Fazblog http://blogs.faz.net/ Fazblog - Blogs der FAZ Fri, 19 Oct 2018 12:08:10 +0200 de-DE hourly 1 Nationalelf sucht Bier-Sponsor http://blogs.faz.net/bierblog/?p=3658 http://blogs.faz.net/bierblog/?p=3658#comments Fri, 19 Oct 2018 12:07:40 +0200 Tillmann Neuscheler http://blogs.faz.net/bierblog/2018/10/19/nationalelf-sucht-bier-sponsor-3658/ Nach dem Ausstieg von Bitburger will Krombacher Inmitten der sportlichen Krise der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft muss sich der Deutsche Fußball Bund einen neuen Bier-Sponsor suchen.... Mehr

von Tillmann Neuscheler erschienen in Reinheitsgebot ein Blog von FAZ.NET.

Reinheitsgebot

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Die Krombacher Brauerei in Kreuztal[/caption] Nach dem Ausstieg von Bitburger will Krombacher Inmitten der sportlichen Krise der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft muss sich der Deutsche Fußball Bund einen neuen Bier-Sponsor suchen. Nach mehr als 25 Jahren hat die Bitburger-Brauerei schon Anfang des vergangenen Jahres ihren Ausstieg zum Jahresende 2018 angekündigt und die Verträge gekündigt. Bislang hat der DFB allerdings noch keinen Nachfolger gefunden: „Wir suchen noch Ersatz“, sagte ein Sprecher des Verbandes. Jetzt verhandelt der DFB mit Krombacher. „Wir führen lose, ergebnisoffene Gespräche mit dem DFB“, bestätigte ein Sprecher der Brauerei auf Nachfrage. Bislang sei noch nichts entschieden. Ob der DFB auch noch mit anderen Brauereien spricht, wollte weder Krombacher noch der DFB kommentieren. Die Strahlkraft der Nationalmannschaft hat nach dem sportlichen Misserfolg bei der Fußball-Weltmeisterschaft zwar gelitten, dennoch dürfte eine DFB-Partnerschaft für neue Sponsoren nicht billig sein. Bitburger hat bisher laut Medienberichten immerhin rund 10 Millionen Euro für die „Premium Partnerschaft“ im Jahr bezahlt, hinzu kommen die Ausgaben für Werbeagenturen, Anzeigen und Fernseh-Werbespots. Krombacher könnte sich das freilich leisten. Die Privatbrauerei aus dem Siegerland ist in den vergangenen Jahren gegen den Branchentrend stark gewachsen. Inzwischen ist Krombacher mit einem Bierausstoß von 5,8 Millionen Hektoliter die meistgetrunkene Biermarke in Deutschland - noch vor Oettinger (4,9), Bitburger (3,8) und Veltins (2,9). Den Erfolg verdankt Krombacher auch seinem hohen Werbe-Etat. Rund 70 Millionen Euro hat das Unternehmen im vergangenen Jahr für Werbung ausgegeben, deutlich mehr als jede andere deutsche Biermarke. Auch in der Fußball-Bundesliga ist Krombacher längst aktiv als Sponsor von Eintracht Frankfurt und dem VFB Stuttgart. Auch Arminia Bielefeld und Kaiserslautern werden von Krombacher gesponsert.

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Warum wir anderen die Schuld geben http://blogs.faz.net/erklaeren/?p=168 http://blogs.faz.net/erklaeren/?p=168#comments Fri, 19 Oct 2018 11:12:42 +0200 F.A.Z. - Feuilleton http://blogs.faz.net/erklaeren/2018/10/19/warum-wir-anderen-die-schuld-geben-168/ Bayern, Hessen, Fußballplatz: Wenn es nicht gut läuft, wird schnell ein Schuldiger gesucht. Dabei lohnt sich immer der Blick in beide Richtungen: Darauf, wer schuld sein soll und wer das... Mehr

von F.A.Z. - Feuilleton erschienen in Wie erkläre ich’s meinem Kind? ein Blog von FAZ.NET.

Wie erkläre ich’s meinem Kind?

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Ministerpräsident Söder (l.) und Bundesinnenminister Seehofer nach der Landtagswahl in Bayern[/caption] Bayern, Hessen, Fußballplatz: Wenn es nicht gut läuft, wird schnell ein Schuldiger gesucht. Dabei lohnt sich immer der Blick in beide Richtungen: Darauf, wer schuld sein soll und wer das behauptet. Von Fridtjof Küchemann

von <a href="http://blogs.faz.net/erklaeren/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Wie erkläre ich’s meinem Kind? ein Blog von FAZ.NET.

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Netflix ist das Ende des Fernsehens, wie wir es kennen http://blogs.faz.net/digitec/?p=163 http://blogs.faz.net/digitec/?p=163#comments Thu, 18 Oct 2018 18:07:33 +0200 Alexander Armbruster http://blogs.faz.net/digitec/2018/10/18/netflix-ist-das-ende-des-fernsehens-wie-wir-es-kennen-163/ Sieben Millionen neue Abonnenten hat der Videodienst Netflix gerade hinzugewonnen - und einmal mehr Zweifel an seinem Geschäftsmodell zerstreut. Auf der ganzen Welt zahlen nun mehr als 130 Millionen... Mehr

von Alexander Armbruster erschienen in F.A.Z. Digitec Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Digitec Podcast

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Wenn Sie noch mehr wissen wollen über die technologischen Entwicklungen auf der Welt, möchten wir gerne auf unsere neue App "F.A.Z. Digitec" verweisen, die Sie hier finden: iOS: https://app.adjust.com/ku2uhlu Android: https://app.adjust.com/vjh2jmn

von <a href="http://blogs.faz.net/digitec/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in F.A.Z. Digitec Podcast ein Blog von FAZ.NET.

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Auf die Gene kommt es an http://blogs.faz.net/fazit/?p=10359 http://blogs.faz.net/fazit/?p=10359#comments Thu, 18 Oct 2018 10:41:04 +0200 Patrick Bernau http://blogs.faz.net/fazit/2018/10/18/auf-die-gene-kommt-es-an-10359/ Erbanlagen sind für unsere Entwicklung wichtiger als gedacht. Dagegen hilft nicht mal die Frauenquote. Mehr

von Patrick Bernau erschienen in Fazit - das Wirtschaftsblog ein Blog von FAZ.NET.

Fazit - das Wirtschaftsblog

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Werden lesende Kinder schlau? Oder sind es schlaue Kinder, die lesen?[/caption] Was der Mensch ist, das wird er nur durch seine Umgebung und seine Erziehung – diesen Eindruck vermittelt die Diskussion der vergangenen Jahre. Da heißt es: Idealerweise sind alle Arbeitsstellen halbe-halbe besetzt. Wenn Frauen sich für andere Berufe entscheiden als Männer, dann hat die Gesellschaft das zu korrigieren. Oder: Wenn einige Kinder weniger lernen als andere, dann hat die Gesellschaft versagt. Doch in Neurologie und Psychologie häufen sich seit einigen Jahren Studien, die zu dem Schluss führen: Die Voraussetzung für diese Thesen war falsch. Wie die Menschen sind, darauf haben Familie und Gesellschaft nur wenig Einfluss, verantwortlich sind dafür vor allem die Gene. In diesem Herbst erscheinen gleich zwei Bücher, die diese Erkenntnisse verdeutlichen. „Die Genetik erklärt mehr von unseren psychologischen Unterschieden als alles andere zusammengenommen“, schreibt der angesehene amerikanischer Genetiker und Psychologe Robert Plomin. Sein irischer Kollege Kevin Mitchell kommt zum gleichen Schluss: Für viele Eigenschaften seien zu 40 bis 60 Prozent die Gene verantwortlich. Familie und Umgebung machten höchstens zehn Prozent aus. Der Rest sei größtenteils angeborener Zufall und entstehe daraus, wie sich das Gehirn in einem Menschen eben natürlich entwickle.

Familien haben wenig Einfluss auf die Entwicklung

Woher wissen die Genetiker das so genau? Erstens sind die Methoden zur Genanalyse in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Zweitens haben sich inzwischen viele Studien angehäuft, die die Schicksale von Kindern verfolgen – zum Beispiel von Adoptivkindern, die nicht von ihren leiblichen Eltern erzogen werden. Oder von Geschwistern, die in unterschiedlichen Familien aufgewachsen sind, gelegentlich sogar von eineiigen Zwillingen. Robert Plomin hat sein Berufsleben damit verbracht, immer wieder solche Zusammenhänge zu erforschen. Sein Fazit: Geschwister, die in unterschiedlichen Familien aufgewachsen sind, unterscheiden sich als Erwachsene nicht stärker voneinander als Geschwister, die zusammen aufgewachsen sind. Zudem hat Plomin festgestellt, dass manchmal die Gene schon daran schuld sind, welche Umgebung die Kinder erleben. Das kann man sich so vorstellen: Wenn jemand in seiner Jugend viel Zeit im Sportverein verbringt, wird er wahrscheinlich ein besserer Sportler. Gut möglich aber, dass er dem Sportverein von vornherein nur beitritt, weil er sportlicher veranlagt ist als andere Menschen. Noch deutlicher: Wenn Eltern ihren Kindern öfter vorlesen, lernen Kinder eher ein Interesse an Büchern. Wahr kann aber auch sein, dass Kinder mit einem Interesse an Büchern sich eher vorlesen lassen und Eltern dann ebenfalls mehr Spaß daran haben – vielleicht sogar, weil sie selbst gerne lesen und ihren Kindern dieses Hobby genetisch vererbt haben. Ganz deutlich wird das, wenn es um die Intelligenz geht – den Faktor, der für so viele Dinge im Leben entscheidend ist: Schlaue Menschen sind glücklicher, sie leben länger und verdienen mehr. Nun ist es so, dass erwachsene eineiige Zwillinge in IQ-Tests bemerkenswert ähnlich abschneiden. Ihre Ergebnisse unterscheiden sich nicht stärker voneinander als die Ergebnisse einer einzelnen Person im Lauf der Zeit. Auch wenn die eineiigen Zwillinge in unterschiedlichen Familien aufgewachsen sind, werden die Unterschiede kaum größer.

Warum die Ergebnisse keinen Rassismus rechtfertigen

All diese Erkenntnisse der Wissenschaftler gelten wohlgemerkt nur innerhalb einzelner Länder. Keiner der genannten Autoren liefert eine Rechtfertigung für Rassismus. Zwar gibt es Intelligenzunterschiede zwischen den Ländern, doch die haben mit den Lebensbedingungen zu tun, nicht mit dem Erbgut. Beispiel Irland: Als das Land in den 1980ern arm war, erreichten seine Bewohner in Intelligenztests durchschnittlich nur 85 Prozent der Punkte, die Engländer erreichten. Doch das lag daran, dass sich die Lebensumstände zwischen den Ländern viel stärker unterschieden als innerhalb eines Landes. Heute ist Irland reich, die Lebensumstände sind besser, inzwischen sind beide Staaten gleichauf – so berichtet es Kevin Mitchell. Erblichkeit bedeutet auch nicht, dass jedes Kind intelligenter Eltern automatisch schlau ist. Der Zufall spielt eine große Rolle. Deshalb sind die Kinder hochintelligenter Eltern meist näher dran am Durchschnitt als Vater und Mutter. Ein gewisser Einfluss bleibt aber. Die Kinder intelligenter Eltern haben meistens einen höheren IQ als der Durchschnitt. Umgekehrt haben Eltern mit niedrigem Intelligenzquotienten oft Kinder, deren IQ unterdurchschnittlich ausfällt.

