alte Welt geworfen werden. Auf die wirklich alte, die vor dem Entstehen dessen, was Comics sind, auf das achtzehnte Jahrhundert. Nun gibt es genug Bildergeschichten-Historiker, die in so ziemlich jeder Menschheitsepoche, die überhaupt den Umgang mit Zeichenmaterialien kannte, Frühformen des Comics ausmachen, aber ich halte am Jahr 1895 fest, an der Serie „Yellow Kid“, die erstmals all die Elemente bot, die uns heute als comictypisch gelten und zudem auch noch vom Massenpublikum als revolutionäre Neuigkeit wahrgenommen wurde.

Massenpublikum – das ist das Stichwort. Vor der technischen Innovation des Rotationsdrucks im mittleren neunzehnten Jahrhundert gab es das für gedruckte Medien gar nicht, die Kosten der Presseerzeugnisse waren zu hoch. Stattdessen fertigte man Bildergeschichten fürs private Amüsement per Hand an, und diese Praxis zeigt immerhin, wie populär das graphische Erzählen damals schon war. Allerdings haben nur wenige Beispiele solcher Privaterzeugnisse überlebt, aber eines davon stammt von denkbar prominenter Hand: die „Avanturen des neuen Telemachs“, gezeichnet 1786 in Dresden von Friedrich Schiller als Parodie auf Fénelons damals europaweit berühmten „Telemach“-Roman und als Geburtstagsgeschenk für seinen Gastgeber, Freund und Gönner Christian Gottfried Körner, der in dieser Farce die Hauptrolle bekleidet..

Die Existenz dieser Bildergeschichte ist seit 1862 bekannt, als sie erstmals publiziert wurde. Seitdem wurde sie mehrfach neu aufgelegt, allerdings immer nur nach den Reproduktionen der Erstausgabe, weil das Originalmanuskript verschollen war. Ich bekam einen dieser Nachdrucke 1997 von meinem damaligen Kollegen Gerhard Stadelmaier geliehen (natürlich hat ein Musterschwabe alles vom schwäbischen Nationaldichter Schiller!), als ich an meinem Buch „Im Comic vereint“ schrieb. Und das sah wirklich sehr nach Comic aus, zumindest aber nach Bildergeschichten à la Wilhelm Busch – dank der feinen Konturlinie und der schönen flächigen Kolorierung.

Jetzt ist wieder eine Buchausgabe der Schillerschen „Avanturen“ erschienen, aber welch ein Unterschied! Die Konturlinien? Meistens weg. Die Farben verwaschene Aquarillierungen. Was ist da los? Nun, der Herausgeber und Kommentator dieser Edition, der bei Gießen lebende Literaturwissenschaftler und Bildergeschichtenexperte Dietrich Grünewald, eine der belesensten Koryphäen in Deutschland auf dem Feld der Comics, hat das Originalmanuskript aufgestöbert, im Bestand der amerikanischen Yale-University, und die Erlaubnis erlangt, eine Faksimileausgabe zu veranstalten. Und da erweist sich nun, dass die Schillersche Vorlage 1862 mächtig geschönt, sprich: für den Druck nachgezeichnet worden war, um ein Erscheinungsbild zu erhalten, dass dem damaligen Geschmack des Publikums – Wilhelm Busch eben! – entsprach. So gut gezeichnet hat dieser Schiller also gar nicht.

Das wäre schon interessant genug, aber Grünewalds Ausgabe hat auch noch ein Bild zu bieten, das in der gedruckten Erstausgabe aus Pietätgründen ausgelassen worden war. Auf dem zweiten Blatt der Geschichte wird die Geschichte eines Körnerschen Buchprojekts erzählt, dessen Manuskript bedauerlicherweise einem Malheur zum Opfer fällt, das darin besteht, dass es als Toilettenpapier benutzt wird. Den Übeltäter zeichnete Schiller mit heruntergelassenen Hosen beim Gang vom Klo, und diese anzüglich unangezogene Zeichnung mochte man 1862 dem Andenken des großen Klassikers nicht zumuten. Nun kann man endlich verstehen, was da überhaupt passierte auf Blatt 2.

Insgesamt gibt es nur vierzehn Blätter, die allesamt spöttisch-liebevoll auf Ereignisse in Körners Leben anspielen, die eher wenig ruhmvoll waren. Zu Schillers Zeichnungen – manchmal blattfüllend, manchmal als Bildfolgen auf einem Bogen angelegt – gibt es handschriftlich ergänzte Kommentare, die Ferdinand Huber, ein weiterer Freund Körners, verfasst hat. Sie geben im Stil der damals immens beliebten Lichtenbergschen Erläuterungen zu den Kupfersticherzählzyklen von William Hogarth an, was man auf den Zeichnungen sieht – allerdings selbst in ironischem Ton. Die Bildergeschichte ist eine Freundschaftsgabe, die von großem Spaß der Urheber ebenso zeugt wie von Körners Fähigkeit, über sich selbst lachen und lachen zu lassen.

