Fazblog https://blogs.faz.net/ Fazblog - Blogs der FAZ Fri, 14 Dec 2018 10:19:07 +0100 de-DE hourly 1 Jetzt oder nie: Nutzen die Deutschen das Mobile Bezahlen? https://blogs.faz.net/digitec/?p=202 https://blogs.faz.net/digitec/?p=202#comments Fri, 14 Dec 2018 10:18:37 +0100 Alexander Armbruster https://blogs.faz.net/digitec/2018/12/14/jetzt-oder-nie-nutzen-die-deutschen-das-mobile-bezahlen-202/ Nach Google hat nun auch Apple seinen Bezahldienst Pay in Deutschland auf den Markt gebracht. Und auch die Sparkassen machen ein entsprechendes Angebot. Wie funktioniert das? Wer kann das nutzen?... Mehr

von Alexander Armbruster erschienen in F.A.Z. Digitec Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Digitec Podcast

]]>
Wenn Sie noch mehr wissen wollen über die technologischen Entwicklungen auf der Welt, möchten wir gerne auf unsere neue App "F.A.Z. Digitec" verweisen, die Sie hier finden: iOS: https://app.adjust.com/ku2uhlu Android: https://app.adjust.com/vjh2jmn

von <a href="https://blogs.faz.net/digitec/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in F.A.Z. Digitec Podcast ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/digitec/2018/12/14/jetzt-oder-nie-nutzen-die-deutschen-das-mobile-bezahlen-202/feed/ 0
Geld ist nicht so übel https://blogs.faz.net/fazit/?p=10460 https://blogs.faz.net/fazit/?p=10460#comments Fri, 14 Dec 2018 08:46:30 +0100 Patrick Bernau https://blogs.faz.net/fazit/2018/12/14/geld-ist-nicht-so-uebel-10460/ Wer an Geld denkt, wird egoistisch? Stimmt nicht. Es war eine schöne Geschichte, sofort einleuchtend, und sie eignete sich jedes Mal, wenn wieder jemand über böse Kapitalisten schimpfen... Mehr

von Patrick Bernau erschienen in Fazit - das Wirtschaftsblog ein Blog von FAZ.NET.

Fazit - das Wirtschaftsblog

]]>
Herzallerliebst.[/caption] Es war eine schöne Geschichte, sofort einleuchtend, und sie eignete sich jedes Mal, wenn wieder jemand über böse Kapitalisten schimpfen wollte: Geld macht egoistisch, so hieß es. Menschen würden sogar schon egoistischer, wenn sie nur Wörter sortieren sollen, die sich ums Geld drehen, oder wenn ein Stapel Monopoly-Spielgeld auf dem Tisch liegt. Sie seien weniger zur Zusammenarbeit mit anderen bereit und unterstützen mehr Ungleichheit. So hatten es Psychologen in einem Experiment beobachtet, so schrieb es auch Nobelpreisträger Daniel Kahneman 2011 in seinem Buch „Schnelles Denken, Langsames Denken“ auf, das bis heute in vielen Bücherregalen steht. Doch während Kahneman das noch schrieb, wurden schon erste Zweifel an derartigen Experimenten laut. Mehr und mehr Forscher stellten fest, dass sie spektakuläre Experimente ihrer Kollegen nicht wiederholen konnten – zumindest nicht mit den gleichen Ergebnissen. Kahneman selbst meldete damals Zweifel an den Verfahren der Verhaltensforscher an und forderte, möglichst viele Experimente zu wiederholen und so die Folgerungen zu überprüfen. Die Psychologen machten sich an die Arbeit. Das Ergebnis war dramatisch. In einer großangelegten Untersuchung von 100 bekannten Experimenten aus der Psychologie zeigte nur rund ein Drittel bei der Wiederholung das gleiche Ergebnis. Die Psychologie war weiter Teile ihrer Fundamente beraubt, vor allem derjenige Teil der Psychologie, der sich mit sozialen Fragen beschäftigte. „Replikationskrise“ nannten Forscher das bald – und sie blieb nicht in der Psychologie stehen.