Schlechte Nachrichten für die Frauenquote

Was aber bedeutet die Erkenntnis, dass die Gene so wichtig sind, für die Geschlechterfrage? Sicher ist: Die Gehirne von Frauen und Männern unterscheiden sich stark. Anhand der Größe unterschiedlicher Hirnregionen kann man relativ sicher feststellen, ob ein Gehirn von einem Mann oder einer Frau stammt. „So, wie es männliche und weibliche Gesichter gibt, so gibt es männliche und weibliche Gehirne“, schreibt Kevin Mitchell. Schon kurz nach der Geburt unterscheiden sich demnach die Gehirne von Jungen und Mädchen, das gilt auch für ihr Verhalten. Gerade in besonders gleichberechtigten Ländern unterscheidet sich das Verhalten von Männern und Frauen oft sehr, wie wir in "Fazit" schon beschrieben haben. Zum Beispiel wählen Frauen in Skandinavien sehr viel seltener IT-Berufe als in der arabischen Welt. Was heißt all das für die Praxis? Natürlich sollten Schulen jeden Schüler so gut wie möglich fördern. Aber Eltern können sich entspannen, sagen die Experten: Details der Erziehung sind nicht so wichtig dafür, was später aus ihren Kindern wird. Denn die kleine Wirkung, die Erziehung darauf hat, verliert sich im Lauf der Zeit. Auch die Lebenserfahrung zeigt ja: Viele Menschen werden ihren Eltern mit zunehmendem Alter immer ähnlicher. Sicher ist: Wer die aktuelle Neuropsychologie ernst nimmt, der kann Gerechtigkeit nicht daran messen, ob am Schluss alle Menschen gleich sind. Es wäre geradezu verwunderlich, wenn in jedem Beruf Männer und Frauen halbe-halbe vertreten sein wollten. Das gilt nicht nur für Männer und Frauen, sondern auch für anderweitig unterschiedliche Menschen. „Chancengleichheit ist nicht Ergebnisgleichheit“, schreibt Robert Plomin. Und Kevin Mitchell resümiert: „Wer Unterschiede bestreitet und den Leuten ständig sagt, sie sollten sich ändern, der hilft niemandem.“ Das Blog:
Der Autor:
Patrick Bernau

von <a href="http://blogs.faz.net/fazit/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Fazit - das Wirtschaftsblog ein Blog von FAZ.NET.

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Ringen um die Abtreibungswerbung http://blogs.faz.net/einspruch/?p=365 http://blogs.faz.net/einspruch/?p=365#comments Wed, 17 Oct 2018 14:17:13 +0200 Constantin van Lijnden und Corinna Budras http://blogs.faz.net/einspruch/2018/10/17/ringen-um-die-abtreibungswerbung-365/ Herzlich willkommen zur 44. Folge des F.A.Z. Einspruch Podcasts! Sie haben diesen Beitrag auf einem Mobilgerät aufgerufen und sehen den eingebetteten Podcast-Player nicht? Dann klicken Sie bitte... Mehr

von Constantin van Lijnden und Corinna Budras erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Einspruch Podcast

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Dann klicken Sie bitte hier. In der heutigen Sendung werfen wir zunächst einen weiteren Blick auf die Beurteilung der Banksy-Auktion nach deutschem Kaufrecht. Anschließend blicken wir nach Amerika, wo das sensationell hohe Schadensersatz-Urteil gegen Monsanto ins Wanken gerät, und die Pornodarstellerin Stephanie Clifford einen Prozess gegen Donald Trump verloren hat. Die Verurteilung der Ärztin Kristina Hänel wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche wurde auch in der Berufungsinstanz bestätigt. Wir diskutieren die Argumente, die für und gegen eine Reform des § 219a sprechen. Katharina Barley wird Spitzenkandidatin der SPD bei der Europawahl. Als Nachfolgerin für das Amt als Bundesjustizministerin wird Eva Högl gehandelt. Volkswagens Versuche, negative Urteile aus der Welt und aus der Presse zu halten, treiben absurde Blüten. Eine Beschwerde des Konzerns in Richtung des Mediums LTO gibt Anlass, über die Feinheiten der Zivilprozessordnung nachzudenken. Auch der Autohersteller Opel beschäftigt uns diese Woche; dort steht nach einer Razzia nun vermutlich ein Rückruf bevor. Audi wurde derweile zu einem Bußgeld von 800 Millionen Euro verurteilt. Ein Mann, der im Gotthard-Tunnel mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit gefahren ist, muss zwölf Monate in Haft. Das Urteil gegen ihn wurde von einem Schweizer Gericht verhängt, kann aber in Deutschland vollstreckt werden. Am Ende steht wie stets das gerechte Urteil, diesmal zu Grabsteinen im Freizeitpark. Den Podcast können Sie gleich hier auf Faz.net hören oder auf folgenden Wegen abonnieren. Sehen Sie hier das gesamte Angebot von F.A.Z. Einspruch – Alles was Recht ist. Folgen Sie F.A.Z. Einspruch hier auf Facebook.   Kapitel:
  • 07:07 Banksy
  • 10:51 Monsanto-Urteil wackelt
  • 16:42 Stormy Daniels unterliegt
  • 21:04 Werbung für Abtreibung
  • 28:20 Barley nach Brüssel
  • 31:05 VW und die ZPO
  • 41:42 Geldbuße für Audi, Razzia bei Opel
  • 50:34 Raser in Haft
  • 56:55 Gerechtes Urteil – Grabsteine im Freizeitpark
  Shownotes:

von <a href="http://blogs.faz.net/einspruch/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von FAZ.NET.

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Leise, Leser, schaut einfach nur zu http://blogs.faz.net/comic/?p=1272 http://blogs.faz.net/comic/?p=1272#comments Tue, 16 Oct 2018 10:12:46 +0200 Andreas Platthaus http://blogs.faz.net/comic/2018/10/16/leise-leser-schaut-einfach-nur-zu-1272/ Pirmin Beelers Debütcomic erzählt auf autobiographischer Grundlage die Geschichte einer Familienverstörung und einer heilenden türkisch-schweizerischen Liebe. Mehr

von Andreas Platthaus erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

Comic

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https://www.editionmoderne.ch/de/68/leseprobe/326/hat-man-erst-angefangen-zu-reden-kann-alles-moegliche-dabei-herauskommen.html. Mit einem Wort: graublaugrün. Nicht nach der Türkei jedenfalls, wie sie sich uns in der Tourismuswerbung präsentiert. Aber dort spielt die Geschichte zum größten Teil, in jenem ostanatolischen Teil des Landes, wo viele Kurden leben, nicht weit von Berg Ararat. Das karge Bergland ist bei Beeler mehr als Kulisse, es ist Basis für die ganze Erzählstimmung, für das türkisch-schweizerische Paar Ali und Anne, das sich vor Jahrzehnten in der Schweiz kennengelernt hat, als Ali sich dort als Erntehelfer verdingte. Da war Pirmin, Annes Sohn, schon auf der Welt, und irgendwann ist seine Mutter in die Türke gegangen, wohin nun die Hauptfigur des Comics, ein junger Mann wie Beeler, reist. Dort spricht er mit beiden, der Mutter und dem Stiefvater. „Erinnerungen sind unzuverlässig“, heißt es einmal im Comic. Da kommt eine Kindheitserinnerung des Alter Egos von Beeler ins Spiel, an den richtigen Vater, von dem sich die Mutter später getrennt hat. Nach der Geburt ihres Sohnes kam sie in die Psychiatrie, und es gibt ein hinreißendes Kapitel in Beelers Buch, das in der Schweiz spielt, in jener Klinik, in der die Mutter behandelt wurde und später der Sohn als Pfleger arbeitete. Hinreißend ist es nicht des heimatlichen Schauplatzes wegen, sondern weil hier mit größter Sensibilität über psychisch Kranke erzählt wird. Es sind eher die Pfleger, die einem gestört vorkommen. Ähnlich vorsichtig nährt sich der Ich-Erzähler der Türkei und seiner dort lebenden Mutter, der nach wie vor alles fremd bleibt, auch weil die psychische Erkrankung nicht überwunden ist. Von den Nachbarn fühlt sie sich missachtet, doch ihr Sohn sieht die Freundlichkeit der Menschen und die Hingabe von Ali. Der Comic ist eher eine Stiefvater-Sonn- als eine Mutter-Sohn-Geschichte. Und als jene auch eine Kulturanalyse zweier Gesellschaftsformen. Das alles weist Pirmin Beeler als höchst eigenständigen Erzähler aus, und der Ton ist tatsächlich anders als bei Gipi oder wem auch immer – phänomenologisch unaufgeregt. Eine Abenteuerhandlung gibt es hier nicht; selbst dramatische Ereignisse werden wie nebenbei inszeniert, das Einzige, was in diesem Comic zählt, sind Stimmen und Stimmungen, und für Letztere spielen auch die Landschaften eine zentrale Rolle. Nicht umsonst setzt Beeler gerne ganzseitige Bilder ein, die Totalen der Umgebung zeigen, begleitet von innerem Monolog des Ich-Erzählers oder gar ganz wortlos. Der Schluss ist dann der Gipfel an Zurückhaltung: eine völlig undramatische Trennung von Mutter und Sohn, von der man aber merkt, dass die Verbindung ungeachtet der geographischen Trennung bleiben wird, weil beider Blick auf die Welt ein ähnlicher ist. Der eine fliegt in die Schweiz zurück, die andere sucht ihr Heil in der Türkei, und es spricht viel dafür, dass sie es schon gefunden hat, ohne ihr Wissen. Es gibt wenige Comics, die sich allein auf eine psychologische Ebene wagen und darüber alle Spannungselemente vergessen lassen. Gipi kann das nicht, Pirmin Beeler gelingt es. Das ist nichts für ein große Publikum, auch nichts für Comicpreis-Jurys. Es ist etwas für leise Leser – wenn es die geben sollte.    

von <a href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

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Mein Kind, das Ungeheuer http://blogs.faz.net/schlaflos/?p=533 http://blogs.faz.net/schlaflos/?p=533#comments Tue, 16 Oct 2018 10:00:12 +0200 Anna Wronska http://blogs.faz.net/schlaflos/2018/10/16/mein-kind-das-ungeheuer-533/ Die Liebe der Eltern zu ihrem Kind ist unendlich und bedingungslos. Doch mit Wutanfällen stellen Kinder sie auf eine harte Probe. Was tun, wenn der Schatz zum Ekel wird? Mehr

von Anna Wronska erschienen in Schlaflos ein Blog von FAZ.NET.

