< version="2.0" xmlns:content="http://purl.org//1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org//1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org//1.0/modules/slash/"> Fazblog- seventastic.info http://seventastic.info/ Fazblog - Seventastic der FAZ Tue, 20 Feb 2018 16:52:10 +0100 de-DE hourly 1 Fabelhafte Fake News- seventastic.info http://seventastic.info/comic/?p=1174 http://seventastic.info/comic/?p=1174#comments Tue, 20 Feb 2018 16:51:40 +0100 Andreas Platthaus http://seventastic.info/comic/2018/02/20/fabelhafte-fake-news-1174/ Staunen Sie, den von diesem Comic-Star haben Sie noch nie gehört. Zu Recht, denn Charlie Chan Hock Chye aus Singapur ist eine Erfindung seines Landsmannes Sonny Liew. Und darum nur umso brillanter. Mehr

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Comic

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von <a href="http://seventastic.info/comic/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Comic ein Blog von .

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So protestiert Österreich- seventastic.info http://seventastic.info/blogseminar/?p=5398 http://seventastic.info/blogseminar/?p=5398#comments Tue, 20 Feb 2018 14:40:28 +0100 Allegra Mercedes Pirker http://seventastic.info/blogseminar/so-protestiert-oesterreich/ Mehr als 8500 Protestaktionen gab es in Österreich innerhalb der letzten 20 Jahre. Der Politologe Martin Dolezal hat sie untersucht und ist zu überraschenden Ergebnissen gelangt. Schwindet der... Mehr

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Seventasticeminar

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Mehr als 8500 Protestaktionen gab es in Österreich innerhalb der letzten 20 Jahre. Der Politologe Martin Dolezal hat sie untersucht und ist zu überraschenden Ergebnissen gelangt. Schwindet der politische Widerstand?

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[caption id="attachment_5407" align="alignnone" width="620"] Wien, Österreich, 13. Januar 2018: Großdemonstration gegen die neue Regierung aus ÖVP-FPÖ[/caption] F.A.Z.: Der politische Protest wurde bisher nicht angemessen wissenschaftlich behandelt, sagen Sie. Warum wollten Sie das ändern? Martin Dolezal: Diese Einschätzung bezieht sich vor allem auf eine Langzeitperspektive. Im Falle Österreichs ging es mir darum, die wenig vorhandene Forschung zu verstärken. In der theoretischen und empirischen Betrachtung des politischen Protestes gibt es seit den siebziger und achtziger Jahren einen Wandel. Man interpretiert politischen Protest nicht mehr automatisch als Krisensyndrom, sondern eher als erweiterte Form politischer Partizipation. Sie haben mit einer Gruppe von Studierenden über 200.000 Meldungen der Austria Presse Agentur (APA) bearbeitet. Ja, die Quelle sind Nachrichtenagenturmeldungen der APA. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Protestereignisse zu identifizieren. Meistens erfolgt das über Medienberichte, traditionell von Qualitätszeitungen. Die Nachrichtenagenturmeldungen haben den Vorteil, dass sie das gesamte Bundesgebiet besser abdecken. In anderen Ländern kann man auch Polizeiberichte untersuchen. Das ist in Österreich aus Datenschutzgründen nicht möglich. Das Datenmaterial ist also fertig untersucht. Das Projekt läuft noch bis Mitte des Jahres? Das Projekt wird wahrscheinlich bis Ende des Jahres, oder Anfang 2019 laufen. Im Moment suche ich im Datensatz nach Fehlern, zum Beispiel nach doppelt codierten Ereignissen. Was erkennen Sie im Hinblick auf die Themen der Proteste bereits? Insgesamt besteht über die 20 Jahre hinweg eine Dominanz des Themas „Umwelt“. Relativ stark sind auch die Themen „Wirtschaft“ und „Soziales“. Das ist im Falle Österreichs überraschend, weil wir natürlich immer noch die Tradition der Sozialpartnerschaft haben, daher sollten diese Themen eigentlich nicht so stark auf der Straße mobilisiert werden. Die erste schwarz-blaue Regierungszeit von 2000 bis 2006 ist dahingehend sehr auffallend, dass es relativ viele Sozialproteste gab. Eine sehr geringe Rolle spielt „Europa“, das insgesamt in nur ein oder zwei Prozent der Protestereignisse vorkommt. Auch das Thema „Migration“ variiert sehr stark in der Relevanz im Zeitverlauf. Im Jahren 2015 und 2016 war „Migration“ das Thema Nummer eins, im Zeitverlauf insgesamt kommt es auf rund 9% aller Protestereignisse. Hat es Sie überrascht, dass das Thema „Umwelt“ ein Fünftel der thematischen Bereiche ausmacht? Ja, eigentlich schon. Innerhalb meines Untersuchungszeitraumes war das Umweltthema am Beginn extrem stark. Das ist vor allem in den späten Neunzigern und frühen Zweitausendern zuerst das Thema „Gentechnik“, vor allem „Gentechnik in der Landwirtschaft“, was heute weitgehend von der politischen Tagesordnung verschwunden ist. Extrem stark waren auch die Proteste gegen Atomkraftwerke in Österreichs Nachbarländern. [caption id="attachment_5405" align="alignnone" width="620"] Wien, Österreich, 15. Mai 2013: Kundgebung von Global 2000, Greenpeace und den Grünen vor dem Parlament in Wien für ein Neonicotinoid-Verbot.[/caption] „Politik“ als Thema und „politische Parteien“ oder „Politiker“ machen aus Ihrer Grundgesamtheit nur einen relativen kleinen Teil aus: Rund um die 6 Prozent. Das bezieht sich explizit auf Proteste gegen bestimmte politische Parteien oder Regierungskonstellationen. Also zu 95 Prozent gegen die ÖVP-FPÖ-Regierung beziehungsweise die FPÖ. Wie unterschieden sich die Proteste gegen die neue türkis-blaue Regierung von denen im Jahr 2000, als es zu einer schwarz-blauen Regierung (ÖVP-FPÖ) kam? Bislang gab es deutlich weniger Proteste und auch noch keine relevanten Proteste gegen spezifische Maßnahmen der Regierung. Vor allem gegen bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen wurde in den Jahren ab 2000 protestiert, aber auch erst mit einem zeitlichen Abstand zur Regierungsbildung. Am Beginn richteten sich die Proteste - wie im Moment - in erster Linie noch gegen die Regierung beziehungsweise die Regierungsbeteiligung der FPÖ per se. Anfangs ging es also um die Maximalforderung nach einer Regierungsablösung beziehungsweise Neuwahlen. [caption id="attachment_5404" align="alignnone" width="620"] Wien, Österreich, 3. Februar 2000: Protest gegen die Unterzeichnung des Koalitionsvertrags zwischen Wolfgang Schüssel (ÖVP) und Jörg Haider (FPÖ)[/caption] Was wissen Sie über die studentische Beteiligung an Protesten? Über Individuen kann ich auf Basis der untersuchten Quellen nichts sagen, ich kann nur über die Anteile der Organisatoren Aussagen machen. Studentische Organisationen (das heißt die "amtliche" Österreichische Hochschülerschaft sowie einzelne parteipolitische Gruppierungen innerhalb der ÖH - vor allem Grüne (GRAS) und Sozialdemokraten (VSSTÖ)) sind aber relevante Akteure in der österreichischen Protestarena. Die Studenten organisieren Proteste vor allem im Bereich Bildung und Universität. Also geht es ihnen um eigene Anliegen, wie etwa Studiengebühren, Aufnahmebeschränkungen und Bologna, aber auch bei der Mobilisierung gegen-Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus organisieren sie Proteste. Wie werten Sie gewalttätige Auseinandersetzungen in Ihrer Untersuchung? Grundsätzlich spielt Gewalt im Falle Österreichs keine große Rolle und ist weniger weit verbreitet als bei Protesten in Frankreich und Deutschland. Es gibt natürlich Protestkategorien, die wir im Sinne von „gewalttätige Demonstrationen“, „Ausschreitungen“, „Sachbeschädigungen“ und „Körperverletzungen“ codiert haben. Theoretisch wäre auch zu thematisieren, ob Terrorismus als extreme Ausprägung von Protestverhalten einzuordnen wäre. Dieses Problem hat sich in Österreich im Untersuchungszeitraum aber nicht gestellt. [caption id="attachment_5406" align="alignnone" width="620"] Der Protest gegen Atomkraftwerke im nahegelegenen Ausland hat in Österreich Tradition: Demonstration im Oktober 1989[/caption] Ab wann ist ein Protest erfolgreich? Die Frage des Erfolgs oder Misserfolgs ist wahrscheinlich die schwierigste und weist in der Bewegungsforschung die größten Lücken auf. Der erste Erfolgsmesser wäre: „Gibt’s Berichterstattung in den Massenmedien?“. Mediale Öffentlichkeit ist für meine Untersuchung also schon mal die Voraussetzung, und auch dafür, dass ich von einem Protestereignis erfahre. Der zweite Schritt wäre die Beeinflussung des öffentlichen Diskurses; der dritte Schritt eine direkte Beeinflussung von politischen Entscheidungen. Es gibt prominente Beispiele, vor allem beim Umweltschutz: Nicht gebaute Kraftwerke. Sie haben lange Zeit in München gelebt. Welche Unterschiede haben Sie zwischen Österreich und Deutschland im Hinblick auf Proteste erkannt? München ist nicht unbedingt die Stadt des politischen Protests. Da würde ich Wien als politischer einordnen. Zu meiner Zeit am Geschwister-Scholl-Institut gab es nur wenig in dieser Richtung, abgesehen von den jährlichen Protesten gegen die Sicherheitskonferenz. In meinen Münchner Jahren war ich auch an einem internationalen Forschungsprojekt tätig, bei dem wir Protestereignisse international verglichen haben. Diese Ergebnisse und Ergebnisse der Umfrageforschung legen nahe, dass es in Deutschland insgesamt aber mehr politische Proteste gibt und dass ein größerer Anteil der Bevölkerung teilnimmt als in Österreich. Laut Ihnen herrscht in Österreich aber keine Politikverdrossenheit, wie sie viele Stimmen oft bei jungen Leuten vermuten. Auf mein Projekt bezogen ging es vor allem um die Frage, inwieweit die politische Beteiligung im konventionellen Bereich ab- und das Misstrauen zunimmt. Da muss man auch sagen, dass in Österreich die Wahlbeteiligung immer noch sehr hoch ist, vor allem verglichen mit anderen Ländern. Klar, im Zeitverlauf ist sie gesunken, aber das Problem der Nichtbeteiligung besteht nicht. Die einzige Ausnahme sind die Europawahlen.

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Dr. Martin Dolezal war Universitätsassistent am Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien und Mitarbeiter der . Seit August 2015 Leiter des Projektes Das Projekt läuft bis Ende 2018 und wird vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF gefördert.

von <a href="http://seventastic.info/blogseminar/author/annkatringehrmann/">Ann-Katrin Gehrmann</a> erschienen in Seventasticeminar ein Blog von .

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Tierversuche: Des Menschen Fortschritt ist des Tieres Leid- seventastic.info http://seventastic.info/platzfuertiere/?p=493 http://seventastic.info/platzfuertiere/?p=493#comments Tue, 20 Feb 2018 09:06:20 +0100 Henrike Schirmacher http://seventastic.info/platzfuertiere/2018/02/20/tierversuche-des-menschen-fortschritt-ist-des-tieres-leid-493/ Das Gemüt wird unendlich schwer beim Anblick von Versuchsäffchen. Wissenschaftler hingegen halten Tierversuche aus. Der Unterschied im Umgang hat viele Ursachen. Mehr

von Henrike Schirmacher erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von .

Der Platz für Tiere

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Derweil war die Max-Planck-Gesellschaft nicht untätig. Akribische Ausführungen zu Tierversuchen in der deutschen Forschungslandschaft kann jeder auf deren Homepage nachlesen. Sie sprechen von Puzzleteilen, die irgendwann ein Bild formen. Doch die Stimme der Wissenschaftler ist sachlich, vernünftig, erzeugt keine schönen, sich ins Gedächtnis festsetzende Bilder, welche die schrecklichen von gequälten Tieren verjagen könnten. Und sie ist so schrecklich langsam, noch dazu ewig ergebnislos. In Erklärungen zum Umgang mit Tierversuchen beruft sie sich auf das 3R-Prinzip „Refine, Reduce, Replace“, nach deren Vorgehensweise möglichst wenig Versuchstiere für maximal viel Forschungsergebnis beansprucht werden. Wissenschaftler reagieren so wie jede Berufsgruppe, die angegriffen wird: „Die Diskussion muss versachlicht wird.“ Obwohl mich dieses Argument meistens nervt, weil ein gewisser Unterton mitschwingt, man selbst habe die Wahrheit gepachtet, während andere ihren Gefühlen erliegen, finde ich es in diesem Fall nur zu verständlich. Wissenschaftler sind das Gegenteil von Werbefachleuten. Sie bauen ungern Luftschlösser, sie mögen weder Schwarz- noch Weißmalerei, sie sind eher balanciert in ihren Sichtweisen. Verkopft begegnen sie der Wucht der Gefühle von Tierschützern und sonstigen Außenstehenden. Nach dem Motto: Es geht eben nicht anders, wenn wir der Menscheit etwas Gutes tun wollen. Ich glaube sogar, Neurowissenschaftler müssen ihre Emotionen und Gewissensbisse verdrängen, abstumpfen. Nur dann können Ehrgeiz und Neugierde Oberhand gewinnen. Immerhin sind die Neurowissenschaften aus meiner Sicht eines der spannendsten Forschungsfelder. Deswegen wählte ich im Laufe meines Biologiestudiums selbst diesen Forschungsschwerpunkt. Das erste Mal, als ich Fotos von Affen mit Schädelimplantaten sah, war ich zutiefst geschockt. Es war während eines Vortrags, zu dem mich ein Postdoc mitnahm. Nach dem Vortrag sagte ich zu ihm: „Das sind ja wirklich heftige Versuche.“ Er zuckte leicht mit den Schultern, nach dem Motto, diese Bürde muss man in Kauf nehmen. Das MPI für biologische Kybernetik in Tübingen, das seine Affenversuche im vergangenen Frühjahr unter Druck der Öffentlichkeit aufgegeben hat, zeigt auf seiner Homepage noch ein Relikt aus alten Zeiten: Die Affen wirken auf den Bildern nicht geschunden, dennoch wie Zootiere. Direkt daneben zeigt das MPI Plakate, die Tierschützer für ihre Kampagnen gegen Tierversuche nutzen. Das ungute Gefühl kriecht wieder empor. Also schließe ich lieber mit der Empörung der Twitter-Gemeinde über die Dreistigkeit der Autoindustrie, die Affenversuche lediglich zu Werbezwecken und als Verkaufsargument für die eigenen Produkte in Auftrag gab und nicht für den Fortschritt der Menschheit. Ich empfehle die erste Folge der neuen Dokumentarserie „Dirty Money“ auf Netflix. Ab Minute 60 zeigen die Filmemacher Szenen, wie sie sich mutmaßlich im Labor am „Lovelace Respiratory Research Institute“ abgespielt haben. Ich bin derweil bereits abgestumpft, mit SternTV können diese nicht mithalten.

von <a href="http://seventastic.info/platzfuertiere/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von .