Ein Zwischenfazit zur Replikationskrise: Viele Experimente der Psychologie fallen durch

Inzwischen haben viele weitere Wissenschaften ihre Experimente überprüft. Zeit für ein Zwischenfazit: Die Annahme, dass der Anblick von Geld Menschen egoistischer machen würde, darf mittlerweile als höchst fraglich gelten. Zwar kennt die Psychologie Dutzende Experimente, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Doch das gilt vielen Wissenschaftlern inzwischen als Zufall. Zwei Forscherteams haben in Zusammenarbeit mit Dutzenden Universitäten die Ergebnisse systematisch überprüft – dann war der Effekt nicht mehr zu wiederholen. Ähnlich ging es mit einem anderen Experiment aus der Psychologie, über das vielfach berichtet wurde: Wenn in der Nähe einer Kaffeekasse ein Bild von Augen hänge, dann seien die Menschen ehrlicher, hieß es – einfach nur, weil sie sich beobachtet fühlten oder an ihre Mitmenschen erinnert würden. Auch diese Behauptung ließ sich nicht bestätigen. So geht es weiter. Einst hieß es, Selbstdisziplin sei wie ein Muskel. Man könne sie trainieren, aber wenn man sie eine Weile gebraucht habe, werde sie auch müde, und die Disziplin lasse dann nach. Ins praktische Leben übertragen: Wer sich den ganzen Tag über Süßigkeiten verbietet, greift abends eher mal zum Bier. 23 Institute überprüften diese Idee mit mehr als 2000 Versuchsteilnehmern – sie ließ sich nicht bestätigen. Nächstes Beispiel: Wer eine Körperhaltung einnimmt, die Macht ausstrahlt, fühlt sich mächtiger? Stimmt nicht. Wer die Mundwinkel nach oben zieht, ist bald tatsächlich besser gelaunt? Auch das ist leider Unsinn. Wer das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin in die Nase bekommt, vertraut seinen Mitmenschen eher? Umstritten.

Woher kommt die Replikationskrise?

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass die Psychologie so oft in die falsche Richtung lief? Das hatte mehrere Gründe, klarer Betrug gehörte wohl nicht dazu. Lange galten Experimente als signifikant, wenn die statistischen Modelle eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür auswiesen, dass ihr Ergebnis kein reiner Zufall war. Das heißt aber auch: Jedes zwanzigste vermeintlich signifikante Ergebnis beruht gar nicht auf einem tatsächlichen Effekt, sondern eben doch auf Zufall. Wenn nun viele Jahre lang Experimente gemacht werden, von denen vorzugsweise die unerwarteten und spektakulären veröffentlicht werden – dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die Fehler häufen. Dazu kommt: Wer ein Experiment auswertet, trifft viele Entscheidungen über statistische Verfahren. Wenn ein Forscher ein Experiment macht und dabei kein signifikantes, also nach den Regeln der Kunst nicht auf Zufall beruhendes Ergebnis ermittelt, dann liegt es nahe, ein etwas anderes statistisches Verfahren zu testen und mal zu schauen, ob das einen signifikanten Wert liefert. Auch das erhöht die Gefahr, dass fehlerhafte Ergebnisse veröffentlicht werden.