Schlaflos

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Es ist nur eine Phase? Ja, und man nennt sie Kindheit.[/caption] Eltern sind darauf programmiert, ihre Kinder toll zu finden. Sie können gar nicht anders, als sie ständig zu bewundern und jede neue Fähigkeit zu feiern, als sei es das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass ein Kind sie erwirbt (und dann gleich so ausgesprochen perfekt beherrscht, nicht wahr?). Und so verwundert es nicht, dass auch mein Mann und ich große Fans unserer Kinder sind. Unser vierjähriger Sohn Ben ist, wie wir finden, ein aufgewecktes, empathisches, lustiges Kind. Ein echter Goldschatz. Außer manchmal. Da wird er zum Inferno. Der Wutanfall kommt meistens aus heiterem Himmel, die Auslöser sind vielfältig. Ben muss zum Beispiel den Fernseher nach zwei Folgen „Dino-Zug“ (fragen Sie nicht) ausmachen. Es spielt keine Rolle, dass er weiß, dass er immer nur zwei Folgen gucken darf. Oder er muss sich die Schuhe anziehen (was er hervorragend selber kann, bestimmt besser als alle anderen Kinder in der Geschichte der Menschheit). Oder mein Mann oder ich beenden nach mehreren Verwarnungen das wilde, unfallträchtige Wettrennen, das er mit seinem Kumpel gerade durch die Wohnung veranstaltet. Manchmal ist es aber auch „nur“ der falsche Becher beim Abendessen, die falsche Hose für die Kita. Ein falscher Satz, der falsche Zeitpunkt für irgendetwas. Natürlich rufen nicht immer die gleichen Situationen einen Wutanfall hervor, das wäre viel zu einfach, weil berechenbar. Manchmal laufen die genannten Szenen völlig konfliktfrei ab. Oft genug aber bricht für 10 bis 15 Minuten die Hölle los. Ben fängt an zu brüllen, entweder mit Text („Manno! Ich will aber noch eine Folge!“ /“Ich ZIEH mich aber nicht an!“/ „Du blöde Kackwurst!“) oder ohne, was fast noch schlimmer ist, weil das Brüllen einem schon rein akustisch durch Mark und Bein geht. Er wirft mit Gegenständen – bestenfalls mit Sofakissen, schlimmstenfalls mit hölzernen Eisenbahnschienen. Wenn es richtig doof läuft, wird auch noch gehauen und getreten. Dass Ben mal sauer wird, ist nichts Neues. Als er kleiner war, gab es auch Heulattacken, aber die waren kurz und leicht erträglich, denn man wusste: Das Kind versteht vieles einfach noch nicht, es kann seine Bedürfnisse und seinen Frust nicht anders mitteilen, die Folgen seines Handelns noch nicht abschätzen etc.. Doch mit vier Jahren versteht Ben schon eine Menge. Er weiß, was er will, was er darf - und was weh tut. Deshalb ist es schwierig, ihm bei den beschriebenen Aggro-Attacken nicht bewusste Provokation und gar Boshaftigkeit zu unterstellen. Und das ist ungeheuer schmerzhaft: Mein geliebtes Kind, ein Scheusal? Dabei bemühen wir uns seit Jahr und Tag, Ben liebevoll, aber konsequent zu erziehen, ihm soziale Kompetenz und Rücksichtnahme zu vermitteln. Wir finden, dass das im Großen und Ganzen auch funktioniert. Doch die Ausraster kommen trotzdem. Dass es sich um normale Entwicklungsphasen handelt, habe ich mir schon oft gesagt, um mich zu trösten, und höre den Satz auch oft von Freunden und Verwandten. Das stimmt wahrscheinlich auch, aber es hilft nicht wirklich weiter, weil man nie weiß, was genau für eine „Phase“ das dann gerade sein soll, wie lange sie dauert, ob und wie oft sie wiederkehrt und wie man sich als Elternteil darauf jeweils richtig verhält. Zum anderen klingt es auch nach einem allzu durchsichtigen Rechtfertigungsversuch: „Das ist nicht mein Kind, das ist nur eine Phase!“ Es verfängt nicht wirklich, wenn die „Phase“ einen gerade wieder einmal gerade mit einem großen Bauklotz nur knapp verfehlt hat. Auch der Erklärungsversuch „Das hat er sich in der Kita abgeguckt“ ist zwar verlockend, aber tröstet ebenso wenig. Es ist eben keine „höhere Macht“ und keine Ausnahme und kein anderes Kind, sondern wirklich mein Sohn, der sich so verhält. Bemerkenswerterweise spielen sich die Wutanfälle fast immer nur bei uns zu Hause ab; die klassische Kernschmelze vor dem Süßigkeitenregal im Supermarkt haben wir bislang nicht erlebt. Auch in der Kita können sie es nicht fassen. Ben sei im positiven Sinne ein „unauffälliges“ Kind; zusammen mit seinen Kumpeln hecke er zwar manchmal Quatsch aus, aber nichts, was uns Sorgen machen müsste, heißt es von den Erziehern. Er könne sich lange selbst oder mit anderen beschäftigen, ohne dass sie intervenieren müssten; kleinere Konflikte könne er selbst lösen. Bens Kontakterzieherin hat uns kürzlich stattdessen eine erstaunliche Erklärung für seine Wutanfälle geliefert: „Er testet seine Grenzen aus – und das nur bei euch Eltern, weil er sich eurer Liebe immer sicher sein kann.“ Moment mal. Mein Kind weiß, dass ich es bedingungslos liebe und glaubt, dass es sich seine Amokläufe deshalb erlauben kann? Na toll. Was als Aufmunterung gemeint war, macht die Ratlosigkeit erst einmal nur größer. Denn das heißt ja, dass es mit den Wutanfällen weniger schlimm wäre, wenn Ben diese Gewissheit nicht hätte. Kann man seinem Kind zu viel Liebe geben? Fordern wir es dazu heraus, uns auf der Nase herumzutanzen, indem wir ihm signalisieren, dass wir es auch dann liebhaben, wenn es ein Kotzbrocken ist? Es gibt sicher Menschen, die das so sehen, noch vor nicht allzu langer Zeit war es geradezu ein Erziehungsgrundsatz: Zuneigung gegen Benehmen. Wer nicht parierte, den hatten sich die Eltern eben nicht richtig erzogen – und der wurde schlimmstenfalls nicht nur mit Liebesentzug, sondern auch mit Gewalt bestraft. Wie wir heute zum Glück wissen, ist das verheerend und hat mit Erziehung überhaupt nichts zu tun. Die Erzieherin hat mir mit ihrer Interpretation klargemacht: Es gibt nichts, das wir tun könnten, um die Wutanfälle zu verhindern, weil Kinder in einem gewissen Alter eben ihre Grenzen austesten und es keine Alternative dazu gibt, sie dabei mit Liebe zu begleiten. Wir müssen einfach da durch. Im Grunde wissen mein Mann und ich auch ganz genau, wie das geht. „Ruhe bewahren, Ruhe bewahren!“, ich sage es mitunter sogar laut zu mir selbst, während der kleine Wutbürger um mich herum tobt. Bloß nicht schreien, sonst schreit er noch lauter. Auf Abstand gehen, aber ihm trotzdem zeigen, dass wir ihn nicht alleine lassen. Aber das ist nicht so einfach. Die Versuchung, seine Macht als Erwachsener auszuspielen, ist in diesen Momenten groß, und wir tun es auch: indem wir Konsequenzen androhen und umsetzen – beispielsweise alle Spielzeuge, die geflogen sind, für den restlichen Tag verschwinden lassen. Das wirkt mal besser, mal schlechter, aber wir ziehen es durch. Manchmal gehen mir allerdings zugegebenermaßen die Ideen für geeignete Konsequenzen aus, die idealerweise in logischem Zusammenhang zu dem Unfug stehen sollen, den Ben macht (beispielsweise: Wer keine Schuhe anziehen will, geht auch nicht auf den Spielplatz). Ich habe mich auch schon heulend aufs Sofa gesetzt und Ben gesagt, dass ich jetzt echt nicht mehr weiß, was ich machen soll. Das hat ihn so überrumpelt, dass er vergaß, sich weiter aufzuregen – aber das dürfte ein Einmaleffekt gewesen sein. Ich wünschte, ich hätte nach all den Wutanfällen der letzten Monate nun endlich einmal eine Antwort darauf, was die richtige Reaktion ist und, besser noch, wie man sie verhindert. Doch letztlich kann uns wohl niemand sagen, wie man sich als Elternteil richtig verhält in dieser „Phase“, die sich Kindheit nennt. Wir müssen uns jeden Tag neu durchkämpfen und ausprobieren. Immerhin: Bens Wut schlägt am Ende von unendlich langen 15 Minuten oftmals schlagartig in enormen Kuschelbedarf um. Dann ist, schwupps, der kurzzeitig verlorene Goldschatz wieder da. Und mit ganz viel Glück ist der Becher beim Abendessen sogar auch mal genau der richtige.

von <a href="http://blogs.faz.net/schlaflos/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Schlaflos ein Blog von FAZ.NET.

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http://blogs.faz.net/schlaflos/2018/10/16/mein-kind-das-ungeheuer-533/feed/ 11
Transformation einer Volkswirtschaft http://blogs.faz.net/essay/?p=133 http://blogs.faz.net/essay/?p=133#comments Mon, 15 Oct 2018 11:38:29 +0200 FAZ.NET- Politik http://blogs.faz.net/essay/2018/10/15/transformation-einer-volkswirtschaft-133/ Sie entwickelte sich vom Hoffnungsträger in der friedlichen Revolution zum Prügelknaben der Vereinigungskrise: die Treuhandanstalt. Eine „Wahrheitskommission“ soll nun ihre Arbeit untersuchen.... Mehr

von FAZ.NET- Politik erschienen in F.A.Z. Essay Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Essay Podcast

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Daniel Deckers, Politikredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlich für das Ressort „Die Gegenwart“, trägt den Essay des Historikers Hoffmann vor. Der Podcast F.A.Z. Essay widmet sich jede Woche aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen – und gibt ihnen mit geistreichen Beiträgen von Wissenschaftlern und Politikern Tiefe und Substanz. Mehr über die Geschichte hinter dem Podcast erfahren Sie hier. Den Podcast können Sie gleich hier auf FAZ.NET hören oder hier abonnieren. Hier finden Sie den Essay von Dierk Hoffmann zum Nachlesen. Alle Essays des Ressorts „Die Gegenwart“ finden Sie hier.    ]]> http://blogs.faz.net/essay/2018/10/15/transformation-einer-volkswirtschaft-133/feed/ 0
Das war die Messe http://blogs.faz.net/buchmesse/?p=1839 http://blogs.faz.net/buchmesse/?p=1839#comments Sun, 14 Oct 2018 14:02:05 +0200 Andrea Diener http://blogs.faz.net/buchmesse/2018/10/14/das-war-die-messe-1839/ Leserschwund und Bastellösungen: Die Buchmesse wurde bestimmt von Hilflosigkeit angesichts der sinkenden Verkaufszahlen, aber die Stimmung war interessanterweise trotzdem gut. Mehr

von Andrea Diener erschienen in Literaturblog ein Blog von FAZ.NET.

Literaturblog

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Leserflut am Messesamstag[/caption] Die Messe ist, wie wir jedes Jahr an dieser Stelle zuverlässig kalauern, wieder einmal gelesen. Und im Gegensatz zu den meisten davor hatte sie ein bestimmendes Thema: Die Leserschwundstudie, die alarmierende Zahlen über die Buchbenutzung zumindest im deutschsprachigen Raum erkennen lässt und die Hilflosigkeit der Verlage angesichts eines augenscheinlich wegbrechenden Geschäftsmodells. Was tun? Man weiß es nicht, testet aber vorläufig alles, sogar dieses Internet. Und sagt die Messeparty ab. Was die feierwütigen Massen nicht wirklich interessiert, denn die stellen sich einfach mit einem Getränk irgendwohin. Die Rowohlt-Party fehlte, aber dann wurde es zunehmend egal. Im Literaturhaus bekam man ohnehin immer und egal wann man auftauchte eine Flasche Bier, was wirklich nicht das Schlechteste ist, was man über eine Kulturinstitution sagen kann, die in einem etwas übertriebenen Marmorschlösschen haust. Außerdem wurde ein Haufen Preise verliehen, und man bekam viele Bilder von glücklichen Autoren zu sehen. Dass der wichtigste Preis diesmal wegen Zank in der Jury nicht verliehen wurde, riss auch keine große Lücke. Man bastelte eine Zwischenlösung. Vielleicht war es überhaupt die Messe der gebastelten Zwischenlösungen, und die funktionierten ja alle ganz gut. Zeit also, sich darauf zu besinnen, dass es gar nicht viel braucht, keine großen Rahmen, keine Repräsentationen. Eine Flasche Bier wäre halt gut, aber zur Not geht eben jemand zum Kiosk. Wir bedanken uns für Ihr Interesse, wünschen ein gutes Lektürejahr, was angesichts der vielen starken Neuerscheinungen kein Problem darstellen dürfte, und lesen uns im nächsten Jahr wieder!

von <a href="http://blogs.faz.net/buchmesse/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Literaturblog ein Blog von FAZ.NET.

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Das dressierte Pferd – Wie weit darf der Sport gehen? http://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=635 http://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=635#comments Sun, 14 Oct 2018 09:59:44 +0200 Henrike Schirmacher http://blogs.faz.net/platzfuertiere/2018/10/14/das-dressierte-pferd-wie-weit-darf-der-sport-gehen-635/ Stute Bella Rose tänzelt leichtfüßig wie ein Topmodel. Westernpferde geben Vollgas, um kurz darauf abzubremsen. Erfog im Reitsport, wird mit einer innigen Beziehung zwischen Tier und Mensch begründet. Das hört sich schöner an, als es vermutlich ist. Mehr

von Henrike Schirmacher erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von FAZ.NET.