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Vier Slots- seventastic.info http://seventastic.info/filmfestival/?p=1152 http://seventastic.info/filmfestival/?p=1152#comments Tue, 20 Feb 2018 08:55:41 +0100 Bert Rebhandl http://seventastic.info/filmfestival/2018/02/20/vier-slots-1152/ Am Montagnachmittag habe ich einen Abstecher in ein Berlinale-Paralleluniversum gemacht. Mein Besuch galt dem European Film Market, der schon seit einigen Jahren ein wichtiges neues Kapitel hat: die... Mehr

von Bert Rebhandl erschienen in Filmfestival ein Blog von .

Filmfestival

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Marvin Kren erzählt, dass er eigens an die Sonnenallee gezogen ist, um das mit der Authentizität auch sicherzustellen. Während die Polizei noch versucht, ihre Leute in den Clans zu platzieren, hat das deutsche Film- und Fernsehwesen längst seine Agenten vor Ort. Für die zweite Staffel, die dieses Jahr ausgestrahlt werden soll, hat Marvin Kren sich auf die Rolle eines Executive Producers zurückgezogen, Regie führt nun unter anderem Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang"). Die Aufbruchsstimmung muss bei den Drama Series Days nicht groß herbeimoderiert werden. Sie ist mit Händen zu greifen. Ein bisschen muss ich an den Fußball denken, wo sehr gut dotierte Fernsehverträge auch eine ganze Branche in eine Goldgräberstimmung versetzt haben. Von etwas anderer Dimension waren die Deals, über die am Morgen in einer Kreuzberger Altbauwohnung gesprochen wurde. Aber auch bei dem Brunch von Ulrike Ottinger, bei dem vor allem Dokumentarfilmer und Intellektuelle zugegen waren, kam die eine oder andere denkbare Koproduktion zur Sprache. Die Gastgeberin war so freundlich, den Leserinnen und Leser der FAZ ihren bisherigen Lieblingsfilm auf der Berlinale vorzustellen: "" (1923) von E.A. Dupont, gezeigt in der Reihe Berlinale Classics. [embed]https://vimeo.com/256543265[/embed]

von <a href="http://seventastic.info/filmfestival/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Filmfestival ein Blog von .

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Richard Hell and The Voidoids: „Blank Generation“- seventastic.info http://seventastic.info/pop-anthologie/?p=1112 http://seventastic.info/pop-anthologie/?p=1112#comments Sat, 17 Feb 2018 09:00:48 +0100 Katharina Cichosch http://seventastic.info/pop-anthologie/2018/02/17/richard-hell-and-the-voidoids-blank-generation-1112/ Punk - wer hat's erfunden? Darüber streiten sich die Gelehrten. Als heißester Kandidat aber muss wohl Richard Hell gelten, der mit dem zweiten Song, den er überhaupt schrieb, die Basis legte. Mehr

von Katharina Cichosch erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von .

Pop-Anthologie

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Punk - wer hat's erfunden? Darüber streiten sich die Gelehrten. Als heißester Kandidat aber muss wohl Richard Hell gelten, der mit dem zweiten Song, den er überhaupt schrieb, die Basis legte.

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[caption id="attachment_1119" align="alignnone" width="620"] Richard Hell (links) and The Voidoids[/caption] Blank Generation I was saying 'let me out of here' before I was even born, it's such a gamble when you get a face It's fascinating to observe what the mirror does, but When I dine it's for the wall that I set a place I belong to the Blank Generation, and I can take it or leave it each time I belong to the _____ generation, but I can take it or leave it each time Triangles were falling out the window as the doctor cursed He was a cartoon, long forsaken by the public eye The nurse adjusted her garters as I breathed my first The doctor grabbed my throat and yelled 'God's consolation prize!' I belong to the Blank Generation, and I can take it or leave it each time I belong to the _____ generation, but I can take it or leave it each time To hold the T.V. to my lips, the air so packed with cash Then carry it up flights of stairs and drop it in the vacant lot To lose my train of thought and fall into your arms' tracks And watch beneath the eyelids every passing dot I belong to the Blank Generation, and I can take it or leave it each time I belong to the _____ generation, but I can take it or leave it each time

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Punk, was soll das schon sein? Der naturgemäß schwer zu beeindruckende New Yorker zuckte allenfalls mit den Schultern, als er Ende der 1970er Jahre „PUNK IS COMING!“-Plakatierungen über den Weg lief, die plötzlich massenhaft Manhattans Lower East Side bevölkerten: „Ich dachte, hier kommt eine weitere beschissene Band mit einem noch beschisseneren Namen“, erinnerte sich Blondie-Sängerin Debbie Harry. Tatsächlich kündigte sich aber noch keine Band, sondern ein selbstgefertigtes Magazin an. Zum damaligen Zeitpunkt war "Punk" noch nichts Besonderes, ein Wort für Abfall, Herumlungerer, Mist und Müll. Später ist bekanntlich doch noch einiges geworden aus dem Punk. Zumindest in einer verdichteten Form der Musikgeschichtsschreibung waren es die Verse von "Blank Generation" aus dem Mund eines Endzwanzigers, zum allerersten Mal vorgebracht am Abend des 19. Novembers 1976 auf der stickigen Konzertbühne des New Yorker Nachtclubs CBGSBs, der den tatsächlichen oder zumindest symbolischen Paukenschlag für den Punk als Musikgattung und vielleicht mehr noch als Lebensgefühl bedeutete. „I was saying 'let me out of here' before / I was even born”, beginnt die erste Strophe energisch, doch wer weiter zuhört, bemerkt: schon das fiebrige Versprechen der Welt bringt ihren cool formulierten Abgesang mit sich. Es folgt eines der treffendsten und lustigsten Bilder für die Zufälligkeit des eigenen Ichs, das da kurz nach der Geburt seinen Platz in der Welt beansprucht: Mit „It's such a gamble when you get a face”,  wird das Identität stiftende Gesicht zum Resultat reinen Zufalls erklärt, um fortzufahren: “It's fascinating to observe what the mirror does, but / When I dine it's for the wall that I set a place.” – „Es ist faszinierend zu sehen, was der Spiegel macht, aber / Wenn ich speise, ist es die Wand, für die ich einen Platz eindecke.“ Die Leibwerdung und die Einsamkeit bleiben das bestimmende Thema dieses Liedtextes, der sich weiter im Kosmos zwischen Krankenhaus, Arzt und Geburt entfaltet. In der folgenden Strophe werden Dreiecke vom Himmel herabregnen, und die Krankenschwester rückt ihr Strumpfband zurecht, während der Erzähler, der von dieser sexuell konnotierten Geste zu diesem Zeitpunkt seiner irdischen Entwicklung eigentlich noch gar nichts wissen kann, seinen ersten Atemzug macht: "Triangles were falling out the window as the doctor cursed / He was a cartoon, long forsaken by the public eye / The nurse adjusted her garters as I breathed my first / The doctor grabbed my throat and yelled 'God's consolation prize!'" Der Arzt, der den Neugeborenen schließlich an der Kehle packt und ihn als Trostpreis deklariert, erinnert nicht an einen Cartoon, er ist einer. In dieser Selbstverständlichkeit des phantastischen Erzählens erinnern Richard Hells Zeilen nicht zufällig an seine damaligen lyrischen Vorbilder und Wegbestreiter, die Beat-Poeten der späten fünfziger Jahre. In seinen nicht einmal drei Minuten treibt "Blank Generation" sich selbst permanent voran, obwohl die Voidoids ihre Takte längst nicht so schnell wie andere Bands schrammelten, die man bald unter dem Schlagwort "Punk" zusammenfasste. Schon der Einstieg beginnt mit einem kleinen Trick, für dessen Effekt völlig egal ist, ob er absichtlich konstruiert ist oder nicht: Nennen wir es hier das Geheimnis der stolpernden Takte, die stets einen Schlag daneben zu liegen scheinen. Radikales Weglassen Tatsächlich beginnt die Gitarre rhythmisch recht ausgeklügelt mit der Akzentuierung des Off-Beats, wodurch der dann folgende Standard-Rock-Rhythmus mit dem Einsetzen des Schlagzeuges zuerst vollkommen aus der Reihe zu fallen scheint – das Ordinäre wirkt hier zunächst verschroben. So leicht lassen sich die einmal ins Schwingen gebrachten Gehirnwellen verunsichern. Wie wunderbar passen dazu Richard Hells Texte, die sich im Enjambement von Vers zu Vers hangeln, mal durch ein "but", mal ein "before" auch in ihrer Kategorie als zeitliche Präpositionen immer schon an den permanenten Ablauf erinnernd. Während der Ende der siebziger Jahre ebenfalls noch präsente Glamrock, den grandiosen Moment auskosten und in ihm gern noch ein Riff, ein Vibrato länger verweilen wollte, scheint hier jeweils schon der übernächste Augenblick ins Visier genommen. Das Lied treibt und hechtet voran, und wenn es dabei stolpert, dann mag das musikalisch einem zelebrierten Dilettantismus geschuldet sein (vielleicht auch nicht), lyrisch aber hatte Hell alias Meyers alias eine seiner sonstigen poetischen Personae auch mit Mitte 20 eine Ahnung von der Wirkung seiner Arbeit. Eigentlich wollte Hell/Meyers, der in den sechziger Jahren zusammen mit seinem Schulfreund und späteren "Television"-Bandkollegen Tom Verlaine aus Kentucky in den Big Apple gekommen war, Dichter werden. Rimbaud war sein Vorbild. Im großartigen Standardwerk der Rock’n’Roll-Oral History "Please Kill Me" erzählt er von den ersten Konzerten und ihren Begehrlichkeiten: Die Bühne schien so viel einfacher und sexier als die einsame Arbeit am Schreibtisch, also wurde er erst einmal Sänger und Bassist (später und bis heute dann Schriftsteller). "Blank Generation" war der zweite Song, den er jemals schrieb. Eigentlich hätte der schon 1973 von der Vorgänger-Band „Television“ aufgeführt werden sollen – doch Verlaine verbannte in einem egozentrischen Anflug alles, was nicht aus seiner eigenen Feder stammte, aus dem Band-Repertoire. Eine knappe Er- und Auflösung bietet der Song dann im Refrain, der mit ebenfalls nur vier Verszeilen so kurz und knapp ausfällt wie das gesamte Lied: "I belong to the Blank Generation, and / I can take it or leave it each time", lautet die Selbstverortung, die natürlich eine negative ist. Und dieses Prinzip setzt Hell dann auch noch lautmalerisch - oder sollte man leisemalerisch sagen? - um. Im dritten Vers des Refrains wird die "blanke Generation" durch eine Leerstelle  illustriert ("I belong to the _____ generation), die wiederum das genaue Gegenteil von Stadionrock und Schützenfestschunkeln meint. Wo dort die Menge frenetisch klatscht und grölt, um die absichtlich ausbleibende Textpassage zu ersetzen, geht es hier um das Weglassen des tatsächlichen Weglassens wegen. In dieser Leerstelle liegt auf den ersten Blick vielleicht schon die größte Gemeinsamkeit der Sex Pistols und der Voidoids (und insbesondere ihres Songwriters Richard Hell) - und auf den zweiten der Unterschied ums Ganze: Während Hell das Nicht- als Präfix zu allem, was noch folgen möge, wörtlich nimmt, füllen es die britischen Punks schnell mit, wie ernsthaft auch immer verfolgten, Zielen ("Anarchy in the UK") und Feindbildern ("God save the queen and her fascist regime"). Gemeinsamkeiten gab es im Look, dem der Punk später natürlich einen Großteil seines Appeals verdanken sollte. Malcom McLaren machte kein Geheimnis daraus, dass er sich von Hell inspirieren ließ für seine ungezogene Flegel-Boyband, die er als Manager mit exzentrischer Mode seiner damaligen Freundin Vivienne Westwood ausstaffierte. Songtexte sind keine Poesie "Es gab keine einzige Rock & Roll-Band in der ganzen Welt mit kurzem Haar", so erklärt Richard Hell in "Please Kill Me", warum er Mitte der siebziger Jahre schon mit seiner Vorgängerband Television ein Exot unter den Exoten der Lower East Side war - "jeder andere trug damals noch Glitzer und Frauenkleidung." Er und seine Bandkollegen hingegen: sehr hagere, etwas heruntergekommene Typen, sehr jungenhaft gekleidet, mit löchriger Kleidung und Sicherheitsnadeln, die aggressiven, allerdings lyrischen Rock und später, nun, Punk spielten. Hell blieb eine Art Stichwortgeber, seine kryptisch bleibende "Blank Generation" eine Entscheidung im Zweifel für den Zweifel, die exakte Antithese zum betont vulgären Schnodderpunk der Sex Pistols jedenfalls, deren Raffinesse und Anziehungskraft natürlich gerade darin bestanden, immer gegen jegliche Feinheiten anzubechern, -lärmen, -spucken und -schreien. Exzess war aber nicht den britischen Punks vorbehalten, wie man in dem hier noch einmal empfohlenen Band "Please Kill Me" nachlesen kann. Die mit Abstand kryptischste, die dritte Strophe führt bei Richard Hell geradewegs ins Drogenerleben: Heroin, den später Geborenen vor allem aus der "Kinder vom Bahnhof Zoo"-Gosse bekannt, war im New York der sechziger und siebziger Jahre durchaus der Stoff, auf den man sich etwas einbildete. Hell nahm Drogen anfangs nur am Wochenende, wie alle zunächst der Vorstellung erliegend, ihnen immer einen Haken voraus zu sein. Die geldgeschwängerte Luft, die der Protagonist in "Blank Generation" einsammelt und im Baugelände abwirft, um seine Gedankenzüge zu verlassen und sich den Armen seines Gegenübers zu ergeben, die Droge als vertrauter Mensch: „ To lose my train of thought and fall into your arms' tracks / And watch beneath the eyelids every passing dot“. Eine tragische Liaison mit dem Heroin? Die böte sicherlich eine reellen Anknüpfung zur letzten Strophe. Eventuell sonnte man sich dereinst aber auch einfach gern ein wenig im "L’Art pour L’Art", wie sich Hell 2013 in einem Interview an seinen Songtext erinnerte: „Es sollte vor allem interessant klingen.“ Und das hat dann musikalisch eben doch wieder mit Punk, respektive dem, was später unter dem Begriff zusammengefasst werden sollte, zu tun. Zum 40. Jubiläum haben die New Yorker Ende 2017 eine Jubiläums-Edition von "Blank Generation" herausgebracht, auf der Hells lyrisches Talent grandios mit seinem eben erst gelernten Bass-Spiel und den stolpernden Takten überkreuz geht. Ein guter Anlass, sich von der Anziehungskraft der ersten Richard Hell & The Voidoids-Platte (wieder) zu überzeugen und dabei, wenn gewünscht, ein wenig Punk-Exegese zu betreiben. Songtexte, sagt Richard Hell, seien keine Poesie. Gegen allzu sentimentale Geschichtsschreibung verwehrt er sich – und ist ohnehin längst wieder zum Schriftstellersein zurückgekehrt. Seine Lieder und seine Person lieferten den Look und den Sog, das Label kreierten andere. Und obwohl Hell der ganze Zirkus um den Begriff relativ gleichgültig war, ärgerte er sich über eine Sache dann doch: „Ich war ziemlich angepisst, als ich zum ersten Mal 'Pretty Vacant' von den Sex Pistols hörte. Malcom hatte die komplette Attitüde von ‚Blank Generation‘ geklaut“, gibt er 1996 in "Please Kill Me" zu Protokoll. Aber Ideen seien eben - so Hell - nun einmal freies Gut.

von <a href="http://seventastic.info/pop-anthologie/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von .

