Fazblog http://blogs.faz.net/ Fazblog - Blogs der FAZ Fri, 20 Apr 2018 11:58:13 +0200 de-DE hourly 1 Gendern leicht gemacht http://blogs.faz.net/blogseminar/?p=5653 http://blogs.faz.net/blogseminar/?p=5653#comments Fri, 20 Apr 2018 11:57:43 +0200 Kornelius Friz http://blogs.faz.net/blogseminar/gendern-leicht-gemacht/ Binnen-I oder Gender-Sternchen sind für die einen ein Horror, für die anderen eine Notwendigkeit. Johanna Usinger macht in einem Online-Wörterbuch Vorschläge für platzsparende und flüssig lesbare Alternativen. Mehr

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Blogseminar

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Binnen-I oder Gender-Sternchen sind für die einen ein Horror, für die anderen eine Notwendigkeit. Johanna Usinger macht in einem Online-Wörterbuch Vorschläge für platzsparende und flüssig lesbare Alternativen.

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Marlies Krämer ist Kunde der Sparkasse Saarbrücken. Und sofern er sich nicht für ein Girokonto bei der Konkurrenz entscheiden sollte, wird er dort auch künftig als "Kontoinhaber" geführt werden. Der achtzigjährige Frauenrechtler ist eine Frau, der Fall ging vor Wochen durch die Medien. Er will nicht mehr hinnehmen, mit dem generischen Maskulinum angeschrieben zu werden, doch das BGH wies kürzlich seine Klage zurück. Die männliche Anrede greife weder ins Persönlichkeitsrecht von Frauen ein, entschied es, noch werde der weibliche Kunde aufgrund seines Geschlechts diskriminiert. Der Anwalt der Sparkasse, Reiner Hall, hält es nicht für praktikabel, verschiedene Formulare für Männer und Frauen bereitzuhalten, da die zusätzlichen Formblätter zu viel Stauraum benötigten. Jedoch die männliche und weibliche Form in einem Anschreiben zu vereinen, sei auch keine Lösung, da komplizierte Texte dadurch noch komplizierter, geradezu unverständlich würden. Vielleicht sollte Reiner Hall geschicktgendern.de anklicken, bevor der Rechtsstreit mit dem Kläger Marlies Krämer in die nächste Instanz geht. Tücken des generischen Maskulinums Die Webseite geschicktgendern.de sammelt Formulierungen und Begriffe, mit denen umständliche Formen der geschlechtersensiblen Sprache umgangen werden können. Statt „Kläger“ wird etwa „klagende Person“ vorgeschlagen, der „Kontrahent“ wird zum „Gegenüber“ und der „Kunde" zur „Kundschaft“. Für das Problem von Marlies Krämer und der Saarbrücker Sparkasse gab es nach der Urteilsverkündung noch keine Lösung - beim Begriff „Kontoinhaber“ stand: „noch kein passender Begriff gefunden; senden Sie Ihren Vorschlag über das Kontaktformular (klick)“ -, neuerdings wird "kontoinhabende Person" vorgeschlagen. [caption id="attachment_5656" align="alignleft" width="251"] Johanna Usinger[/caption] Die Betreiber des Genderwörterbuchs ist Johanna Usinger, der kürzlich noch Johanna Müller hieß. Ihr Ziel ist, Menschen zu unterstützen, die aufgrund beruflicher Vorgaben, etwa in Behörden oder Universitäten, gendern müssen. Dort, im Grunde aber in allen Milieus, Berufs- und Altersgruppen, gebe es eine große Skepsis gegenüber geschlechtergerechter Sprache, so Usinger: "Es gibt auch Formulierungen, die nicht lösbar sind." Sie kann verstehen, dass Binnen-I oder Sternchen in einem Fließtext abschreckend wirken können und den Lesefluss stören. Umso wichtiger ist es ihr, Vorschläge zu machen, die verständlich, platzsparend und flüssig lesbar sind. Das generische Maskulinum ist im Deutschen ein hart umkämpftes Phänomen. Es bedeutet in der Regel, dass bei der Nennung eines linguistischen Maskulinums weder „sex“ noch „gender“ gemeint sind, also nicht Männer genannt und Frauen mitgemeint werden. Gemeint sind stattdessen weder Mann noch Frau, sondern vielmehr eine unbestimmte Gruppe: „Der Vogel ist kein Säugetier“ oder „Der Bürger darf wählen“. Das Genus, das zwar auch bei Objekten und abstrakten Begriffen nicht zufällig zugeordnet ist, kommt dort jedoch zumeist unproblematisch daher, da alle Gemeinten sächlich sind: der Sessel, das Sofa, die Chaiselongue. Bei Personenbezeichnungen korrelieren die Genera jedoch fast immer mit dem biologischen und sozialen Geschlecht des oder der Bezeichneten: die Mutter, der Vater, die Nonne, der Mönch. Bezeichnend dabei ist auch die Ausnahme „das Mädchen“, dessen Genus bestimmt auch kulturhistorische Gründe hat. Das Problem mit dem generischen Maskulinum ist, dass das biologische Geschlecht eben doch mitgedacht wird, und zwar nur das männliche. Um dies zu verdeutlichen, wurden Marlies Krämer und Johanna Usinger eingangs als „Frauenrechtler“ und „Betreiber“ beschrieben. Hier, wenn von Individuen die Rede ist, zeigt sich, dass das linguistische Genus unsere Wahrnehmung nicht nur marginal prägt. Folgende Erzählung offenbart, wie stark das generische Maskulinum gesellschaftliche Strukturen abbildet: Ein Vater bringt seinen Sohn nach einem Unfall ins Krankenhaus. Der dortige Chirurg sagt, dass er nicht imstande sei, den Jungen zu operieren, denn: „Er ist mein Sohn.“ Irritierend ist die Geschichte, da zunächst kaum eine Leserin (männliche Leser mitgemeint) den Chirurgen als Frau denkt. Wenn schlicht der Platz fehlt Eine Studie der FU Berlin aus dem Jahr 2015 mit 591 Grundschülerinnen und -schülern kam zu dem Schluss, dass Kinder, insbesondere Mädchen, sich weniger zutrauen, einen Beruf zu erlernen, wenn er nur im Maskulinum (Dachdecker, Feuerwehrmann) benannt wird. Das liegt, so die Studie, daran, dass er dann von den Grundschulkindern als höher anerkannt und somit als schwerer zugänglich eingeschätzt wird. Wurden die belgischen und deutschen Kinder gefragt, wie relevant der Beruf „Astronaut oder Astronautin“ sei, schätzten sie diesen weniger wichtig und leichter erreichbar ein als bei ausschließlich männlicher Nennung. „Ich bin in dem Wissen erzogen worden, dass auch Frauen ihren Weg machen“, sagt Johanna Usinger. Sie ist Pädagogin geworden und arbeitet hauptberuflich für das Studentenwerk Schleswig-Holstein. Ihren Arbeitgeber (noch kein passender Begriff gefunden) nennt sie selbst Studierendenwerk. Das Wörterbuch für geschlechtergerechte Sprache betreibt sie in ihrer Freizeit. Seit der Gründung vor gut zwei Jahren ist es von 150 auf 700 Einträge angewachsen, wochentags verzeichnet die Seite mittlerweile 800 Klicks pro Tag. Zusätzlich bloggt Usinger unter derselben Domain zum Thema, etwa über „Männerer“ und „Ampelfrauen“. Als Feministin bezeichnet sich die Dreißigjährige dennoch nicht, das klinge zu sehr nach einem Kampfbegriff. Der Pädagogin ist wichtig, nicht dogmatisch zu klingen: „Natürlich gibt es Bedingungen, unter denen geschlechtergerechte Sprache nur sehr schwer, umständlich oder gar nicht möglich ist“, gibt Usinger zu, „umso wichtiger ist mir, ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen, sich zu informieren.“ Auf Plakaten, die sie für das Studierendenwerk entwirft, muss auch sie auf das generische Maskulinum zurückgreifen, weil für „Tutoren und Tutorinnen“ schlicht der Platz fehlt. Nochmal anders ist die Lage bei journalistischen oder literarischen Texten. Welches Verhältnis geschlechtergerechte Sprache dort zu Ästhetik und Inhalt einnehmen kann, ist schwerer auszumachen als bei Behördenschreiben oder Werbeplakaten. Als weiterführende Lektüre sind hier die Romane des 1955 geborenen Schriftstellers Thomas Meinecke interessant, in denen Geschlecht in neuartiger Weise verhandelt wird. Vehemente Gegenreaktionen Die Universität Leipzig benutzt trotz medialem Gegenwind seit 2013 in ihrer Grundordnung ein generisches Femininum. Was für Universitäten und Sparkassen jedoch noch längst nicht bindend ist, ist der Judikative in Deutschland bereits seit 1991 eingeschrieben: "Der Deutsche Bundestag hat folgenden Beschluß gefaßt: Die Bundesregierung wird aufgefordert, ab sofort in allen Gesetzesentwürfen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften geschlechtsspezifische Benennungen/Bezeichnungen zu vermeiden und entweder geschlechtsneutrale Formulierungen zu wählen oder solche zu verwenden, die beide Geschlechter benennen, soweit dies sachlich gerechtfertigt ist und Lesbarkeit und Verständlichkeit des Gesetzestextes nicht beeinträchtigt werden." An diesem Auszug aus einem 26 Jahre alten Bundestagsbeschluss wird einerseits spürbar, wie flüssig das System Sprache ist, wie schnell also die Normen einer Sprache sich verschieben („Beschluß gefaßt“), aber vor allem, wie unzeitgemäß der Rechtsstreit um „den Kunden“ Marlies Krämer ist. Das Argument, dass die Verständlichkeit eines Textes unter geschlechtergerechter Sprache leide, wurde 2007 von Sprachwissenschaftlerinnen der Universitäten Kiel und Bern untersucht – zwei Jahre, bevor das heute als alltäglich wahrgenommene Verb „twittern“ in den Duden aufgenommen wurde. Egal ob generisches Maskulinum, Binnen-I oder Beidnennung – die Verständlichkeit oder Lesbarkeit war bei allen Probandinnen (Probanden mitgemeint) gleich gut. Der einzige Unterschied: Männer bewerteten die generisch maskuline Textfassung, die sie objektiv am schlechtesten verstanden hatten, am besten. Das wiederum begründet zwar vielleicht den Widerstand gegen ein Tool wie geschicktgendern.de, doch ist es erstaunlich, mit welcher Vehemenz Männer (und Frauen) die Sprache, wie sie sie erlernt haben, verteidigen. Die Zuschriften, in denen Usinger etwa feministische Sprachideologie oder die Manipulation der deutschen Sprache vorgeworfen werden, gehören noch zu den harmlosen. Im offiziellen Forum des Metal-Festivals Wacken wurde ein Foto und ihre private Anschrift von Usinger gepostet: „In Kiel wohnen nur Verrückte, z.B. die hier“, stand daneben. Da Usinger das Wörterbuch privat betreibt, muss ihre Adresse im Impressum stehen. Dennoch soll das Wörterbuch finanziell unabhängig bleiben, allein um der Anschuldigung „Unsinn auf Staatskosten“ keine Grundlage zu geben. Platzgründe in der beruflichen Kommunikation will Johanna Usinger jedenfalls nicht mehr gelten lassen als Argument gegen gendersensible Sprache in der beruflichen Kommunikation. Zumal längst mehr Webseiten als Drucksachen gelesen, mehr E-Mails als Briefe geschrieben werden. „Sprache spiegelt die bestehenden Verhältnisse wider, auch in förmlichen Briefen“, betont die Pädagogin „und deshalb ist diese der Schlüssel zur Gleichberechtigung.“ Dass Sprache Realität erschafft, fiel ihr insbesondere auf, als sie Mutter wurde. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kleinfamilie gewann Geschlecht fortan eine noch größere Bedeutung: Welche Rolle nehme ich als Mutter ein, welche wird mir von Kolleginnen zugeschrieben? Warum kümmere vor allem ich mich um den Haushalt und nicht der besserverdienende Vater des Kindes? Wieso schenken die Großeltern meinem Kind nur Bagger und keine Puppen? Fragen wie diese versuchen Usinger und ihr Partner gemeinsam auszuhandeln. 2015 wurde im Schwedischen zusätzlich zu „han“ und „hon“ für „er“ und „sie“ das geschlechtsneutrale Pronomen „hen“ eingeführt. Gäbe es eine Entsprechung im Deutschen, Johanna Usinger würde sie wahrscheinlich nicht nutzen, um ihr Kind anzusprechen. Aber sie würde sehr viel dafür tun, dass ihr Kind bei seiner Kontoeröffnung als der- oder diejenige angesprochen wird, als der*die es sich dann identifiziert.

von <a href="http://blogs.faz.net/blogseminar/author/annkatringehrmann/">Ann-Katrin Gehrmann</a> erschienen in Blogseminar ein Blog von FAZ.NET.