Der Platz für Tiere

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Landauf, landab finden Reitturniere statt. Die Jury beäugt Ross und Reiter.[/caption] Weitaus rebellischer als in der Dressur oder beim Springreiten geht es an ganz anderer, nicht so prominenter Stelle im Kosmos des Reitens zu, ohne Gerte und schwarze Reiterstiefel. Wer freilich kein ausgewiesener Pferdenarr ist, bekommt vom so genannten Westernreiten kaum etwas mit. Der Reitstil der Cowboys ist weder olympische Disziplin, noch genießt er sonderlich hohes Ansehen unter Kollegen der klassischen Kür. Auch ich bringe lediglich den Vorspann zur US-amerikanischen Westernserie „Bonanza“ damit in Verbindung. Die Wiederholungen des in den 1960ern gedrehten Vorabendprogramms liefen, als ich klein war, bei meinen Großeltern über die Mattscheibe. Markant ins Gedächtnis eingebrannt hat sich mir allerdings mehr die Titelmusik als die im Western-Style wild und freizügig gerittenen Pferde. Nun denn, eine genauere Recherche zeigt: Landauf, landab treten Cowboys und -girls regelmäßig gegeneinander an, beispielsweise zur hessischen Landesmeisterschaft auf der Freestyle Ranch in Erbach. Dort hängen meist Westerngirls, je nach Talent mehr oder weniger lässig, im Sattel und halten nur eine Hand locker am Zügel. Mit der anderen ließe sich rein theoretisch noch ein Lasso schwingen. [caption id="attachment_632" align="alignnone" width="580"] Die Wettkämpfer in der Disziplin "Reining" galoppieren im Zirkel.[/caption] [caption id="attachment_630" align="alignnone" width="578"] Wer's mag, glitzert.[/caption] Die Turnierteilnehmer unterliegen wie ihre Kollegen in den klassischen Reitsportarten einem Dress Code. Doch ist dieser  weniger streng und züchtig als in der von englischer Etikette geprägten Dressur.  Angesagt sind hier eher grobe Westernboots, Cowboyhüte, fransige Leder-Chinks - das sind bis knapp unters Knie reichende gesäßfreie Beinkleider, und – wie ich finde – geschmacklose, paillettenbesetzte Gürtel mit glitzernder Schnalle. Ich verfolge die Choreographie von Pferd und Reiterin in der Disziplin „Reining“, einer Art Dressur der Westernreiter. Am meisten beeindruckt mich der „Sliding Stop“ in der Kür. Im Galopp bremst das Pferd abrupt mit den Hinterbeinen und kommt leicht aufgebäumt fast sitzend zum Stillstand. Das sieht brutal aus. Aber die Western-Pferde wirken kompakter, eher wie rechteckige Ackergäule. Die Reiter, zumindest würde ich als mit der Disziplin nicht so vertrauter Beobachter das so beschreiben, wippen rhythmisch im Takt. Ich stelle mir die hochbegabte, anbetungswürdige Bella Rose, die feingliedrig wie ein Topmodel in einer Art Schwebezustand durch das Viereck tanzt, vor. Sie würde sich beim Sliding Stop vermutlich die Haxen brechen. Was mit Isabell Werth passieren würde, weiß ich nicht. Vermutlich fühlt sich für die weltbeste Dressurreiterin jede Disziplin auf dem Rücken ihres Lieblingspferdes, das nach ihren Worten „nur das Beste aller ihrer bisherigen Pferde bündelt“, wie ein Heimspiel an.     [caption id="attachment_634" align="alignnone" width="573"] "Sliding Stop": Der Gaul kommt schlitternd zum Stehen.[/caption] Wieviel Mühe muss jemand, der solche Spitzenpferde im Kader hat, eigentlich noch in die Ausbildung der Tiere investieren? Spätestens seit Berichten zu vermeintlich tierschutzwidrigen Trainingsmethoden wie der Rollkur, die der berühmte Dressurhengst Totilas vor einigen Jahren angeblich über sich ergehen lassen musste, ist die Ausbildung der Pferde im Spitzensport ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Folglich ist Isabell Werth nach ihrem Sieg bei den Weltreiterspielen auch ein gerne geladener Gast in Talkrunden, kürzlich bei Markus Lanz. In der illustren Runde scherzt der Moderator: „Die Pferde, die ich kenne, laufen anders.“ „Die Ausbildung eines Pferdes ist wie Kindererziehung. Das braucht Zeit.“, erwidert die Dressurreiterin harmlos. Etwas unverblümter formuliert, Zuckerbrot und Peitsche, denke ich. Mir wird sofort klar, was der Moderator im Schilde führt. Er will der Reiterin martialischere Formulierungen wie „Gerte“ und „Druck machen“ entlocken, die schon wenig später auch von Werth benutzt werden. Welches Pferd würde schon freiwillig seitwärts im Viereck traben oder galoppieren? Die Quittung bekommt Isabell Werth nach der Sendung via Twitter hinterhergerufen. „Ich kann diese Pferdesportler nicht ab“, entrüstet sich einer. Diese sollten doch „mal selber so tanzen und über Holzstangen hüpfen“. Ein anderer bekommt „das Kotzen“, wenn er Werth erzählen hört wie sie die Gerte einsetzt, um dem Pferd Beine zu machen. Ich werde nicht so ganz schlau aus der Sache. Aber der Verdacht, dass in diesem so streng reglementierten und auf Formen achtenden Sport keinerlei aufmüpfiges Verhalten des Pferdes geduldet wird, liegt auf der Hand. Wie um ihre Seele reinzuwaschen, ordnet denn auch die weltbeste Dressurreiterin in ihren Antworten, ähnlich, wie es Besitzer von Haustieren gerne tun, ihren Pferden menschliche Wesenszüge zu, die ihre innige Beziehung zu den Tieren unterstreichen sollen. Sie erzählt vom „neidischen“ Pferd, das ihr mit wütenden Hufhieben gegen die Tür signalisiert, komm rüber zu mir und steh nicht so lange an der anderen Box. Sie berichtet von Verzweiflungstaten, die sie begehen würde, sofern diese die Lösung für Probleme mit einem Pferd lieferten. Sie würde am Ende gar nackig nachts um den Kirchturm laufen. Jede Extremsportart hat ihre Tücken.  Ein kaum überwindbarer Konflikt, mit dem sich auch die Reitsport-Gemeinde wohl oder übel immer wieder wird auseinandersetzen müssen. Nur beim Westernreiten in Erbach scheint die Welt noch in Ordnung. Dort bleiben die Pferdenarren unter sich.    

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The Undertones: „Teenage Kicks“ http://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1546 http://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1546#comments Sat, 13 Oct 2018 08:50:06 +0200 Katharina Cichosch http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2018/10/13/the-undertones-teenage-kicks-1546/ Kein Liebeslied geht so gekonnt auf Lücke wie dieses. Sein Entdecker, der BBC-Moderator John Peel, zitierte den Undertones-Song sogar auf seinem Grabstein. Was daran rührt zu Tränen? Mehr

von Katharina Cichosch erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von FAZ.NET.

Pop-Anthologie

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Kein Liebeslied lässt so gekonnte Lücken wie dieses. Sein Entdecker, der BBC-Moderator John Peel, zitierte den Undertones-Song sogar auf seinem Grabstein. Was rührte ihn wohl zu Tränen?

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[caption id="attachment_1554" align="alignnone" width="620"] The Undertones[/caption] Als John Peel, der bis heute wohl berühmteste Musikradio-DJ der Welt, am 25. September 1978 in seiner BBC-Sendung auf Radio 1 zum ersten Mal die Single der damals noch kaum bekannten Undertones spielte, war er so ergriffen, dass er das Stück gleich noch ein weiteres Mal einlegen musste. „A teenage dream‘s so hard to beat”, beginnt Feargal Sharkey mit seiner immer etwas zittrig klingenden Stimme nach einigen Akkorden. Und dieser Teenager-Traums ist so simpel wie sehnsuchtsvoll: „Everytime she walks down the street / Another girl in the neighbourhood“. Ist es das, wovon Teenager träumen, jenem anderen Mädchen aus der Nachbarschaft? Dieses "another" ist vielleicht schon das geheimnisvollste am ganzen Text: Anders als wer oder was? Wieder ein anderes Mädchen als gestern, vorgestern, letzte Woche? Vielleicht steht das „other“ aber auch für die simpelste Form der Selbstverortung: Ich hier, Du das Andere. Unverschnörkelt geht es weiter: „Wish she was mine, she looks so good“ – weil sie nun mal gut ausschaut, soll sie bitte mir gehören. Teenagerliebe, sie lodert heiß und innig, und sie kennt nur Kompromisslosigkeit: Genau jetzt muss es diese eine Person sein und niemand sonst auf der Welt. Austauschbar nennt das nur, wer eine zu ausufernd zeitliche Perspektive einnimmt. Gitarrist und Songwriter John O'Neill war zur Veröffentlichung von „Teenage Kicks“ bereits 21 Jahre alt, aber in der Punkbank aus dem nordirischen Derry fühlte man sich noch immer wie ein später Teenager. Eskapismus spielte eine Rolle: „Wir waren Straßenjungs aus dem kriegszerrütteten Derry, die sich durch Wolken an Tränengas kämpften, um Punkrock zu spielen“, schreibt Undertones-Bassist Michael Bradley in seiner 2016 erschienenen Autobiografie. John Peel wiederum, der beim ersten Einlegen der EP bereits in seinen späten Dreißigern war, sollte kein Lied mehr derartig vollkommen erscheinen: Nach einem Arbeitstag voll schlechter Lieder, berichtete Peels Ehefrau Sheila Ravenscroft in der Biografie „Margrave of the Marshes“, war es immer wieder dieses für ihn so perfekte Lied, das ihn umgehend wieder tröstete. In seinen Grabstein steht diese eine Zeile gemeißelt: „Teenage dreams so hard to beat“. Der zweizeilige Refrain ist dann so simpel wie der gesamte Song, aber versuchen Sie einmal, „Teenage Kicks“ vernünftig zu übersetzen: „I wanna hold her, wanna hold her tight / Get teenage kicks right through the night.“ Vielleicht gerade weil „Teenage Kicks“ ein Teenager-Lebensgefühlsong über Teenager-Liebe ist für Menschen, die für eigentliche Liebeslieder zu cool sind, weil er die Wehmut der Liebe nur in Gedanken mit schnoddrigem Punk-Pragmatismus (es geht jedenfalls nicht um eine romantische, sondern um eine aufregende Liebe) und einem guten Level Aggression ob der frustrierten Enttäuschung zu verknüpfen weiß, aus denen sich jeder das jeweils individuell passende Maß herausnehmen kann, schlug er ein wie eine Bombe: Hit-Single, UK-Charts, Auftritte bei „Top of the Pops“ vor kreischenden Teenagern. In der zweiten Strophe vermengen sich Wunschvorstellung und Tatsachenbehauptung genau so, wie jeder wahre Jugendtraum mit einer guten Dosis Omnipotenz um sich greift: „I'm gonna call her on the telephone / Have her over 'cause I'm all alone“, wird hier gesungen – ein Anruf genügt, klar, um das Nachbarsmädchen rüberzuholen. Und weiter: „I need excitement, oh, I need it bad / And it's the best I've ever had” – auch hier wieder: Simpel, kurz und cool bis auf die Knochen. Die Aufregung, eben noch dringend ersehnt, ist in der nächsten Zeile schon erfüllt, natürlich im Superlativ. Die beste Aufregung! Gerade diese Überhöhung, eingebettet in den Dur-Moll-Wechsel eines Punk-Songs, weckt Zweifel am gesamten Unterfangen: Entweder, es geschieht alles genau so, oder es wird niemals irgendetwas passieren. Und damit wäre die sehr kurze Text-Exegese auch schon beendet, nach zwei Strophen sowie einem Refrain werden beide jeweils noch ein- bzw. bis zu insgesamt vier Mal wiederholt. Was offen bleiben muss: Alles. Jeder gute Popsong muss Substitut sein. "Teenage Kicks" aber ist der König unter den Song-Substituten: So spezifisch in seiner Allgemeinhaftigkeit, so offenherzig und unverblümt zur Anfüllung mit Liebes- und Lebensgefühlen durch seine Hörerinnen und Hörer bereit, dass es nicht nur John Peel Tränen in die Augen treibt.