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26. Lesung: Von Demütigung, Gewalt und Beschämung- seventastic.info http://seventastic.info/cresspahl/?p=784 http://seventastic.info/cresspahl/?p=784#comments Fri, 16 Feb 2018 21:50:23 +0100 Birte Förster http://seventastic.info/cresspahl/2018/02/16/26-lesung-die-macht-der-scham-784/ Von der Ermordnung eine Kindes in der Pogromnacht, von Demütigung, Scham und Gewalt erzählt Uwe Johnsons im Roman "Jahrestage". Mehr

von Birte Förster erschienen in Die Woche mit Frau Cresspahl ein Blog von .

Die Woche mit Frau Cresspahl

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Die Novemberpogrome in Gneez und Jerichow bedeuten Zerstörung, Demütigung und den Mord an einem kleinen Mädchen, für den es keine Rechenschaft geben wird. In New York gestaltet die Macht der Scham Francines Aufenthalt bei den Cresspahls für sie fast unerträglich, im vietnamesischen Huế finden Geflüchtete keine Sicherheit, während die Tet-Offensive tobt. Sechsundzwanzigste Wochenlektüre.  

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Darum geht es in diesem Blog

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Pogrome in Gneez und Jerichow (14. und 15. Februar 1968) [caption id="attachment_787" align="alignright" width="270"] Berlin, Novemberpogrom 1938, brennende Synagoge in der Prinzregentenstraße 69-70, Foto digital koloriert.[/caption] In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird Lisbeth Cresspahl noch zweimal gesehen, und zwar an den Orten der Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung von Gneez und Jerichow. Mann und Tochter sind unterwegs zu den Gräbern von Cresspahls Eltern und zu seiner Schwester in Wendisch Burg und so fährt Lisbeth Cresspahl am 9. November nach Gneez, vielleicht ist sie auf dem Weg ins Kino. „Die Gneezer Synagoge stand seitlich der Horst-Wessel-Straße, die vom Capitol zum Bahnhof führte. Als Lisbeth da gesehen wurde, brannte das Gotteshaus schon im Dach“. Lisbeth wird Zeugin, wie die Kultgegenstände geraubt werden und wohl auch, wie der Gneezer Rabbiner Joseph Hirschfeld abgeführt wird. Die Feuerwehr kommt, doch sie bestreicht nur „gelegentlich die Kanten der Häuser neben dem brennenden mit Wasser“. Als Lisbeth nachts nach Jerichow zurückkehrt, haben sich die dortige S. A. und Polizei unter Führung des Bürgermeisters Friedrich Jansen über Oskar Tannebaums Laden hergemacht. Detailliert breitet Johnson aus, wie die Gewalt gegen das Geschäft und die schon schlafende Familie eskaliert: [caption id="attachment_790" align="alignleft" width="203"] Berlin, Novemberpogrom 1938. Zerstörtes und geplündertes jüdisches Geschäft in Berlin. Foto, später koloriert[/caption]

„Gastronom Prasemann legte einen Finger auf den Mund, und erst als es in der engen Straße fast still war, hob er die Axt und schlug damit ins Glas der Ladentür. Dann erholten sie sich in unterdrücktem Gelächter. Oskar Tannebaum machte noch immer nicht Licht. Nun schlugen sie sorgfältig die Tür in Stücke. [...] Als die S. A. im Geschäft der Tannenbaums war, entdeckten sie, daß sie die Schaufensterscheibe vergessen hatten und warfen von innen mit Stühlen und Regalbrettern dagegen. In einem Tuchgeschäft ist nicht viel Hartes, und sie schafften es erst mit der Registrierkasse, die sich beim Fall aufs Pflaster öffnete.“

All dies geschieht vor Zuschauern, auch einigen kritischen, aber keiner greift ein; der Konkurrent des Ladenbesitzers freut sich: „der Jude sollte ein für allemal erzogen werden“. [caption id="attachment_804" align="alignright" width="200"] Käthe Kollwitz, Pieta, (1937-1938), Gipsmodell[/caption] Der auf die Straße gestoßene Oskar Tannebaum wird nun gezwungen, sein Geld aufzusammeln und zu Bürgermeister Jansen zu tragen. Der hat zuvor darauf herumgetrampelt. Nach dieser Demütigung, der wieder alle zusehen, fallen zwei Schüsse, der zweite tötet die acht Jahre alte Marie Tannebaum. Frieda Tannebaum trägt die Tochter, „ein wildes verschlossenes Mädchen“ aus dem Haus, deren lange Zöpfe schleifen dabei über den Boden. Ihren Mann verständigt sie mit einem Blick. „Sie stellte sich wie Oskar mit dem Rücken zur Wand. Sie sahen sich über das Kind hinweg an.“ Dann sinkt sie zu Boden, „immer gehorsam mit dem Rücken zur Wand“. Gleich einer Pietà hält „sie ihr Kind noch wie eins, das bloß schläft und nicht aufwachen soll“. Da schlägt Lisbeth Cresspahl, sie war zugegeben  seitdem das Geld auf der Straße lag, Friedrich Jansen ins Gesicht und zumindest der erste, unerwartete Schlag sitzt, doch gegen den großen Jansen ist so kein Ankommen. „Sie schlug wie ein Kind, ungeschickt, als hätte sie es nicht gelernt“. Der Polizist Ete Helms führt sie nur scheinbar ab, bringt sie aber zum Haus ihres Vaters, wo er sie anschließend wähnt. Doch bei Cresspahls Schwester in Wendisch Burg klingelt am 10. November 1938 frühmorgens das Telefon. „Meine Mutter war schon eine Stunde lang tot.“ Enggeführt wird dieser Bericht unter dem Datum des 14. November 1968 mit einer Nachricht aus der New York Times zum Darmstädter Babij Jar Prozess. Einer der Angeklagten fällt aus der Reihe, weil er vehement die ihm zugeeigneten Taten abstreitet und die Schuld auf einen Namensvetter abschiebt. Der Vorwurf lautet, es „sei seine Spezialität gewesen, kleine Kinder an den Beinen hochzuhalten, sie mit einer Pistole zu erschießen und in die den vorbereiteten Graben zu werfen“.   Die Macht der Scham (11. und 16. Februar 1968) Als Jane Eyre in der Internatsschule Lowood vor den Argusaugen des Schulaufsehers Mr. Brocklehurst die Schiefertafel aus der Hand gleitet, wird sie auf einen Hocker gestellt und öffentlich als Lügnerin beschämt. Keine andere der Schülerinnen darf mit der Zehnjährigen sprechen, denn sie ist böse. Maries Freundin Francine benötigt als Auslöser ihrer Scham weder eine verbale Anklage noch eine Beschämungstechnik wie das „Podest der Schande“, auf das der Schulaufseher Jane Eyre in Charlotte Brontës Roman zwingt. Ihr reicht die Zeugenschaft der Cresspahls dafür aus, Scham zu empfinden, dieses „Gefühl von ungeheurer Wucht und Wirkmächtigkeit“ wie es die Historikerin Ute Frevert in ihrem Buch „Die Politik der Demütigung“ kürzlich beschrieb. Die „Macht und Gewalt des öffentlichen Blicks, eines Blicks der sich nicht abschütteln lässt“, mache die Beschämung aus und genau dies empfindet Francine. [caption id="attachment_788" align="aligncenter" width="591"] Die Little Rock Nine waren 1957 nach der offiziellen Aufhebung der Segregation die ersten afro-amerikanischen Schüler*innen an der Central High School in Little Rock, Arkansas. In die Schule gelangten sie nur mit Armeeschutz.[/caption] Nachdem ihre Mutter auf der Straße niedergestochen wurde, ist sie zu den Cresspahls gezogen und somit die erste afro-amerikanische Bewohnerin des Riverside Drive 243. Sie hat bei ihnen Zuflucht gesucht und nun ist sie bei ihnen fehl am Platz. Weil alles anders ist, als sie es gewohnt ist, weil ihr Andeein sichtbar ist, wenn sie abends (wie bei Cresspahls üblich) duschen soll, wenn sie sich daran gewöhnen muss, mit Messer und Gabel zu essen, wenn sie Mikado nicht spielen kann. So ist sie ständig einem für sie beschämenden öffentlichen Blick der Hausgemeinschaft ausgesetzt und flieht davor, indem sie sich schlafend stellt oder aus dem Haus verschwindet. Beim widerwilligen Krankenhausbesuch stellt auch die eigene Mutter sie bloß, indem sie ihre Tochter „ein gutes Kind“ nennt. Francine schämt sich am Krankenbett der Mutter auch, weil Marie nun ihre Familienverhältnisse kennt. Die hat die Stipendiatin einer katholischen Privatschule vor der Klassenkameradin so gut es ging geheim gehalten.

„Jetzt hast du es gesehen, Marie. Nichts habe ich gesehen. Eine kranke Frau. Jetzt lügst du, Weiße.“

Ihre Scham ist so groß, dass sie sogar die Sorge um die Genesung ihrer Mutter und den Verbleib ihrer jüngeren Geschwister überwiegt. Sie lässt sich nicht überwinden, als Marie „ihr Messer weglegte und dann das Kotelett wie Francine mit der Gabelkante anging“, nimmt Francine auch das wahr. Marie, die den weißen Mittelschichtsrassismus der 1960er Jahre, in dem sie aufwächst, verinnerlicht hat, obwohl ihre Mutter immer wieder dagegen argumentiert, hat sich in der Schule um Francines Fortkommen gekümmert und nun hat die Lehrerin sie auseinandergesetzt. Damit Francine sich nicht weiter auf Marie verlässt. Die sorgt sich nun erst recht um die Mitschülerin, die nicht auf dem Wissensstand der Klasse ist, und fragt sich, wie weit sie eingreifen darf in Francines Leben - hat sie es nicht längst getan und sich so schuldig gemacht? Ungewöhnlich unwirsch wirft Gesine Cresspahl ihrer Tochter Eifersucht vor, sagt ihr auf den Kopf zu, dass sie das Mädchen nicht möge. Doch Marie macht sich Gedanken darüber, wie Francine in ihr gewohntes Leben zurückkehren kann. „Was fängt sie da an mit unseren Gewohnheiten?“   Die Tante Zeitung übernimmt (17. Februar 1968) Schon die ganze Woche über werden die Erzählebenen des Romans mit Nachrichten aus dem Krieg verschränkt. Doch nach der Erinnerung an den Tod der Mutter scheint Gesine Cresspahl eine Sendepause zu brauchen. Am 17. Februar übernimmt die Tante Zeitung und erzählt von den Kämpfen um die Kaiserstadt Huế, von der Lage der Geflüchteten, von Berichten über Gräuel der Vietcong und von einem deutschen Schriftsteller, der in Kuba das Bewusstsein tieferer Freude entdeckt haben will. [caption id="attachment_789" align="aligncenter" width="583"] Explodierendes Napalm am Nordufer des Parfüm-Flusses am 16. Februar 1968 in Huế.[/caption] Die am 31. Januar 1968 begonnene Tet-Offensive hatte, so der Historiker Marc Frey, eine baldige Entscheidung des Krieges zugunsten der Vereinigten Staaten als Wunschvorstellung entlarvt. Sichtbar wurden die Verwüstungen der vietnamesischen Städte, nicht der angebliche Schutz für die dortige Bevölkerung. Besonders heftig wurde um die ehemalige Hauptstadt Vietnams, Huế, gekämpft. „Flüchtlinge finden keine Zuflucht in Hue“ steht am 17. Februar 1968 in der New York Times zu lesen, 16.000 Menschen haben in der Universität der Stadt Schutz gesucht, „ungefähr die Hälfte der neuen Flüchtlingsbevölkerung in dieser Stadt und nirgendwo ist Sicherheit in Sicht“. Scharfschützen töten Flüchtende, die das Gebäude verlassen wollen, Tränengas wird eingesetzt, nach jedem Angriff gibt es Verletzte. Nordvietnamesische Truppen hatten die Stadt überrannt, ein Massaker an der Zivilbevölkerung mit 2000 bis 6000 Opfern verübt. Die Rückeroberung der Stadt dauerte noch bis zum 24. Februar 1968 an, 100 000 Menschen mussten fliehen. Huế wurde vollständig zerstört.

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Literatur: Ute Frevert, Die Politik der Demütigung. Schauplätze von Macht und Ohnmacht, Frankfurt 2017. Marc Frey, Geschichte des Vietnamkriegs. Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums, München 92010, S. 160-173, Ulrich Fries, Uwe Johnsons  „Jahrestage“. Erzählstruktur und politische Subjektivität, Göttingen 1990. Holger Helbig, Klaus Kokol, Irmgard Müller, Dietrich Spaeth, Ulrich Fries (Hrsg.), Johnsons Jahrestage. Der Kommentar, Göttingen 1999. . Rolf Michaelis, Kleines Adreßbuch für Jerichow und New York. Ein Register zu Uwe Johnsons Roman „Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“ (1970-1983), Frankfurt a. M. 1983. Überarbeitet und  von Anke-Marie Lohmeier 2012. Rainer Paasch-Beeck: Zwischen „Boykott“ und „Pogrom“. Die Verdrängung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Mecklenburgs im Spiegel der „Jahrestage“, in: Uwe Fries/Holger Helbig (Hrsg.), Uwe Johnson. Text + Kritik 65/66, München 2001, S. 119–134.