Heute wirkt das alles recht altbacken erzählt und wenig souverän gezeichnet, aber für die Lektüre ist auch ein gerüttelt Maß an Wissen über die damalige Bildungsbeflissenheit des Bürgertums erforderlich. Wie gut also, dass der größte Teil des Buchs aus Grünewalds Erläuterungen besteht. Sie gehen zurück auf einen Aufsatz des Autors, der im Jahrbuch für Comicforschung 2016 erschienen ist, aber nochmals erweitert und aktualisiert wurde. Der auf Comicforschung spezialisierte Kleinverlag Christian A. Bachmann hat daraus eine mustergültige Ausgabe gemacht (wenn man von einigen kleinen orthographischen Mängeln absieht).

Und ist das nun ein Comic? Natürlich nicht, was die Technik angeht, wenn es auch bisweilen Sprechblasen und Bildsequenzen gibt. Aber sofern man „Comic“ einmal wörtlich nimmt, als komische Bildergeschichten, ist der Anspruch geradezu vorbildlich eingelöst. Vom skatologischen bis zum philosophischen Humor, von der sexuellen bis zur theologischen Anspielung wird alles geboten. Ob ich etwas so Gewagtes während meiner vier amerikanischen Monate in den Comicregalen jenseits des Atlantiks finden werde, darf man angesichts des auch im Comic um sich greifenden ideologisch motivierten Reinheitsfimmels bezweifeln. Wenn doch, wird es in vier Monaten an dieser Stelle etwas davon zu erzählen geben. Ansonsten würde ich einfach all das lesen, was ich in dem Dritteljahr verpasst haben werde. Etwas Geduld also erbitte ich, wenn mancher erwarteter Kommentar zu neuen Comics auf sich warten lässt. Allen, die das hier lesen, wünsche ich ein schönes Frühjahr und einen prachtvollen Sommer. Und gute Comics.

von <a href="https://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

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https://blogs.faz.net/comic/2019/03/29/wie-dieser-schiller-schillert-1417/feed/ 0
Die dunkle Seite der Vierbeiner https://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=689 https://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=689#comments Tue, 26 Mar 2019 20:48:08 +0100 Henrike Schirmacher https://blogs.faz.net/platzfuertiere/2019/03/26/die-dunkle-seite-der-vierbeiner-689/ Für Hundenarren gibt es eine gute Nachricht: Ihre Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Der Rest der Welt muss staunend zusehen, wie Vierbeiner die Welt erobern. Mehr

von Henrike Schirmacher erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von FAZ.NET.

Der Platz für Tiere

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[caption id="attachment_419" align="alignnone" width="595"] Frauchen/Herrchen oder Artgenosse - zu welcher Begegnung schlägt das Hundeherz höher?[/caption]

Dem Haushund eilt der Ruf als „treuestem Wegbegleiter des Menschen“ voraus. Ist das in erster Linie Wunschdenken oder mögen Hunde Menschen tatsächlich lieber als ihre Artgenossen? Zwar hat sich der Hund im Laufe der Domestikation sehr an das Zusammenleben mit dem Menschen gewöhnt. Und es liegt in der Natur der Sache, dass Hunde sehr auf ihre Halter fokussiert sind. Doch wenn die Vierbeiner, etwa draußen im Stadtpark, auf Ihresgleichen zustürmen, um sich spielerisch zu raufen, können sich Hundehalter ihrer Sache nicht mehr ganz so sicher sein. Wen hat das geliebte Tier also lieber: Herrchen, Frauchen oder den Freund auf vier Pfoten, den er regelmäßig zum Toben trifft?

Die Antwort darauf haben Wissenschaftler der US-amerikanischen „Emory University“ in Atlanta mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, wie der funktionellen Magnetresonanztomographie, geliefert ­ wenn auch in kleiner Stichprobe von nur 12 Tieren. Für das Experiment wurde die Gehirnaktivität im Nucleus caudatus gemessen, während die Hunde vertrauten Geruch, entweder von einem Menschen oder von einem vierbeinigen Gesellen, schnüffelten. Dem Nucleus caudatus entspringt ­ populärwissenschaftlich ausgedrückt ­ so etwas wie Vorfreude. Folglich ließe sich hohe Aktivität grob mit „wie schön, Dich zu sehen“ übersetzen. Das Ergebnis fällt sehr zur Freude für Herrchen und Frauchen aus: Zum einen stechen diese die Vierbeiner aus, zum anderen bringt nicht jeder x-beliebige Mensch den Nucleus caudatus des Hundes in Wallungen. Das muss wahre Liebe sein!

Ob dieses innige Band zwischen Hund und Halter nun eine gute Sache ist, wage ich dennoch zu bezweifeln. Das hat mir neulich ein Ausflug nach Hamburg bestätigt. Am Elbstrand mit einer Freundin entlang spazierend, fühlten wir uns plötzlich ganz unfreiwillig gegen unseren Willen förmlich umzingelt von Vierbeinern und so mancher Hinterlassenschaft. Noch dazu erzählte mir die Freundin, dass sich Hamburg die Frage stellt, ob es ausreichend Grünanlagen und Parklandschaften für Hunde gibt. Dabei laufen die Tiere gefühlt ohnehin überall herum, noch dazu leinenlos. Hamburg und Berlin gelten im Volksmund fast schon als Hunde-Hochburgen, auf der Nordseeinsel Sylt gibt es extra ausgewiesene Strandabschnitte für Hunde. Selbst im Frankfurter Günthersburgpark, der mit einem Hundeverbots-Schild ein wahres Außenseiter-Dasein fristet, beobachte ich, wie sich Herrchen oder Frauchen mit ihren Vierbeinern im Dunklen in den Park stehlen. Gesagt habe ich in solchen Momenten noch nichts, weil es eben heikel ist, solcher Liebe dazwischenzufunken.