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Wiederbelebung einer Brauerei http://blogs.faz.net/bierblog/?p=3368 http://blogs.faz.net/bierblog/?p=3368#comments Thu, 19 Apr 2018 13:08:28 +0200 Tatiana Roeder http://blogs.faz.net/bierblog/2018/04/19/wiederbelebung-einer-brauerei-3368/ Das Geschenk eines Freundes erinnerte Torsten und Stephanie Witusch an eine stillgelegte Brauerei in ihrer Heimat. Die beiden trafen eine Entscheidung. Jetzt hat Groß-Gerau einen neuen... Mehr

von Tatiana Roeder erschienen in Reinheitsgebot ein Blog von FAZ.NET.

Reinheitsgebot

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Das Geschenk eines Freundes erinnerte Torsten und Stephanie Witusch an eine stillgelegte Brauerei in ihrer Heimat. Die beiden trafen eine Entscheidung. Jetzt hat Groß-Gerau einen neuen Bierproduzenten.

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[caption id="attachment_3372" align="alignnone" width="620"] Stephanie und Torsten Witusch in der Gaststätte " Rumpelstilzchen" in Groß-Gerau[/caption] Ein Angestelltendasein gilt vielen Menschen als Glücksfall: regelmäßiges Gehalt, bezahlter Urlaub, Sicherheit. Auch der Informatiker Torsten Witusch aus Groß-Gerau weiß die Vorteile seines festen Jobs sehr wohl zu schätzen, er gibt aber zu: „Unternehmerisch tätig zu sein hat auch seinen Reiz.“ Daher fährt Witusch seit einem Jahr jedes Wochenende mit einem schwarzen Opel Bedford Blitz aus dem Jahr 1981 sein eigenes Bier aus. Der große, schlanke Mann mit der schwarzen Nerdbrille hat ständig Ideen. Schon immer interessierte ihn, „was andere Leute so machen“. Im Internet informiert er sich unentwegt über Start-ups, Geschäftsmodelle und Existenzgründungen. So erfuhr der Fünfundvierzigjährige zum Beispiel, dass der traditionsreiche Berliner Mampe-Likör von Jungunternehmern erfolgreich wiederbelebt wurde. Als dann im vergangenen Jahr Freunde aus Gelsenkirchen zu Besuch kamen und Flaschen einer alten, wiederaufgelegten Biermarke mitbrachten, fiel es dem Groß-Gerauer und seiner Frau Stephanie sogleich ein: „In Groß-Gerau gab es doch auch mal eine Brauerei.“ Zum Verkauf gezwungen Das stimmt. Die Unionbrauerei Groß-Gerau bestand 99 Jahre – von 1868 bis 1967. Gegründet wurde sie von der alteingesessenen jüdischen Bierbrauerfamilie Marxsohn. Vor dem Ersten Weltkrieg produzierten 80 Beschäftigte 50.000 Hektoliter im Jahr. Doch 1936 zwangen die Nationalsozialisten die jüdischen Eigentümer, Brauerei und Mälzerei zu verkaufen. Der Betrieb ging für 380.000 Reichsmark an den Groß-Gerauer Willy Orschler und den Frankfurter Industriellen Willy Kaus. Ludwig Marxsohn konnte mit seiner Familie nach Jerusalem fliehen, sein Bruder Ferdinand und dessen Frau wurden 1942 in Theresienstadt ermordet. Kaus, der große Nutznießer der Arisierung, wurde nach Orschlers Tod, wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, alleiniger Eigentümer der Unionbrauerei. Außer mehreren Biersorten erzeugte die Brauerei in Lizenz auch Limonade von Bluna und Afri-Cola. 1967 verkaufte Kaus die Unionbrauerei, die ebenfalls ihm gehörende Heidelberger „Engelbräu“ und die Mülheimer „Ibingbrauerei“ an die Frankfurter Henninger-Brauerei, die damals Konkurrenten aufkaufte, um sie anschließend stillzulegen. In der Unionbrauerei arbeiteten damals 120 Mitarbeiter, die 100.000 Hektoliter Bier für ein Gebiet zwischen Wiesbaden, Rheinhessen und Aschaffenburg produzierten. Kurz nach dem Besuch seiner Gelsenkirchener Freunde heckte Torsten Witusch einen Plan aus: Er nahm Kontakt zu einigen ehemaligen Mitarbeitern der Unionbrauerei auf, die sich immer noch regelmäßig zum Stammtisch in Groß-Gerau treffen. So erhielt Witusch außer historischen Informationen auch die Zutatenlisten der Biere. Die Suche nach originalen Rezepturen verlief jedoch erfolglos. Da der Markenname „Unionbier Groß-Gerau“ nicht mehr geschützt war, ließ Witusch ihn registrieren, und Stephanie Witusch, von Beruf Inneneinrichterin, kreierte die Etiketten. Darin sind die Buchstaben U und B aufeinandergesetzt – ähnlich wie im Original, aber in modernem Design. 50.000 Flaschen in einem Jahr In Weinheim wurden Wituschs fündig. Sie taten eine Brauerei auf, die ihnen das neue „süffige unfiltrierte Bier mit blumigen Hopfenaromen und feinen Malznoten“ nach originalem Vorbild des Union-Hell-Export braute und nach Darmstadt zur Flaschenabfüllung mit Bügelverschlüssen lieferte. 50 Jahre nach Ende des Unionbiers belebte ein Groß-Gerauer Ehepaar, welches das Originalgetränk nur aus Erzählungen kennt, mit einem kräftigen Plopp die lokale Bierkultur wieder. „Eigentlich wollten wir anfangs nur eine Palette, das sind 40 Kisten Bier“, erzählt Torsten Witusch. Wenn sich niemand für das Getränk interessiert hätte, hätte das Paar einfach eine große Party geschmissen. Doch die Mindestabnahme waren sechs Paletten. Wituschs gingen das Risiko ein. Sie versuchten, 240 Kisten Unionbier bei Getränkehändlern in der Kreisstadt an den Mann zu bringen. Sicherlich ist die sympathische und aufgeschlossene Art des Paars eine große Hilfe beim Bierabsatz. Nicht zu unterschätzen ist jedoch auch die Lust der Groß-Gerauer Biertrinker auf etwas Neues. Nach vier Wochen waren alle Flaschen verkauft, bis Jahresende sogar 50.000 Flaschen. Mittlerweile ist das Unionbier in ausgewählten Geschäften und Restaurants im gesamten Kreis in Kisten zu haben. Gut ein Jahr nach der Neuauflage stellen Wituschs ihr nächstes Unionbier mit gelbem Etikett vor – „ein meisterliches, strohgelbes Pils mit feinen Aromen traditioneller Hopfensorten“. Nun sind es Kronkorken, die die Flaschen verschließen, weil in Darmstadt nicht mehr abgefüllt werden kann. Für eine Kiste Unionbier zahlen Kunden etwa 25 Euro plus Pfand, ein Sixpack kostet zwischen sieben und acht Euro. Außerdem haben die Wituschs nun auch Fassbier im Angebot. „Klar, unser Bier ist nicht billig, das macht schon die kleine Menge“, sagt Witusch. „Die Preise legen die Händler individuell fest. Darauf können wir keinen Einfluss nehmen.“ Auf die Frage, ob sich das Paar vorstellen könne, nur noch vom Bierverkauf zu leben, lachen beide herzlich. „Reich werden kann man damit nicht.“ Außerdem sei die Getränkeindustrie höchst kompliziert und er wolle sich lieber aus den „Brauereispielchen“ raushalten, sagt Witusch. Aber er freut sich, dass seine Frau und er Groß-Gerau ein Stück Geschichte näherbringen können.

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Völkerrechtswidriges Syrien-Bombardement http://blogs.faz.net/einspruch/?p=168 http://blogs.faz.net/einspruch/?p=168#comments Wed, 18 Apr 2018 16:17:41 +0200 Constantin van Lijnden und Corinna Budras http://blogs.faz.net/einspruch/2018/04/18/voelkerrechtswidriges-syrien-bombardement-168/ Herzlich willkommen zur 21. Folge des F.A.Z. Einspruch Podcasts! Der eigentlich im vergangenen Jahr durch einen Vergleich beigelegte Streit um das Urheberrecht an einem Affen-Selfie geht nun doch... Mehr

von Constantin van Lijnden und Corinna Budras erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Einspruch Podcast

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In der vergangenen Woche hat ein deutsches Gericht Facebook erstmals zur Wiederherstellung eines gelöschten Posts verpflichtet. Während die Pflicht zur Löschung rechtswidriger Inhalte spätestens seit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz allseits bekannt ist, wurde der spiegelbildlichen Pflicht zur Nichtlöschung rechtmäßiger Inhalte bisher weit weniger Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Entscheidung des europäischen Gerichtshofs beschränkt das Recht kirchlicher Arbeitgeber, ihre Personalentscheidungen von der Konfession der Bewerber abhängig zu machen. War nach dem bisherigen Standard des Bundesverfassungsgerichts lediglich eine „Plausibilitätskontrolle“ vorgesehen, muss nun eingehend geprüft werden, ob und welche Gründe es rechtfertigen, die Stelle nur mit einem Angehörigen der jeweiligen Religion zu besetzen. Den Abschluss bildet wie stets das gerechte Urteil, diesmal zur Löschung der Marke „Black Friday“ Den Podcast können Sie gleich hier auf Faz.net hören oder im iTunes Store oder über Podigee abonnieren. Sehen Sie hier das gesamte Angebot von F.A.Z. Einspruch – Alles was Recht ist.   Shownotes: FAS Leseraktion: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-04-16/e92d6187ff5124c57988b41399273f44?GEPC=s5 Affenselfie: http://www.sueddeutsche.de/panorama/david-slater-der-unendliche-prozess-um-ein-selfie-1.3946613 Syrien und das Völkerrecht: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-04-17/ohne-ermaechtigung/76939.html http://einspruch.faz.net/einspruch-magazin/2018-04-18/illegale-vergeltung/76741.html zu Unrecht gelöschter Facebook-Post: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-04-13/gericht-untersagt-facebook-loeschung-eines-kommentars/75259.html Hintergründe zum kirchlichen Arbeitsrecht: http://einspruch.faz.net/einspruch-magazin/2018-02-28/bis-dass-der-tod-euch-scheidet/57483.html Black Friday: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-04-07/wortmarke-black-friday-soll-geloescht-werden/73149.html