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Iljumschinows Endspiel- seventastic.info http://seventastic.info/schachblog/?p=1144 http://seventastic.info/schachblog/?p=1144#comments Fri, 16 Feb 2018 11:29:05 +0100 Stefan Löffler http://seventastic.info/schachblog/2018/02/16/iljumschinows-endspiel-1144/ Sollte Schach nicht als Demonstrationssportart in Pyeongchang dabei sein? So hatte es FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow angekündigt. Statt als olympische Randnotiz ist der Weltschachverband nun aus... Mehr

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Berührt, geführt

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Gegen Iljumschinow spricht eigentlich genug: , als diese Diktatoren schon von aller Welt gemieden wurden. Mit seinem offenherzigen Bekenntnis, er sei , hat er sich zur Spottfigur gemacht. Es ist auch Allgemeingut, dass ihn viele Delegierte nur wählen, weil er sie mit Geschenken bei Laune hält. Und nach 23 Jahren ist ein Wechsel einfach überfällig. Doch alle diese Gründe spielen im russischen Kontext kaum eine Rolle. Anfang Februar wurde im Russischen Verband gewählt. Der bisherige Verbandspräsident Andrei Filatow, ein Logistikmilliardär mit exzellenten Kontakten zum Kreml, musste sich gleich fünf Mitbewerbern stellen. Vor allem in den Schachbezirken Südrussland gärt es. Die Verbandsspitze sei zu sehr auf Moskau konzentriert - und auf Sergei Karjakin, obwohl Wladimir Kramnik in der Weltrangliste beständig vor diesem steht. Unter Filatows Herausforderern war auch Iljumschinow. Als dieser auf die amerikanische Sanktionsliste kam, hatte der auch dem FIDE-Vorstand angehörende Filatow noch durchgesetzt, dass Iljumschinow FIDE-Präsident bleiben durfte. Inzwischen haben sich ihre Beziehungen abgekühlt. Iljumschinow wollte, dass ihn der Russische Verband wieder für die FIDE-Präsidentschaftswahl nominiert. Seine Kandidatur für den Vorsitz in Russland war allerdings chancenlos, und er zog sie kurzfristig zurück. mit dem blauen Auge von 15 Gegenstimmen. Was die FIDE-Wahl angeht, setzte er die Sprachregelung durch, . Damit ist der informell schon länger gehandelte Exweltmeister erstmals offiziell als möglicher Kandidat im Gespräch. Als ich Anatoli Karpow in Wijk aan Zee auf eine mögliche Kandidatur ansprach, erwiderte er, er habe schon eine andere wichtige Aufgabe: Er ist Abgeordneter der Duma und leitet Duma-Delegationen ins Ausland. Außerdem habe er vorerst keine Zeit. Bis zu den Russischen Präsidentschaftswahlen Mitte März müsse er in Tjumen, einem Wahlkreis im rohstoffreichen Nordwesten Sibiriens, dafür sorgen, dass Putin ein hohes Ergebnis holt. Danach will Karpow nach Deutschland kommen. Vielleicht sogar zweimal. Am Tegernsee ist er zu einem Fundraiser für Schulschach eingeladen. Und in Berlin will er ein Spezialgebiet aus seiner Briefmarkensammlung ausstellen: Motive und Stempel von Fußballweltmeisterschaften. Zwei Monate später wird diese schließlich in seiner russischen Heimat ausgetragen. Auf den Auslandsreisen mit den Dumadelegierten organisiere er meist entweder ein Schach- oder ein Fußballmatch. Was Karpows mir ausführte, würde ich so interpretieren: Wenn Russland ihn ruft, damit die Führung des Weltschachs in russischer Hand bleibt, wird er nicht nein sagen. Filatow hält sich derweil alle Optionen offen. Angeblich hat der stellvertretende Präsident der FIDE Georgios Makropoulos versucht, ihm den Präsidentenposten für fünf Millionen Dollar zu verhökern. Filatow soll das Angebot bei einem Treffen an der Cote d´Azur ausgeschlagen haben. Inzwischen hofiert Makropoulos Scheich Sultan bin-Khalifa al-Neihyan aus Abu Dhabi, der nominell bereits den Asiatischen Dachverband führt. Wenn der Grieche auch in den Emiraten keinen Erfolg hat, könnte Karpow FIDE-Präsident werden, ohne dass Millionen aus Russland in die falschen Taschen fließen. Aber davor muss Iljumschinow noch dazu gebracht werden, ebenso wie im Russischen Verband seine Kandidatur in der FIDE zurückzuziehen. Die Schließung der Bankkonten erhöht den Druck auf ihn. Darum hat der Schatzmeister der . Iljumschinow loszuwerden ist jetzt wichtiger.

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Der Vix – ein amerikanischer Index mit globaler Bedeutung- seventastic.info http://seventastic.info/fazit/?p=9626 http://seventastic.info/fazit/?p=9626#comments Fri, 16 Feb 2018 09:10:17 +0100 Gerald Braunberger http://seventastic.info/fazit/2018/02/16/der-vix-ein-amerikanischer-index-mit-globaler-bedeutung-9626/ Er misst die erwarteten Schwankungen amerikanischer Aktienkurse und gilt als Stimmungsindikator für die globalen Märkte. Nun sorgen Produkte auf den Vix für Verluste und Gerüchte. Eine... Mehr

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Fazit - das Wirtschaftsblog

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Seit dem Jahre 1993 gibt es ihn nun schon - und viele Jahre fand er nicht sehr viel Interesse. Der Vix - sein vollständiger Name lautet CBOE Volatility Index - wird an der Chicagoer Terminbörse CBOE auf der Grundlage von Optionspreisen für die im berühmten Aktienindex S&P 500 erfassten Aktien amerikanischer Unternehmen berechnet. Er gibt an, wie hoch die von den Käufern und Verkäufern dieser Optionen erwarteten Kuchwankungen amerikanischer Aktien in den kommenden 30 Tagen sind. Ein Maß für Schwankungen ist die sogenannte Volatilität; daher wird der Vix auch als ein sogenannter Volatilitätsindex bezeichnet. Mit Aktienoptionen lassen sich Spekulationsgeschäfte machen; aber überwiegend werden sie von Großanlegern zur Absicherung von Aktienbeständen gegen Kursrisiken eingesetzt. Der Vix ist ein sogenannter Stimmungsindikator, weil die Ansicht verbreitet ist, anhand seines Verlaufs lasse sich die Stimmung an Finanzmärkten einschätzen. Erwarten die Marktteilnehmer geringe Kuchwankungen, ist der Vix niedrig. Dies gilt als ein Indikator für Gelassenheit oder Sorglosigkeit. Erwarten die Marktteilnehmer starke Kuchwankungen, ist der Vix hoch. Dies gilt als ein Indikator für Nervosität oder im Extremfall Panik. In Finanzkrisen steigt der Vix daher außergewöhnlich stark. Auch wenn die Grundlage des Vix ausschließlich Optionen auf amerikanische Aktien bilden, steht er seit langem im Ruf eines Indikators für die Stimmungslage an den globalen Finanzmärkten. Denn die globalen Märkte werden für gewöhnlich von den Vorgängen am amerikanischen Aktienmarkt stark beeinflusst. Der Vix ist kein Waisenkind geblieben. Heute gibt es in vielen Ländern solche Indizes zur Messung erwarteter Kuchwankungen. Im Jahre 1994 wurde in Deutschland der V-Dax eingeführt, der auf der Basis von Optionspreisen die erwartete Schwankungsbreite der Kurse der 30 im Dax enthaltenen deutschen Standardaktien misst. Bald nach der Einführung des Vix äußerten in den Vereinigten Staaten große Marktteilnehmer Interesse an Terminmarktprodukten auf den Index. Mit solche Produkten sind sowohl Spekulations- wie auch Absicherungsgeschäfte möglich. Im Jahre 2004 führte die Terminbörse in Chicago Terminkontrakte auf den Vix ein; im Jahre 2006 folgten Optionen. Das Interesse an Finanzprodukten auf den Vix hat in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen, weil sich in Zeiten sehr niedriger Zinsen vor allem Großanleger auf die Suche nach zusätzlichen Renditequellen begeben haben. Mit Hilfe von Anbietern aus der Finanzbranche und zum Teil höchst komplizierten Produkten und Strategien wurde Volatilität - also erwartete Kuchwankungen - als eine eigenständige Anlageklasse entdeckt. Eine Ratio der Volatilität als eigenständiger Anlageklasse beruht auf historischen Untersuchungen, die Volatilität als eine gute Ergänzung zu einem vorhandenen Aktienbestand beschreiben. Gleichzeitig nahm in den vergangenen Jahren die erwartete Schwankungsbreite am amerikanischen Aktienmarkt ab, da die Stimmung gut war und sich die Wall Street in einen stabilen Aufwärtstrend begeben hatte. Der Vix zeigte über längere Zeit sehr niedrige Werte an. In dieser Situation entstand die Idee, sogenannte "inverse" Finanzprodukte zu entwickeln, bei denen der Anleger einen Gewinn erzielt, wenn der Vix niedrig bleibt, aber Geld verliert, wenn der Vix steigt. Diese Produkte heißen "invers", weil bei ihnen die gewöhnliche Logik auf den Kopf gestellt wird: Normalerweise gewinnt ein Anleger Geld, wenn ein Kurs oder ein Index steigt. Im Falle der "inversen" Produkte verliert der Anleger, sobald der Kurs oder Index steigt. Das in den vergangenen Tagen ins Gerede gekommene Produkt der Credit Suisse, der "Velocity Shares Daily Inverse Vix Short-Term ETN", mit dem Anleger innerhalb eines Tages gerüchteweise 500 Millionen Dollar verloren haben, ist ein solches Produkt. Diese Produkte galten bisher als völlig legitim; nur muss der Anleger wissen, was er tut. Im Prospekt des von der Credit Suisse angebotenen Produkts steht, dass es sich nur an Profis wendet. Seit Jahresanfang hat das Produkt einen Kursverlust von 96 Prozent erlitten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg war im Herbst 2017 die Credit Suisse selbst der größte Anleger in ihrem Produkt, gefolgt von der Deutschen Bank, der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley und dem großen amerikanischen Hedgefonds Citadel. Nunmehr interessiert sich die amerikanische Börsenaufsicht für das Produkt. Das in solchen und ähnlichen "inversen" Produkten auf den Vix angelegte Geld wird in der Finanzbranche auf 3 bis 6 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist aber nur ein Bruchteil des Geldes, das in den vergangenen Jahren insgesamt in die Anlageklasse Volatilität investiert wurde. Allein Hedgefonds sollen nach Schätzungen rund 2 Billionen in diese Anlageklasse gesteckt haben. Interessant sind die Wechselwirkungen zwischen dem Vix und den Aktien- sowie sonstigen Finanzmärkten. Der Vix errechnet sich aus Optionspreisen auf amerikanische Aktien; das heißt, er spiegelt die Stimmung am amerikanischen Aktienmarkt wider. Umgekehrt beeinflusst der Vix aber auch den amerikanischen Aktienmarkt und sonstige Finanzmärkte. Erkennbar war dies in der vergangenen Woche, als die Kursverluste an der Wall Street und vielen anderen Aktienmärkten unter anderem mit Nervosität als Folge des unerwartet starken Anstiegs des Vix begründet wurden. Daher liegt die Frage nahe, ob sich der Vix für Prognosen der künftigen Entwicklung der Aktienmärkte eignet. In den vergangenen Jahrzehnten hat es zahlreiche Überprüfungen der Prognosegüte des Vix gegeben. Das Ergebnis ist widersprüchlich: Oft erwies sich der Vix als brauchbar, aber zuverlässig ist er nicht. Daher wäre es voreilig, als Folge des kürzlichen starken Anstiegs des Vix bereits das Ende der jahrelangen Hausse an der Börse auszurufen. Häufig untersucht wurde in den vergangenen Jahren die Rolle des Vix für die globalen Finanzmärkte. einen sogenannten globalen Finanzzyklus identifiziert. Er beruht darauf, dass in vielen Regionen der Welt gleichgerichtete Kapitalströme zu beobachten sind. So fließt Kapital in Wellen in geographisch weit entfernt liegende Schwellenländer zum gleichen Zeitpunkt hinein und hinaus. Auch lässt sich konstatieren, dass sich rund um den Globus Preise sehr unterschiedlicher Kapitalanlagen häufig in die gleiche Richtung bewegen. Daraus schließt Rey auf einen sehr starken Einflussfaktor auf die globalen Finanzmärkte. Auf der Suche nach diesem Einfluss stellt Rey eine statistische Beziehung zwischen den Bewegungen in den internationalen Kapitalströmen und Veränderungen des Vix fest: Liegt der Vix im historischen Vergleich niedrig, nimmt das Volumen internationaler Kapitalbewegungen zu. Liegt der Vix hoch, sinkt das Volumen internationaler Kapitalbewegungen. Auch lassen sich Zusammenhänge zwischen dem Vix und dem Kreditwachstum in der Welt sowie Zusammenhänge zwischen dem Vix und Verschuldungsquoten in der Welt nachweisen. Mit den Turbulenzen der vergangenen Woche ist auch eine seit mehreren Jahren köchelnde Debatte über die Möglichkeit der Manipulation des Vix durch Marktteilnehmer offen ausgebrochen. Der Anwalt Jason Zuckerman behauptet mit Berufung auf einen anonymen Insider, es wäre möglich, durch die Abgabe gänzlich unrealistischer Preisgebote den Vix zu manipulieren, ohne Geld in die Hand zu nehmen, da diese Preisgebote, zu denen kein Geschäft zustande komme, in die Berechnung des Index eingingen. Die Terminbörse in Chicago hat diesen Vorwurf zurückgewiesen. Sie verwies unter anderem darauf, dass Gebote nach Abgabe zehn Minuten gültig blieben und sich der Preis in dieser Zeit stark verändern könne. Da zehn Minuten an einem Terminmarkt ein langer Zeitraum seien, könne sich kein Teilnehmer darauf verlassen, dass sein scheinbar marktfernes Gebot nicht doch zu einem Geschäft führen werde. Im vergangenen Jahr einen mit den Vorwürfen Zuckermans vergleichbaren Manipulationsvorwurf erhoben, der seinerzeit von der Terminbörse zurückgewiesen worden war. Die Debatte über Möglichkeiten der Manipulation dürfte weitergehen.  
Der Beitrag ist in ähnlicher Form am 15. Februar 2018 im Finanzteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen.