Ökonomische Experimente schneiden besser ab

All diese Probleme betreffen auch andere Wissenschaftsdisziplinen als die Psychologie. Deshalb haben auch andere Fächer ihre Experimente überprüft. Die Biomedizin schnitt dabei noch schlechter ab als die Psychologie. Aus den Wirtschaftswissenschaften wurden in einem ersten Schwung 18 verhaltensökonomische Experimente überprüft, die in zwei der wichtigsten Fachzeitschriften veröffentlicht worden waren. Es ließen sich immerhin rund zwei Drittel der Experimente mit einem vergleichbaren Ergebnis wiederholen – auch wenn die Effekte oft nicht so stark waren wie in den ersten Studien zum Thema. Diejenigen Studien, die sich nicht wiederholen ließen, hatten meist sowieso keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und in Kahnemans Buch betreffen die Probleme vor allem das Kapitel, das sich auf die psychologischen Studien zum Geld bezieht. Warum waren die verhaltensökonomischen Experimente besser als die psychologischen? Darüber lässt sich nur spekulieren. Sicher ist, dass Ökonomen sich von vornherein ein strengeres Korsett für Experimente gaben: Die Teilnehmer müssen Geld für ihre Entscheidungen erhalten, damit ihre Anreize ganz klar sind. Zudem dürfen die Versuchsteilnehmer nicht belogen werden. Solche Regeln können dazu beitragen, dass die Ergebnisse zuverlässiger werden – und dass die Überprüfungsexperimente auf die gleiche Weise ablaufen wie die Ursprungsexperimente und deshalb auch eher zum gleichen Ergebnis kommen. Weniger zuverlässig als die verhaltensökonomischen Experimente waren übrigens volkswirtschaftliche Studien, die mit herkömmlichen Wirtschaftsdaten arbeiteten. Wie aber soll man in Zukunft wissen, welche Ergebnisse richtig sind? Die Psychologie hat in den vergangenen Jahren einige ihrer wissenschaftlichen Verfahren umgestellt, damit ihre Experimente zuverlässiger werden. Ansonsten bleibt nur, Wissen als vorläufig zu betrachten. Je unterschiedlicher die Studien sind, in denen ein Effekt auftaucht, desto zuverlässiger ist er. Eines kann man sich aber schon mal merken: Geld ist gar nicht so übel. Das Blog:
Der Autor:
Patrick Bernau

von <a href="https://blogs.faz.net/fazit/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Fazit - das Wirtschaftsblog ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/fazit/2018/12/14/geld-ist-nicht-so-uebel-10460/feed/ 0
Ob Weihnachten Umweltverschmutzung ist https://blogs.faz.net/erklaeren/?p=210 https://blogs.faz.net/erklaeren/?p=210#comments Fri, 14 Dec 2018 07:30:55 +0100 F.A.Z. - Feuilleton https://blogs.faz.net/erklaeren/2018/12/14/ob-weihnachten-umweltverschmutzung-ist-210/ Wer sich einmal genauer anschaut, wie umweltfreundlich das Weihnachtsfest eigentlich ist, dem kann schon richtig schlecht werden. Und wenn man für beides ist – fürs Feiern und für die Natur?... Mehr

von F.A.Z. - Feuilleton erschienen in Wie erkläre ich’s meinem Kind? ein Blog von FAZ.NET.

Wie erkläre ich’s meinem Kind?

]]>
Von den Weihnachtsgeschenken liegt nur noch die Verpackung unterm Baum.[/caption] Wer sich einmal genauer anschaut, wie umweltfreundlich das Weihnachtsfest eigentlich ist, dem kann schon richtig schlecht werden. Und wenn man für beides ist – fürs Feiern und für die Natur? Ein paar Zahlen und Ideen. Von Fridtjof Küchemann

von <a href="https://blogs.faz.net/erklaeren/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Wie erkläre ich’s meinem Kind? ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/erklaeren/2018/12/14/ob-weihnachten-umweltverschmutzung-ist-210/feed/ 0
Wie verhindern Sie, dass die Mieten weiter explodieren, Herr Josef? https://blogs.faz.net/tresen/?p=48 https://blogs.faz.net/tresen/?p=48#comments Thu, 13 Dec 2018 09:12:09 +0100 Maria Wiesner und Timo Steppat https://blogs.faz.net/tresen/2018/12/13/wie-verhindern-sie-dass-die-mieten-weiter-explodieren-herr-josef-48/ Mike Josef hat eine beinahe unlösbare Aufgabe. Frankfurt wächst und wächst, wie alle Großstädte, trotzdem muss er es schaffen, dass die Mieten nicht weiter steigen. Was tut er dafür, dass... Mehr

von Maria Wiesner und Timo Steppat erschienen in Am Tresen ein Blog von FAZ.NET.