[caption id="attachment_692" align="alignnone" width="558"] Harmlos oder nicht?[/caption]

Allerdings gebe ich zu, dass mich solche Erfahrungen schon motivieren, Hunde – selbstverständlich auf wissenschaftlicher Basis – auch kritisch zu sehen. Dieselben Wissenschaftler der „Emory University“ haben nämlich auch die dunklen Seiten der von uns so geliebten Vierbeiner mit funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht. Konkret ging es diesmal um die Gehirnaktivität in der Amygdala. Dieser Region entspringen Aggressionen. Im Experiment mussten Versuchshunde, denen ein aggressives Temperament gegenüber anderen Artgenossen zugeschrieben wurde, zusehen, wie ihr Herrchen/Frauchen eine Hundeattrappe fütterte. Das führte bei diesen Tieren zu einer starken Reaktion in der Amygdala. Es gibt also auch Neider unter den Hunden. So treudoof, wie es viele Halter glauben wollen, sind die Tiere also gar nicht. Trotzdem lassen sich viele Hundehalter dazu verführen, ihr eigenes Tier für völlig harmlos zu halten. Hinzukommt, dass ahnungslose Spaziergänger selten abschätzen können, mit welcher Art von Hundetemperament sie es zu tun haben. Deshalb trägt der Vater eines ehemaligen Mitbewohners mittlerweile auch Pfefferspray bei sich, wenn er joggt. In der Vergangenheit hatte er an einer Wegbiegung im Wald eine ungewollte Begegnung. Unverhofft kam er ums Eck, als plötzlich eine Dogge an ihm hochsprang. Wie selbstverständlich setzte das Tier seine Vorderpfoten auf ihm ab. Wohlbemerkt, um liebevoll und schwanzwedelnd Kontakt zu ihm aufzunehmen. Doch die treuherzige Geste reicht eben nicht aus, wenn der gesunde Menschenverstand signalisiert, das hätte auch ganz anders ausgehen können.

Hundeerziehung, das lese ich nach den spektakulären Beißattacken im vergangenen Jahr in vielen Dokumentationen, fängt mit scheinbaren Banalitäten an. Wer es als Halter oder Halterin zulässt, den eigenen Hund quasi zuerst aus der Tür gehen zu lassen, büßt seine ranghöhere Stellung gegenüber dem Tier ein. Vor allem „dominante Tiere brauchen auch eine dominante Hand“, schildern Experten das kleine Einmaleins in der Hundeerziehung. Aber wie war das noch gleich in der Liebe? Ach ja, Gegensätze ziehen sich an.

von <a href="https://blogs.faz.net/platzfuertiere/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von FAZ.NET.

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https://blogs.faz.net/platzfuertiere/2019/03/26/die-dunkle-seite-der-vierbeiner-689/feed/ 6
Tempel zur Reinigung https://blogs.faz.net/filmfestival/?p=1498 https://blogs.faz.net/filmfestival/?p=1498#comments Sun, 17 Feb 2019 10:30:20 +0100 Bert Rebhandl https://blogs.faz.net/filmfestival/2019/02/17/tempel-zur-reinigung-1498/ „Long live the struggle of the Sudanese people!” Der Kampfruf von Suhaib Gasmelbari verlieh der Preisverleihung bei der Berlinale am Samstagabend eine unvermutete politische Dimension. 1700... Mehr

von Bert Rebhandl erschienen in Filmfestival ein Blog von FAZ.NET.

Filmfestival

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„Long live the struggle of the Sudanese people!” Der Kampfruf von Suhaib Gasmelbari verlieh der Preisverleihung bei der Berlinale am Samstagabend eine unvermutete politische Dimension. 1700 Gäste waren gekommen, es wäre spannend gewesen, hätte man eine kleine Umfrage abhalten können: Haben Sie in den letzten Wochen vom Kampf des sudanesischen Volkes Notiz genommen? Es gab durchaus Berichte in den Zeitungen, aber so richtig Schlagzeilen machen Demonstrationen für eine bessere Regierung in einem afrikanischen Land nicht. Der Film, für den Suhaib Gasmelbari mit dem Glashütte-Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet wurde, heißt "Talking About Trees", er erzählt von vier Veteranen des Kulturbetriebs im Sudan, und von der Tatsache, dass man von einem Kulturbetrieb nicht wirklich sprechen kann. Das hat historische und politische Gründe, die Protagonisten sind alle alt genug, um viele von diesen Gründen quasi am eigenen Leib erfahren zu haben.