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„Unser Malz wird für 40.000 Biere verwendet“- seventastic.info http://seventastic.info/bierblog/?p=3223 http://seventastic.info/bierblog/?p=3223#comments Thu, 15 Feb 2018 13:02:20 +0100 Tillmann Neuscheler http://seventastic.info/bierblog/2018/02/15/unser-malz-wird-fuer-40000-lw-1-biere-auf-der-welt-verwendet-3223/ Der Trend zum Pils setzte der Bamberger Malzfabrik Weyermann einst mächtig zu. Die Rettung brachte eine Reise nach Amerika – und Rebellen, die auf deutsches Malz setzen. *** Wenn... Mehr

von Tillmann Neuscheler erschienen in Reinheitsgebot ein Blog von .

Reinheitsgebot

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Der Trend zum Pils setzte der Bamberger Malzfabrik Weyermann einst mächtig zu. Die Rettung brachte eine Reise nach Amerika – und Rebellen, die auf deutsches Malz setzen.

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[caption id="attachment_3229" align="alignnone" width="620"] Sabine Weyermann mit ihrem Mann Thomas Kraus-Weyermann[/caption] Wenn Malz für dunkles Bier geröstet wird, muss es richtig heiß werden. Damit dabei nichts anbrennt, wird das Malz in großen Rösttrommeln ständig gewendet. Ein Mälzer kontrolliert über einen Monitor die Temperatur und die Dauer der Röstung. In der Bamberger Malzfabrik Weyermann geht es streckenweise ähnlich zu wie in einer Kaffeerösterei. Manche Sorten kommen nach fast drei Stunden ganz heiß und fast schwarz wie Kaffeebohnen aus der Trommel. Tatsächlich hängt an der Wand der Rösterei noch ein altes Werbeplakat für Malzkaffee. [caption id="attachment_3230" align="alignright" width="225"] Eine Rösttrommel in der Rösterei[/caption] Malz gilt als die Seele des Bieres. Es entscheidet über Geschmack und Farbe. Das Geschäft mit dem Mälzen galt dennoch lange als schwierig. Früher hatte jede Brauerei ihre eigene Mälzerei, doch diese Zeiten sind lange vorbei. Heute wird ein Teil des Malzes als Rohstoff über die Börse gehandelt. Der Preisdruck ist entsprechend groß. Besser lässt es sich in der Nische leben. Die Malzfabrik Weyermann hat das geschafft. Sie hat sich zum globalen Branchenführer für Spezialmalze hochgearbeitet. Rund 80 verschiedene Sorten werden heute in Bamberg produziert. „Unser Malz wird zum Brauen von rund 40000 Bieren rund um die Welt verwendet“, sagt Sabine Weyermann selbstbewusst. Je dunkler die Bierfarbe, desto wahrscheinlicher sei Weyermann-Malz drin. Tatsächlich steckt Weyermann-Malz in etlichen Bieren, meist allerdings nur als kleine Beigabe zur Verfeinerung des Geschmacks. „Jedes Bier wird aus einer Komposition verschiedener Malze gebraut“, erklärt die Unternehmens-Chefin. Dabei wird zwischen Basismalzen und Spezialmalzen unterschieden. Basismalze machen den Hauptteil jeden Bieres aus. Als Spezialmalz gelten die Malzsorten, die den Basismalzen in relativ kleiner Dosis beigemischt werden, um dem Bier einen besonderen Charakter zu geben. Je nach Bierrezept liegt der Anteil der Spezialmalze zwischen 1 und 30 Prozent. [caption id="attachment_3233" align="alignleft" width="225"] Über Monitore wird die Temperatur beim Rösten kontrolliert[/caption] Was aber geschieht überhaupt in einer Malzfabrik? Beim Mälzen wird Getreide zunächst in Wasser eingeweicht und zum Keimen gebracht, damit Enzyme die Stärke im Korn in Zucker verwandeln. Dieser Malzzucker wird später in der Brauerei in einem zweiten Schritt während der Gärung von Hefen in Alkohol verwandelt. Damit das Korn den Zucker beim Keimen nicht selbst schon verstoffwechselt, wird der Keimprozess genau in dem Moment jäh abgebrochen, wenn das Malz ein Maximum an Zucker enthält. Das ist nach etwa fünf Tagen der Fall. Das gerade gekeimte Getreide – das „Grünmalz“ – wird auf einer Darre getrocknet. Je heißer die Luft beim Darren, desto dunkler und karamelliger wird das Malz. So wird das helle Pilsner Malz bei rund 80 Grad Celsius gedarrt, das dunklere Münchner Malz bei 100 Grad. Beide Sorten gehören zu den Basismalzen. Die Spezialmalze von Weyermann werden oft noch bei viel höheren Temperaturen richtiggehend geröstet. Die Malzfabrik Weyermann, gegründet 1879, hat in den vergangenen Jahrzehnten einen rasanten Wiederaufstieg erlebt. Sabine Weyermann hat das Unternehmen 1985 übernommen. Sie hatte damals gerade ihr Brau-Studium in Weihenstephan beendet, da starb plötzlich der Vater, und sie musste direkt nach dem Examen übernehmen. Die Situation war schwierig, der Siegeszug des hellen Pils-Bieres Mitte der achtziger Jahre hatte die Weyermann-Spezialmalze an den Rand gedrückt. Damals hatte das Unternehmen nur 20 Mitarbeiter, heute sind es 200. [caption id="attachment_3234" align="alignright" width="300"] In der hauseigenen Testbrauerei[/caption] Der große Aufschwung ist eng verbunden mit dem Aufkommen der Craft-Bier-Bewegung in Amerika. Die ersten Kontakte waren zaghaft. Als sie mit ihrem Mann in den achtziger Jahren zu einer Hochzeitsfeier in Dallas eingeladen war, nutzten die beiden die Gelegenheit für eine kleine Rundfahrt. In Texas wurde den beiden in einem Ort namens Fredericksburg eine Palette Bier gezeigt, von deren Geschmacksvielfalt die beiden Deutschen völlig überrascht waren. Es waren Biere aus Kleinstbrauereien, die damals als Gegenbewegung zu den großen industriellen Braukonzernen aufkamen. „Wir ahnten schnell“, sagt Sabine Weyermann heute, „das könnte interessant werden.“ [caption id="attachment_3231" align="alignleft" width="225"] Ein Sack Malz der Sorte "Carafa" - ein sehr dunkles Röstmalz[/caption] Mit ihrem Mann besuchte sie dann rasch eine Messe der aufstrebenden Craft-Bier-Bewegung in Boston. Als Werbegeschenke hatten sie Krawattennadeln mitgebracht, das kam in Deutschland auf Braumessen immer ganz gut an. Die jungen Brauer in Amerika aber tickten anders, sie waren tätowiert, hatten ihre Haare zum Zopf gebunden und kamen mit Rucksack zur Messe. Sabine Weyermann ließ sich nicht beirren. Ihre Malzfabrik hatte zwar schwere Zeiten hinter sich, aber sie hatte immer noch rund 40 bis 50 verschiedene Malzsorten im Angebot. „Das war mehr, als die Amerikaner kannten.“ In Deutschland war ihr Betrieb damals ziemlich veraltet, „Old school“ aber begeisterte die jungen Amerikaner. Weyermann verkaufte das Malz in Säcken, die jungen Bierrebellen waren angetan. „Damals war es für kleine Brauereien gar nicht so einfach, kleine Mengen Malz zu kaufen“, erklärt Sabine Weyermann: „Großbrauereien kaufen das Malz eher Containerweise.“ Heute genießt Weyermann in der Craft-Bier-Szene einen exzellenten Ruf. Das kleine Bamberger Unternehmen betreibt auf dem Fabrikgelände seit einigen Jahren sogar einen eigenen „Fan-Shop“, in dem Besucher allerhand Devotionalien mit dem Weyermann-Logo erwerben können. Die Chefin selbst ist der größte Fan: „Auf unser Logo bin ich stolz“, sagt sie. Tatsächlich prangt überall das gelb-rote Zeichen mit den verschlungenen Buchstaben M und W, das ein wenig an das Volkswagen-Logo erinnert, aber viel älter ist, worauf die Hausherrin großen Wert legt. [caption id="attachment_3226" align="alignright" width="300"] Der Weyermann-Fanshop[/caption] Das Zusammentreffen des Traditionsbetriebs mit den amerikanischen Braurebellen war für beide Seiten ein Glücksfall. Was wäre aus Weyermann geworden ohne die Craft-Bier-Bewegung? „Das frage ich mich auch oft“, sagt Sabine Weyermann. Die Amerikaner haben Weyermann aus dem Dornröschenschlaf geweckt, und die Bamberger haben sich gerne wecken lassen: „Wir haben damals den Trend erkannt, dann aber auch wesentlich mitgeprägt.“ Die jungen Brauer wollten Neues ausprobieren, und Weyermann lieferte den Stoff auch für exotische Bierträume. An Begeisterung für Bier fehlte es nicht, manchmal aber an Fachkenntnissen. [caption id="attachment_3227" align="alignleft" width="225"] Bereit zum Verladen: Säcke im neuen Logistikzentrum[/caption] Anders als in deutschen Traditionsbetrieben waren die jungen Brauer in Amerika nicht an Hochschulen zu Braumeistern ausgebildet worden. Kaum einer hat eine formale Ausbildung zum Brauer, viele hatten sich das Brauen selbst beigebracht und irgendwann ihr Hobby zum Beruf gemacht. Die Bamberger konnten den Jungbrauern mit dem Fachwissen einer mehr als 100 Jahre alten Familientradition helfen. „Wir sind wochenlang durch Amerika gefahren“, sagt Sabine Weyermann. So habe sich Vertrauen aufgebaut. Heute exportiert Weyermann 90 Prozent seines Malzes ins Ausland. Seit einigen Jahren betreibt Weyermann auf dem Firmengelände eine kleine Testbrauerei. Dort werden regelmäßig neue Sude ausprobiert, die von Bierkennern oft hoch gelobt werden. Ein Teil des Bieres wird über den Fan-Shop nebenan verkauft, den Rest braucht das Unternehmen selbst. Nach alter Brautradition bekommt jeder Mitarbeiter noch einen Kasten Haustrunk im Monat.  

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[caption id="attachment_3228" align="alignnone" width="620"] Ein Industriedenkmal: die Weyermann Malzfabrik in Bamberg[/caption] Das Unternehmen Die Weyermann GmbH & Co. KG produziert Spezialmalze für Brauereien. Der Sitz des Unternehmens, ein Fabrikgebäude aus roten Backsteinen mit Türmchen und Zinnen am Bamberger Hauptbahnhof, ist vor Jahrzehnten zum Industriedenkmal erklärt worden. Der Branchenführer Weyermann hat heute rund 85 Malzsorten im Angebot. 90 Prozent werden exportiert. Vor allem die amerikanischen Craft-Brauer haben der Malzfabrik zuletzt einen großen Aufschwung beschert. Heute setzt das  Unternehmen rund 60 Millionen Euro im Jahr um. Die Unternehmer Sabine Weyermann, Jahrgang 1958, lernte ihren Mann Thomas Kraus-Weyermann während des Studiums in Weihenstephan („dem Oxford der Brauer“) kennen. Sie leiten das Familienunternehmen in vierter Generation, und mit Tochter Franziska arbeitet schon die nächste Generation im Unternehmen. Als Sabine Weyermann 1985 das Unternehmen übernahm, hatte die Malzfabrik 20 Mitarbeiter. Das junge Paar entdeckte die aufkommende Craft-Bier-Bewegung in Amerika, erkannte den Trend und prägte ihn mit. Heute hat Weyermann 200 Mitarbeiter.

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Die Früchte des Zorns im Donaumoos- seventastic.info http://seventastic.info/stuetzen/?p=8752 http://seventastic.info/stuetzen/?p=8752#comments Thu, 15 Feb 2018 10:36:49 +0100 Don Alphonso http://seventastic.info/stuetzen/2018/02/15/die-fruechte-des-zorns-im-donaumoos-8752/ Look at the faces, listen to the bells, it’s hard to believe we need a place called hell INXS, Devil inside Wenn ich mit anderen über Heimat rede, ist das immer eine reichlich elitäre... Mehr

von Don Alphonso erschienen in Stützen der Gesellschaft ein Blog von .