Am Tresen

]]>
Foto Helmut Fricke[/caption] Mike Josef hat eine beinahe unlösbare Aufgabe. Frankfurt wächst und wächst, wie alle Großstädte, trotzdem muss er es schaffen, dass die Mieten nicht weiter steigen. Was tut er dafür, dass Menschen mit normalem Einkommen in der Stadt wohnen bleiben können, dass Sozialwohnungen nicht weiter verschwinden, dass die gewachsene Sozialstruktur von Stadtteilen nicht binnen weniger Jahre durch Gentrifizierung zerstört wird? Als Planungs- und Wohnungsbaudezernent von Frankfurt muss er darauf Antworten finden. Früher war das vielleicht ein dröger Job, heute geht es um Zukunftsfragen: „Ein Dach über dem Kopf zu haben, ist die Voraussetzung Teil einer Gesellschaft zu sein", sagt Josef. Josefs Leben ist eine Aufsteigergeschichte: Seine Eltern flohen als Christen aus Syrien nach Deutschland, landeten in Ulm, als er vier war. Vieles musste die Familie erst lernen. "Wir wussten nicht, was eine Unterschrift ist", erinnert sich Josef. Auf die Flüchtlingskrise hatte der SPD-Politiker 2015 einen anderen Blick: "Wenn meine Eltern damals, 1987, nicht das Land verlassen hätten, wäre ich vielleicht heute einer von denen, die jetzt gekommen sind.“ Warum seine Eltern ihren Namen eindeutschen ließen und wieso Josef als heutiger Hoffnungsträger der hessischen SPD bei seiner ersten Bundestagswahl 2002 Edmund Stoiber wählte - über all das sprechen wir in Folge 3 des F.A.Z.-Gesprächspodcasts Am Tresen. Wie kann ich den Podcast abonnieren? Über alle gängigen Player. Auf dem Desktop (Windows oder Mac) ist das zum Beispiel iTunes, auf Android-Geräten Podcast Addict, auf iOS-Geräten ist Apple Podcasts meist vorinstalliert. Der Podcast ist auch auf Spotify verfügbar. Suchen Sie innerhalb der jeweiligen App einfach nach „am Tresen“ bzw. „FAZ Gesprächspodcast - Am Tresen“ oder abonnieren Sie den Podcast händisch über folgende Url:  https://faz-gespraechspodcast.podigee.io/feed/mp3 Gefällt Ihnen der Podcast? Wir freuen uns über Bewertungen bei Apple, Spotify und in anderen Apps. Melden Sie sich mit Kritik, Anmerkungen und Vorschlägen für Gäste bei uns – tresen@faz.de  ]]> https://blogs.faz.net/tresen/2018/12/13/wie-verhindern-sie-dass-die-mieten-weiter-explodieren-herr-josef-48/feed/ 0
Wie weiter mit May? https://blogs.faz.net/einspruch/?p=428 https://blogs.faz.net/einspruch/?p=428#comments Wed, 12 Dec 2018 14:48:08 +0100 Constantin van Lijnden und Corinna Budras https://blogs.faz.net/einspruch/2018/12/12/wie-weiter-mit-may-428/ Herzlich Willkommen zur 53. Folge des F.A.Z.-Einspruch Podcasts! Sie haben diesen Beitrag auf einem Mobilgerät aufgerufen und sehen den eingebetteten Podcast-Player nicht? Dann klicken Sie bitte... Mehr

von Constantin van Lijnden und Corinna Budras erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Einspruch Podcast