Die Berlinale ging als Fest der Freundschaft zu Ende. Früher sprach man von Völkerfreundschaft, und zwei Systeme versuchten, einander wechselseitig die Völker abspenstig zu machen. Heute kommen bei einem kulturellen Großereignis im Westen alle Völker zusammen: Suhaib Gasmelbari hat eine französische Produzentin, Angela Schanelec hat einen serbischen Kameramann, der Argentinier Manuel Abramovich (Silberner Bär der Kurzfilmjury für "Blue Boy") hat einen rumänischen Creative Producer, und der israelische Regisseur Nadav Lapid hat einen tunesisch-französischen und einen Schweizer Produzenten, und er hat seinen Film "Synonymes" in Paris gedreht.

Manuel Abramovich und Bogdan Georgescu

Am Ende des Abends gab es für "Synonymes" den Goldenen Bären für den besten Film. Das war dann zu diesem Zeitpunkt schon keine Überraschung mehr. Die Verleihung der Bären folgt einem Protokoll, sie soll spannend sein, aber ein bisschen Planung muss auch sein. So kann man im Grunde schon beim Vorlauf am roten Teppich erkennen, die sich der Abend entwickeln könnte. Der goldene Handschuh war zum Beispiel schon draußen vor der Tür nicht eben stark repräsentiert, Fatih Akin wurde nicht gesichtet, Jonas Dassler immerhin kam. Die beiden deutschen Vertreterinnen im Wettbewerb waren beide mit Entourage erschienen: Nora Fingscheidt und Angela Schanelec. Beide erhielten einen wichtigen Preis, Schanelec für die beste Regie (Silberner Bär für "Ich war zuhause, aber"), Fingscheidt den Alfred-Bauer-Award für einen Film, der künstlerische Perspektiven eröffnet ("Systemsprenger").

In dem Moment, in dem diese beiden Preise durch waren, muss Nadav Lapid gewusst haben, dass er nun Favorit auf den Hauptpreis war, und als Francois Ozon für den Großen Preis der Jury (Silberner Bär für "Grace à Dieu") auf die Bühne gerufen wurde, konnte Lapid innerlich jubeln. Denn nun war nur noch sein Film übrig.

Die Entscheidung für "Synonymes" ist auch Ausdruck einer Jury-Zusammensetzung, die intellektueller und cinephiler (und sinnvollerweise auch kleiner) war als der übliche Mix aus Funktionen und Regionen: unter dem Vorsitz von Juliette Binoche wurde der Wettbewerb der 69. Berlinale mit plausiblen Entscheidungen abgeschlossen.

Den leidenschaftlichsten Moment gab es allerdings bei einer Entscheidung, die noch im Vorfeld der Bären lag: Der GWFF-Preis für den besten Erstlingsfilm ging an "Oray" von Mehmet Akif Büyükatalay, eine Auseinandersetzung mit dem Buchstaben islamischer Regeln und dem Geist der freien Zuneigung. Der junge Regisseur dankte seinen zwei Familien (der richtigen in Hagen in NRW, und der Kunstfamilie in Köln an der KHM), und bekannte sich dann zu der Religion, der am Samstagabend gehuldigt wurde: er rief dazu auf, „an das Kino zu glauben“, und brachte sehr unmittelbar zum Ausdruck, wieviel es ihm bedeutete, in diesem „Tempel“ gewürdigt zu werden. „Tempel aber müssen zerstört und neu aufgebaut werden.“

Zu den wichtigsten Errungenschaften der Religion des Kinos zählt der Umstand, dann man damit Tempel einreißen kann, ohne auch nur einem Ziegelstein etwas zuleide zu tun. Das mit dem Aufbauen ist wieder eine andere Sache. Dafür sind im kommenden Jahr bei der Berlinale einige neue Menschen zuständig. Lang lebe in jedem Fall der Kampf des sudanesischen Volkes.

von <a href="https://blogs.faz.net/filmfestival/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Filmfestival ein Blog von FAZ.NET.

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https://blogs.faz.net/filmfestival/2019/02/17/tempel-zur-reinigung-1498/feed/ 0
Neue RTL-Serie: „Am Ende hat das alles mit Selbstausbeutung zu tun“ https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1536 https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1536#comments Tue, 12 Feb 2019 14:22:13 +0100 Jan Hauser https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/2019/02/12/david-schalko-m-eine-stadt-sucht-einen-morder-rtl-am-ende-hat-das-alles-mit-selbstausbeutung-zu-tun-1536/ „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist die neue Serie von David Schalko. Nach der Premiere auf der Berlinale läuft sie bald auf TV Now. Für die Neuauflage des Filmklassikers von Fritz Lang... Mehr

von Jan Hauser erschienen in Medienwirtschaft ein Blog von FAZ.NET.

Medienwirtschaft

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„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist die neue Serie von David Schalko. Nach der Premiere auf der Berlinale läuft sie bald auf TV Now. Für die Neuauflage des Filmklassikers von Fritz Lang hat Produzent Schalko das Budget überzogen. Müssen wir uns Sorgen um sein Filmgeschäft machen?

David Schalko

Für seine Rolle ist die Frage existenziell, den Zuschauern bereitet sie Gänsehaut. „Wo ist meine Tochter?“, sagt der Schauspieler Lars Eidinger, 43, auf der Leinwand der Berlinale, bei den gerade angelaufenen internationalen Filmfestspielen in Berlin. Eidinger spricht den Satz aber nicht in einem Kinofilm. Er spielt die Rolle des Vaters in der neuen Serie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, die ihre Premiere am Dienstag in Berlin feiert.