Stützen der Gesellschaft

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Look at the faces, listen to the bells, it’s hard to believe we need a place called hell INXS, Devil inside

Wenn ich mit anderen über Heimat rede, ist das immer eine reichlich elitäre Angelegenheit, denn meine Wohnorte, egal ob der immens erfolgreiche Wirtschaftsraum an der Donau oder das Tegernseer Tal, sind in sich elitär. Ich argumentiere natürlich lieber mit dem Tegernseer Tal, denn es ist nicht nur eine der reichsten Regionen des Landes, sondern auch stark von einer Heimatkultur geprägt, und obendrein schön. Sehr schön. Atemberaubend schön. Man muss nur so ein Bild zeigen und das Wort “Heimat” dazu schreiben, und viele finden das gut. Denn es ist schön, rein und, weil kaum Menschen zu sehen sind, unschuldig. Raunzt mich einer an, dass da unten auch Nazis wohnten, die die Natur vergötterten, raunze ich zurück, dass sie das bildungsfern angesichts eines Heiligen Berges der Deutschen Literatur sagen, auf den Thomas Mann mit Familie sich persönlich von Bauernburschen hat hoch tragen lassen. Dann zeige ich noch ein Bild von unserem Wetter oben mit Blick auf die Nebelschwaden darunter und sage bedauernd, dass das Leben im Nebel manchen die Laune und den Blick trübt, man muss das verstehen, diese schlechte Laune. Wenn ich auf der genau anderen Seite des Landes leben würde, in Hamburg nämlich, und für die Zeit Social Media machen würde, oder von Berlin aus schriebe - dann hätte ich angesichts der dortigen Zustände auch mehr Probleme, Heimat anzuerkennen. Denen fehlt einfach einer von Thomas Manns Zauberbergen und die Landschaft, in der August Macke malte. Von der Enge einer Mietwohnung in Berlin heraus würde ich vielleicht auch schreiben, dass man den Begriff der Heimat dem rechten Rand überlassen sollte [http://www.zeit.de/kultur/2018-02/heimatministerium-heimat-rechtspopulismus-begriff-kulturgeschichte/komplettansicht]. Und wäre mein Arbeitsplatz nicht das Gipfelplateau des Wallbergs, und wären im flammenden Licht der Sonne nicht alle Gleitschirmflieger, Bergsteiger und Rodler, egal ob blond oder alt oder indisch wie jener Herr, dem ich das Bremsen auf dem Rodel erklärte, so schöne Menschen, wie es hier jeder ist, hätte ich die Industriekloake der Alster vor mir und dahinter nur noch den Wattensumpf des Eismeeres, in dessen Schlick die deutsche U-Boot-Waffe gammelt, würde ich vielleicht auch nach einem Interview zu Indianerkostümen den Deutschen raten, sich doch mal als, wörtlich, Kartoffeln zu verkleiden. Bei der Zeit bin ich mittlerweile geneigt, bei solchen Aussagen von Vorsatz auszugehen, denn schon 2016 machte das Blatt Furore, als es in Bezug auf die auf sich aufmerksam machte. Nun also bringt die Zeit im Kartoffelkontext ein Interview mit einer Dresdner Wissenschaftlerin, die im Bereich “Critical Whiteness” arbeitet und erklärt, warum gewisse Kostüme kolonialrassistisch sind und gefährliche Stereotypen reduplizieren. Es ist wenig erstaunlich, dass die Zeit nach Trans-Kindern und Regenbogenfamilien nun auch diese Strömung der Social Justice Bewegung aus den USA entdeckt, und dem Deutschen dazu noch hineindrückt, er sollte doch als Kartoffel gehen. Bis vor ein paar Jahren war das Wort in dieser beleidigenden Form lediglich in linksradikalen und antideutschen Kreisen verbreitet. Und, wenn man einer Autorin von Bento glauben kann, die früher auch schon durch unsensible Aussagen aufgefallen ist, als Schimpfwort innerhalb türkischer Kreise für Deutsche. Kurz, während ich auf dem Berg sitze und ein schönes Bild meiner Heimat nach dem nächsten mache, wird in der Zeit unter dem Nebel Heimat als Begriff des rechten Randes umgedeutet, schon deutschen Kindern wegen ihrer Verkleidung Kolonialrassismus unterstellt, und die Mehrheitsgesellschaft im antideutschen Duktus kritisiert. Es gibt, so lese ich allenthalben, keine unschuldige Heimat, die Natur sei nur vorgeschoben, und weil es durchaus so sein mag, könnte ich nun behaupten, dass ich von meinen thomasmannesken Bergen herab gerodelt bin, dem Inder “brake! Brake!” vor einer tückischen Eisplatte zurief, und dann ins Donaumoss fuhr, um eine Antwort zu schreiben. Das wäre leider gelogen, die Wahrheit ist, dass meine Ciabattabäckerin am letzten Samstag in Urlaub ging und ich Brot vorbestellt hatte. Also setzte ich mich am Samstag ins Auto und fuhr zum Wochenmarkt. Oder besser, ich habe es versucht, denn offensichtlich haben viele Berliner und Norddeutsche die antideutschen Kommandos nicht verstanden, und verstopften in beide Richtungen die Autobahn der heimatlichen Berge. Das ist nicht nur ein Armutszeugnis für den Erziehungsjournalismus, sondern auch der Grund, warum ich eine Stunde zu spät auf dem Wochenmarkt angekommen bin. Da blieb mir also nichts anderes übrig, als ins Donaumoos zu fahren. Nach Karlshuld, am Faschingssamstag. So wie der Tegernsee der Inbegriff des Tourismusbayern ist - voller Kultur und Berge und Sonne und Reichtum und einem glasklaren See - ist das Donaumoos das genaue Gegenteil. Es ist ein ehemaliges,m menschenleeres Sumpfgebiet, das ab 1795 entwässert wurde. Es ist dort sehr oft immer noch oft neblig, der Boden ist schwarz und wenig fruchtbar, kilometerlang ziehen sich die Dörfer an Strassen entlang, mit kleinen, gedrungenen, alten Häusern, aus denen die Armut spricht, und wo sie auf den Abriss warten, für wenig gelungene Neubauten. Man hat im 19. Jahrhundert vor allem Menschen aus der zu Bayern gehörenden Pfalz dort angesiedelt. Sie sprachen anders, und das merkt man bei echten Leuten “de ausm Moos kumma”, immer noch: “Des is a andere Rass“, sagen wir in Bayern. “Dea kimmt ausm Moos” war früher eine abwertende Bezeichnung und bedeutete arm, fremd und ungebildet. Neben Pfälzern wurden dort auch Sträflinge und sozial schwierige Elemente angesiedelt, weshalb bei uns, in der Stadt, lange auch das Wort “Zuchtheisla” ein Synonym für Menschen aus dieser Region war. Die Entwässerung des Donaumooses war vor allem ein Projekt der Landgewinnung für den bayerischen Staat, aber nicht für die neuen Bürger: Meine Heimatstadt war damals Landesfestung, und die Dörfer, die südlich davon angelegt wurden, waren mitten im Schussfeld. Bei Hagau ist heute noch eine grosse, offene Batterie im Gelände erkennbar: Hätte sich der Feind hier angenährt, hätten bayerische Kanoniere ohne Zögern die Siedlungen der Pfälzer und der Armen zerschossen. Man sagt immer “Der ersten Tod, der zweiten Not, der dritten Brot”, wenn es um Besiedlung geht, aber im Donaumoos stimmt das nicht. Von 1795 bis nach dem 2. Weltkrieg war das hier die Armenhaus des Landes Bayern. Noch im meiner Klasse der 80er Jahre waren viele Söhne der Bauern nördlich der Donau, aber kaum jemand aus dem Moos. Die alte Abneigung der Bürger, die durch den Spruch “Über die Donau zieht man nicht” zum Ausdruck kommt, hat ihre Ursache in der Fremdheit der Kolonisten. Und natürlich ist “Kardoffe” und “Kardoffebauer” im Sinne eines unfähigen, ungebildeten und sozial fragwürdigen Landbewohners seit jeher eine schwere Beleidigung. Dass es besser wurde, dass das Moos heute mit Immobilienpreisen aufwarten kann, unter denen Hamburger winseln und Berliner nach Lichtenberg umziehen, liegt allein am Boom der großen Stadt mit ihren weltweit begehrten Autos. Langsam werden die alten, schlimmen Geschichten vergessen, die noch Teil meiner eigenen Jugend waren. Eine Generation ist das vielleicht her. Und man sollte denken, dass Menschen mit dieser Geschichte Jahrhunderte langer Diskriminierung geläutert sind , wenn sie in der türkischen Pizzeria Dolce Vita einen schnellen Imbiss nehmen, bevor sie später im Tanzlokal Octagon Discofox bei der Ü30-Party tanzen. Wie gesagt, ich kenne die Leute hier, manche sind Freunde, und wenn ich während des Studiums von München nach Hause geradelt bin, wurde ich hier immer gastfreundlich empfangen. Ich finde das alles hier, das Leben, die Schautafeln, mit denen Geburtstage und Hochzeiten in aller Öffentlichkeit gefeiert werden, überhaupt nicht peinlich. So ist das halt hier. Man muss diese soziale Wärme aus der Geschichte verstehen: Heimat war für diese Menschen der nasskalte, schwarze Boden, das kleine, niedrige Haus, die Familie und das Dorf. Es sind 21 Kilometer in die Stadt, früher eine Tagesreise hin und zurück. Wenn hier im November wochenlang Nebel herrscht, rückt man zusammen. Diese Heimat ist nicht schön und sie ist nicht touristisch, und trotzdem sind hier die Gärten voll mit weißblauen Fahnenmasten. Man hätte die Leute vor 110 Jahren mit Feldbatterien über den Haufen geschossen, wenn der Feind durch ihre Dörfer gekommen wäre. Trotzdem hängen hier an den Feiertagen die Fahnen des Freistaates. Sie haben kein internationales Essen jenseits der Pizza, der Gasthof heisst Scharfes Eck, und ist gleichzeitig Dorfmetzger, 21 Kilometer von der Stadt entfernt. Davor ist ein Kreisel, und als ich dort ankam, sperrte die Polizei den Weg. Am Samstag war der Pferdefaschingszug. Voran schritt die Gemeindekapelle Hohenwart in regionaler Tracht mit langen Röcken und Hosen und mit einem Trommler, der den Marschtakt vorgab. Und dahinter kamen die Pferde und die Maschgerer, manche als Einhörner und manche, natürlich, als Indianer. Und danach kam eine Person in Einhornkostüm und kehrte alle Pferdeäpfel gleich wieder zusammen, damit die Strasse sauber ist. Es ist leicht, über Heimat in den Bergen zu reden und leicht, als Publizist oder Forscherin oder Social Media Mitarbeiterin im Kreise eines multikulturellen Umfelds die Auffassung zu vertreten, die Kinder hier seien auf eine dumme Art rassistisch, und statt der Fahnenstangen sollte man lieber in Kartoffelkostüme investieren. Es passiert nichts, weil die wenigsten hier zur Kenntnis nehmen, was Critical Whiteness Forscherinnen auf Basis staatlicher Transferleistungen und gefeierte Autoren über sie denken. Das Donaumoos ist keine Gegend von schönen Geschichten, ich kannte einen, der betrunken schwimmen wollte und nie am anderen Ufer ankam, und das Bauernhofsterben macht den Menschen hier schwer zu schaffen. Sie haben oft mit ihren schwarzen Böden den Baugrund, mit dem sie vermögend oder sogar reich werden können, während Süsskartoffeln heute für Biokonsumenten auch garantiert aus Asien kommen sollten. Es ist nicht gerade viel Heimat hier, und beim letzten Donauhochwasser drohten viele die Existenz zu verlieren. Damals war ich auch hier. Das war alles nicht schön. Die Leute hier sagen, dass man halt vor der Flut nicht davonlaufen kann. Und generell war es eine Fehlentscheidung, das Moos zu besiedeln. Nur hat man 1795 seinen Wert als Naturraum nicht erkannt. Jetzt ist es halt die Heimat, die sie haben. Auch die Heimat dessen, was in Hamburg und Berlin als rechter Rand gilt. Es gibt hier drei grössere Parteien, die in Fragen der Heimat rechts von jener CSU sind, bei deren linken Rändern nach allgemeiner Vorstellung spätestens der rechte Rand beginnt - ich las gerade einen Beitrag, dass jetzt sogar die Kabarettistin Lisa Fitz unter Rechtsverdacht steht. Jedenfalls, die AfD, die Freien Wähler und die separatistische Bayernpartei Jedem 4. ist die CSU nicht hart rechts genug. Die bevorzugten Parteien üblicher Journalisten sind SPD, Grüne und Linke. Die haben in Karlshuld zusammen gerade einmal 20%. Natürlich wird viel über ein Ministerium gespottet, das sich Heimatministerium nennt und eigentlich vom Zuschnitt her, nüchtern betrachtet, ein Ministerium für Infrastruktur und ländliche Raumentwicklung ist. Wenn jeder 4. Rechts von der CSU wählt, ist das ein deutliches Zeichen der Unzufriedenheit und der Meinung, dass diese Heimat hier jetzt auch einmal an der Reihe sei, dass die Sparkasse gefälligst ihre Filiale behalte und die nächste Poststelle nicht 10km entfernt in einem Supermarkt ist. Der in meinen Berufskreisen so vielgeforderte Breitbandausbau ist hier kein Problem, die Frage ist hier -und noch verschärft im Osten des Landes - inwieweit die Lebensqualität noch verschlechtert wird, während der Staat drüben im Oberstimm für viel Geld für neue Sicherheitskräfte für das Transitlager ausgibt. Man kann das alles ignorieren und lächerlich machen, die Leute als Kartoffeln beschimpfen und als Rassisten und als rechten Rand. Was juckt einen in Berlin schon der Milchpreis, was bedeutet in Hamburg der Hochwasserschutz an der Donau, wenn schon Indianerinnen auf Pferden und die positive Aufladung als Heimat andere zum rechten Rand machen. Zum Feind. Zu Kartoffeln halt. Wenn sie sagen, der Staat und die Medien müssen gegen Rechts aktiv werden, dann meinen sie das hier. Natürlich geht die Zeit hier nicht ins Scharfe Eck und erklärt bei Bier und Weisswürsten, warum man rechter Rand ist und gefälligst andere Kostüme tragen sollte. Hier bei uns, auf beiden Seiten der Donau, kommt die AfD und legt Listen zur Abschaffung des “Staatsfunks” aus, die Leute kommen gern, und niemand steht davor und demonstriert. Der rechte Rand ist hier längst die Mehrheit. Die alte Feldbatterie bei Hagau dagegen ist überwachsen, dahinter ist ein Baggersee vom Kiesabbau, und daneben liegt Daddy’s Boazn, wo man sich nach dem Eisstockschiessen aufwärmen kann. Niemand würde die Dörfer hier heute noch mit Kruppgeschützen beschießen, aber die Verachtung, die Abwertung, die als richtig betrachtete Ausgrenzung, die Achtlosigkeit und die Herabwürdigung zum Kartoffel, die gibt es heute noch. Wer den Aufstieg der Rechten in breiten Schichten sehen will, ein Aufstieg, der die Linken zum bedeutungslosen Rand verkommen lässt wird hier bei uns fündig. Wer die Ursachen finden will, sollte auch nach Hamburg und Berlin fahren.

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Weinstein, Erledigungstempo, Juristengehälter, Abbrecherquote, Facebook-AGB- seventastic.info http://seventastic.info/einspruch/?p=68 http://seventastic.info/einspruch/?p=68#comments Wed, 14 Feb 2018 15:12:10 +0100 Constantin van Lijnden und Corinna Budras http://seventastic.info/einspruch/2018/02/14/weinstein-erledigungstempo-juristengehaelter-abbrecherquote--agb-68/ Herzlich willkommen zur zwölften Folge des F.A.Z. Einspruch Podcasts! Die #metoo-Bewegung prägt seit Monaten die öffentliche Debatte, doch juristisch hat es bislang kaum Konsequenzen gegeben.... Mehr

von Constantin van Lijnden und Corinna Budras erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von .