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Freiburger Austerität? http://blogs.faz.net/fazit/?p=9877 http://blogs.faz.net/fazit/?p=9877#comments Wed, 18 Apr 2018 09:29:28 +0200 fazitblog http://blogs.faz.net/fazit/2018/04/18/freiburger-austeritaet-9877/ Der Ordoliberalismus und die Euro-Krise. Ein Gastbeitrag von Stefan Kolev*)   Die Zeiten der Bedeutungslosigkeit sind offenbar für den Ordoliberalismus erst einmal vorbei. Lange galt er... Mehr

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Fazit - das Wirtschaftsblog

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  Die Zeiten der Bedeutungslosigkeit sind offenbar für den Ordoliberalismus erst einmal vorbei. Lange galt er als politisch verbraucht und akademisch erledigt. Durch die Euro-Krise hat sich das grundlegend geändert. Die Debatte darüber, ob das deutsche Denken in Ordnungen für die europäische Malaise ursächlich ist, beschäftigt spätestens seit dem im Jahr 2016 erschienenen, viel diskutierten Buch von Markus Brunnermeier, Harold James und Jean-Pierre Landau unter dem Titel "The Euro and the Battle of Ideas" auch die Wissenschaft. Im Mittelpunkt der Kritik an der deutschen Haltung zur Fiskal- und Geldpolitik steht der schwer greifbare Begriff der Austerität. Ob jemand damit auf die Sparsamkeit der "schwäbischen Hausfrau" anspielt oder auf Leitsätze wie "Schuldenprobleme lassen sich mit neuen Schulden nicht lösen" - der Begriff lässt sich leicht für Polemiken missbrauchen. Operational wird er wohl erst dann, wenn darunter der starke Fokus auf eine von Grundsätzen und Regeln geleitete - und, so die Kritiker, ihrer Spielräume beraubte - Wirtschaftspolitik verstanden wird. Zeigt sich in der deutschen Haltung zum Fiskalpakt oder in der Kritik an der gegenwärtigen Politik der EZB "der lange Schatten" der Freiburger Schule? Lässt sich hierbei ein Gegensatz "Eucken versus Keynes" konstruieren? Beobachten wir gar eine "Ordoliberalisierung" der Eurozone? Thorsten Beck und Hans-Helmut Kotz versammeln in ihrem Band, den sie ausdrücklich als Fortsetzung der von Brunnermeier, James und Landau angestoßenen Diskussion sehen, hauptsächlich Beiträge von Ökonomen. Die meisten von ihnen, so unterschiedlich sie sonst auch argumentieren, warnen vor einer Überbetonung der Relevanz des Ordoliberalismus. Harold James erläutert in seinem Vergleich von "Kant versus Machiavelli", dass die deutsche Wirtschafts- und Ideengeschichte viele andere Quellen der Vorliebe für Regelbasierung berge. Lars Feld, Ekkehard Köhler und Daniel Nientiedt zeigen zum einen mit Hinweis auf die Freiburger zeitgenössische, frühe Chicagoer Schule, dass die Regelbasierung keine deutsche Eigenart sei, und zum anderen widersprechen sie dem Mythos, dass der Keynesianismus in der Nachkriegszeit die Bundesrepublik kaum erreicht habe. Auch Michael Burda greift diesen Mythos an sowie die Auffassung, dass deutsche Ökonomen heute eine von internationalen Standards abweichende Wissenschaft praktizierten. Sollte in der Euro-Krise eine "Teutonomik" wahrnehmbar sein, führt Burda diese auf unterschiedliche nationale Interessen und die relativ üppige Nutzung von Werturteilen in der Politikberatung zurück, beispielsweise durch den Sachverständigenrat. Dessen Vorsitzender, Christoph Schmidt, weist wiederum den Ideologievorwurf zurück und betont den evidenzbasierten Charakter der Empfehlungen des Rates. Adalbert Winkler, Thorsten Beck, Hans-Helmut Kotz und Oliver Landmann zeigen sich in ihren Beiträgen skeptisch, ob das Freiburger Erbe zur makroökonomischen Steuerung und zur Finanzmarktstabilität heute überhaupt Antworten bietet. Für Charles Wyplosz steht der Ordoliberalismus gar für eine "unterentwickelte" Ökonomik, da Euckens Denkgebäude - anders als dasjenige von Keynes - in der Nachkriegszeit den Anschluss an die neuere Theoriebildung verpasst habe. Thomas Biebricher und Frieder Vogelmann ist zu verdanken, dass in einem weiteren Band zehn Übersetzungen zentraler ordoliberaler Texte in guter Qualität vorliegen. Die internationale Rezeption des Ordoliberalismus hat in den vergangenen Jahrzehnten stark unter der schlechten Verfügbarkeit der Primärliteratur auf Englisch gelitten. Warum der Band "Austerität" im Titel trägt, erschließt sich allerdings nur bedingt: Weder die Einleitung noch die vier sehr heterogenen inhaltlichen Kapitel machen hinreichend deutlich, was genau die ordoliberalen Ideen zur dem "gegenwärtigen Neoliberalismus" geschuldeten Austerität beigetragen haben. Dass diese Debatten kaum wert- oder emotionsfrei verlaufen, verdeutlicht der Titel der Konferenz, aus welcher ein dritter, von Josef Hien und Christian Joerges herausgegebener Band hervorgegangen ist: Eine "irritierende deutsche Idee" sei der Ordoliberalismus demnach, ohne Fragezeichen. Der Band enthält hauptsächlich Beiträge von Politikwissenschaftlern und Juristen und bietet neue Einblicke in die Rezeption des Ordoliberalismus in Frankreich (Arnaud Lechevalier), den Vereinigten Staaten (William Callison) und Italien (Stefano Solari). Weniger Erkenntnisse bieten andere Beiträge, die sich mit der Ideologie oder der Schuld des Ordoliberalismus befassen - für Maurizio Ferrera reiche Letztere bis zum heutigen italienischen Populismus der Fünf-Sterne-Bewegung. Brigitte Young und Philip Manow fragen, ob die deutsche Wirtschaftspolitik weniger durch (ordoliberale) Ideen als vielmehr durch (materielle) Interessen getrieben ist. Stephan Pühringer untersucht die Verbreitung der Freiburger Ideen durch verschiedene Wissenschaftler-Generationen und durch Think-Tank-Netzwerke. Malte Dold und Tim Krieger plädieren für eine inhaltliche Aktualisierung der Ordnungsökonomik durch Erweiterungen des traditionellen Freiburger Wettbewerbsbegriffs. Diese Diskussion über die Rolle von Ideen ist faszinierend, obwohl "Austerität" ein recht unbestimmter Begriff bleibt, der oft - ähnlich wie "Neoliberalismus" - als Kampfbegriff benutzt wird. Die Frage, wie sich Ideen wie diejenigen der Ordoliberalen ihren Weg in die konkrete praktische Politik bahnen, bedarf weiterer Untersuchungen. Für deren Konzeption ist zu hoffen, dass sich der interdisziplinäre Dialog weiter intensiviert und dass sich die Kritiker einer der Regelbasierung geschuldeten, ordoliberalen Austerität künftig offener für den Dialog mit Ordnungsökonomen und Praktikern zeigen.  
    Der Verfasser ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau und stellvertretender Vorsitzender des Wilhelm-Röpke-Instituts Erfurt.  Dieser Beitrag erschien erstmals am 15. April 2018 in der Rubrik "Wirtschaftsbücher" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.   Literatur: Thorsten Beck / Hans-Helmut Kotz (Hrsg.): Ordoliberalism: A German Oddity?, CEPR Press, London 2017, 224 Seiten, gebührenfreies E-Book Thomas Biebricher / Frieder Vogelmann (Hrsg.): The Birth of Austerity: German Ordoliberalism and Contemporary Neoliberalism, Rowman & Littlefield, London 2017, 278 Seiten, 27,95 Pfund Josef Hien / Christian Joerges (Hrsg.): Ordoliberalism, Law and the Rule of Economics, Hart Publishing, Oxford 2017, 325 Seiten, 85 Pfund

von <a href="http://blogs.faz.net/fazit/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Fazit - das Wirtschaftsblog ein Blog von FAZ.NET.

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Unter Julia Becker kommen neue Funke-Geschäftsführer nach Essen http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1459 http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1459#comments Tue, 17 Apr 2018 19:19:00 +0200 Jan Hauser http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/2018/04/17/unter-julia-becker-kommen-neue-funke-geschaeftsfuehrer-nach-essen-1459/ Die Funke-Mediengruppe erhält neue Geschäftsführer und damit frischen Wind für die Zeitungen und Zeitschriften. Den Aufsichtsrat lenkt mit Julia Becker eine neues Familienmitglied aus dem Kreis... Mehr

von Jan Hauser erschienen in Medienwirtschaft ein Blog von FAZ.NET.