Das kündet von der Wachablösung, die im Filmgeschäft zurzeit vor sich geht. „Durch den Serienboom hat das Fernsehen das Kino auf vielen Ebenen eingeholt oder abgelöst“, sagt David Schalko, 46, Geschäftsführer und Gesellschafter der Superfilm Filmproduktion mit Sitz in Wien und München. Der Österreicher hat das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und die Serie auch noch produziert, die auf dem gleichnamigen Filmklassiker des Regisseurs Fritz Lang aus dem Jahr 1931 beruht und in der nun im heutigen Wien Kinder verschwinden. Neben Eidinger spielen Verena Altenberger und Moritz Bleibtreu in der Neuauflage von David Schalko mit, die auf dem RTL-Internetdienst TV Now in eineinhalb Wochen als erste Drama-Eigenproduktion läuft.

Eine Bilanz hat es noch selten in den Kanon der Weltliteratur geschafft.

David Schalko

Herr Schalko, Ihre neue Serie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ hat jetzt Premiere auf der Berlinale. Wie lang hat der Prozess vom Buch, das Sie geschrieben haben, bis zum Zuschauer gebraucht?

Die Arbeit war langwierig. Wir haben schon vor vier Jahren begonnen. Bis es finanziert war, hat es lange gedauert. Umso schöner, dass es jetzt bei der Berlinale läuft.

Dabei hatten Sie fast zu wenig Geld für die Serie.

Im internationalen Vergleich stimmt das. Das Budget ist nur ein wenig größer als ein gängiger Tatort, obwohl der Aufwand viel höher ist. Wir hätten uns mehr Geld gewünscht, aber wir haben es trotzdem hingekriegt. Mit 130 Schauspielern und 100 Drehorten platzt das Budget aus allen Nähten.

Sie haben viele hochkarätige Schauspieler gefunden: Bela B., Lars Eidinger, Udo Kier, Sophie Rois, Verena Altenberger und Moritz Bleibtreu sind vertreten. Wie schwer war es, die Schauspieler zu überzeugen?

Das war nicht schwer. Sie haben alle zugesagt, nachdem sie die Drehbücher gelesen haben. Die Philosophie war, dass die mittelgroßen Rollen eher prominent besetzt sind und die größere Rollen eher weniger bekannt.

Was erwartet den Zuschauer von einer Serie, in der Kinder verschwinden?

Es versteht sich als Hommage ans Original, den wir in die Jetzt-Zeit geholt haben. Es ist eine entrückte Ästhetik, die auch Kontakt aufnimmt zum deutschen Expressionismus. Wir haben die Original-Drehorte so aussehen lassen, als wäre sie im Studio gedreht. Die Serie changiert ständig zwischen den Genres: Sie ist Melodram, Thriller, Gerichtsfilm, politische Satire, Milieufilm. Einen Hauptdarsteller im klassischen Sinn gibt es nicht, die Stadt ist die Hauptdarstellerin.

Die Serie beruht auf dem Klassiker von Fritz Lang. Sie haben versucht den Film in die heutige Zeit zu verlagern und aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft aufzugreifen.

Wir wollen einen Vergleich aufmachen zwischen einer Stadt im Jahr 1931 und einer Stadt, wie sie sich jetzt entwickelt. Wie wird das Verschwinden von Kindern heutzutage politisch instrumentalisiert, wenn soziale Medien eine große Rolle spielen? Wir leben in einer Gesellschaft, die viel vereinzelter ist als vor achtzig Jahren. Die Meute rottet sich anders zusammen. Demokratie ist länger gewachsen. Trotzdem habe ich das Gefühl, auch an einer Art Vorabend zu leben, an dem sich politisch vieles zum Autoritäten ändert und der politische Diskurs verroht.

1931 war vor der Nazizeit, was im Film von Fritz Lang anklingt. Jetzt würden Sie sagen, dass es in gewissen Teilen in eine ähnliche Richtung geht?

Nein. Das fände ich übertrieben. Aber es wird an vielen Bürgerrechten gekratzt, die Politik des starken Mannes wird in der westlichen Welt immer popülärer und es werden bürgerliche Konsense in Frage gestellt. Wir leben in einer Wendezeit, in der sich Politik neudefiniert und es einen klaren Rechtsruck in der Gesellschaft gibt.

Ist das ein Thema für die nächsten Projekte oder brauchen Sie erstmal Ruhe?

Ich schreibe aus meinem Roman „Schwere Knochen“ eine Serie. Das versuchen wir gerade zu finanzieren.

Sie versuchen weiter, Serien zu machen…

… wenn man mich lässt.

Sind Netflix und Amazon und Co. dann ein Vorteil und kommen dadurch immer mehr deutschsprachige Serien auf den Markt?

Jede neue Möglichkeit der Finanzierung ist gut. Aber manches ist besser bei öffentlich-rechtlichen Sendern aufgehoben, anderes widerum bei den neuen Streaming-Diensten. Die Serie hat so viele Farben und unterschiedliche Schattierungen – wir können gar nicht mehr von der Serie sprechen, weil es so viele Unterschiede gibt.