F.A.Z. Einspruch Podcast

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Klagen gibt es von Richtern auch an anderer Front: Der Deutsche Richterbund moniert die immer weiter aufgehende Gehaltsschere zwischen Richtern und Staatsanwälten auf der einen und Juristen in der Privatwirtschaft auf der anderen Seite. Angesichts dieser Entwicklung werde sich die bevorstehende Pensionierungswelle in den neuen Bundesländern nicht abfedern lassen, zumal auch immer mehr Jurastudenten ihr Studium abschließen. Die Gründe hierfür arbeitet eine Studie des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung auf. Neben einer geringen Identifikation mit dem Fach und fehlender praktischer Bezüge spielt auch die Schwierigkeit des Staatsexamens eine große Rolle. Das ist besonders problematisch, weil viele Jurastudenten erst sehr spät, nach sieben oder mehr Semestern abbrechen. Die Konsequenz solle aber nicht sein, das Examen leichter, sondern die Zwischenprüfung schwerer zu machen. Schließlich beschäftigt uns eine Entscheidung des Landgerichts Berlin, das eine Reihe von Facebook-AGB gekippt hat, die den Datenschutz der Nutzer betreffen. Das Urteil gibt vor allem Constantin van Lijnden Anlass zu einer spontanen Wutrede über Datenschutz-Paranoia und unnütze und nervige Warn- und Hinweismeldungen zu Eingriffen, die die allermeisten Nutzer seiner Meinung nach ohnehin nicht stören oder interessieren. Den Abschluss bildet das gerechte Urteil, das die Brücke zum schon erwähnten Jurastudium schlägt. Ein ehemaliger Student ist mit einer Schadensersatzklage wegen seines nicht bestandenen Examens vor dem OLG Hamm gescheitert, obwohl zwei seiner Klausuren nachweislich falsch bewertet wurden. Warum das trotzdem gerecht ist, verrät die Sendung. Shownotes: Koalitionsvertrag: Klage gegen Weinstein: Artikel zu Weinstein: Artikel zu Thomas Schulte-Kellinghaus: Artikel zur Gehaltsschere zwischen Justiz und Privatwirtschaft: Artikel zur Abbruchquote bei Jurastudenten: Facebook-Urteil des Landgerichts Berlin Artikel zum Facebook-Urteil: Gerechtes Urteil: Den Podcast können Sie gleich hier auf Faz.net hören oder oder abonnieren. Sehen Sie

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Und wo sind die großen Bücher geblieben?- seventastic.info http://seventastic.info/digital/?p=1461 http://seventastic.info/digital/?p=1461#comments Sat, 10 Feb 2018 10:30:10 +0100 Hans Ulrich Gumbrecht http://seventastic.info/digital/2018/02/10/und-wo-sind-die-grossen-buecher-geblieben-1461/ Reiseführer, Selbsthilfe-Anleitungen, Gesammelte Essays und Regenschirme -- was man in Buchläden nicht mehr findet, sind große Werke aus unserer eigenen Gegenwart. Übersehen wir sie -- oder ist ihre Zeit zu Ende gegangen? Mehr

von Hans Ulrich Gumbrecht erschienen in Digital/Pausen ein Blog von .

Digital/Pausen

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Tarantino und wie der Sexismus ins Netz kommt- seventastic.info http://seventastic.info/deus/?p=4843 http://seventastic.info/deus/?p=4843#comments Tue, 06 Feb 2018 23:44:29 +0100 Don Alphonso http://seventastic.info/deus/2018/02/06/tarantino-und-wie-der-sexismus-ins-netz-kommt-4843/ Die Zeiten der politisch korrekten Morddrohung sind offensichtlich auch für Linke vorbei. Zwei herausragende Beispiele, deren Gegenstand ich wegen meiner Tätigkeit wurde, geizten nicht mit linken,... Mehr

von Don Alphonso erschienen in Deus ex Machina ein Blog von .

Deus ex Machina

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Nun ist mein Leben - wie das der meisten Bundesbürger - zum Glück in der Realität unendlich fern der Gewaltorgien von Tarantino, die ich, das muss ich zugeben, auch kaum kenne, weil ich keinen Fernseher habe. Ich war einmal gezwungen, mir “Pulp Fiction” anzuschauen, und mochte es nicht sonderlich. Auch die Zeit der RAF ist weitgehend vorbei, ihre Verharmlosung kenne ich nur noch aus dem Internet, aber nicht aus dem realen Leben. Ähnlich ist es mit sexueller Gewalt und Übergriffen: Das habe ich schon mal aus dem Fenster meiner Wohnung gesehen und die Polizei gerufen, die dann auch schnell da war und einen Kerl mitgenommen hat. Ansonsten sind Gewalt, “sexualisierte Gewalt” und Sexismus in der Form, die eine Mehrheit der Gesellschaft als solche erkennen würde, angesichts der bürgerlichen Konventionen relativ selten bis nicht existent. Es gibt zwar gewisse Artefakte vergangener Kulturen, die mit den heutigen Vorstellungen nicht mehr vereinbar wären. Aber die Betrachtung von ins Kloster gesperrter junger Damen, die sicher schon 200 Jahre tot sind, macht einen noch nicht zum Befürworter von arrangierten Hochzeiten. Oder zum Freund einer alten Gouvernanten-Prüderie, die solche Verhüllung erzwang, und früher ähnlich wie das neofeministische Klischee vom Mann als Wüstling und der Frau als Dulderin klang, das jüngst auch bei einer pauschalen Aussage der ARD-Journalistin Anja Reschke durchschimmerte. https://.com/AnjaReschke1/status/960619500512169984 Ich wüsste nicht, wo ich mich “so anstelle”. Ich bin etwas älter und kann mich nicht wirklich daran erinnern, beim ersten zarten Wort gleich eine Frau auf dem Schoss gehabt zu haben. Es gibt ein durchaus kunstvolles Spiel des verbalen Abtastens, und viele, sehr viele Frauen erzählen mir, der X. hätte sie angesprochen und sie hätten sich wie die letzte Trotteline verhalten und keinen Ton heraus gekriegt, nur spitze Bemerkungen, und die lägen nun auf dem Weg zur erschwerten Wiedervereinigung und warum zum Teufel hat der nach 48 Stunden nicht wenigstens angerufen und versichert, dass es sehr schön war und er sie toll fand, obwohl sie abweisend waren? Die Welt dieser Beziehungen ist nach meiner bescheidenen Meinung zu komplex für 280 Zeichen kampagnenkonformer Verhaltensanweisung, selbst wenn sie im Kontext mit dieser Debatte im TV zu sehen ist. Ich habe kein TV-Gerät, , bevor ich mich wieder meinen Büchern hinter pastoralen Porzellanfiguren zuwende. Oder mich im Netz über hochwertige Tonmöbel informiere. Dazu habe ich gestern Nacht bei Google und indirekt bei Ebay über Marken wie Düvel, Naim, Atoll und Opera Audio recherchiert, und ich tat es ausnahmsweise mit ausgeschaltetem Trackerblocker - das sind diese Browserhelfer, die ein Ausspionieren meiner Wege durch das Netz verhindern. Heute morgen war der Blocker immer noch aus, und deshalb habe ich bei der FAZ auch Ebay-Werbung zu sehen bekommen, die ansonsten nicht ausgeliefert wird. Die eine Hälfte der Anzeigen zeigt sinnlos meine Interessen des gestrigen Tages. Die andere Hälfte ist offensichtlich mit dem Sex- bzw. Sexismusthema der besprochenen TV-Debatte verbunden. Der Algorithmus hat mir auf den Bildschirm die Angebote geschaufelt, die er dafür passend fand. Ich kann Ihnen versichern, in meiner Lebensrealität wird einem nur äußerst, äußerst selten auf Gesichtshöhe die weibliche Anatomie dergestalt entgegen gestreckt. Das tut man einfach nicht. Auch die anderen Nichtaudioprodukte entsprechen in kleinster Weise dem bei uns üblichen Kleidungsübereinkommen zwischen Mann und Frau und Frauen untereinander. Außerdem wäre ich sicher der Letzte, der so etwas kaufen würde. Der Algorithmus ist fraglos dumm, er versteht weder den Text noch die Haltung der Klickenden, und obendrein gibt es bei Ebay vermutlich wirklich mehr Interessentinnen für knallenge Wabennetzüberzüge denn für all die Bücher, die zum Thema sexueller Belästigung und 3.-Welle-Feminismus geschrieben werden. Es ist das spezifische Kaufverhalten der Frauen, das zum Angebot und zur Werbung für solche Kleidung im Netz führt, und es spiegelt den Umstand wider, dass Spitzenunterwäsche und Galanteriewaren auch heute noch bei der breiten Mehrheit mehr Zuspruch als feministische Pornos, Gleichstellungsberichte und Bücher über die “100 besten queer-transidenten Flirtratschläge ohne Genderassumung” finden. Was Frauen wollen und was Feministinnen denken, dass Frauen wollen sollten, ist nicht ganz deckungsgleich, und wie man sieht: Der Markt sagt etwas ganz anderes als Talkshows im Fernsehen. Wenn das Fernsehen recht hätte, würden sich die Werbenden anpassen oder pleite gehen, was mich im Falle der Wabennetzleggins noch nicht einmal stören würde. Die Konsumrealität der einen ist nun mal die Rape Culture der anderen. Besonders ist sie das bei Spiegel Online, wo jede Woche 5 Kolumnisten für sozialen Fortschritt aus ihrer Sicht schreiben, und zusammen mit anderen die Fortführung der MeToo-Kampagne betreiben. Das gleiche, von einer Frau geleitete Medium beschäftigt nicht nur Frauen, die mit pauschalen Verdächtigungen gegen Männer auffallen, sondern auch eine Autorin für das Dschungelcamp. Beim Ebay-Algorithmus kann man die sexistische Lieferung noch auf die Technik schieben, bei Anja Rützel ist es sicher kein Zufall, wenn das Unwort “Kopulationsverhandlungen” geprägt wird. Weil angeblich Leute, denen es langweilig wird, halt “antomisch” werden. Darunter ein Bild von gut erkennbaren, knapp bekleideten C-Promis im Wasser. In meiner Welt fragt man sich, welches Menschenbild Spiegel Online jenseits ihrer feministischen Kampagnen sonst so hat: Es ist jedenfalls nichts, was man in meiner Welt in dieser Form ohne Sanktionen sagen oder über Dritte annehmen könnte. Aber im Netz ist das alles gleichzeitig möglich, die und die Reduktion von Sex auf Kopulation als Gegenstand von Absprachen. Weil Menschen das halt so tun, wenn ihnen langweilig ist, zumindest bei Spiegel Online. Da gibt es natürlich keinen Aufschrei, so darf man auch in der Post-Weinstein-Wedel-Zeit schreiben, wenn es mit viel nackter Haut nur die nötigen Klicks gibt. Oder haben Frau Stokowski und Frau Berg schon gekündigt, weil sie mit solchen Inhalten nicht in Verbindung gebracht werden wollen? Schämt sich Jakob Augstein nicht, dass seine Erlöse aus dem Spiegel-Verlag mit solchen Aussagen bestritten werden? Wer bestimmt, dass die Entwürdigung der einen Schauspieler eine Damnatio Memoriae nach sich zieht, und die Entwürdigung der anderen Schauspieler einen bösen Lacher? Der kollektive, sich Bahn brechende Hass gegen Quentin Tarantino (alter, weißer Mann), der die junge, zerbrechliche Frau Thurman beinahe auf dem Gewissen gehabt hätte, und der sich obendrein zu Beginn der Affaire nicht genug von Harvey Weinstein distanzierte, ist natürlich einfacher als die Festlegung, welche Form der Entmenschlichung und Degradierung legitim ist, und welche nicht. Für das Lager der sog. “Guten” beginnt die Grenze bei einer nicht erwiderten Annäherung, wie immer man das auch beurteilen will. Für die Verlage der gleichen “Guten” ist es aber auch völlig in Ordnung, eine auf Erniedrigung aufgebaute Sendung mit zusätzlich erniedrigenden Begriffen zu begleiten, oder in einer anderen Kampagne mit der überführten Täterin Gina Lisa zu stehen, ohne anderen auch nur das Recht einzuräumen, ihre Sicht der Ereignisse zu schildern. Diese argumentativen Brüche müssen mit neuen Fällen für die Empörung überdeckt werden. Dass inzwischen auch Hillary Clinton für eine , ist da nur folgerichtig. Nur die Reinsten der Reinen haben immer alles richtig gemacht, weshalb die anonymen Helfer der “Guten” jetzt also besser aufpassen sollten, wie sie im Netz drohen: Tarantino sollte man jetzt besser schlecht finden, wenn man nicht auch noch in Verdacht geraten will. Das geht ganz schnell heutzutage, automatisch wie ein Algorithmus von Ebay und rücksichtslos wie der Hohn über Teilnehmer am Dschungelcamp. Danach dann wieder eine Talkshow, ab wann welche Anmache schon sexualisierte Gewalt ist, für die man wenigstens seine bürgerliche Existenz verlieren sollte, wenn es dagegen schon keine Gesetze gibt.

von <a href="http://seventastic.info/deus/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Deus ex Machina ein Blog von .

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Eine Wand aus Eis- seventastic.info http://seventastic.info/antarktis/?p=30 http://seventastic.info/antarktis/?p=30#comments Mon, 05 Feb 2018 13:17:52 +0100 Ronja Reese und Ricarda Winkelmann http://seventastic.info/antarktis/2018/02/05/eine-wand-aus-eis-30/ Ewiges Eis - was heißt das schon, wenn man jeden Tag den Klimawandel vor Augen hat? Zuerst aber erscheint es uns wie eine gewaltige Wand. Unsere Antarktis-Expedition bekommt Konturen. Immer näher am Südpol, auf dem Schelfeismeer vor der Neumayer-Station. Mehr

von Ronja Reese und Ricarda Winkelmann erschienen in Aufbruch in die Antarktis ein Blog von .