Medienwirtschaft

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Die Funke-Mediengruppe erhält neue Geschäftsführer und damit frischen Wind für die Zeitungen und Zeitschriften. Den Aufsichtsrat lenkt mit Julia Becker eine neues Familienmitglied aus dem Kreis der Gesellschafter. [caption id="attachment_1460" align="alignnone" width="620"] Die Funke-Geschäftsführer sind Michael Wüller (von links), Ove Saffe und Andeas Schoo.[/caption] An der Spitze der Essener Funke-Mediengruppe werkeln mehrere neue Köpfe an der Zukunft des Geschäfts mit den Zeitungen und Zeitschriften. Seit dem Jahreswechsel agiert Julia Alexandra Becker, eine Enkelin des Mitgründers Jakob Funke, als Vorsitzende des Aufsichtsrates. Sie folgt hier auf ihre Mutter Petra Grotkamp. Unter der Leitung von Becker baut das Medienhaus mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro die operative Verantwortung um: Ab sofort arbeitet Ove Saffe als neuer Geschäftsführer für die Gruppe, der bisher die Geschäfte der Funke-Zeitungen „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ leitete und ehemals für den „Spiegel“-Verlag und Gruner + Jahr in Hamburg tätig war. Das teilte die Mediengruppe am Dienstag mit. Schon von April an wirkt Andreas Schoo als neuer Geschäftsführer in Essen, der im vergangenen Jahr aus der Geschäftsleitung des Hamburger Bauer-Verlages ausschied. Die Führungsspitze komplettiert Michael Wüller, der seit dem Jahr 2015 Geschäftsführer ist und vorher den Aufsichtsrat leitete. Die beiden Neuen an der Spitze übernehmen damit zu zweit die Aufgaben des Geschäftsführers Manfred Braun, der dieses Jahr 66 Jahre alt wird und Ende März das Unternehmen verlassen hat. Braun hatte lange Zeit auch für Bauer in Hamburg gearbeitet. Das Geschäftsführer-Trio teilt sich die Aufgaben Der 57 Jahre alte Saffe kümmert sich um das Zeitungsgeschäft, das im Jahr 2016 auf einen Umsatz von etwa 592 Millionen Euro kam und damit 45 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt. Dieser Teil ist der Kern des Medienhauses: Mit der Gründung der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ legten Jakob Funke und Erich Brost den Grundstein für das Unternehmen, zu dem heute weitere Regionalzeitungen wie „Neue Ruhr Zeitung“, „Thüringer Allgemeine“ und „Braunschweiger Zeitung“ gehören. Der 57 Jahre alte Schoo ist für Zeitschriften und das Digitale verantwortlich. Fernsehtitel wie „Hörzu“ und „TV Direkt“, Frauenzeitschriften wie „Die Aktuelle“ und „Das goldene Blatt“ sowie Rätsel- und Eisenbahnhefte: Zusammen kamen die Zeitschriften auf einen Umsatz von etwa 380 Millionen Euro vor zwei Jahren. Für Wüller, Jahrgang 1967 und ehemals Partner einer mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, liegt der Schwerpunkt auf die Finanzen der Unternehmensgruppe. Fünf Millionen Euro als Gehalt Die Arbeit als Geschäftsführer in Essen lohnt sich durchaus. Im Jahr 2014 erhielten die damalige Geschäftsführung von zwei Köpfen ein Gehalt von zusammen mehr als 5 Millionen Euro, wie in der Bilanz im Bundesanzeiger steht. Zwei Jahre zuvor lagen die Bezüge der Gruppengeschäftsführung sogar bei etwas mehr als 16 Millionen Euro für vier Köpfe. Da hatte Funke-Tochter Petra Grotkamp gerade den Brost-Enkeln deren Hälfte am Unternehmen abgekauft und stieg zur Mehrheitsgesellschafterin auf. Mit dem Zukauf war der Abgang des ehemaligen SPD-Politikers Bodo Hombach aus der Geschäftsführung verbunden, der dort die Brost-Familie vertrat. Seine Abfindung dürfte sich in den Gesamtbezügen bemerkbar machen. Zuvor kamen zwei Köpfe in der Geschäftsführung noch auf etwa 3 Millionen Euro als Jahresgehalt. Mit dem Zukauf steigerte Grotkamp ihre Anteile auf zwei Drittel und stieg zur Mehrheitsgesellschafterin auf. Ihre Unternehmensanteile übertrug sie jüngst auf ihre Kinder Niklas Jakob Wilcke, Becker sowie Nora Maria Marx, die alle im Aufsichtsrat sitzen. Der Generationenwechsel ist eingeleitet. Mehr im Blog: Funke und DuMont kommen nicht zusammen Funke wechselt die Aufsichtsratsspitze VDZ-Präsident Holthoff-Pförtner sorgt sich um die Freiheit in Europa VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner: Blumenverkäufer, Anwalt, Verleger Springer und die Milliardenübernahme Zusammen gegen Google: Verleger probieren mehr Zeitschriften aus Anzeigenallianz freigegeben: Springer und Funke dürfen zusammen Werbung verkaufen Springer und Funke warten auf das Kartellamt Funke-Mediengruppe macht weniger Umsatz und weist Konzernverlust aus Funke baut Zentralredaktion mit Jörg Quoos auf Westfälischer Zeitungsverlag insolvent Vom Zeitungshaus zu Aldi Süd: Reihen der Funke-Mediengruppe lichten sich Die lokale Zeitungskooperation: Rheinische Post tauscht sich mit Funke aus „Hörzu“ geht an Funke und „Funkuhr“ an Klambt Millionengeschäft: SPD verkauft Anteil an "Westfälischer Rundschau" Anzeigenrückgänge: Die WAZ spart und streicht 200 Stellen Konzentration aufs Lokale: WAZ-Gruppe strafft Abläufe und baut um _____________________________________________________________ F.A.Z.-Blog Medienwirtschaft www.faz.net/medienwirtschaft Twitter: www.twitter.com/jan_hauser Snapchat: hauserhier

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Auf dem Gipfel – thematisch und ästhetisch http://blogs.faz.net/comic/?p=1198 http://blogs.faz.net/comic/?p=1198#comments Mon, 16 Apr 2018 10:05:00 +0200 Andreas Platthaus http://blogs.faz.net/comic/2018/04/16/auf-dem-gipfel-thematisch-und-aesthetisch-1198/ Eine Überraschung aus Veteranenfeder kommt nach Deutschland: Der von Jean-Claude Fournier gezeichnete Himalaya-Comic „Die Windpferde“. Mehr

von Andreas Platthaus erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

Comic

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https://salleckpublications.de/Gesamtverzeichnis/Die-Windpferde/Windpferde-Gesamtausgabe.html). Seine Bergwelt ist ein fest für die Augen, und die Aquarellfarben, die er benutzt, beschwören das ausgebleichte Hochgebirgslicht grandios herauf, in dem aber immer wieder winzige Zeugnisse menschlicher Anwesenheit kräftige Farbtupfer setzen. Bis dann das Kloster erreicht wird, und eine Orgie in Rot die Seiten füllt. Es ist oft in der Analyse von Bildern von Farbdramaturgie die Rede, aber selten sieht man sie so anschaulich vorgeführt wie in „Die Windpferde“. Und die Druckqualität der deutschen Ausgabe entspricht genau der französischen. Der Titel verdankt sich übrigens den buddhistischen Gebetsfahnen, die im Himalaya mit dieser Metapher benannt werden, und man erfährt nebenbei einiges über die dortige Glaubenspraxis. Wie auch über die Geschichte einer Region, die selten im Fokus unserer Aufmerksamkeit steht, wenn es nicht um Alpinismus geht. Nur das Lettering von Michael Beck fällt gegenüber Fourniers Original drastisch ab: zu dick die Buchstaben, zu gedränt die Zeilen. Marcel Le Comte hat aber flüssig und präzise übersetzt. Die Herausgabe dieses Buches ist eine Großtat. Und dass es Fournier auch noch gelingt, die wenigen europäischen Akteure eher karikaturesk zu zeichnen, während die Einheimischen realistisch dargeboten werden, das ist eine intelligente Umkehrung der klassischen frankobelgischen Comictradition.

von <a href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

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Frank Zappa: „Bobby Brown“ http://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1265 http://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1265#comments Sat, 14 Apr 2018 09:00:52 +0200 Julia Bähr http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2018/04/14/frank-zappa-bobby-brown-1265/ Dieses erstaunliche Lied wird seit Jahren unerschrocken von deutschen Renter-Radiosendern gespielt. Dafür gibt es nur eine einzige logische Erklärung, und sie lautet: Die haben nie auf den Text gehört. Mehr

von Julia Bähr erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von FAZ.NET.

Pop-Anthologie

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Dieses erstaunliche Lied wird seit Jahren unerschrocken von deutschen Renter-Radiosendern gespielt. Dafür gibt es nur eine einzige logische Erklärung, und sie lautet: Die haben nie auf den Text gehört.

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[caption id="attachment_1264" align="aligncenter" width="620"] Frank Zappa 1968[/caption]   Bobby Brown Hey, there people I'm Bobby Brown They say I'm the cutest boy in town My car is fast, my teeth are shiny I tell all the girls they can kiss my heiny Here I am at a famous school I present sharp and I'm acting cool I've got a cheerleader here wants to help with my paper Let her do all the work and maybe later I rape her Oh God, I am the American dream I do not think I'm too extreme And I'm a handsome son of a bitch I'm gonna get a good job and be real rich (Get a good, get a good, get a good, get a good) Women’s liberation Came creeping all across the nation I tell you people I was not ready When I fucked this dyke by the name of Freddie She made a little speech then Oh she tried to make me say when She had my balls in a vice but she left the dick, I guess it's still hooked on but now it shoots to quick Oh God, I am the American dream But now I smell like vaseline And I'm a miserable son of a bitch Am I a boy or a lady? I don't know which (I wonder, wonder, wonder, wonder) So I went out and bought me a leisure suit I jingle my change, but I'm still kinda cute Got a job doing radio promo, And none of the jocks can even tell I'm a homo Eventually me and a friend, Sort of drifted along into S&M I can take about an hour on the tower of power As long as I gets a little golden shower Oh God, I am the American dream With a spindle up my butt till it makes me scream And I'll do anything to get ahead I lay awake nights saying "Thank you, Fred" Oh God, oh God, I'm so fantastic Thanks to Freddie, I'm a sexual spastic And my name is Bobby Brown Watch me now; I'm goin' down, And my name is Bobby Brown Watch me now; I'm goin' down, And my name is Bobby Brown, Watch me now, I'm going down

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Welch Ironie der Musikgeschichte, dass ein Lied mit einem derart anstößigen Text von allen europäischen und skandinavischen Radiosendern unbekümmert gespielt wurde und bis heute wird. „Bobby Brown“ von 1979 klingt beim oberflächlichen Zuhören harmlos-rustikal, doch die  amerikanischen Radiostationen weigerten sich sofort, es zu spielen. Dort verstand man offenbar zumindest einen Großteil des Textes und beschloss den Boykott, der das Lied tatsächlich an einem Eintritt in die Charts hinderte. Hierzulande allerdings konnte fast nichts seinen Erfolg bremsen. [embed]https://www.youtube.com/watch?v=FuT4dvakkiA[/embed] Aber was ist eigentlich so schlimm an dem Lied? Zappa war ein großer Provokateur und verfolgte dabei zwei gegensätzliche Strategien. Erstens: etwas obszön klingen und dann harmlos ausgehen lassen, so geschehen bei seinem Song „Harder Than Your Husband“. Darin geht es zwar tatsächlich um eine mögliche Affäre, wie der Titel vermuten lässt, doch die Zeile heißt im Ganzen: „I’ll be harder than your husband to get along with“, also in etwa: „Mit mir auszukommen, wird schwieriger sein als mit deinem Mann.“ Die zweite Variante wendete er in „Bobby Brown“ an: Darin klingen die Worte harmloser, als sie sind. „I’ll do anything to get ahead“ etwa könnte man als „Ich tu alles, um voranzukommen“ verstehen – aber eben auch als „I’ll do anything to get a head“, und schon geht es um den Wunsch nach Oralsex, was zum Rest des Textes tatsächlich besser passt. Am Ende wiederholt er „Watch me now; I’m going down“, wobei „going down“ zahlreiche Bedeutungen haben kann, darunter Untergehen, Heruntergehen, aber eben auch: an jemandem Oralsex vollziehen. „Bobby Brown“ ist eine hundsgemeine Satire auf reiche Jungs in Eliteschulen, die als selbstverliebt und frauenverachtend dargestellt werden. Der Protagonist wird von der Frauenrechtsbewegung überrascht und hat Sex mit „this dyke by the name of Freddie“ („dyke“ ist ein abwertendes Wort für Lesbe). Freddie hält dabei seine „balls in a vice“, hat also seine Hoden fest im Griff, seitdem leidet Bobby unter ejaculatio praecox. Später wird er selbst homosexuell und begeistert sich für Sadomaso. Die folgenden Zeilen erklärte Frank Zappa 1980 einem schwedischen Radiomoderator, der offenbar ebenso wenig wie Thomas Gottschalk ahnte, womit er es gleich zu tun bekäme. In Kürze: Beim „Tower of Power“ handelt es sich um einen Stuhl, aus dessen Sitzfläche ein Dildo ragt. Eine SM-Vorrichtung, die Zappa in einem Laden in Los Angeles sah und mit seinem Song sozusagen unterschwellig berühmt machte. Auch die „golden shower“ erläuterte Zappa im Radio: als „eine Sexpraktik, bei der eine Person die andere anpinkelt“, im Deutschen als „Natursekt“ bekannt. „Bobby Brown“ ist also recht ungewöhnliches Material für all die Rentnersender, die das Lied regelmäßig spielen. Frank Zappa sagte dem schwedischen Moderator, er müsse immer lachen, wenn Leute in der Disco dazu tanzten. Wenn er nicht 1993 gestorben wäre, hätte er noch heute viel zu lachen. „Bobby Brown“ war der Testballon zur Frage, was man sich alles erlauben kann, wenn man darauf setzt, dass die Leute nicht ganz so genau hinhören. Ergebnis: ungefähr alles. Und wer weiß, ob die amerikanischen Radiosender nicht in punkto Obszönität ein Auge zugedrückt hätten, wenn er nicht auch noch den amerikanischen Traum beleidigt hätte.

von <a href="http://blogs.faz.net/pop-anthologie/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von FAZ.NET.