„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist die erste eigene Serie für den RTL-Internetvideodienst TV Now. Ist es schön, dass die Serie auf einem Streamingdienst läuft, oder schade, dass es nicht ins klassische Fernsehen kommt?

Die Frage stellt sich gar nicht mehr. Alles kommt irgendwann auf alle Plattformen. Wichtig ist, dass die Serie unter die Leute kommt. Heute sind Serien länger sichtbar und über Jahre auf unterschiedlichen Medien konsumierbar. Keiner muss abwarten, bis sie im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Was ändert sich durch die Streamingdienste im Filmgeschäft?

Die neuen Kanäle bieten mehr Möglichkeiten. Durch den Serienboom hat das Fernsehen das Kino auf vielen Ebenen eingeholt oder abgelöst. Was früher Arthouse-Kino war, hat sich in die Serie verlagert. Ich bevorzuge es Serien zu machen, um unökonomischer erzählen zu können als in Filmen. Aber Serie und Kino stehen einander nicht im Weg, sondern befruchten einander.

Sie mögen die Serie, weil es mehrere Teile gibt und man damit in die Länge gehen kann oder weil eine Serie an sich stärker auch eine Nische bedienen kann?

Beides eigentlich. Das Interessante an der Serie ist, dass ich mit meinen Figuren nicht so selektiv umgehen muss. Ich kann inhaltlich auf vielen Ebenen gleichzeitig in die Tiefe gehen. Und was früher eine Nische war, ist heute Mainstream, weil so viele Leute Serien schauen.

Im Fernsehgeschäft ist die Quote entscheidend. Für die Streamingdienste sind Zahlen nicht zu erfahren. Wissen Sie, ob Sie mitbekommen, wie viele Menschen M gesehen haben?

Das weiß ich nicht. Das ist schwer festzustellen, weil das Programm auf so vielen Kanälen und Portalen zu sehen ist. Nach vier Jahren ist gar nicht mehr klar, wie viele Leute eine Serie tatsächlich gesehen haben. Im klassischen Sinn sollte die Quote kaum noch Relevanz haben. Eine Serie bekommt Relevanz, wenn die Menschen darüber reden.

Interessiert Sie eine Quote denn noch?

Mich interessiert ein Quotenerfolg, um weitermachen zu können. Das ist ja leider oft noch immer der Maßstab, um das Geld für das nächste Projekt zu bekommen.

Sie schreiben Buch, machen Regie und sind Produzent – was ist der Vorteil alle drei Rollen in sich zu vereinen?

Der Vorteil ist, dass ich mehr Freiheiten habe und wir selbst die Entscheidung treffen können, wo und wann wir ins Risiko gehen und das Budget überziehen. Der Nachteil ist, dass wir persönlich dafür haften.

Wofür haben Sie mit „M“ gehaftet?

Das Projekt ist weit über das Arbeitsbudget gegangen, aber wir sind zuversichtlich, das Geld wieder durch Verkäufe im Ausland hereinzuholen. Wir haben nicht so viel Geld ausgegeben, dass wir pleitegehen. Aber gemeinsam mit meinem Partner John Lüftner kann ich entscheiden, ob wir auf Gewinne verzichten und das Geld in eine Serie hineinstecken. Das kann ich nur mit meiner eigenen Firma machen, aber wenn ich mit einer fremden Produktionsfirma arbeite, kann ich das nicht entscheiden.

Sie haben mehr Geld hineingesteckt, als sie bezahlt bekommen haben?

Sagen wir so: Wir haben die Grenzen mehr als ausgereizt. Das wäre mit einer fremden Produktion nicht gegangen.

Brauchen Sie jetzt Geld?

Nein, wir sind eine gesunde Produktion mit zwei Standorten und können so etwas zum Glück verkraften. Das Ergebnis hat sich gelohnt. Das ist das Wichtigste. Uns war es wichtig, dass es dem Original gerecht wird. Für uns steht die Qualität im Vordergrund. Wir haben noch nie etwas produziert, von dem wir nicht überzeugt gewesen wären. Das können wenige Produktionen von sich behaupten. Für uns gilt: Eine Bilanz hat es noch selten in den Kanon der Weltliteratur geschafft. Am Ende hat das alles mit Selbstausbeutung zu tun. Und das macht man nur für Dinge, die einem wichtig sind.

Ist das mit ein Grund gewesen, warum sie 2006 die Produktionsfirma Superfilm gegründet haben?

Erstens, weil ich mit meinem Partner zusammen Filme machen wollte. Und zweitens, weil ich diese Freiheit haben möchte. Künstlerisch hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Finanziell weniger?

Reich wird man in dem Beruf ohnehin selten. Das ist auch nicht der Grund, warum man es macht. Um reich zu werden, muss man einen anderen Beruf ausüben oder nach Amerika gehen.

Aber man muss sich jetzt nicht Sorgen um Sie machen?

Nein. Das sind alles Luxusprobleme.

Das Gespräch führte Jan Hauser.

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Silvesterrätsel 2018 – die Diskussion https://blogs.faz.net/planckton/?p=1788 https://blogs.faz.net/planckton/?p=1788#comments Wed, 02 Jan 2019 19:30:52 +0100 Jochen Reinecke https://blogs.faz.net/planckton/2019/01/02/silvesterraetsel-2018-die-diskussion-1788/ Fleißig gerätselt und gut ins neue Jahr gerutscht? Ab jetzt darf hier diskutiert werden. Wie immer gilt: Alle Beiträge werden von Hand moderiert, damit niemand die Auflösung in die Welt posaunt... Mehr

von Jochen Reinecke erschienen in Planckton ein Blog von FAZ.NET.