Aufbruch in die Antarktis

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Insgesamt ist die Schelfeiskante hier etwa 150 Meter dick. Es scheint, als würde sie sich nach rechts und links unendlich weit erstrecken. Doch so massiv sie auch wirkt, die Eisschelfe rund um den Kontinent gehören zu den empfindlichsten Teilen der Antarktis. [caption id="attachment_32" align="aligncenter" width="1020"] "Nach den stürmischen Bedingungen südlich vom Kap der Guten Hoffnung liegt der Eisbrecher nun ganz ruhig im Wasser."[/caption] Seit gut einer Woche sind wir nun mit Polarstern unterwegs. Kurs: immer gen Süden. Das Wetter hat sich über die letzten Tage extrem verändert. War es in Kapstadt, wo wir an Bord gegangen sind, noch knapp 30 Grad heiß, so sind Luft- und Wassertemperatur jetzt immer nahe dem Gefrierpunkt, die gefühlte Temperatur sogar bis minus 20 Grad. Nach den stürmischen Bedingungen südlich vom Kap der Guten Hoffnung liegt der Eisbrecher nun ganz ruhig im Wasser. Mit jedem Tag der Reise in den Polarsommer merken wir, dass die Sonne früher auf- und später untergeht. Und mit jedem Tag erleben wir ein neues Naturspektakel: ein blutroter Sonnenaufgang. Buckelwale, die in der Ferne vorbeiziehen. Der erste Eisberg bei 55° Süd (eher noch ein “Eiszwerg”), kurz darauf der zweite, der dritte,… [caption id="attachment_33" align="aligncenter" width="1104"] "Durch den menschengemachten Klimawandel wird das Gleichgewicht zunehmend gestört."[/caption] Wir sind am Schelfeis angekommen. In der Atka-Bucht, dem Stück Küste vor der deutschen Forschungsstation Neumayer III. Jetzt, wo wir vor der Eiskante liegen, werden die Dimensionen der Antarktis zum ersten Mal richtig greifbar. Der Anblick erweckt Zahlen zum Leben, die wir sonst eher von unseren Computersimulationen kennen: Im Landesinneren türmt sich das Eis bis zu 4000 Meter auf. Der Eispanzer ist so massig, dass er den Meeresspiegel weltweit um mehr als 50 Meter anheben könnte, würde er komplett abschmelzen. Das würde viele Jahrhunderte dauern, aber dennoch: Es ist ein schlafender Gigant. Ruhig liegt die Schelfkante vor uns. Keine Bewegung. Doch das täuscht. Das "ewige Eis" ist eigentlich ständig in Bewegung. Fließt vom Landesinneren - zäh wie extrem dickflüssiger Honig - von der Schwerkraft getrieben in Richtung Ozean. Es ist ein ständiger Kreislauf: Durch Schneefall entsteht neues Eis auf dem Kontinent, an den Rändern brechen Eisberge ab, und das vergleichsweise warme Ozeanwasser schmilzt das schwimmende Schelfeis am Rande der Antarktis von unten. Eine sensible Balance. Durch den menschengemachten Klimawandel wird dieses Gleichgewicht jedoch zunehmend gestört.  Erwärmen sich die umgebende Luft und der Ozean, reagiert das Eis: Schelfe werden dünner. Gletscher beschleunigen sich, ziehen sich zurück. [caption id="attachment_34" align="aligncenter" width="1020"] "Der Mensch ist eine geologische Kraft."[/caption] Wo, wie viel, wie schnell? Das untersuchen wir mit unserem Eisschildmodell am PIK, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Klar ist: Wenn wir - die Menschheit als Ganzes - so weitermachen wie bisher, wird der antarktische Eisschild zunehmend an Masse verlieren und dadurch der Meeresspiegel weltweit weiter ansteigen. Im Extremfall, würden wir alle noch verfügbaren Ressourcen an Gas, Kohle, Öl verbrennen, wäre das langfristig das Ende des ewigen Eises. Der Mensch ist eine geologische Kraft. So klein wir auch sind, im Vergleich zu der Eisklippe vor uns. Schon wenn kleine Flächen der schwimmenden Eisschelfe dünner werden, kann das weitreichende Folgen haben. Eine Destabilisierung hier am Rand kann bis zu 900 Kilometer - mehr als die Strecke München-Kiel - quer durch das Schelf und bis aufs Festland ein Signal senden, das den Eisfluss verändert, wie wir in unseren Computersimulationen schon zeigen konnten. Das geschieht mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, so schnell wie der Schall, ähnlich wie sich sonst etwa Erdbeben ausbreiten. Alle Veränderungen in den Eisschelfen zusammen können einen großen Einfluss auf den Spannungszustand an der Aufschwimmlinie der kontinentalen Eismassen haben. Das Dünnerwerden der Schelfe führt zu Eisverlust aus dem Inland. Dieser indirekte Prozess ist tatsächlich der Hauptgrund für den derzeit beobachteten Beitrag der Antarktis zum Meeresspiegelanstieg. [caption id="attachment_35" align="aligncenter" width="1244"] "Die Kollegen auf der Neumayer-Station erwarten uns."[/caption] Kalter Wind fegt über die Eisebene. Sturmvögel ziehen ihre Schleifen über uns. Auf den Schollen in der Bucht ruhen sich Adeliepinguine aus. Die Kollegen von der Neumayer-Station erwarten uns schon. Die Polarstern bringt ihnen wichtige Geräte, Nahrungsmittel, Treibstoff. Beim Entladen packen alle mit an. Auf der Station wird rund ums Jahr geforscht. Zu Fragen der Geophysik, der Meteorologie, der Luftchemie. Mitten in diese faszinierende Eiswüste führt uns jetzt auch unsere Forschung. In den nächsten Wochen werden wir tiefer ins Meereis fahren. Dort wollen wir die Prozesse an der Unterseite der Schollen untersuchen. Unsere Geräte dafür haben wir im Labor schon aufgebaut, nun müssen sie kalibriert werden. Aber das kann für den Moment warten. Das Schiffshorn ertönt - Zeit, wieder an Bord zu gehen.

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Dem Weihnachtsmann konnte geholfen werden – die Auflösung unseres großen Weihnachtsrätsels- seventastic.info http://seventastic.info/planckton/?p=1745 http://seventastic.info/planckton/?p=1745#comments Thu, 01 Feb 2018 09:41:29 +0100 Jochen Reinecke http://seventastic.info/planckton/2018/02/01/dem-weihnachtsmann-konnte-geholfen-werden-die-aufloesung-unseres-grossen-weihnachtsraetsels-1745/ Er stand mit einem Sack voller Geschenke vor einer Häuserreihe und wusste nicht weiter, denn er hatte seinen Laufzettel verloren: der Weihnachtsmann. Glücklicherweise gab es eine Vielzahl von... Mehr

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Planckton

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Overstated Jurisprudence- seventastic.info http://seventastic.info/wort/?p=539 http://seventastic.info/wort/?p=539#comments Wed, 10 Jan 2018 17:04:23 +0100 Hendrik Wieduwilt http://seventastic.info/wort/2018/01/10/overstated-jurisprudence-539/ Dies ist eine mir freundlicherweise zugespielte Übersetzung meines Beitrags über das NetzDG im FAZ-Blog. This is a translation of my article about the new German hate speech law... Mehr

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Das letzte Wort

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Dies ist eine mir freundlicherweise zugespielte Übersetzung meines Beitrags über das NetzDG im FAZ-Blog. This is a translation of my article about the new German hate speech law (“NetzDG”). Over the past few days, we’ve been seeing how the controversial Network Enforcement Act NetzDG is turning a whirring, entertaining and sometimes silly means of mass communication into a fink forum for self-righteous grumpy Guses. This is about Twitter, a little about Facebook, and mostly about the nuclear level blunder by the SPD, namely the grossly overestimated understanding of what it by right can do. It’s possible that this insight is now seeping through to the Minister of Justice Heiko Maas. He too was once called out on hate speech, and now Twitter has deleted one of his tweets. The Social Democrats are currently shocking us with their astonishingly anti-freedom statements - some even advocating for unadulterated censorship. Eva Högl (SPD) said something along the lines of content needing to first disappear and then reappear online following a legal review. https://.com/radioeins/status/948878250444492801 That is pretty close to the legal definition of “censorship”: namely a state pre-check. Sawsan Chebli (SPD) has made the disconcerting intimation that right-wing conservatives like those from the AfD or Thilo Sarrazin (admittedly also SPD) should no longer be allowed to express their opinions. https://.com/SawsanChebli/status/949384910225240067 And the EU's "Digital Charter", hostile to basic rights and promoted by SPD chairman Martin Schulz, has already been an extensive topic of discussion elsewhere. The party is in urgent need of help when it comes to the importance of freedom of expression - and also having a sense of humor. A lot of SPD politicians apparently don’t get satire. So it matters to them not one bit when this gets deleted along with hate speech. It is hardly coincidence that the “Titanic” was never sued by Helmut “” Kohl (CDU), or Roland “” Koch (CDU), or Volker “” Bouffier (CDU), but it was sued by Kurt “” Beck (SPD), or Johannes Rau (SPD) and Björn Engholm (SPD). Even Gerhard Schröder (SPD) proved himself thin-skinned when the debate over his hair color reached all the way to Karlsruhe. But it wasn't just the SPD's unbridled censorship and a customary and appalling knowledge gap concerning the digital world that steered the federal government head-on into chaos. This was coupled with a downright childlike, uncritical trust in the magical power of jurisprudence. Anyone in favor of the NetzDG wants the impossible, is overstepping the law, is rubbing a plastic bottle while hoping for a genie. Federal Minister of Justice and licensed lawyer Heiko Maas soberly narrated a ridiculous fairytale to Germans. Namely one in which a couple of paragraphs were capable of solving the most urgent social problems of our age: hate, resentment, and social decline. He overestimated his tool. Furthermore, and this is also an important and under-emphasized aspect, he was angry because he, Maas, and other politicians, especially at the local level, were being harassed on social media. But wait just a minute, scream the NetzDG apologists: How can the law be an overstatement of the law when it supposedly doesn’t create any new obligations? Andrea Nahles, SPD faction leader in the Bundestag, argued along these lines. Over the weekend, she once again struggled with the worn-out online phrase about there being no legal vacuum. However, the NetzDG does indeed create new obligations. First of all, for practical reasons (for lawyers: "factual"): A trivial insult like "idiot" (Maas about Thilo Sarrazin) would never send someone crying to the nearest police station in the real world. Consequently, nothing gets deleted or removed. Perhaps the allegedly scorned person might run home foaming at the mouth. But once the computer's been switched on and Word's loaded up and ready for the forthcoming rant of a criminal complaint to the public prosecutor's office - the anger has usually subsided. A natural pre-filter ensures that coarse shade does not morph into judicial skirmishes. Enter NetzDG: A couple of clicks suffice. You don’t even need a criminal complaint. And off the report goes. Even if it’s about an insulting tweet by the future Federal Minister of Justice. This is how things are looking. However, because of these deletions, it is now part of the usual Twitter melee to photograph compromising text for posterity and then take pleasure in showcasing it as soon as the network's cleaning agents have set to task. https://.com/AliCologne/status/949654877688430592 However, even from the legal perspective, there are more rights online and not fewer than in the real world. At the public prosecutor's office you would merely spare a bored chuckle for such an "ad". As a rule, the person so dubbed would have to file a criminal complaint of his own volition. If instead a third party were to file a complaint spurred on by indignation over moral decline or to punish someone, nothing would happen. “Idiot” just gets left hanging in the room. Is it possible that reality is a lawless realm? It’s true: A lot of the NetzDG obligations were already being met by the companies beforehand. The obligation to delete originates from interference liability in connection with the penal code (it is by no means contained in the German Telemedia Act, as a spokesperson of the Federal Ministry of Justice claimed at the government press conference on Monday). However, up until now the providers were given more leeway on the timeline. https://.com/dasgesetzbinich/status/948118986084020225 The NetzDG is actually a HecticG. It demands the impossible from most companies in a short amount of time. And the issue of what is permissible and impermissible is pretty complicated and mired in gray zones to boot. Had Maas just sat down for a quick coffee with a sleep deprived media lawyer to discuss the NetzDG, the lawyer would have been able to quickly outline the issues and advise him to bury the project. Exactly how complicated is it? This complicated (examples from the judicial review  by Andreas Stegbauer in the NStZ (New Magazine for Criminal Law) professional journal 2015, 201): “Siggi Heil” is punishable even if a “Siggi” is being greeted, but only given a “specific intonation” – according to the Berlin-Brandenburg OVG (High Administrative Court). The judgment is not explicit but rather relies on witness who understood “Sieg Heil”. Today we would say: it was reported so it has to go. The artist Meese is allowed to depict the Hitler greeting: It is satire according to the AG (district court) in Kassel. Whether the facts of the case are relevant, but are accepted because of freedom of art or whether the whole thing is not a Hitler salute, nobody knows - it is controversial. The NPD poster “Good journey home“, a caricature of Asian-looking individuals on a carpet, was permitted by the VG (People’s Court) in Berlin and the OLG Higher Regional Court in Munich. A political position was announced, but foreigners were not denied the right to live in Germany. Regarding the poster “Hit the gas”, the VG Berlin acknowledged that a reference to a gas chamber might very well be indicated. But also that there also exists such a "popular" expression for accelerated politics. And that means freedom of expression when in doubt. A quick test break: Would you have made the same decision? Promoting the exclusion of foreigners in Germany from social healthcare and pension schemes and their expulsion within the framework of a five-point plan was enough for the Berlin Regional Court to assume that it would incite the masses. However, the Kammergericht (highest state court) overturned the ruling. This was not in itself an invitation to arbitrary measures and, moreover, such measures were not necessarily suited to disrupting "public peace". Would you have come up with the argument of "public peace" of your own accord? “Germans defend yourselves – against foreign infiltration, Islamization, and foreign crime!” is hardly an endearing slogan, but still lawful. The Federal Court of Justice believes that despite the use of words like "multi-criminal" and "social can only be national", this could be seen as exaggerated examples of the consequences of a misguided policy. So the state exercised restraint allowing the poster. It can be assumed that the Senate still felt disgusted. Another well-known bonus case from recent legal history: The chairman of the AfD faction Alice Weidel may be called a "Nazi whore" - but only in exactly the same context of the "extra-3" moderation (a satirical programme), judged the otherwise rather strict LG (regional court) Hamburg. Whereas courts once brooded for a long time, sometimes erred, and later retracted, the informant now presses a button, and a tired monitor from Twitter or Facebook is given a few seconds to approve the message (and thereby reduce the deletion rate later published by the employer) or to quickly finish off the job. This is how privatized justice emerges. This is how "overblocking" evolves. In the meantime, messages have even been deleted in which only a deletion was reported. While Twitter tells journalists it has nothing to do with the NetzDG, even a spokesperson from another tech company has to laugh. So get rid of the NetzDG? No one should have any political illusions: the NetzDG is here to stay. The FDP and now the Greens want to get rid of the NetzDG, along with the AfD. However, at the heart of the whole fatigue, the future Groko (Grand Coalition) is not interested in the whole You’re In Charge at the moment. Did anyone think that Lars Klingbeil - the net savvy, intelligent - Secretary General of the SPD, would change that?  The Internet-savvy factions around the large people's parties (Cnetz, D64) are keeping quiet. The Internet is invoked in every speech, but it has yet to reach the political mainstream in 2018. On the contrary, The Chaos Computer Club is now looking away in frustration because, although its advice is occasionally sought, it is usually ignored. And the louder the AfD bellows about the NetzDG, the less likely the coalition is to back down and concede to those grubby urchins in Parliament. The NetzDG is reality. It has erected a treacherous system of secondary censorship. Heiko Maas as Minister of Justice and policy driver has indeed left behind tracks.

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