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34. Lesung: Kriegsende in Jerichow http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1007 http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1007#comments Sat, 14 Apr 2018 08:00:05 +0200 Birte Förster http://blogs.faz.net/cresspahl/2018/04/14/34-lesung-kriegsende-in-jerichow-1007/ Als die SS ihm kurz vor Kriegsende befiehlt, seine Schleuse zu sprengen, leistet Martin Niebuhr Widerstand. Er informiert die Rote Armee und rettet so das Leben von Nachbarn und KZ-Häftlingen. 34. Lesung in Johnsons "Jahrestagen" Mehr

von Birte Förster erschienen in Die Woche mit Frau Cresspahl ein Blog von FAZ.NET.

Die Woche mit Frau Cresspahl

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Für die Familie Cresspahl bedeutet der zu Ende gehende Krieg einen weiteren schweren Verlust: Im März kommen Hilde Paepcke und ihre Kinder Alexandra, Eberhardt und Christine bei einem Luftangriff auf den LKW um, in dem sie „auf einer Landstraße in Vorpommern“ fuhren. Ihr Grab können Heinrich und Gesine Cresspahl nach dem Krieg nicht finden. Vom Kriegsende in Jerichow und Wendisch Burg handelt die vierunddreißigste Lesung.

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Darum geht es in diesem Blog

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  „Alle Deutschen haben es gewußt, Gesine“ (7. April 1968) Heinrich Cresspahls Strategie, auf dem Flugplatz Mariengabe den etwas tumben Sonderling zu geben, ist aufgegangen: Der für die britische Flugabwehr spionierende Kunsttischler ist heil durch den Krieg gekommen, weil die deutsche Spionageabwehr ihn für einen „harmlosen Alten“ hält. Von den Schulberichten seiner Tochter über die Vernichtung Londons durch V2-Raketen lässt er sich hinreißen zu einem „überraschten, dann deftigen Lachen“, und so sitzt sie „freundlich beobachtend“ im Unterricht und weiß: Der Krieg ist bald vorbei.

„Es war für ein Kind zu sehen. In Jerichow gab es noch Familien, deren Eltern glaubten an die Volksgemeinschaft und kauften keine Familien schwarz, da hungerten die Kinder.“

Infrastrukturen funktionieren nicht mehr, sogar der Eisenbahnverkehr auf der Stichstrecke Jerichow-Gneez ist eingeschränkt, Briefe kommen nicht mehr an. Das Leben der Jerichower kommt zu einem Stillstand, selbst Radfahrten von mehr als drei Kilometern sind nicht mehr erlaubt. Gesines Lehrerin fragt Anfang 1945 an, wann die Elfjährige „denn nun endlich dem Jungmädelbund“ beitreten werde, aber Cresspahl glaubte noch nie an die Volksgemeinschaft und hält es nicht mehr für nötig: „Nè. Nu nich mihr, Gesine“. Über Mariengabe hat Cresspahl kaum noch berichten müssen, wohl aber über Standorte der Flugzeugproduktion und zur Testung von Luftwaffen. Die Informationsbeschaffung tarnte er als Besuche bei Verwandten oder als Reisen zur Suche nach Holz und Ersatzteilen. Noch etwas anderes meldet Cresspahl den Briten.

„Wo immer es anging, fügte er seinen Berichten Angaben über die mecklenburgischen Konzentrationslager bei, damit wohl die heinckelschen Betriebsauslagerungen getroffen wurden, nicht aber die ausländischen Zwangsarbeiter bei Krakow, in Retzow bei Rechlin, in Neustadt-Glewe, Rövershagen, Reiherhorst bei Wöbbelin und besonders in der Comthurey bei Alt-Strelitz. Die Insassen dieses Lagers hatte er in der Nähe des Bahnhofs gesehen, als sie zur Arbeit auf das Gut des S. S.-Obergruppenführers Oswald Pohl getrieben wurden, krummgeschlagen, wie verhungerte Tiere trottende Menschen.“

[caption id="attachment_1016" align="aligncenter" width="515"] Steine mit den Namen der im Konzentrationslager umgekommenen Häftlinge sind am 2. Mai 2014 bei der Gedenkfeier anlässlich des 69. Jahrestages der Befreiung des KZ Wöbbelin zu sehen.[/caption] Von den Konzentrationslagern haben alle gewusst, sagt der Vater seiner Tochter, im imaginären Gespräch. Martin Niebuhr sprengt seine Schleuse nicht (11. und 12. April 1968) Die deutsch-demokratische Geschichtspolitik erzählt in Johnsons Romanwelt 1965, zum 800jährigen Jubiläum der fiktiven Stadt Wendisch Burg, die Geschichte der Ankunft sowjetischer Truppen in der Stadt so: Deren Rettung „vor Beschuß und Bombardement“ wird „Alfred Wannemaker und Hugo Buschmann zugeschrieben, beides Mitglieder der damals verbotenen Kommunistischen Partei und heute in hohen Funktionen in der Bezirksleitung Rostock und in einem Ostberliner Ministerium“. Ähnlich dem Mythos der Selbstbefreiung Buchenwalds durch kommunistische Insassen wird die Stadt durch antifaschistischen Widerstand und die heroische Tat zweier Kommunisten und ihres polnischen Dolmetschers vor der Zerstörung gerettet.

„Der Pole als Dolmetscher, die klassenkämpferische Solidarität der Nationen, und die Rote Armee zogen zwischen den unversehrten Fachwerkgiebeln der Alten Straße von Wendisch Burg“

– so die Erzählung des Jahres 1965, von Johnson an DDR-amtliche Darstellungen der Übergabe Güstrows am 2. Mai 1945 angelehnt. Heinrich Cresspahl erzählt seiner Tochter eine ganz andere Geschichte. Er muss es tun, weil deren Hauptakteur, sein schweigsamer Schwager, der Schleusenwärter Martin Niebuhr, seiner Nichte selbst nichts sagen würde: „Kennst ihn ja“. Die Rede ist

„von einem geduckten, langarmigen Mann in blauem Maschinistenzeug, der seine Kraft ohne Eile einsetzt, langsam ist im Reden wie in Entschlüssen, nahezu verschlafen, der überraschend ‚aufgewacht‘ ist, nicht nur umsichtig, auch schnell handelt, notfalls verschlagen und verlogen, schließlich richtig. Aufgeweckt hat ihn der Entschluss eines S. S.-Obersturmführers, die Havelschleuse Wendisch Burg zu sprengen und mit allem Wasser oberhalb davon die sowjetischen Verbände nach Süden wegzuspülen.“

Die Sprengung seiner Schleuse geht dem Beamten gegen den Strich, Dämmung und Kontrolle von Wasser waren sein Leben, zudem würde eine Sprengung nicht nur die Umgebung zerstören, sondern auch seine Existenz aufs Spiel setzen, auch wurde der Weisungsweg vom Wasseramt in Berlin nicht eingehalten, so Heinrich Cresspahl. Martin Niebuhr verkürzt diesen Motivkomplex eines gewissenhaften Staatsdieners den „Pionieren“ gegenüber, die am 28. April 1945 von der SS zu seiner Schleuse geschickt werden, auf „Dat geit nich“. [caption id="attachment_1019" align="aligncenter" width="515"] Frauen und Männer des Volkssturms beim Ausheben eines Panzergrabens bei Berlin, 9. April 1945[/caption] Gertrud Niebuhr lädt die beiden „Pioniere“ zum Essen ein und lässt sich ausführlich beim Abendbrot über all die Menschen aus, die das Wasser mitreißen oder in ihrer Existenz gefährden würde. Martin Niebuhr erklärt den beiden beim Schnaps, von dem er eigentlich eine Kuh hatte kaufen wollen, welche Wege nach Norden die Rote Armee trotz der Sprengung nehmen könnte, und damit die Sinnlosigkeit des Unterfangens. Auf dem Dachboden der Niebuhrs hält sich der Deserteur Karsch versteckt „und Karsch fiel es ein, daß da doch auch Telefon sei, wo die Russen inzwischen standen“. Über das Binnennetz des Wasserstraßenamtes informiert er einen sowjetischen Offizier über die Ankunft der SS „am Geburtstag des Österreichers“. Sie hatte die Bewohner am Südertor Panzergräben ausheben lassen und die Stadt für die Sprengung vorbereitet, Häftlinge aus umliegenden Konzentrationslagern sollten bei der Ankunft der Roten Armee erschossen werden, darunter auch Russen. Die sowjetischen Truppen nehmen Wendisch Burg daraufhin im Morgengrauen von Norden ein und befreien die Häftlinge; die beiden Pioniere desertieren. [caption id="attachment_1015" align="aligncenter" width="451"] Einzug sowjetischer Truppen in Leipzig 1945[/caption] Der Widerstand der Romanfiguren ist keine heroische Tat, sondern er geschieht eher aus Common sense. Die Sprengung der Schleuse hat zu hohe Kosten für Martin Niebuhr selbst und seine Nachbarn. Cresspahl ist erpressbar und nutzt seine Möglichkeiten, dabei immer auf der Hut, um Gesine nicht zu gefährden. Dieser pragmatische Widerstand macht deutlich: Es gab Möglichkeiten, sich zu widersetzen. Er hat aber auch Grenzen, und hier liegt Gesine mit ihrem Vater überkreuz. Als Ostern 1939 ein entflohener jüdischer KZ-Häftling namens Gronberg auf Cresspahls Hof auftaucht und sich nach Dänemark retten will, versorgt er ihn zwar mit Essen und Informationen, aber er schickt ihn allein weiter nach Rande, wo er Fischer überreden müsste, ihn nach Dänemark zu bringen. Denn er will seine Spionagetätigkeit „um dieses Einen willen“ nicht gefährden. „Ich wünschte sehr, Cresspahl auch hierin zu verstehen“ – resümiert die Tochter an dem Tag, an dem im Jahr 1968 das Pessach-Fest beginnt. Von Gronberg erfahren die Leser*innen der „Jahrestage“ nichts weiter, und das deutet darauf hin, dass er die Shoah nicht überlebt hat.