]]>
Sie haben diesen Beitrag auf einem Mobilgerät aufgerufen und sehen den eingebetteten Podcast-Player nicht? Dann klicken Sie bitte hier. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Großbritannien durch einseitige Erklärung vom Brexit zurücktreten könnte. Derweil sieht sich die Premierministerin Theresa May mit einem parteiinternen Misstrauensvotum wegen des von ihr ausgehandelten Brexit-Abkommens konfrontiert. Wir erklären, wie die Abstimmung abläuft und welche Folgen sie haben könnte. Der Europäische Gerichtshof hat das Anleihenkaufprogramm der EZB abermals goutiert. Anders als in seiner ersten Entscheidung zum OMT-Programm finden Anleihenkäufe inzwischen auch tatsächlich statt und belaufen sich inzwischen auf eine Summe von über zwei Billionen Euro. Die Angestellten der Bahn haben am Montag einen Warnstreik durchgeführt. Wir erklären, wie sich dieser von regulären Streiks unterscheidet, und unter welchen Voraussetzungen er zulässig ist. Der Digitalpakt, im Zuge dessen Geld zur Digitalisierung der Schulen vom Bund an die Länder fließen soll, liegt einstweilen auf Eis. Grund dafür ist ein Streit über die notwendige Grundgesetzänderung, in welcher die Länder einen Eingriff in ihre Souveränität erblicken. Die Schauspielerin Antje Mönning wurde wegen eines Striptease auf einem Autobahnparkplatz wegen Belästigung der Allgemeinheit verurteilt. Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf den Exhibitionismus-Paragrafen, nach dem sich bizarrerweise nur Männer strafbar machen können. Die Open Knowledge Foundation hat das bisher kostenpflichtige Angebot des Bundesanzeiger Verlages kostenfrei online gestellt. Damit ist es nun unter anderem möglich, das Bundesgesetzblatt zu durchsuchen und auszudrucken. Das Strafverfahren gegen einen Mann, der in seinem Vorgarten eine Blitzer-Attrappe installiert hatte, wurde eingestellt, obwohl der Straftatbestand der Amtsanmaßung an sich verwirklicht gewesen sei. Den Podcast können Sie gleich hier auf Faz.net hören oder auf folgenden Wegen abonnieren. Sehen Sie hier das gesamte Angebot von F.A.Z. Einspruch – Alles was Recht ist. Und schließen Sie hier ein kostenloses, vierwöchiges Probeabonnement ab. Folgen Sie F.A.Z. Einspruch hier auf Facebook. Kapitel: 2:34 Misstrauensvotum gegen Theresa May 09:37 EuGH zu Exit vom Brexit 15:31 EuGH zu Anleihenkäufen der EZB 31:42 Legalität des Bahnstreiks 46:12 Digitalpakt und Grundgesetzänderung 54:33 Exhibitionismus nur für Männer strafbar 1:04:15 offenegesetze.de 1:09:24 Verfahrenseinstellung Blitzer-Attrappe   Shownotes: Misstrauensvotum gegen Theresa May: https://www.bbc.com/news/uk-politics-45953182 https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/brexit-theresa-may-will-sich-gegen-misstrauensvotum-wehren-15937600.html Exit vom Brexit: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-11/jetzt-ist-alles-denkbar/179769.html http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-11/may-verschiebt-brexit-abstimmung-im-unterhaus/179761.html http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf;jsessionid=4656373E46FBC328F68ED8E53ADBC134?text=&docid=208636&pageIndex=0&doclang=EN&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=158998 1 EuGH zu EZB: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-12/scharfe-kritik-aus-deutschland/180209.html http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-12/nicht-weiter-so/180235.html http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-12/sache-der-politik/180229.html Bahnstreik: https://www.evg-online.org/tarifrunde-2018 https://www.evg-online.org/fileadmin/Tarifrunde_2018/Verschiedenes/18-10-12-EVG-Forderungsliste_zur_Tarifrunde_DB_AG_2018_-_Update_11.10.2018.pdf https://www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/arbeitszeit/warnstreik-was-streikende-jetzt-wissen-muessen/ https://web.archive.org/web/20050120124356/http://www.lexrex.de/rechtsprechung/entscheidungen/ctg1079949638735/1161.html Digitalpakt: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-06/digitalpakt-im-vermittlungsausschuss/177595.html http://einspruch.faz.net/staat-und-recht/2018-12-06/merkwuerdiges-demokratieverstaendnis-der-ministerpraesidenten/177429.html http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-07/das-kreuz-mit-dem-digitalpakt/178215.html http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-07/weiterhin-uneins/178273.html http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-06/verfassungspatrioten/177577.html Antje Mönning / Strafbarkeit Exhibitionismus: https://www.justiz.bayern.de/media/images/behoerden-und-gerichte/amtsgerichte/kaufbeuren/pressemitteilung_terminsergebnis.pdf http://einspruch.faz.net/einspruch-magazin/2018-01-17/hey-metoo-ich-haette-da-mal-eine-frage/39333.html Bundesgesetzblatt / Open Knowledge Foundation: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-11/gesetzestexte/179637.html Blitzer-Attrappe: http://einspruch.faz.net/recht-des-tages/2018-12-11/freispruch-fuer-tischler-trotz-blitzer-attrappe/179571.html