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Teenage Kicks A teenage dream’s so hard to beat Everytime she walks down the street Another girl in the neighbourhood Wish she was mine, she looks so good I wanna hold her, wanna hold her tight Get teenage kicks right through the night I'm gonna call her on the telephone Have her over ’cause I'm all alone I need excitement, oh, I need it bad And it's the best I've ever had I wanna hold her, wanna hold her tight Get teenage kicks right through the night, all right A teenage dream's so hard to beat Everytime she walks down the street Another girl in the neighbourhood Wish she was mine, she looks so good I wanna hold her, wanna hold her tight Get teenage kicks right through the night, all right I'm gonna call her on the telephone Have her over ’cause I'm all alone I need excitement, oh, I need it bad And it's the best I've ever had I wanna hold her, wanna hold her tight Get teenage kicks right through the night, all right I wanna hold her, wanna hold her tight Get teenage kicks right through the night, all right

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Dürfen Lehrer keine Kritik an Parteien üben? http://blogs.faz.net/blogseminar/?p=6207 http://blogs.faz.net/blogseminar/?p=6207#comments Mon, 08 Oct 2018 12:16:39 +0200 Philipp Frohn http://blogs.faz.net/blogseminar/duerfen-lehrer-keine-kritik-an-parteien-ueben/ In Hamburg und anderswo ruft die AfD Eltern und Schüler dazu auf, Verstöße gegen das Neutralitätsgebot an Schulen zu melden. Die Debatte darüber ist überflüssig und schädlich, findet die... Mehr

von Philipp Frohn erschienen in Blogseminar ein Blog von FAZ.NET.

Blogseminar

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In Hamburg und anderswo ruft die AfD Eltern und Schüler dazu auf, Verstöße gegen das Neutralitätsgebot an Schulen zu melden. Die Debatte darüber ist überflüssig und schädlich, findet die Fachdidaktikerin Andrea Szukala.

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[caption id="attachment_6216" align="alignnone" width="620"] Schulpolitik ist ein wichtiges Wahlkampfthema für die AfD[/caption] Die AfD sieht sich zu Unrecht behandelt. An deutschen Schulen werde die Partei in ein durchweg negatives Bild gerückt, sie spricht gar von politischer Indoktrination. Lehrer würden sich im Unterricht gegen die Partei aussprechen und undifferenziertes, AfD-kritisches Unterrichtsmaterial verwenden. Die Schüler würden in ihrer Meinungsbildung beeinflusst. Dieser Tage initiiert die AfD-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft die Aktion „Neutrale Schulen Hamburg“ und bittet Eltern und Schüler, vermeintliche Verstöße gegen das Neutralitätsgebot zu melden. Die Partei will die Fälle anschließend an die Schulbehörde zur Prüfung weiterleiten. Parteifreunde aus Berlin planen ein ebensolches Vorgehen. Andrea Szukala lehrt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Fachdidaktik der Sozialwissenschaften und ist Sprecherin der Sektion Politische Bildung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Für sie ist die von der AfD entfachte Debatte ein alter Hut: „Eigentlich wurde die Diskussion in der politischen Bildung bereits vor Jahren zu den Akten gelegt.“ Schon 1976 einigten sich die Fachdidaktiker mit dem Beutelsbacher Konsens auf grundlegende Leitlinien der politischen Bildung, die für alle Lehrkräfte bindend sind. Diese halten unter anderem fest, dass Lehrer das, was in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, auch im sozialwissenschaftlichen Unterricht in einer facettenreichen Bandbreite aufzugreifen haben – ohne eine Position privilegiert darzustellen oder gar unter den Tisch fallen zu lassen. Dabei dürfen die Lernenden nicht im Sinne einer vom Lehrer gewünschten Meinung überrumpelt werden; hier verläuft die Trennlinie zwischen politischer Bildung und Indoktrination. Anhaltspunkte dafür, dass sich eine signifikante Anzahl an Lehrkräfte nicht an diese Grundsätze hält, sieht Szukala nicht. Der sozialwissenschaftliche Unterricht soll sich differenziert mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen, was, so Andrea Szukala, auch eine kritische Thematisierung der AfD einschließt: „Lehrer sollten sich dabei aber nicht an harten, provokativen AfD-Aussagen abarbeiten, sondern die politischen Forderungen der Partei in den Fokus nehmen.“ „Lehrer sind politische Menschen“ Aber dürfen sie auch ihre eigene Meinung zum Ausdruck bringen? Ja, sagt die Fachdidaktikerin – unter bestimmten Voraussetzungen. Ob ein Pädagoge seine subjektiven Ansichten preisgeben sollte, hänge vor allem von den Kontextbedingungen ab. Vor jüngeren Schülern beispielsweise sei das weniger angebracht. Und allgemein müsse die persönliche Meinung deutlich als solche gekennzeichnet vorgetragen werden. Darauf zu achten, sei Teil der eigenen Professionalität, der "Klassenraumperformance", so Szukala. Würden Lehrer versuchen, mit ihrer Meinung die Schüler subtil zu beeinflussen, verstießen sie gegen die Grundpfeiler des Beutelsbacher Konsenses – und ihr pädagogisches Ethos. [caption id="attachment_6215" align="alignleft" width="300"] Andrea Szukala[/caption] Wenn sie jedoch ihre Sicht der Dinge unter Berücksichtigung ihrer Verantwortung mit den Schülern teilten, habe das einen durchaus motivationalen Charakter, von dem der Unterricht profitiere. Die Positionierung des Lehrers mache Mut, die eigene Meinung zu äußern. Lehrer erfüllten eben auch eine Vorbildfunktion, so Szukala. Für die Schüler sei es das falsche Signal, schlüpften Lehrer nicht gelegentlich aus ihrem Korsett der Neutralität heraus. „Der Lehrer ist ein politischer Mensch“, sagt Szukala, ein unpolitischer Politiklehrer sei genauso fehl am Platz wie ein unkünstlerischer Kunstlehrer. Trügen Lehrer ihre Meinungsäußerungen angemessen vor, ergäben sich nützliche Impulse und Anknüpfungspunkte für die Urteilsbildung der Schüler, die ja durchaus auch zu konträren Ansichten gelangen könnten. Gerade in zurückhaltenden Lerngruppen könne die Meinung des Lehrers, so Szukala, Schüler aus einer gewissen Lethargie rütteln, sie zur Partizipation ermutigen und so ihr demokratisches Bewusstsein festigen. Die Relevanz im Blick Dass die AfD nun Meldeplattformen einführt, ist für Andrea Szukala nicht überraschend. Immer wieder bezeichneten Parteifunktionäre Lehrer als „rot-grün-geprägt“ und werfen ihnen eine Art linker Meinungsmache vor. Auch im Wahlprogramm zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr erklärte die Partei, eine vermeintliche „ideologische Beeinflussung an der Schule“ stoppen zu wollen. Das nun in Hamburg geübte Vorgehen der Rechtspopulisten kann aus Andrea Szukalas Sicht schwerwiegende Auswirkungen auf die Schule als Raum politischer Bildung haben. „Jedem Lehrer geht es durch Mark und Bein, dass Schülerinnen und Schüler ihn nun denunzieren sollen,“ sagt die Fachdidaktikerin über die Meldeplattformen der AfD. Wer sich gegen die Partei positioniere, müsse nun mit Anfeindungen rechnen. Das könnte Lehrkräfte einschüchtern und dazu führen, dass sie auf eine kritische Auseinandersetzung mit der Partei verzichteten. Davon abgesehen ist es für Andrea Szukala unabdingbar, mit Schülern über die AfD zu sprechen. Die gesellschaftliche Kontroverse um die Inhalte der polarisierenden Partei und den Umgang mit ihr sollte im Unterricht thematisiert werden. Szukala rät Lehrkräften jedoch davon ab, die AfD zum Themenschwerpunkt zu machen. „Man darf eine Minderheitenansicht nicht zur relevantesten Meinung aufbauschen“, sagt die Fachdidaktikerin. Zwar seien im öffentlichen Diskurs die Debatten um Einwanderung und Geflüchtete derzeit die zentralsten, andere Politikfelder wie etwa die Rente, die Zukunft der EU oder der Klimawandel drängten aber ebenso nach einer Lösung.

von <a href="http://blogs.faz.net/blogseminar/author/annkatringehrmann/">Ann-Katrin Gehrmann</a> erschienen in Blogseminar ein Blog von FAZ.NET.

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Da glüht der Teekessel – die Diskussion zum Herbsträtsel http://blogs.faz.net/planckton/?p=1779 http://blogs.faz.net/planckton/?p=1779#comments Mon, 08 Oct 2018 08:54:48 +0200 Jochen Reinecke http://blogs.faz.net/planckton/2018/10/08/da-glueht-der-teekessel-die-diskussion-zum-herbstraetsel-1779/ Die Diskussion zum Herbsträtsel ist eröffnet. Ich hoffe, dass jetzt zu Zeiten des baldigen morgendlichen Bodenfrosts der eine oder andere Teekessel glüht. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und... Mehr

von Jochen Reinecke erschienen in Planckton ein Blog von FAZ.NET.

Planckton

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von <a href="http://blogs.faz.net/planckton/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Planckton ein Blog von FAZ.NET.

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Parallele Welten http://blogs.faz.net/schachblog/?p=1443 http://blogs.faz.net/schachblog/?p=1443#comments Mon, 08 Oct 2018 06:08:55 +0200 Stefan Löffler http://blogs.faz.net/schachblog/2018/10/08/parallele-welten-1443/ Eine Schacholympiade ist ein einziger gewaltiger Irrtum. An den Spitzenbrettern des Mannschaftswettbewerbs spielen die stärksten Großmeister und Großmeisterinnen der Welt die Hackordnung zwischen... Mehr

von Stefan Löffler erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

Berührt, geführt

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Fallstudie darüber verfasst.

von <a href="http://blogs.faz.net/schachblog/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

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Breitwand, durch den Türspalt gesehen http://blogs.faz.net/filmfestival/?p=1329 http://blogs.faz.net/filmfestival/?p=1329#comments Fri, 07 Sep 2018 13:08:08 +0200 Dietmar Dath http://blogs.faz.net/filmfestival/2018/09/07/breitwand-durch-den-tuerspalt-gesehen-1329/ Die coolste Show (was nicht heißt: der beste Film, gute Filme sind ja noch mehr und anderes als Show) des Festivals hat die Volksrepublik China vorbeigeschickt, schön, schwer, scheppernd und... Mehr

von Dietmar Dath erschienen in Filmfestival ein Blog von FAZ.NET.