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Fleißig gerätselt und gut ins neue Jahr gerutscht? Ab jetzt darf hier diskutiert werden. Wie immer gilt: Alle Beiträge werden von Hand moderiert, damit niemand die Auflösung in die Welt posaunt ...

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Das war die Messe http://blogs.faz.net/buchmesse/?p=1839 http://blogs.faz.net/buchmesse/?p=1839#comments Sun, 14 Oct 2018 14:02:05 +0200 Andrea Diener https://blogs.faz.net/buchmesse/2018/10/14/das-war-die-messe-1839/ Leserschwund und Bastellösungen: Die Buchmesse wurde bestimmt von Hilflosigkeit angesichts der sinkenden Verkaufszahlen, aber die Stimmung war interessanterweise trotzdem gut. Mehr

von Andrea Diener erschienen in Literaturblog ein Blog von FAZ.NET.

Literaturblog

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Leserflut am Messesamstag[/caption] Die Messe ist, wie wir jedes Jahr an dieser Stelle zuverlässig kalauern, wieder einmal gelesen. Und im Gegensatz zu den meisten davor hatte sie ein bestimmendes Thema: Die Leserschwundstudie, die alarmierende Zahlen über die Buchbenutzung zumindest im deutschsprachigen Raum erkennen lässt und die Hilflosigkeit der Verlage angesichts eines augenscheinlich wegbrechenden Geschäftsmodells. Was tun? Man weiß es nicht, testet aber vorläufig alles, sogar dieses Internet. Und sagt die Messeparty ab. Was die feierwütigen Massen nicht wirklich interessiert, denn die stellen sich einfach mit einem Getränk irgendwohin. Die Rowohlt-Party fehlte, aber dann wurde es zunehmend egal. Im Literaturhaus bekam man ohnehin immer und egal wann man auftauchte eine Flasche Bier, was wirklich nicht das Schlechteste ist, was man über eine Kulturinstitution sagen kann, die in einem etwas übertriebenen Marmorschlösschen haust. Außerdem wurde ein Haufen Preise verliehen, und man bekam viele Bilder von glücklichen Autoren zu sehen. Dass der wichtigste Preis diesmal wegen Zank in der Jury nicht verliehen wurde, riss auch keine große Lücke. Man bastelte eine Zwischenlösung. Vielleicht war es überhaupt die Messe der gebastelten Zwischenlösungen, und die funktionierten ja alle ganz gut. Zeit also, sich darauf zu besinnen, dass es gar nicht viel braucht, keine großen Rahmen, keine Repräsentationen. Eine Flasche Bier wäre halt gut, aber zur Not geht eben jemand zum Kiosk. Wir bedanken uns für Ihr Interesse, wünschen ein gutes Lektürejahr, was angesichts der vielen starken Neuerscheinungen kein Problem darstellen dürfte, und lesen uns im nächsten Jahr wieder!

von <a href="https://blogs.faz.net/buchmesse/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Literaturblog ein Blog von FAZ.NET.

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53. Lesung: Abschied, nicht nur von New York http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1405 http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1405#comments Sat, 25 Aug 2018 08:46:35 +0200 Birte Förster https://blogs.faz.net/cresspahl/2018/08/25/53-lesung-abschied-nicht-nur-von-new-york-1405/ „Endlich sind wir angekommen, wo meine Erinnerung Bescheid weiß,“ sagt Marie am Ende des letzten South-Ferry-Tages. Am 17. August 1968 ist die Vergangenheit ihrer Mutter dann auch die eigene,... Mehr

von Birte Förster erschienen in Die Woche mit Frau Cresspahl ein Blog von FAZ.NET.

Die Woche mit Frau Cresspahl

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„Endlich sind wir angekommen, wo meine Erinnerung Bescheid weiß,“ sagt Marie am Ende des letzten South-Ferry-Tages. Am 17. August 1968 ist die Vergangenheit ihrer Mutter dann auch die eigene, wenn die Rede von beider Ankunft in New York im Jahr 1961 ist. Am 19. August 1968 rasen Johnson und seine Hauptfigur durch die Nachrichten, die in sechs Jahren New York prägend waren, dann brechen Marie und Gesine Cresspahl über Kopenhagen nach Prag auf, wo sie am „Last and Final“-Jahrestag den alten Lehrer Kliefoth treffen. Die letzte Wochenlektüre ist nur noch eine halbe.

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Darum ging es in diesem Blog Bibliographie zum Blog

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Ein Wiedersehen (20. August 1968) Anita Gantlik hat es arrangiert, dass Marie und Gesine Cresspahl auf dem Weg nach Prag in Klampenborg bei Kopenhagen Halt machen. Dort treffen sie nicht die Freundin, sondern einen alten Bekannten.