von <a href="https://blogs.faz.net/einspruch/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in F.A.Z. Einspruch Podcast ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/einspruch/2018/12/12/wie-weiter-mit-may-428/feed/ 0
Das Bier der Mönche und Bastler https://blogs.faz.net/bierblog/?p=3785 https://blogs.faz.net/bierblog/?p=3785#comments Wed, 12 Dec 2018 12:03:08 +0100 Uwe Ebbinghaus https://blogs.faz.net/bierblog/2018/12/12/das-bier-der-moenche-und-bastler-3785/ Die belgische Bierkultur hat die amerikanische Craft-Bewegung inspiriert wie keine zweite. Vergessen wird, wie stark sie selbst beeinflusst wurde. Frank Geeraers stellt im Interview fünf Biere mit... Mehr

von Uwe Ebbinghaus erschienen in Reinheitsgebot ein Blog von FAZ.NET.

Reinheitsgebot

]]>
Die belgische Bierkultur hat die amerikanische Craft-Bewegung inspiriert wie keine zweite. Vergessen wird, wie stark sie selbst beeinflusst wurde. Frank Geeraers stellt im Interview fünf Biere mit außergewöhnlicher Geschichte vor.

***

[caption id="attachment_3790" align="alignnone" width="620"] Belgische Tripel-Spezialitäten[/caption] F.A.Z: Viele belgische Bierklassiker sind jünger, als man denkt, die Trappistenbiere zum Beispiel. Was ist das genau für eine Gattung? Frank Geeraers: Zunächst muss man vielleicht unterscheiden, denn das wissen auch nicht alle Belgier so genau: Alle Trappistenbiere sind Abteibiere, aber nicht alle Abteibiere sind Trappistenbiere. Längst nicht alle belgischen Abteibiere haben noch heute einen Kloster-Hintergrund. Die Trappisten-Brauereien hingegen bilden einen exklusiven Club von sechs Zisterzienserklöstern "der strikten Observanz" in Belgien, momentan sind es zwölf weltweit. Der Orden war nach der französischen Revolution aus der Normandie ausgewandert, und die einzelnen Klöster hatten sich zuerst in der Peripherie von Belgien angesiedelt, in der Hoffnung, zum Ende der Säkularisierungswelle zurückkehren zu können. Stattdessen sind sie aber geblieben und die Franzosen haben sich den Gegebenheiten des Gastlandes angepasst, nicht Wein, sondern Bier zur Mahlzeit zu trinken. Daneben gibt es in Belgien Aberdutzende von Abteibieren, die ursprünglich mal von Benediktinern und Norbertinern gestiftet wurden, deren Markenrechte aber wie bei Affligem, Grimbergen oder Leffe inzwischen meist in der Hand von größeren Konglomeraten liegen. Leffe gehört zum Beispiel AB-Inbev, Grimbergen zu Heineken. Die Trappisten sind eine Ausnahme, sie haben ihre Brauereien auf dem Klostergelände halten können. Das ist auch eine der Voraussetzungen dafür, sein Bier Trappistenbier nennen zu dürfen. Eine weitere ist, dass die Gewinne teilweise für gute Zwecke oder Entwicklungshilfe gespendet werden und sonst nur zur Unterstützung der eigenen Lebenshaltung, der Bezahlung des Laienpersonals und der Instandhaltung des eigenen Klosters benutzt werden dürfen. Die Rezepte der Trappistenbiere stammen zum Teil sogar erst aus dem 20. Jahrhundert. Ja, anfänglich hatten die Trappisten wenig Interesse am kommerziellen Bierbrauen. Sie brauten für sich das sogenannte patersbier, ein einfaches Bier zur Mahlzeit, das außer in den Refektorien dieser Abteien sich – leider! -  praktisch nicht als kommerzieller Bierstil durchgesetzt hat. Nach den beiden Weltkriegen mit der Zerstörung von