Filmfestival

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Zhang Yimou (links), der Fachmann für geschmackvoll Übertriebenes, mit den Schauspielern Guan Xiaotong und Kai Zheng bei der Pressevorführung von "Ying"[/caption] Die coolste Show (was nicht heißt: der beste Film, gute Filme sind ja noch mehr und anderes als Show) des Festivals hat die Volksrepublik China vorbeigeschickt, schön, schwer, scheppernd und blutig. Es hat sogar der Allerbesten gefallen, die neben mir saß und sonst ja eigentlich nicht dauernd rotes Zeug im Film rumspritzen sehen muss, um sich unterhalten zu fühlen. Aber bei „Ying“, möglicher deutscher Titel: „Schatten“, vom Fachmann für geschmackvoll Übertriebenes Zhang Yimou, wird vor perfekt aufeinander abgestimmten schwarzen, weißen und allenfalls grauen Hintergründen im kühlen Dauerregen um die zu erobernde altchinesische Stadt, die Pläne des Königs, Doppelgängerrätsel, Verrat, den Konkubinenstatus der Königsschwester und das beste Solo auf der Laute gekämpft, dass es nur so ratscht und rasselt, inklusive Regenschirm aus Messern, und die gefährlichsten Blicke werden nicht auf dem Schlachtfeld getauscht, sondern dringen durch Türspaltöffnungen  und betreffen Geheimnisse eher intimer als militärischer Art, von denen letztlich alles abhängt. Was will man denn sonst noch, als Ausblick darauf, wie das Blockbusterkino aussehen wird, wenn die lieben Chinesen nach dem nächsten großen echten Krieg (oder vielleicht bevorzugterweise: stattdessen) die Weltherrschaft übernehmen? Nichts will man sonst noch, ist doch perfekt. Das Festival selber war natürlich nicht perfekt, aber voll genug mit solchen Momenten, auch kleineren, zum Beispiel bei den Kurzfilmen – wann, wenn nicht auf Festivals, kriegt man denn heute noch Kurzfilme zu sehen? Und wo kommen die guten her, wenn nicht abermals aus China, wie zum Beispiel „Na Li“ (ungefähr: "Da unten") von Yang Zhengfan, der einfachsten Idee überhaupt: Eine Hausaußenwand mit erleuchteten Fenstern, in einem Raum spielt ein Kind mit Seifenblasen, in einem anderen steigt eine Party, draußen ist es dunkel, dann schreit wer und wir belauschen Leute, die sich darüber unterhalten, ob man nachsehen soll, was unten passiert, oder die Polizei rufen, oder lieber nicht, wir müssen ja morgen alle früh raus. Die reine Wahrheit über Städte von China bis Amerika oder Europa also, und keine ganz angenehme, aber eben deshalb: Spitzenfilm, elf Minuten, alles klar. Nicht so toll, aber im Wettbewerb: „Capri-Revolution“ von Mario Martone, eine endlose Hippie-Nackthopserei mit historischem Kostümkram, in der ein Malerjesus einer Ziegenhirtin das Fliegen beibringt, hoffentlich kommt das bald ins deutsche Kino, damit man es nicht besprechen und auch sonst komplett ignorieren kann, vielleicht reicht das als kleine Strafe für Herrn Martone. Bestraft wurde auch der Schwachsinnige, der nach der Pressevorführung von Jennifer Kents „Nightingale“, einer auf historischen Recherchen beruhenden Vergewaltigungs- und Rache-Geschichte aus dem kolonialen Australien, als die strafgefangenen Weißen dort sozial unter den Militärs, aber über den Ureinwohnern standen, bei der Einblendung des Namens der Regisseurin laut auf italienisch „Hure“ in den Saal gebrüllt hat. „Nightingale“ ist nicht nur ein Film von einer Frau, der einzige im Wettbewerb, sondern über Unrecht, das an Frauen  begangen wurde, aber das hinderte den Idioten nicht daran, als sein Name bekannt wurde, im Internet zu erklären, es sei zwar ein Wutausbruch gewesen, den er jetzt bedaure, er habe es aber doch nicht frauenfeindlich gemeint (man will nicht mal wissen, wie er das im Hirn zusammengekocht hat oder was er, wenn nicht das Wort „Hure“, das die Frauenhasser im Film mehrfach gebrauchen, um ihren Status gegenüber der Hauptfigur zu befestigen,  wohl gerufen hätte, wenn der Film von einem Mann gedreht worden wäre). Die Akkreditierung hat man ihm entzogen, seine Erklärung, er habe doch nur „Buh!“ rufen wollen und dann stattdessen eine „übertriebene“ Alternative gewählt, weil ihm nicht ganz klar gewesen sei, dass er sich nicht in geselliger Runde mit seinen Kumpels (die man auch nicht kennenlernen will) befunden habe, hat ihn nicht davor bewahrt, jetzt woanders nach Gelegenheiten zu suchen, die politischen Botschaften von Filmen durch sein Verhalten zu bestätigen (vielleicht geht er ja jetzt in irgendein Multiplexkino und schreit rassistisches Zeug während „Black Panther“). Weniger Schönes und Schönes, so sind Festivals zusammengesetzt, genau wie im Leben oder wie das heißt. Na gut, Bilänzchen, die diesjöhrigen Löwen-Ahnungen: Wird wohl gewinnen (und soll‘s ruhig): „Roma“ von Alfonso Cuarón, wer sonst kann persönliche und historische Geschichten dermaßen nahtlos miteinander verfugen? Sollte gewinnen (wird‘s aber vielleicht sogar): „Nuestro Tiempo“ von Carlos Reygadas, alle Kunstmittel des Films für alle Gefühlswirklichkeiten der Liebe, das ist schon was. Könnte gewinnen (ist der Jury aber wohl zu finster witzig): „The Favourite“ von Giorgos Lanthimos, Kammerkillerkomödie zwischen drei Frauen. Gewinner der (offenen, noch schlagenden, sehr grusligen) Herzen: „Suspiria“  von Luca Guadagnino. Ich würde mich für das Original ja mit jedem prügeln, aber nicht mit Guadagnino, der hat es nämlich verstanden und einleuchtend neu ausgelegt. Sonderpreis für ein Popkonzert, das irgendwie ein Film war oder umgekehrt: „Vox Lux“ von Brady Corbet, hat zwar einige Schwächen und fällt zum Schluss leicht ab, aber wer will Natalie Portman nicht als seltsame Legierung von Taylor Swift, Miley Cyrus und Sia erleben? Weiß nicht, wer. Ich schon. Ach so, eins noch: Wahrscheinlich kommt alles ganz anders, im Urteilsvermögen der Jury fällt plötzlich der Strom aus und Florian Henckel von Donnersmarck kriegt sämtliche Ehren für sein enormes Monumentum „Werk ohne Autor“, weil: Dieses Opus ist für die Kunst und gegen Hitler, ein mutiges, ungewöhnliches Statement, wie man es nicht alle Tage sieht oder was. Mehr Zeug dieser Art dann garantiert im nächsten Jahr, herzlichen Glückwunsch!

von <a href="http://blogs.faz.net/filmfestival/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Filmfestival ein Blog von FAZ.NET.

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Banijay kommt mit Kauf des Anteils von Stefan Raab kaum voran http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1518 http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1518#comments Thu, 30 Aug 2018 07:07:28 +0200 Jan Hauser http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/2018/08/30/banijay-kommt-mit-kauf-des-anteils-von-stefan-raab-kaum-voran-1518/ Stefan Raab, Peter Langenberg, Jörg Grabosch: Hinter den Fernsehkulissen läuft der Streit um Brainpool heiß. Vor Gericht wird der Anteilsverkauf untersagt, aber anderes erlaubt. Doch das Verfahren zieht sich noch lange hin. Mehr

von Jan Hauser erschienen in Medienwirtschaft ein Blog von FAZ.NET.

Medienwirtschaft

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Stefan Raab, Peter Langenberg, Jörg Grabosch: Hinter den Fernsehkulissen läuft der Streit um Brainpool und Banijay heiß. Vor Gericht wird der Anteilsverkauf untersagt, aber anderes erlaubt. Doch das Verfahren zieht sich noch lange hin. Wie viele Heliumballons braucht es wohl, um einen Lastwagen schweben zu lassen? Diese eher ungewöhnliche Frage zielt auf die neue Fernsehsendung „Alle gegen Einen“ ab. In der Livesendung geht es im Herbst auf dem Privatsender Pro Sieben um abstruse Schätzfragen und darum, ob der Kandidat oder der Durchschnitt der Zuschauer der richtigen Antwort näher kommt. Das neue Format gibt gleichzeitig den Weg für die Kölner Produktionsgesellschaft Brainpool TV GmbH vor: Deren Gesellschafter zanken sich seit Monaten um die Unternehmensanteile des früheren Moderators Stefan Raab und um Posten in der Geschäftsführung. Auslöser war, dass die französische Banijay-Gruppe, der die Hälfte an Brainpool gehörte, mit dem Kauf des Raab-Anteils von 12,5 Prozent zum Mehrheitsgesellschafter avanciert. Dagegen stemmen sich die Mitgesellschafter Jörg Grabosch und Andreas Scheuermann, die rechtlich auch gegen ihre Abberufung aus der Geschäftsführung vorgehen. Brainpool stellt „Alle gegen Einen“ hierzulande als Samstagabendsendung mit dem Moderator Elton her. Das Format stammt allerdings von der Banijay-Gruppe, die die Sendung in mehreren Ländern verbreitet und nun damit in den deutschen Markt kommt. Für Banijay dürfte es gerade um solche Sendungen aus ihrem internationalen Portfolio gehen, um diese auf dem hiesigen Fernsehmarkt unterzubringen. „Alle gegen Einen“ läuft in Frankreich, Norwegen, Dänemark und Finnland. „Da die Serie in Europa weiter Schwung aufnimmt, freuen wir uns darauf, ihr Potential auch in anderen Regionen zu nutzen“, sagt Banijay-Manager Peter Langenberg, der seit April ebenfalls in der Brainpool-Geschäftsführung sitzt. Banjiay ist nach eigenen Angaben der größte unabhängige Produzent der Welt und mit mehr als 60 Fernsehformaten in 16 Ländern aktiv. Während das Unternehmen mehr von seinen Formaten in Deutschland unterbringt, kommt Banijay in der Auseinandersetzung um die Macht über Brainpool kaum voran. Nach einem Urteil des Landgerichts Köln vom 23. August darf Banijay Germany GmbH die Raab-Anteile nicht erwerben (AZ: 88 O 30/18). Laut einer Gerichtssprecherin gebiete es die Treuepflicht der Gesellschafter, nichts zu tun, was Mitgesellschafter schädigen könnte und Brainpool in Abhängigkeit eines Konkurrenzunternehmens bringe. Gegen die Anteilsübernahme hatten Brainpool-Mitgründer Grabosch zuvor eine einstweilige Verfügung erwirkt. In einem anderen Punkt setzte sich Banijay durch: Nach einem weiteren Urteil des Landgerichts Köln muss Brainpool Grabosch und Scheuermann nicht als Geschäftsführer weiterbeschäftigen (AZ:88 O 33/18). Beide waren von der Gesellschafterversammlung im April abberufen worden und dagegen mit einer einstweilige Verfügung vorgegangen. Damit nicht genug. Eine dritte einstweilige Verfügung verbot, die Brainpool-Tochtergesellschaft Raab TV-Produktion GmbH mit Raabs Unternehmensgesellschaft Entera zu verschmelzen. Dies bekräftigte das Landgericht, da nach einer Vorgabe für Raab TV der Geschäftsführer Scheuermann diesem zustimmen müsste (AZ: 88 O 35/18). Nach Angaben des Landgerichts gab es noch eine vierte einstweilige Verfügung: Dies hat sich jedoch von selbst erledigt, da in dem genannten Termin die angegriffenen Beschlüsse nicht gefasst worden sind (Aktenzeichen 88 O 23/18). Daher sei dort lediglich eine Kostenentscheidung ergangen. Zu erwarten ist, dass beide Parteien Berufung gegen verschiedene Punkte der rechtlichen Auseinandersetzung einlegen werden. Dann kommt das Verfahren vor das Oberlandesgericht Köln und dürfte bis zu einem Jahr bis zur Klärung dauern. Im Impressum der Internetseite führt Brainpool derzeit sechs Mitglieder der Geschäftsführung: Hier stehen sowohl Grabosch und Scheuermann als auch Banijay-Vertreter Langenberg. Ob und wann sich das ändert, kann das Unternehmen auf Anfrage nicht sagen, sondern verweist für Erläuterungen auf das Landgericht Köln. Somit sind Grabosch und Scheuermann bisher noch nicht abberufen, das sollte dennoch demnächst geschehen. Banijay hatte nach dem Urteil Langenberg als alleinigen Geschäftsführer und Berufung angekündigt. „Leider haben wir es nicht geschafft, uns in diesem Zeitraum mit Andreas Scheuermann und Jörg Grabosch außergerichtlich zu einigen“, sagt der Banijay-Manager. In Deutschland leitet das Geschäft von Banijay als Vorstandsvorsitzender seit diesem Monat Marcus Wolter, der auch Anteile an der hiesigen Gesellschaft hält. Zum Deutschlandgeschäft gehört neben Brainpool die im Februar gestartete Banijay Productions Germany, die für den Privatsender Sat 1 „Fort Boyard“ herstellt, in der von der kommenden Woche an Halbprominente an der französischen Atlantikküste auf eine Art Schatzsuche gehen. Für den Sender RTL und deren Onlinedienst TV Now produziert Banijay im kommenden Jahr die Reihe „Temptation Island“, in der Paare getrennt voneinander in einem südlichen Urlaubsparadies wohl ihre Treue in Privatfernsehmanier testen können. Brainpool stieg mit den zahlreichen Sendungen von Stefan Raab wie „TV Total“ oder „Schlag den Raab“ im deutschen Fernsehgeschäft zu einer kreativen Größe in der Fernsehlandschaft auf. Im Jahr 2012 stieg der Umsatz auf fast 125 Millionen Euro an – auch durch die Produktion des „Eurovision Song Contest“ in Baku. Der Abgang Raabs von der Fernsehbühne zum Jahresende 2015 sorgte für Entlassungen und einen Umsatzrückgang. Im Jahr darauf kam das Unternehmen auf einen Umsatz von 35 Millionen Euro und erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von 1,5 Millionen Euro. Mittlerweile hat sich Brainpool von dem Aus für zahlreiche Sendungen mit Raab erholt und stellt Sendungen von Luke Mockridge für den Sender Sat 1, von Carolin Kebekus in der ARD und von Bastian Pastewka für Amazon Prime Video her. Raab wirbelt hinter den Fernsehkulissen und hat die Erfindersuche „Das Ding des Jahres“ für seinen einstigen Heimatsender Pro Sieben entwickelt. Trotz eines eher mauen Zuschauerinteresses für die erste Staffel folgt im kommenden Jahr die zweite Runde. Dazu lädt Brainpool gerade Erfinder ein, ihre Ideen vorzustellen. Auch für die Livesendung „Alle gegen Einen“ sucht Brainpool Kandidaten, die mindestens 18 Jahre alt sein und auf ihr gutes Bauchgefühl vertrauen sollen. Am Ende winken dem Gewinner bis zu 100.000 Euro. In dem Gesellschafterstreit von Brainpool geht es für die für die Beteiligten um viel mehr. Die Hintergründe zu dem Verfahren: I. „Pussyterror“, Luke oder ein Date im Bett? Der Fernsehproduzent Brainpool steht vor einem gewagten Einschnitt. II. Der Kölner Fernsehproduzent Brainpool streitet sich um die Geschäftsführung. Dazu trägt auch Stefan Raab bei. III. Der Fernsehproduzent Brainpool zankt sich vor dem Landgericht Köln: Darf Stefan Raab seine Anteile an Banijay verkaufen?  IV. Brainpool-Prozess verschiebt sich: Das Gerichtsverfahren wird um wichtige Fragestellungen erweitert Mehr im Blog: Brainpool-Prozess steht bevor Stefan Raabs Brainpool-Verkauf kommt vor Gericht Tauziehen um Brainpool: Stefan Raab spielt seine Rolle im Kampf um das Fernsehunternehmen Stylehaul: RTL füttert den Nachwuchs mit Online-Videos RTL baut mit Watchbox das Videoangebot um „Deutschland sucht den Superstar“ zieht nach Amerika Führungswechsel: RTL sucht den digitalen Superstar American Gods: RTL bandelt mit Amazon an Fußball-EM ärgert Pro Sieben Sat 1 Virtual Reality: Der nächste Film dreht virtuelle Runden Fernsehserien aus Europa ziehen um die Welt RTLplus: Neuer RTL-Sender lässt alte Shows aufleben RTL will mehr selbst produzieren Kommentar: Zahlen für RTL mit TV Now Plus TV Now: RTL umwirbt die Zuschauer im Internet Nach dem Dschungelcamp ist vor dem Bachelor: Was RTL-Programmchef Frank Hoffmann plant Kalter Krieg? Nein, danke Kommentar: Wie wir fernsehen RTL zieht mit dem Kalten Krieg in die Zukunft Amazon vor Netflix: Doch die Mehrheit schaut klassisches Fernsehen Ab in die Höhle der Löwen: Gründer lernen jetzt im Fernsehen Laufen Kommentar: Schlag den Raab Mehr zum Thema: Stefan Raab mischt hinter den Kulissen mit Raabs Abgang reißt Lücke bei Pro Sieben Sat.1 Stefan Raabs Erfolgsspur: Wadde hadde gudde gemacht? Stefan Raab tritt ab: Ausstieg total Jörg Grabosch: Der Mann hinter Stefan Raab _____________________________________________________________ F.A.Z.-Blog Medienwirtschaft www.faz.net/medienwirtschaft Twitter: www.twitter.com/jan_hauser Snapchat: hauserhier