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Literatur: Holger Helbig, Klaus Kokol, Irmgard Müller, Dietrich Spaeth, Ulrich Fries (Hrsg.), Johnsons Jahrestage. Der Kommentar, Göttingen 1999. Aktualisierte Fassung. Rolf Michaelis, Kleines Adreßbuch für Jerichow und New York. Ein Register zu Uwe Johnsons Roman „Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“ (1970-1983), Frankfurt a. M. 1983. Überarbeitet und digital neu herausgegeben von Anke-Marie Lohmeier 2012. Herfried Münkler, Antifaschismus und antifaschistischer Widerstand als politischer Gründungsmythos der DDR, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 45 (1998), S. 16-29. Martina Ölke, Gereinigte Vergangenheit? Strategien der Gemeinschaftskonstituierung in Bruno Apitz’ Roman Nackt unter Wölfen(1958), in: Elisabeth Cheauré/Antonia Napp/Regine Nohèjl (Hrsg.): „Vater Rhein und Mutter Wolga...“. Würzburg 2005, S. 205-221. Ramona Ramsenthaler, Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, in: Bildungsangebote der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, hrsg. Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust e. V., Dez. 2011, S. 5-9.

von <a href="http://blogs.faz.net/cresspahl/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Die Woche mit Frau Cresspahl ein Blog von FAZ.NET.

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Osterrätsel 2018 – die Diskussion http://blogs.faz.net/planckton/?p=1768 http://blogs.faz.net/planckton/?p=1768#comments Tue, 10 Apr 2018 20:17:19 +0200 Jochen Reinecke http://blogs.faz.net/planckton/2018/04/10/osterraetsel-2018-die-diskussion-1768/ Liebe Leserinnen und Leser, mit krankheitsbedingter Verspätung ist nun die Diskussion eröffnet. Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Hinweise. Achtung, jeder Kommentar wird von Hand freigeschaltet,... Mehr

von Jochen Reinecke erschienen in Planckton ein Blog von FAZ.NET.

Planckton

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Abschied von der weißen Wildnis http://blogs.faz.net/antarktis/?p=94 http://blogs.faz.net/antarktis/?p=94#comments Tue, 10 Apr 2018 18:13:09 +0200 Ricarda Winkelmann und Ronja Reese http://blogs.faz.net/antarktis/2018/04/10/abschied-von-der-weissen-wildnis-94/ Nachdenkliches Ende unserer Forschungsexpedition: Hundert Jahre nach Shackleton, nach hundert Probenahmen im Eis, das so ewig nun nicht mehr ist, blicken wir auf die verletzlichen Gletscher der Antarktischen Halbinsel, die immer schneller dahinschmelzen. Mehr

von Ricarda Winkelmann und Ronja Reese erschienen in Aufbruch in die Antarktis ein Blog von FAZ.NET.

Aufbruch in die Antarktis

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Endurance auf Rettung geharrt. Ihr Schiff war auf einer der ersten großen Expeditionen ins Weddellmeer im Packeis stecken geblieben und vom Eis zerdrückt worden. Nachdem die Entdecker es mit Rettungsbooten hierher geschafft hatten, brach der Expeditionsleiter Shackleton von der Insel aus mit einer kleinen Gruppe auf, um Hilfe zu holen - erfolgreich. Ein Jahrhundert später sind wir auf den Spuren dieser Pioniere unterwegs – acht Wochen durch das  Weddellmeer. Sicher hat der Eisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts uns und unsere Kollegen durch das Meereis zu den zusammen mehr als hundert Stellen gebracht, an denen Proben genommen und Messungen durchgeführt wurden. [caption id="attachment_96" align="aligncenter" width="1562"] Abschied von der Antarktis bei den südlichen Shetlandinseln.[/caption] Über Wochen waren wir umgeben von Meereis, das sich zum Ende des Sommers hin immer schneller ausgedehnt hat, von Tafeleisbergen und der steilen, Polarstern teils überragenden Schelfeiskante.  Nun ist statt Eis plötzlich felsiges Land in Sicht, und wir staunen über die schneebedeckten Berge und Inseln an der Spitze der Antarktischen Halbinsel. Dieser historische Ort hat auch ganz aktuell viel Aufmerksamkeit bekommen: Im Juli letzten Jahres ist ein Eisberg, so groß wie das Saarland, vom Larsen C Schelfeis abgebrochen – einer der größten Eisberge, die bisher beobachtet wurden. Das Kalben von Eisbergen an den Rändern der schwimmenden Schelfeise ist eigentlich Teil eines natürlichen Zyklus: Über Jahrzehnte schiebt sich das Eis immer weiter auf den Ozean vor, dabei bilden sich Risse und Spalten, und die Ränder des Schelfeises brechen schließlich als Eisberge ab. Besonders an diesem jüngsten Kalbungsereignis sind seine Umstände. 1995: das nördlich gelegene Larsen A Schelfeis bricht vollständig auseinander. 2002: innerhalb weniger als einem Monat kollabiert das größere, südlich gelegene Larsen B Schelfeis. Beide waren über Jahrtausende hinweg stabil. Ihr Zerfall ging mit einer Erwärmung der Atmosphäre und verstärktem Schmelzen an der Oberfläche der Schelfeise einher. .2017 folgte nun das Abkalben des ungewöhnlich großen Eisbergs vom benachbarten Larsen C Schelfeis. Zerfällt nach Larsen A und B nun auch das Larsen C Schelfeis? Das ist noch nicht klar. [caption id="attachment_95" align="aligncenter" width="1346"] Sonnenuntergangsstimmung vor der Elefanteninsel.[/caption] Klar ist: Durch den Kollaps von Larsen A und B hat sich das zähe Fließen der angrenzenden Gletscher im Inland deutlich beschleunigt, sie transportieren mehr Eis in Richtung Ozean, wodurch der Meeresspiegel steigt. Die Schelfeise wirken also wie Schutzschilde, die den Fluss der angrenzenden Gletscher abbremsen. Verlieren die Schelfeise Masse durch das Abkalben von Eisbergen oder durch das Schmelzen an der Unterseite im Kontakt mit wärmerem Ozeanwasser, zieht sich die sogenannte Aufschwimmlinie – also die Grenze zwischen schwimmendem Schelfeis und aufliegendem Inlandeis – zurück. Je nach Bodenbeschaffenheit kann hierdurch ein unaufhaltsamer Verlust an Eis in Gang gesetzt werden. Bereits in den 70er Jahren haben Glaziologen erkannt, dass Eismassen, die unter dem Meeresspiegel aufliegen, unter bestimmten Bedingungen instabil werden können. In der Amundsen Region der Westantarktis beispielsweise treffen diese Bedingungen zu – und neueste Messdaten zeigen, dass die Gletscher hier vermutlich bereits einen Kipppunkt überschritten haben. Das wäre eine Veränderung historischen Ausmaßes. Ein Verlust dieses Bereichs der Westantarktis würde den Meeresspiegel weltweit um mehr als einen Meter anheben. Wie schnell oder langsam das geht, ist unklar – entscheidend ist aber: Was in der Antarktis passiert, hat Auswirkungen weltweit. [caption id="attachment_97" align="aligncenter" width="5919"] Ein Blick auf die King-George-Insel.[/caption] Am Morgen werden wir in Punta Arenas anlegen. Statt des sanften Auf und Ab, des Ruckelns und seitlichen Rutschens beim Brechen der Eisschollen, das uns in den letzten Wochen begleitet hat, nun wieder das Rollen der Wellen. Auf einmal geht alles ganz schnell: Auf unserem Weg durch die Drakestraße sehen wir die ersten Frachtschiffe, in der Magellanstraße erfüllen nachts die Lichter von Dörfern, Ölplattformen und Fischerschiffen den Horizont. Hier sind die menschlichen Aktivitäten wieder direkt sichtbar. Tief im Eis hatten wir den Eindruck, alleine zu sein in der unberührten, spektakulären Natur; doch auf unserer Expedition haben wir erneut festgestellt, dass der weltweite und vom Menschen verursachte Klimawandel auch die Antarktis fundamental verändern kann. Es ist ein Gedanke, der uns zum Abschluss festhält: So klein und schutzlos wir Menschen auch sind im Angesicht des ewigen Eises - seine zukünftige Entwicklung liegt in unserer Hand.   Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns bei unserer Arbeit an Bord von Polarstern und darüber hinaus tatkräftig unterstützt haben – und ohne die dieser Blog nicht möglich gewesen wäre. Unser ganz besonderer Dank gilt F.A.Z.-Wissenschaftsressortleiter Joachim Müller-Jung, unserem Fahrtleiter Michael Schröder vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Kapitän Stefan Schwarze, unseren Projektpartnern Dirk Notz und Leif Riemenschneider vom Max-Planck-Institut für Meteorologie, dem Helikopter-Team Lars Vaupel, Michael Gischler, Roland Richter und Mark Rothenburg, der Meereisgruppe Stefanie Arndt, Marcus Huntemann, Nicolas Stoll vom Alfred-Wegener-Institut sowie Yannick Kern und allen weiteren Helfern auf der Scholle. Wir danken auch dem AWI-Kommunikationsteam, allen voran der Polarstern-Betreuerin Folke Mehrtens, dem PIK-Kommunikationsteam, geleitet von Jonas Viering, und unseren Kollegen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Danke an die Crew und alle Wissenschaftler an Bord von Polarstern für eine unvergessliche Forschungsreise in die Antarktis!
“Difficulties are just things to overcome, after all.” ― Ernest Shackleton

von <a href="http://blogs.faz.net/antarktis/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Aufbruch in die Antarktis ein Blog von FAZ.NET.

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Siegen auf Russisch http://blogs.faz.net/schachblog/?p=1354 http://blogs.faz.net/schachblog/?p=1354#comments Tue, 10 Apr 2018 10:57:51 +0200 Stefan Löffler http://blogs.faz.net/schachblog/2018/04/10/siegen-auf-russisch-1354/ Viel hatte Fabiano Caruana nicht von sich erwartet. Schließlich lagen zwischen seinem Sieg im 14 kräftezehrende Runden langen Kandidatenturnier und dem Grenke Classic nur ein Tag voller Interviews,... Mehr