Bauten und den Beschlagnahmungen der Kupferkessel mussten sich auch die Trappisten etwas einfallen lassen. Die Abtei von Westmalle bei Antwerpen war die erste, die kreativ wurde und das Dubbel [gesprochen „Döbbel“] erfand, im Jahr 1926. Das war eine Bezeichnung für „doppelte Stärke, doppelte Malzmenge“, anfänglich mit zwei xx markiert, und wohl das erste kommerzielle Bier mit Flaschennachgärung, das von Trappisten in Belgien vertrieben wurde. Wie ging es weiter, hat Westmalle die anderen beeinflusst? Ja, es ist zum Beispiel gut überliefert, wie die Hefe von Westmalle über einige Brauereien der Ordensbrüder weitervererbt wurde. In Laboren der Universtität Löwen wurde erforscht, wie sich die Ursprünge und Wanderungen dieser Hefekulturen zurückverfolgen lassen. Das Bier von Kloster Orval scheint etwas aus der Art geschlagen zu sein. Auch ein deutscher Braumeister soll um 1930 an der Kreation dieses Klassikers beteiligt gewesen sein.  Orval ist in vielerlei Hinsicht die Ausnahme unter den Trappisten. Wenn man in Belgien sagt „We gaan een trappist drinken“, bedeutet das meist so viel wie: Wir setzen uns eine halbe Stunde gemütlich hin und genießen eines dieser meist dunklen und oft schweren, alkoholsüßen Biere. Orval hingegen ist das einzige Bier, das von der gleichnamigen Trappistenbrauerei gebraut und vertrieben wird und es ist weder dunkel noch stark, es hat nur 6,2 Prozent. Das Besondere an ihm war außerdem: Man konnte es in Belgien auch schon vor der Craftbier-Welle in verschiedenen Altersstufen bestellen – frisch, sechs, zwölf und bis achtzehn Monate alt. Das ergab jeweils ein anderes Geschmacksbild. Orval galt bis vor circa 25 Jahren eigentlich nicht als großes Kennerbier. Man trank es eher gegen den Durst. In seiner Heimatregion in der Provinz Luxemburg wird Orval noch heute wie ein alltägliches Tafelbier getrunken, zum Teil auch aus der Flasche. Dabei haben die so schöne große altmodische Gläser in Orval. Inzwischen hat Orval trotz Exportbeschränkung auch im Ausland viele Wiederentdeckungen erlebt und gilt als Einstiegsbier in die bunte Welt der wilden „Brett“(anomyces)-Biere. Dank der Craftbier-Kultur erlebte es eine regelrechte Renaissance. Was mich an Orval interessiert: Es ist eine tolle Metapher dafür, wie Belgien als Pufferstaat zwischen den Großmächten gewachsen ist und nach der französischen Revolution und dem ersten Weltkrieg unterschiedlichste Kultureinflüsse in sich aufgesogen hat. Orval, etwa 1931 kreiert, besteht fast ausschließlich aus französischer Gerste, in Belgien hell vermälzt. An Hopfen kommen der englische East Kent Goldings, slowenischer Styrian Golding und Strisselspalt aus dem Elsass zum Einsatz. Der erste Braumeister war ein Bayer namens Pappenheimer, der wohl ein dem Lager-Bier verwandtes Rezept versuchte durchzusetzen. Zu der Zeit gab es in Orval aber auch einen Brauer aus Ostflandern, der seine Lehrzeit in England absolviert hatte und typische englische Brautechniken wie das dry hopping, die Kalthopfung im Lagertank, sowie eine gewisse Toleranz für den wilden britischen Bierpilz „Brettanomyces“ mitbrachte. Die Flaschengärung in Wärmekammern geschieht bis heute bewusst mit einem zweiten, wilden „Brettanomyces“-Hefestamm, der die wenigen restlichen Malzzucker von innen „konsumiert“, das Bier trocken