„Der Herr steht auf der Terrasse, geschrumpft, eigenwillig aufrecht, schwarzweiß gekleidet, unter schlohweißen Haaren, mit erhobenen Armen kostet er den Empfang aus, der seine Bewegung verbergen will.“

[caption id="attachment_1422" align="aligncenter" width="474"] Bellevue Strand, Klampenborg[/caption] Es ist Julius Kliefoth, Gesines ehemaliger Lehrer „für Englisch und Anstand“, der in England studiert hat, ihren Studienwunsch unterstützte und bei dem sie im Sommer 1952 das (in ihrer Sicht) dritte Abitur, das gelten soll, abgelegt hat (neben den eigentlichen Prüfungen und dem Prozess gegen Dieter Lockenvitz). Anita hat ihm eine Reisererlaubnis besorgt und ihn an der dänischen Küste „eingemietet für zehn Tage“. Nach Gesines Ausreise hat Jakob Kliefoth fünfmal im Jahr besucht: „Ihr Vater war ein verläßlicher, ein fürsorglicher Mann, verehrtes junges Fräulein Cresspahl.“ In dieser Begegnung fallen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen, kann Marie von einem anderen als von ihrer Mutter etwas über den Vater erfahren. Ausgerechnet bei Kliefoth, der bereits Vorkehrungen für seinen Tod getroffen hat, hinterlässt Gesine die 1875 Seiten Aufzeichnungen „wie es uns ergeht“. Beim Abschied bittet Kliefoth Marie

„– Will you take care of my friend who is your mother and Mrs. Cresspahl?“ – Ich verspreche es, Herr Kliefoth. Meine Mutter und ich, wir sind befreundet.“

Gesine Cresspahl verspricht ihm, nach der Ankunft in Prag anzurufen. Wie Norbert Mecklenburg im Nachwort zum Romanfragment „Heute Neunzig Jahr“ anmerkt, das die Geschichte Heinrich Cresspahls von 1888 bis 1947 erzählt, lässt Johnson die Leser*innen vollkommen im Unklaren darüber, was mit Marie und Gesine Cresspahl passieren wird, wenn sie gleichzeitig mit den Truppen des Warschauer Paktes in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 in Prag ankommen. Ihre Geschichte wird nicht weitererzählt, sie endet an einem Strand in Dänemark.   Mein Jahr mit Frau Cresspahl [caption id="attachment_1424" align="alignright" width="213"] Uwe Johnson, 1971.[/caption] Unter den Leser*innen von Uwe Johnson gibt es zuweilen Debatten darüber, was der wichtigste Satz in diesem Romanwerk ist. Für mich ist es ein Satz, der am 7. Februar 1968 fällt: „Damit du nicht raten mußt, so wie ich.“ Gesine Cresspahl sagt ihn zu ihrer Tochter Marie, und mir scheint er aus drei Gründen besonders wichtig. Einmal nennt er den Grund für das Gespräch zwischen Mutter und Tochter über die Jerichower Vergangenheit und damit für den Roman oder das Gesprächsprotokoll des Genossen Schriftsteller. Dann sagt er etwas über das Verhältnis der Hauptfigur zu ihren Eltern aus, denn beide lassen sie raten. Schließlich ist er Ausdruck ihrer Fürsorge für die Tochter, denn die soll eben nicht raten müssen. Nach einem Jahr Lektüre bleiben für mich vor allem die vielen Lesarten des Romans, seine ganz unterschiedlichen Erzählweisen, die Formen der Geschichtserzählungen, auf die man immer wieder trifft. Virginia Woolf hat einmal über den Roman "Middlemarch" von George Eliot gesagt, er sei ein Buch für Erwachsene. Gleiches gilt für die „Jahrestage“ – für mich ein Werk radikaler Offenheit und Komplexitätsbejahung, das Fragen stellt, vor allem aber Raum für Fragen öffnet und seinen Leser*innen viel zumutet, aber eben auch viel zutraut. Der Roman ist darüber hinaus wohl einer, dessen Lektüre nicht zu Ende geht, auch wenn man bei der letzten Seite angelangt ist. Über Uwe Johnsons Roman „Jahrestage“ zu schreiben hat nicht nur Augen, sondern auch Türen geöffnet. Zum Schluss möchte ich dafür danken: Uwe Ebbinghaus für sein Redigat, für ihr stetes Interesse und vielerlei Ermutigung: Patrick Bahners, Christina Dongowski, Hanne Einloft-Achenbach, Holger Helbig, Hedwig Richter und Rupert Levi Scheuermann. Vor allem aber danke ich all jenen, die ein Jahr lang diesen Blog als Leserinnen und Leser sowie mit Kommentaren hier, auf Twitter und per E-Mail, begleitet und die Treue gehalten haben. Die mir von ihren Johnson-Lektüren erzählt haben. Es hat mich mehr gefreut, als diese Zeilen zu sagen vermögen. Das letzte Wort kann natürlich nur einer haben:

„Beim Gehen an der See gerieten wir ins Wasser. Rasselnde Kiesel um die Knöchel. Wir hielten einander an den Händen: ein Kind; ein Mann unterwegs an den Ort wo die Toten sind; und sie, das Kind das ich war.“

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Literatur: Norbert Mecklenburg, Nachwort zu: Uwe Johnson. Heute Neunzig Jahr, Frankfurt am Main 1996, S. 129-142.

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