von Stefan Löffler erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

Berührt, geführt

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Grenke Classic nur ein Tag voller Interviews, ein Tag im Zug und ein Tag, um sich an eine andere Stadt und ein anderes Hotelzimmer zu gewöhnen. Dagegen kamen fast alle seine Konkurrenten ausgeruht nach Karlsruhe. Also hatte sich der Amerikaner gesagt, er spiele das Turnier zum Spaß. Nun hat er das Grenke Classic, das nach drei Runden in Karlsruhe in Baden-Baden fortgesetzt wurde, mit einem Punkt Vorsprung gewonnen. Und nicht nur das: Genau sieben Monate vor seinem WM-Kampf gegen Magnus Carlsen hat er sich Platz zwei in der Weltrangliste zurückgeholt. Eine Schwäche hat der Herausforderer allerdings gezeigt. In keiner seiner fünf Weiß-Partien beim Grenke Classic hat Caruana den Vorteil des ersten Zugs nutzen können. Im Gegenteil kam er gleich zu Beginn gegen Carlsen nahezu verloren aus der Eröffnung. Caruana hat diese schwierige Partie ebenso remis gehalten wie die in Runde sechs gegen Hou Yifan, die ihn mit seiner eigenen Haupteröffnung Russisch konfrontierte. Wollte Caruana Carlsen keinen Hinweis geben, welches Mittel gegen Russisch er am meisten fürchtet? Jedenfalls spielte er gegen sein Russisch so schlapp, dass die Chinesin angenehmener aus der Eröffnung kam und ihren Vorteil bald ausbauen konnte. Im Endspiel hätte sie einen hübschen Gewinnweg gehabt. [fen]8/1B6/p7/1p1p4/2p2n2/P1P1k3/1KP5/8 b - - 0 1[/fen] Mit 64. ... Kd2 65. Lxa6 Sd3+!! 66. cxd3 d4! konnte die Chinesin einen Bauerndurchbruch auf der gerade noch von zwei weißen Bauern verrammelten c-Linie inszenieren. Der Bauer läuft auch nach 66. Kb1 Se1 67. Kb2 Sxc2 68. Lxb5 d4! 69. cxd4 (69. Lxc4 dxc3+ 70. Ka2 Sd4) 69. ... c3+ 70. Ka2 Sb4+! 71. axb4 c2 durch. Stattdessen zog Hou das naheliegende 64. ... a5. Caruana hielt remis. Nur gegen Naiditsch, der in einer symmetrischen Bauernstellung nicht pragmatisch ein Remis ansteuern wollte, gelang Caruana ein Weißsieg. Umso besser lief es mit Schwarz. Da gewann er drei seiner vier Partien. Und zwar nicht durch Geschenke. Caruana überspielte seine Gegner. Darunter auch den elostärksten Spieler, der sich nicht für das Berliner Kandidatenturnier qualifiziert hatte. Gegen Maxime Vachier-Lagrave gewann er eine Musterpartie. Vor der letzten Runde war die Ausgangssituation ähnlich wie beim Kandidatenturnier. Caruana führte mit einem halben Punkt vor zwei Verfolgern und hatte Schwarz. Wie in Berlin gegen Grischtschuk spielte er nun gegen Nikita Witjugows 1.e4 Russisch - also 1. ... e5 2. Sf3 Sf6. Und wie viel Leben in dieser vermeintlichen Remiseröffnung steckt! Witjugow wählte wie Grischtschuk die Variante 3. d4 Sxe4 4. dxe5 d5 5. Sbd2. Caruana tauschte dieses Mal nicht die Springer, was die weiße Entwicklung voranbringt, sondern reagierte mit dem kuriosen neuen Zug 5. ... Dd7!? [fen]rnb1kb1r/pppq1ppp/8/3pP3/4n3/5N2/PPPN1PPP/R1BQKB1R w KQkq - 0 1[/fen] Nun hat Schwarz 6. Sxe4 dxe4 nicht zu fürchten, weil er die Dame mit dem Springer statt dem König schlagen kann. Auf 6. Ld3 aber hat er 6. ... Sc5, wonach der Springer auf d2 vorerst dem Läufer im Weg steht. 5. ... Dd7 wurde ihm auf der Fahrt von Berlin nach Karlsruhe vom Computer angezeigt, und schon wegen des Überraschungswerts wollte Caruana das einmal ausprobieren. Es hat sich bewährt. Er gewann überzeugend. Im anschließenden Interview erklärte er unter anderem, warum er froh ist, dass seine neue Elo 2819 eine Primzahl ist: https://youtu.be/oxt7qrpPQZM Gegen Witjugow war es binnen einem Monat bereits sein dritter Sieg mit Russisch gegen einen Russen. Den wichtigsten hatte er in Runde vier des Kandidatenturniers gegen Kramnik eingefahren. Kramnik war es übrigens, der diese Eröffnung vor zwanzig Jahren zurück in die absolute Weltklasse holte. Allerdings hat Caruana auch seine einzige Niederlage diesen Monat mit Russisch gegen einen Russen kassiert, als er nämlich gegen Karjakin ganz unpraktisch ein Qualitätsopfer zuließ, nach dem er bedauerte, sich die Stellung nicht von der anderen Brettseite angeschaut zu haben, weil er sonst rechtzeitig entdeckt hätte, dass sie sich für seinen Gegner viel leichter spielte als seine eigene. Russisch zu knacken dürfte für Magnus Carlsen und sein Team in den nächsten Monaten ziemlich weit oben auf der To-Do-Liste stehen. Mit der möglichen Folge, dass Carlsen anders als gegen Karjakin im nächsten WM-Kampf nicht vorrangigg mit 1. e4 eröffnen wird, aber vielleicht auch, dass ihm Caruana auf 1. e4 etwas anderes als Russisch vorsetzen wird. A propos Carlsen. Zwei Siege und sieben Remis reichten im Grenke Classic zum ungeteilten zweiten Platz. Zufrieden war er nicht, aber das ist er ja nie, wenn ein anderer das Turnier gewonnen hat. Gegen Georg Meier hätte er hübsch verlieren können. An seinem Sieg gegen Arkadi Naiditsch verlor er zwischenzeitlich die Lust, als er erkannte, dass er stärker hätte spielen können. Schwamm drüber, bis zu seinem nächsten Turnier ist es nur eine Woche. Carlsen spielt ab 18. April im aserbaidschanischen Schamkir, ab Ende Mai in Stavanger und im Juli in Biel. An der Grand Chess Tour nimmt er heuer nicht teil, so dass man ihn wohl bei der Schacholympiade erwarten darf. Auf Caruanas Terminkalender stehen ab kommenden Dienstag die US-Meisterschaften in St. Louis, wo er selbst seit drei Jahren wohnt. Darauf folgt Stavanger, anschließend die Schnellturniere der Grand Chess Tour in Paris und Leuven und dann der Sinquefield Cup wieder in St. Louis. Dass er danach auch dem US-Team zur Verfügung stehen wird, um bei der Schacholympiade im September in Batumi den Titel zu verteidigen, ist zumindest zweifelhaft. Vor dem am 9. November anstehenden WM-Kampf steht also zumindest noch eine Begegnung zwischen Weltmeister und Herausforderer in Stavanger an. Gut möglich, dass Russisch aufs Brett kommt.

von <a href="http://blogs.faz.net/schachblog/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

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http://blogs.faz.net/schachblog/2018/04/10/siegen-auf-russisch-1354/feed/ 0
Sind Hunde und Katzen soziale Parasiten? http://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=526 http://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=526#comments Sat, 07 Apr 2018 09:22:22 +0200 Henrike Schirmacher http://blogs.faz.net/platzfuertiere/2018/04/07/sind-hunde-und-katzen-soziale-parasiten-526/ Macht es Sinn, die Nachkommen einer anderen Art zu versorgen? Aus evolutionsbiologischer Perspektive ist diese „artübergreifende Elternschaft“ Blödsinn. Mehr

von Henrike Schirmacher erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von FAZ.NET.

Der Platz für Tiere

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Kleintierklinik Hofheim: Hund erhält Zahnbehandlung.[/caption] Gerade Städter legen sich gefühlt zunehmend gerne Hund oder Katze zu – in meiner Jugend galt es als verpönt, in einer Wohnung große Tiere zu halten -  trotz tödlichem Straßenverkehr und beengter Lebensweise. Hunde als Sozialpartner, Katzen als Co-Pädagogen – ehe man sich versieht, steckt der Betroffene in einem Teufelskreis aus einem scheinbar befriedigten Bedürfnis nach Nähe einerseits und Zeitmangel andererseits. Lernt er doch noch, oft per Zufall und mit viel Glück, einen Partner der eigenen Spezies kennen, muss sich dieser häufig darauf einlassen, das Bett zu dritt zu teilen. Der selbstverständlich stubenreine Zögling verrichtet zwar sein Geschäft vor der Haustür, doch unklar bleibt, wo er derweil überall seine Schnauze hineingesteckt hat. Einen Halter, blind vor Liebe, schreckt dies freilich nicht ab. Der Psychologe John Archer spricht von Manipulation als Begründung für die Entwicklung der Haustierhaltung. Der aufopferungsvolle Halter, der für seinen Zögling immer einen Schritt zu weit geht, wurde also wie in jeder klassischen Abhängigkeitsbeziehung manipuliert? [caption id="attachment_530" align="alignnone" width="586"] Geheimwaffe der Klinik: Der Linearbeschleuniger.[/caption] Während ich mich in der Kleintierklinik in Hofheim – der größten ihrer Art auf dem europäischen Festland - umschaue, wird mir klar: Das stimmt. Weil unglaublich viele Hunde- und Katzenhalter auf das Angebot schwören, konnten die Betreiber ordentlich aufrüsten. Seit Kurzem hat die Klinik sogar einen Linearbeschleuniger zur Strahlentherapie und Schmerzbehandlung von Arthrose. Herrchen und Frauchen spendieren ihrem Hund und ihrer Katze hier lebensverlängernde Maßnahmen, die tausende von Euros kosten. Laut Katharina Kessler, Tierärztin und zuständig für Pressearbeit und Kommunikation, gibt es solch ein Gerät für Kleintiere nur zweimal weltweit. Das Gerät stammt aus der Fertigung für menschliche Krebspatienten und musste etwas umgebaut werden, artgerecht für Kleintiere. Ich treffe den Hundehalter Hubert Schuy. Er bringt seinen Schützling „Tiron“, den ein Nasentumor plagt, regelmäßig zur Strahlentherapie. Sein Haus würde er verkaufen, um seinem Liebling eine Operation zu ermöglichen, erklärt er mir. Ich denke, dieser Hund hat es wirklich weit gebracht in der Gunst seines Halters. Herr Schuy erklärt mir, der Hund nehme viel mehr Zeit in Anspruch als Kinder. „Er ist ein vollwertiges Familienmitglied.“   [caption id="attachment_531" align="alignnone" width="588"] Tiron wird auf die Strahlentherapie vorbereitet.[/caption] Laut Bindungstheorie gibt es bei Hunden zwei Wesenszüge, auf die ihre Halter anspringen, um ihnen anschließend die Welt zu Füßen zu legen. Zum einen ist der Halter motiviert, für das Tier zu sorgen, weil es niedlich und schutzbedürftig wie ein Säugling ist. Zum anderen vermittelt ein großer, starker Hund Sicherheit. So können Hunde nicht nur als Kinder-, sondern auch als Elternersatz gesehen werden. Das erklärt aus meiner Sicht die optische Vielfalt unter den Hunderassen. Will ich ein Kleinkind, nehme ich einen Schoßhund, der schon allein von seiner Statur her Folge leisten muss, will ich einen starken, wehrhaften Vater, schaffe ich mir lieber den angsteinflößenden Rottweiler an. [caption id="attachment_533" align="alignnone" width="575"] Aufwachphase: Liebevoll belgeitet das Herrchen seinen taumelnden Hund.[/caption] [caption id="attachment_534" align="alignnone" width="574"] Geschafft. Jetzt geht es ab nach Hause.[/caption] Nun will ich aber die niedlichen Kätzchen sehen. Es gibt neuerdings ein Séparée, erklärt Frau Kessler. Weder Mütter, noch Väter, noch Katzenhalter haben es gern, wenn der eigene „Sprössling“ den Kürzeren zieht. Und Katzen wären in der Kleintierklinik, die sonst überwiegend Hunde versorgt, nun mal die Schwächeren. Im Séparée werden die kranken Kätzchen wie schutzbedürftige kleine Babies behandelt, die besonders fremdeln und Mamas Nähe suchen, sobald sie in unbekannter Umgebung sind. In einem sicheren Katzenkorb, der auf Frauchens Schoß thront, halten sie sich versteckt. Umnebelt sind sie von „Feliway“, einer Nachbildung des natürlichen Katzenpheromons. Das beruhigt, wie die Muttermilch. Diese „Mutter-Kind-Situation“ ist keine Seltenheit. Während ich einmal im Zug nach Prag fuhr, saß ein älteres Paar neben mir. Auf dem Schoß der Dame schwankte ein Nackthund stehend hin und her, der fortwährend ihr Gesicht abschleckte. Während ich mich ekelte, wurde mir klar, diese bedingungslose Mutterliebe kommt daher, weil das Tier durch seine Nacktheit so bedürftig wie ein Baby ist. Ein anderes Mal beobachtete ich ein junges Pärchen, dem wohl noch der Mut für ein eigenes Kind fehlte, mit „Schoßhündchen“. Während das Tier mindestens hundert kleine Trippelschritte machte, brauchten seine Zieheltern nicht mal einen für dieselbe Strecke. Außerdem lief der winzige Hund mit seinen spindeldürren Beinchen und kurzem Fell auf einer dichten Schneedecke. Wenigstens ein passendes Pullöverchen hätten die Halter dem Tier überziehen können. Vor allem felllosen oder kurzhaarigen Gesellen sollte ein wärmendes Mäntelchen übergezogen werden,  rät der Deutsche Tierschutzbund. Schuhe und Söckchen hingegen sind eher ungeeignet, weil die Hundepfoten als sehr empfindsame Tastorgane nackt gebraucht werden. Vor dem Hintergrund dieser Beobachtung scheint es ein Glücksfall, wenn der kleine Hund dem Pärchen noch ein wenig die Zeit für eigenen Nachwuchs stiehlt. [caption id="attachment_557" align="alignnone" width="583"] Seien Sie nicht unvorbereitet: Modische Inspiration für das wechselhafte Aprilwetter.[/caption]  