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53. Lesung: Abschied, nicht nur von New York http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1405 http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1405#comments Sat, 25 Aug 2018 08:46:35 +0200 Birte Förster http://blogs.faz.net/cresspahl/2018/08/25/53-lesung-abschied-nicht-nur-von-new-york-1405/ „Endlich sind wir angekommen, wo meine Erinnerung Bescheid weiß,“ sagt Marie am Ende des letzten South-Ferry-Tages. Am 17. August 1968 ist die Vergangenheit ihrer Mutter dann auch die eigene,... Mehr

von Birte Förster erschienen in Die Woche mit Frau Cresspahl ein Blog von FAZ.NET.

Die Woche mit Frau Cresspahl

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„Endlich sind wir angekommen, wo meine Erinnerung Bescheid weiß,“ sagt Marie am Ende des letzten South-Ferry-Tages. Am 17. August 1968 ist die Vergangenheit ihrer Mutter dann auch die eigene, wenn die Rede von beider Ankunft in New York im Jahr 1961 ist. Am 19. August 1968 rasen Johnson und seine Hauptfigur durch die Nachrichten, die in sechs Jahren New York prägend waren, dann brechen Marie und Gesine Cresspahl über Kopenhagen nach Prag auf, wo sie am „Last and Final“-Jahrestag den alten Lehrer Kliefoth treffen. Die letzte Wochenlektüre ist nur noch eine halbe.

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Darum ging es in diesem Blog Bibliographie zum Blog

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Ein Wiedersehen (20. August 1968) Anita Gantlik hat es arrangiert, dass Marie und Gesine Cresspahl auf dem Weg nach Prag in Klampenborg bei Kopenhagen Halt machen. Dort treffen sie nicht die Freundin, sondern einen alten Bekannten.

„Der Herr steht auf der Terrasse, geschrumpft, eigenwillig aufrecht, schwarzweiß gekleidet, unter schlohweißen Haaren, mit erhobenen Armen kostet er den Empfang aus, der seine Bewegung verbergen will.“

[caption id="attachment_1422" align="aligncenter" width="474"] Bellevue Strand, Klampenborg[/caption] Es ist Julius Kliefoth, Gesines ehemaliger Lehrer „für Englisch und Anstand“, der in England studiert hat, ihren Studienwunsch unterstützte und bei dem sie im Sommer 1952 das (in ihrer Sicht) dritte Abitur, das gelten soll, abgelegt hat (neben den eigentlichen Prüfungen und dem Prozess gegen Dieter Lockenvitz). Anita hat ihm eine Reisererlaubnis besorgt und ihn an der dänischen Küste „eingemietet für zehn Tage“. Nach Gesines Ausreise hat Jakob Kliefoth fünfmal im Jahr besucht: „Ihr Vater war ein verläßlicher, ein fürsorglicher Mann, verehrtes junges Fräulein Cresspahl.“ In dieser Begegnung fallen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen, kann Marie von einem anderen als von ihrer Mutter etwas über den Vater erfahren. Ausgerechnet bei Kliefoth, der bereits Vorkehrungen für seinen Tod getroffen hat, hinterlässt Gesine die 1875 Seiten Aufzeichnungen „wie es uns ergeht“. Beim Abschied bittet Kliefoth Marie

„– Will you take care of my friend who is your mother and Mrs. Cresspahl?“ – Ich verspreche es, Herr Kliefoth. Meine Mutter und ich, wir sind befreundet.“

Gesine Cresspahl verspricht ihm, nach der Ankunft in Prag anzurufen. Wie Norbert Mecklenburg im Nachwort zum Romanfragment „Heute Neunzig Jahr“ anmerkt, das die Geschichte Heinrich Cresspahls von 1888 bis 1947 erzählt, lässt Johnson die Leser*innen vollkommen im Unklaren darüber, was mit Marie und Gesine Cresspahl passieren wird, wenn sie gleichzeitig mit den Truppen des Warschauer Paktes in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 in Prag ankommen. Ihre Geschichte wird nicht weitererzählt, sie endet an einem Strand in Dänemark.   Mein Jahr mit Frau Cresspahl [caption id="attachment_1424" align="alignright" width="213"] Uwe Johnson, 1971.[/caption] Unter den Leser*innen von Uwe Johnson gibt es zuweilen Debatten darüber, was der wichtigste Satz in diesem Romanwerk ist. Für mich ist es ein Satz, der am 7. Februar 1968 fällt: „Damit du nicht raten mußt, so wie ich.“ Gesine Cresspahl sagt ihn zu ihrer Tochter Marie, und mir scheint er aus drei Gründen besonders wichtig. Einmal nennt er den Grund für das Gespräch zwischen Mutter und Tochter über die Jerichower Vergangenheit und damit für den Roman oder das Gesprächsprotokoll des Genossen Schriftsteller. Dann sagt er etwas über das Verhältnis der Hauptfigur zu ihren Eltern aus, denn beide lassen sie raten. Schließlich ist er Ausdruck ihrer Fürsorge für die Tochter, denn die soll eben nicht raten müssen. Nach einem Jahr Lektüre bleiben für mich vor allem die vielen Lesarten des Romans, seine ganz unterschiedlichen Erzählweisen, die Formen der Geschichtserzählungen, auf die man immer wieder trifft. Virginia Woolf hat einmal über den Roman "Middlemarch" von George Eliot gesagt, er sei ein Buch für Erwachsene. Gleiches gilt für die „Jahrestage“ – für mich ein Werk radikaler Offenheit und Komplexitätsbejahung, das Fragen stellt, vor allem aber Raum für Fragen öffnet und seinen Leser*innen viel zumutet, aber eben auch viel zutraut. Der Roman ist darüber hinaus wohl einer, dessen Lektüre nicht zu Ende geht, auch wenn man bei der letzten Seite angelangt ist. Über Uwe Johnsons Roman „Jahrestage“ zu schreiben hat nicht nur Augen, sondern auch Türen geöffnet. Zum Schluss möchte ich dafür danken: Uwe Ebbinghaus für sein Redigat, für ihr stetes Interesse und vielerlei Ermutigung: Patrick Bahners, Christina Dongowski, Hanne Einloft-Achenbach, Holger Helbig, Hedwig Richter und Rupert Levi Scheuermann. Vor allem aber danke ich all jenen, die ein Jahr lang diesen Blog als Leserinnen und Leser sowie mit Kommentaren hier, auf Twitter und per E-Mail, begleitet und die Treue gehalten haben. Die mir von ihren Johnson-Lektüren erzählt haben. Es hat mich mehr gefreut, als diese Zeilen zu sagen vermögen. Das letzte Wort kann natürlich nur einer haben:

„Beim Gehen an der See gerieten wir ins Wasser. Rasselnde Kiesel um die Knöchel. Wir hielten einander an den Händen: ein Kind; ein Mann unterwegs an den Ort wo die Toten sind; und sie, das Kind das ich war.“

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Literatur: Norbert Mecklenburg, Nachwort zu: Uwe Johnson. Heute Neunzig Jahr, Frankfurt am Main 1996, S. 129-142.

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Die Digital-Charta ist zurück und sie will noch immer Verfassung sein http://blogs.faz.net/wort/?p=547 http://blogs.faz.net/wort/?p=547#comments Tue, 24 Apr 2018 13:00:47 +0200 Hendrik Wieduwilt http://blogs.faz.net/wort/2018/04/24/die-digital-charta-ist-zurueck-und-sie-will-noch-immer-verfassung-sein-547/ Die Zeit-Stiftung will am Mittwoch die nächste Version ihrer “Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union” veröffentlichen. Darüber spricht dann unter anderem auch die... Mehr

von Hendrik Wieduwilt erschienen in Das letzte Wort ein Blog von FAZ.NET.