von <a href="http://blogs.faz.net/platzfuertiere/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von FAZ.NET.

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http://blogs.faz.net/platzfuertiere/2018/04/07/sind-hunde-und-katzen-soziale-parasiten-526/feed/ 14
Overstated Jurisprudence http://blogs.faz.net/wort/?p=539 http://blogs.faz.net/wort/?p=539#comments Wed, 10 Jan 2018 17:04:23 +0100 Hendrik Wieduwilt http://blogs.faz.net/wort/2018/01/10/overstated-jurisprudence-539/ Dies ist eine mir freundlicherweise zugespielte Übersetzung meines Beitrags über das NetzDG im FAZ-Blog. This is a translation of my article about the new German hate speech law... Mehr

von Hendrik Wieduwilt erschienen in Das letzte Wort ein Blog von FAZ.NET.

Das letzte Wort

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Dies ist eine mir freundlicherweise zugespielte Übersetzung meines Beitrags über das NetzDG im FAZ-Blog. This is a translation of my article about the new German hate speech law (“NetzDG”). Over the past few days, we’ve been seeing how the controversial Network Enforcement Act NetzDG is turning a whirring, entertaining and sometimes silly means of mass communication into a fink forum for self-righteous grumpy Guses. This is about Twitter, a little about Facebook, and mostly about the nuclear level blunder by the SPD, namely the grossly overestimated understanding of what it by right can do. It’s possible that this insight is now seeping through to the Minister of Justice Heiko Maas. He too was once called out on hate speech, and now Twitter has deleted one of his tweets. The Social Democrats are currently shocking us with their astonishingly anti-freedom statements - some even advocating for unadulterated censorship. Eva Högl (SPD) said something along the lines of content needing to first disappear and then reappear online following a legal review. https://twitter.com/radioeins/status/948878250444492801 That is pretty close to the legal definition of “censorship”: namely a state pre-check. Sawsan Chebli (SPD) has made the disconcerting intimation that right-wing conservatives like those from the AfD or Thilo Sarrazin (admittedly also SPD) should no longer be allowed to express their opinions. https://twitter.com/SawsanChebli/status/949384910225240067 And the EU's "Digital Charter", hostile to basic rights and promoted by SPD chairman Martin Schulz, has already been an extensive topic of discussion elsewhere. The party is in urgent need of help when it comes to the importance of freedom of expression - and also having a sense of humor. A lot of SPD politicians apparently don’t get satire. So it matters to them not one bit when this gets deleted along with hate speech. It is hardly coincidence that the “Titanic” was never sued by Helmut “The Pear” Kohl (CDU), or Roland “where does human life begin” Koch (CDU), or Volker “how sexy is politics allowed to be” Bouffier (CDU), but it was sued by Kurt “kill the beast” Beck (SPD), or Johannes Rau (SPD) and Björn Engholm (SPD). Even Gerhard Schröder (SPD) proved himself thin-skinned when the debate over his hair color reached all the way to Karlsruhe. But it wasn't just the SPD's unbridled censorship and a customary and appalling knowledge gap concerning the digital world that steered the federal government head-on into chaos. This was coupled with a downright childlike, uncritical trust in the magical power of jurisprudence. Anyone in favor of the NetzDG wants the impossible, is overstepping the law, is rubbing a plastic bottle while hoping for a genie. Federal Minister of Justice and licensed lawyer Heiko Maas soberly narrated a ridiculous fairytale to Germans. Namely one in which a couple of paragraphs were capable of solving the most urgent social problems of our age: hate, resentment, and social decline. He overestimated his tool. Furthermore, and this is also an important and under-emphasized aspect, he was angry because he, Maas, and other politicians, especially at the local level, were being harassed on social media. But wait just a minute, scream the NetzDG apologists: How can the law be an overstatement of the law when it supposedly doesn’t create any new obligations? Andrea Nahles, SPD faction leader in the Bundestag, argued along these lines. Over the weekend, she once again struggled with the worn-out online phrase about there being no legal vacuum. However, the NetzDG does indeed create new obligations. First of all, for practical reasons (for lawyers: "factual"): A trivial insult like "idiot" (Maas about Thilo Sarrazin) would never send someone crying to the nearest police station in the real world. Consequently, nothing gets deleted or removed. Perhaps the allegedly scorned person might run home foaming at the mouth. But once the computer's been switched on and Word's loaded up and ready for the forthcoming rant of a criminal complaint to the public prosecutor's office - the anger has usually subsided. A natural pre-filter ensures that coarse shade does not morph into judicial skirmishes. Enter NetzDG: A couple of clicks suffice. You don’t even need a criminal complaint. And off the report goes. Even if it’s about an insulting tweet by the future Federal Minister of Justice. This is how things are looking. However, because of these deletions, it is now part of the usual Twitter melee to photograph compromising text for posterity and then take pleasure in showcasing it as soon as the network's cleaning agents have set to task. https://twitter.com/AliCologne/status/949654877688430592 However, even from the legal perspective, there are more rights online and not fewer than in the real world. At the public prosecutor's office you would merely spare a bored chuckle for such an "ad". As a rule, the person so dubbed would have to file a criminal complaint of his own volition. If instead a third party were to file a complaint spurred on by indignation over moral decline or to punish someone, nothing would happen. “Idiot” just gets left hanging in the room. Is it possible that reality is a lawless realm? It’s true: A lot of the NetzDG obligations were already being met by the companies beforehand. The obligation to delete originates from interference liability in connection with the penal code (it is by no means contained in the German Telemedia Act, as a spokesperson of the Federal Ministry of Justice claimed at the government press conference on Monday). However, up until now the providers were given more leeway on the timeline. https://twitter.com/dasgesetzbinich/status/948118986084020225 The NetzDG is actually a HecticG. It demands the impossible from most companies in a short amount of time. And the issue of what is permissible and impermissible is pretty complicated and mired in gray zones to boot. Had Maas just sat down for a quick coffee with a sleep deprived media lawyer to discuss the NetzDG, the lawyer would have been able to quickly outline the issues and advise him to bury the project. Exactly how complicated is it? This complicated (examples from the judicial review  by Andreas Stegbauer in the NStZ (New Magazine for Criminal Law) professional journal 2015, 201): “Siggi Heil” is punishable even if a “Siggi” is being greeted, but only given a “specific intonation” – according to the Berlin-Brandenburg OVG (High Administrative Court). The judgment is not explicit but rather relies on witness who understood “Sieg Heil”. Today we would say: it was reported so it has to go. The artist Meese is allowed to depict the Hitler greeting: It is satire according to the AG (district court) in Kassel. Whether the facts of the case are relevant, but are accepted because of freedom of art or whether the whole thing is not a Hitler salute, nobody knows - it is controversial. The NPD poster “Good journey home“, a caricature of Asian-looking individuals on a carpet, was permitted by the VG (People’s Court) in Berlin and the OLG Higher Regional Court in Munich. A political position was announced, but foreigners were not denied the right to live in Germany. Regarding the poster “Hit the gas”, the VG Berlin acknowledged that a reference to a gas chamber might very well be indicated. But also that there also exists such a "popular" expression for accelerated politics. And that means freedom of expression when in doubt. A quick test break: Would you have made the same decision? Promoting the exclusion of foreigners in Germany from social healthcare and pension schemes and their expulsion within the framework of a five-point plan was enough for the Berlin Regional Court to assume that it would incite the masses. However, the Kammergericht (highest state court) overturned the ruling. This was not in itself an invitation to arbitrary measures and, moreover, such measures were not necessarily suited to disrupting "public peace". Would you have come up with the argument of "public peace" of your own accord? “Germans defend yourselves – against foreign infiltration, Islamization, and foreign crime!” is hardly an endearing slogan, but still lawful. The Federal Court of Justice believes that despite the use of words like "multi-criminal" and "social can only be national", this could be seen as exaggerated examples of the consequences of a misguided policy. So the state exercised restraint allowing the poster. It can be assumed that the Senate still felt disgusted. Another well-known bonus case from recent legal history: The chairman of the AfD faction Alice Weidel may be called a "Nazi whore" - but only in exactly the same context of the "extra-3" moderation (a satirical programme), judged the otherwise rather strict LG (regional court) Hamburg. Whereas courts once brooded for a long time, sometimes erred, and later retracted, the informant now presses a button, and a tired monitor from Twitter or Facebook is given a few seconds to approve the message (and thereby reduce the deletion rate later published by the employer) or to quickly finish off the job. This is how privatized justice emerges. This is how "overblocking" evolves. In the meantime, messages have even been deleted in which only a deletion was reported. While Twitter tells journalists it has nothing to do with the NetzDG, even a spokesperson from another tech company has to laugh. So get rid of the NetzDG? No one should have any political illusions: the NetzDG is here to stay. The FDP and now the Greens want to get rid of the NetzDG, along with the AfD. However, at the heart of the whole fatigue, the future Groko (Grand Coalition) is not interested in the whole You’re In Charge at the moment. Did anyone think that Lars Klingbeil - the net savvy, intelligent - Secretary General of the SPD, would change that?  The Internet-savvy factions around the large people's parties (Cnetz, D64) are keeping quiet. The Internet is invoked in every speech, but it has yet to reach the political mainstream in 2018. On the contrary, The Chaos Computer Club is now looking away in frustration because, although its advice is occasionally sought, it is usually ignored. And the louder the AfD bellows about the NetzDG, the less likely the coalition is to back down and concede to those grubby urchins in Parliament. The NetzDG is reality. It has erected a treacherous system of secondary censorship. Heiko Maas as Minister of Justice and policy driver has indeed left behind tracks.

von <a href="http://blogs.faz.net/wort/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Das letzte Wort ein Blog von FAZ.NET.

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