Das letzte Wort

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Die Zeit-Stiftung will am Mittwoch die nächste Version ihrer “Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union” veröffentlichen. Darüber spricht dann unter anderem auch die Bundesjustizministerin Katarina Barley. Mir liegt ein aktualisierter Text vom 21. Dezember (PDF) vor und um den soll es offenbar gehen, das teilen jedenfalls mehrere mit dem Thema vertraute Personen mit. Aus dem öffentlichen Diskussionsprozess ist wohl irgendwann ein nichtöffentlicher geworden, denn auf dem offiziösen Internetauftritt steht noch die alte Variante. Die Autoren haben manche der umstrittensten Passagen entschärft - so etwa den von allen Seiten nahezu einhellig verdammten Artikel 5, der aus Sozialen Netzwerken Totalüberwacher gemacht hätte. Harmlos ist das Projekt allerdings noch immer nicht, sieht man sich die Präambel und die einzelnen Artikel näher an - und das lohnt sich, immerhin wurde die Idee einer Digitalcharta inzwischen durch eine Erwähnung im Koalitionsvertrag geadelt. Was ist die “Digital-Charta”? Die Digital-Charta ist ein mit umfangreichen Presseanzeigen beworbenes Projekt der “Zeit-Stiftung”, maßgeblich unterstützt durch den früheren EP-Präsidenten und SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz und propagiert von Promis, darunter Heinz Bude, Juli Zeh, Johnny Haeusler, Ulrich Wilhelm, Christoph Keese, Jeanette Hofmann, Sascha Lobo und Rebecca Casati. Es war von Anfang an auf eine Änderung der EU-Verfassung ausgelegt. Manche der Artikel propagierten eine Art Netzwerkdurchsetzungsgesetz auf Steroiden: Internetanbieter sollten praktisch jedes Ungemach im Keim ersticken: “Digitale Hetze, Mobbing sowie Aktivitäten, die geeignet sind, den Ruf oder die Unversehrtheit einer Person ernsthaft zu gefährden, sind zu verhindern”, hieß es in der wohl meistkritisierten und nun gestrichenen Passage. Unklar blieb, warum die Promis, Politologen und mit ins Boot geholten Staatsrechtler den Text in Form einer Verfassung gegossen haben, denn diesem Anspruch wurde die Charta an keiner Stelle gerecht. (Details dazu auch auf diesem Blog.) So richtig wissen die Organisatoren wohl noch immer nicht, was sie sein wollen: Das Papier beschreibt sich mal als "Entwurf einer Digital-Charta" (siehe Präambel), mal als "politisches Manifest in Gestalt eines gesetzesähnlichen Textes". Auch der Inhalt ist weiterhin diffus: "Vorschläge für neue Grundrechte" sollen es sein, die in ein "bindendes Grundrechte-Dokument" münden - dann wieder ist die Rede von "Stärkung und Konkretisierung bestehender Grundrechte", was ja gerade nicht nach neuen Rechten klingt. Wo es grad passt, ist wiederum von "geistigen und materiellen Interessen" die Rede, das meint dann wohl die hinter manchem Paragrafen stehende Kreativindustrie. An anderer Stelle geht es dann um "Rechte und Prinzipien", worunter man nun wieder alles und nichts verstehen kann. Zwischenergebnis: Auch bei dieser Version der Charta hat kein Jurist oder gar Staatsrechtler die Schlussredaktion übernommen. Peinliche Paragrafen-Scharade Tatsächlich setzt die "Charta" damit ihre peinliche Paragrafen-Scharade fort: Sie möchte Gesetz sein, weil es sexy klingt und mehr Bumms hat als ein bloßes Thesenpapier - obwohl sie mehr nicht ist. Aufgeplustert beginnt das Werk mit einer bizarren Präambel, in der in Kapitalen geschrieben steht, was "WIR, DIE AUTORINNEN UND AUTOREN" über dies und jenes denken. Die prätentiöse Einleitung wirkt ein wenig wie ein 6jähriger, der sich als "König" zum Karneval einen falschen Hermelinpelz überwirft und huldvoll seine neuesten "Dekrete" von einer Haushaltsrolle abliest. So viel Zeremoniell erlaubt sich nicht einmal die heutige EU-Grundrechtecharta - die beginnt recht trocken und ohne Glamour für die Verfasser. Das Grundgesetz hat auch eine Präambel, dort geht es aber erst einmal um Gott, dann um das deutsche Volk, aber nicht die Verfasser - und sie hält sich kürzer als das lange Intro der Charta-Autoren. Die Charta ist damit quasi das Instagram-Selfie unter den Verfassungen. [caption id="attachment_550" align="aligncenter" width="711"] Präambel der Charta. Spüren Sie die Grandeur?[/caption] Immerhin: Es ist nicht länger verharmlosend die Rede von "einer Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern" - zu den Initiatoren des Textes gehörte immerhin ein gewisser Martin Schulz (SPD) und Springerlobbyist Christoph Keese, also keineswegs Menschen aus der uneigennützig tätigen Zivilgesellschaft. Inhaltlich geht es letztlich um einige fromme Wünsche, überwiegend längst bekannte und debattierte Plattitüden, aber bisweilen auch eher haarsträubende Kulturdiktate. Pluralität per Dekret: Artikel 12 Gefährlich bleibt es in Artikel 12, dort ist weiterhin die Forderung nach zwingendem Pluralismus in sozialen Netzwerken enthalten: "In der digitalen Welt sind Pluralität und kulturelle Vielfalt zu fördern". Das klingt nach dem Wunsch der Bundesjustizministerin Katarina Barley, die Facebook und Co. zwingen will, den Nutzern mehr Gender-Themen zu zeigen. Der Staat würde so zum Weltverleger, zur ganz großen Brille, durch die jeder Nutzer der digitalen Welt künftig blicken muss. Auch Artikel 4 (ehemals Artikel 5) zur Meinungsfreiheit ist in diesem Geist geschrieben: Dieses "Grundrecht" ist eigentlich eine Grundpflicht, denn Betreiber von Plattformen im Internet ("Betreiber öffentlicher Diskursräume") sollen die Beachtung der Grundrechtecharta gewährleisten. Es handelt sich also um eine Art Regulierung im schmeichelhaften Gewand eines Grundrechts. Harmloser, aber wohl etwas redundant sind Sätze wie “Netzneutralität ist diskriminierungsfrei zu gewährleisten” (Art. 11). Ist denn eine diskriminierende Netzneutralität überhaupt neutral? Personenbezogene Daten sollen “nur nach Treu und Glauben” erhoben und verarbeitet werden (Art. 7), was die Autoren aus der bald in Kraft tretenden Datenschutzgrundverordnung abgeschrieben haben. Inwieweit der Art. 7 gegenüber dieser gewaltigen Reform nun ein Fortschritt ist, bleibt rätselhaft - allerdings schwächelten die Initiatoren beim Thema Datenschutz auf ihrer eigenen Seite kürzlich noch derart, dass der Datenschutzbeauftragte aus Hamburg sie zu Nachbesserungen ermahnen musste. Es geht wohl einmal mehr um Wohlklang statt Substanz. Weniger Schutz als im Grundgesetz Undeutlich bleibt Artikel 16: "Im digitalen Zeitalter ist effektiver Arbeitsschutz und Koalitionsfreiheit zu gewährleisten." Hier möchte man fragen: Jetzt erst? Vorher nicht? Artikel 9 unseres bestehenden Grundgesetzes zu lesen kam den Autoren womöglich nicht in den Sinn. Vielleicht finden sie ihre kürzere Formulierung schlicht besser als die in unserer Verfassung. Die Charta bleibt allerdings hinter dem Grundgesetz zurück. Möchten die Charta-Autoren etwa den Schutz der Arbeitnehmer einschränken? Ähnlich verhält es sich mit der Unverletzlichkeit der Wohnung. Man kann sich ein Grundgesetz übrigens kostenlos bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellen. Staatsgeheimnisse werden abgeschafft Artikel 5 besteht aus allerlei Vorschriften zu "Automatisierten Systemen". Am Ende soll jedenfalls ein Mensch entscheiden - das steht in dem Paragrafen gleich mehrfach, in Bezug auf Entscheidungen "von erheblicher Bedeutung", solche, die "in Grundrechte eingreifen", aber auch bei solchen über Leben und Freiheitsentzug - sind letztere denn nicht von erheblicher Bedeutung und greifen sie etwa nicht in Grundrechte ein? Egal. Artikel 6 schafft quasi im Vorbeigehen sämtliche Staatsgeheimnisse ab. Er gewährleistet uneingeschränkte Transparenz gegenüber jedermann. Ein Vorbehalt soll nur zum Schutz personenbezogener Daten gelten, also nicht etwa aus Gründen der Sicherheit, der Außenpolitik oder was das Informationsfreiheitsgesetz sonst noch an Ausnahmen kennt. Mit einem Schlag sind sämtliche Archive der Ministerien, aber auch von privaten Unternehmen, sofern sie öffentliche Aufgaben wahrnehmen, offen. Gerichte werden überflüssig Der juristisch wohl größte Knaller verbirgt sich in Artikel 17 und ist ein alter Bekannter: Die Charta soll nämlich nicht nur für staatliche Stellen gelten, sondern "die Rechte und Prinzipien" (was immer das ist) auch gegenüber "nichtstaatlichen Akteuren" greifen. "Dabei ist eine Abwägung mit den Grundrechten dieser Akteure vorzunehmen". Wägt man also Prinzipien mit Grundrechten ab? Egal. Der Artikel widerspricht jedenfalls wie schon die Vorgängerversion unserem Grundgesetz. Denn das sieht eine Grundrechtsbindung gemäß dem - unveränderlichen - Artikel 1 Absatz 3 GG grundsätzlich nur für den Staat vor (Ausnahme: Art. 9 GG). Die Rechtsprechung hat dazu eine lediglich mittelbare Grundrechtsbindung entwickelt. Im Aktienrecht debattiert die Fachwelt seit vielen Jahren, ob ein Unternehmen nun den Aktionärsinteressen dient (shareholder value, so steht es derzeit im Gesetz) oder der Allgemeinheit. Man darf davon ausgehen, dass sich die Charta-Autoren auch mit diesen Diskussionen nicht unnötig aufgehalten haben. Noch immer "Freiheitsfressendes Monster"? Den Verfassern dürfte noch immer nicht klar sein - obwohl ihnen dies von vielen Kritikern mehrfach erklärt wurde -, dass eine totale Grundrechtsbindung für alle nicht bedeutet, dass alle automatisch glücklich sind und Regenbögen ausatmen. Es bedeutet vielmehr, dass über jeden einzelnen Streit künftig das Bundesverfassungsgericht urteilen müsste  und man sich die Ausarbeitung einfacher Gesetze sparen könnte. Beispiel: Wenn ich schlecht gelaunt bin und unter diesem Beitrag einen kritischen (aber legalen!) Kommentar löschen möchte, darf ich das. Künftig würde ich damit gegen das Grundrecht des Kommentators verstoßen, an das ich gebunden bin. Um das zu klären, müssten wir nach Karlsruhe gehen - denn einfache Gerichte haben nicht zu (nachkonstitutionellen) Verfassungsfragen zu entscheiden. Also, wie es zur alten Charta der bloggende Anwalt Thomas Stadler formulierte: "(W)er wacht darüber? Diese Rolle wird selbstverständlich der Staat einnehmen. Was das bedeutet ist klar. Die Charta macht ihn zum Leviathan: zum freiheitsfressenden Monster." Die Freiheit nimmt also deutlich ab und nicht zu. Doch was auch immer die Charta-Autoren im Sinn haben, etwa Kollektivierung, Verstaatlichung, neue Staatsmedien oder einfach nur Selbstmarketing - Freiheit für den Einzelnen ist es ganz sicher nicht. Das muss sich jeder vergegenwärtigen, der diese PR-Sause mit seinem Namen unterzeichnet.

von <a href="http://blogs.faz.net/wort/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Das letzte Wort ein Blog von FAZ.NET.

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