und dann säuerlich ausvergären lässt. Im Grunde war Orval also eine Art Gemeinschaftssud. Ja, das ist etwas, das bei vielen belgischen Bieren herauskommt: eine sehr pragmatische Lösung auf der Grundlage verschiedener europäischer Einflüsse. Im Fall Orval ist verwunderlich, wie aus all den europäischen Einflüssen doch eine Art typisches wallonisches Saison entstehen konnte, das dann nach englischen Bierhistorikern dem Pale Ale aus dem 19. Jahrhundert ziemlich nahekommen sollte. Das heute verbreitete Verständnis von belgischem Saison-Bier ist aber ein anderes. Ja. Aber zunehmend breitet sich die These aus, dass die Saison-Biere aus dem wallonischen Hennegau wohl nur dem Namen nach die Weltkriege überlebt haben. Was heute als Vorzeigebier gilt, das Saison Dupont, ist nicht mehr der schlichte Durstlöscher, der es wohl einmal war. Saison Dupont hat jetzt 6,5 Prozent. Wobei die hohe Prozentzahl teilweise mit dem prohibitionistischen Vandervelde-Gesetz von 1919 bis 1984 zu tun hat, nach dem starker Alkohol in Kneipen verboten war und allmählich die Brauer mit immer stärkeren Bieren in die Lücke sprangen, aber auch mit der Evolution von modernen Geschmäckern. Trappisten-Biere sind ja leider in Deutschland oft schwer zu bekommen, Orval zum Beispiel, vor allem aber Westvleteren, von dem die Mönche nur so viel brauen, wie sie zum Überleben brauchen. Gibt es noch immer diesen Westvleteren-Kult? Bei Westvleteren gab es verschiedene Wellen. Vor zehn, zwölf Jahren gab es einen amerikanischen Kult, nachdem die New York Times die Jahresbestenlisten von Ratebeer veröffentlicht hatte und das „Westy12“ zum „Best Beer of the World“ avancierte. Damals haben die Pater, um sich ein Nebengebäude leisten zu können, einmalig für den Exportmarkt einen edlen Karton in Bausteinoptik mit zwei Pokalen und 6 Flaschen herausgebracht. Die Pakete waren nach einer halben Woche ausverkauft und wurden auf dem Schwarzmarkt hoch gehandelt. Das hat den Hype beflügelt. Und in den letzten Jahren lese ich regelmäßig in deutschen Biermagazinen über Westvleteren. In der typischen Westvleteren-Folklore geht es ja darum, wie schwer dieses Bier zu bekommen ist, weil die Pater es nur zu ihrem Lebensunterhalt brauen und kein Interesse daran haben, große Gewinne damit einzuheimsen. Man muss sich vorher zu bestimmten Zeiten am Kloster telefonisch anmelden, sein Autokennzeichen durchgeben und darf in drei Monaten nur zwei Kisten abholen. Durch diese exotischen Berichte ist wohl auch das deutsche Interesse geweckt worden. Die aus dem Klostergeist herrührende Verknappung wirkt wie ein sehr erfolgreiches Marketing. Wobei „Ora et labora“ für die Trappistenmönche auch heute noch kein Marketing-Spruch ist, das wird in den Klöstern gewissenhaft eingehalten. Man kann sie auch nicht direkt besuchen. Meist gibt es einen vorgelagerten Degustationsraum. Besucher von Westmalle, Rochefort oder Westvleteren sind oft enttäuscht, weil dort so bitter wenig zu sehen und schmecken ist. Nur bei Chimay gibt es das volle Programm. Kommen wir nochmal auf Saison Dupont zurück. Wie ist dessen Erfolgsgeschichte, vor allem in den Vereinigten Staaten, zu verstehen? Das ist auch eine sehr typische belgische Bier-Geschichte. Das erfolgreichste Bier der Brasserie Dupont war eigentlich sehr lange das „Moinette“, ein gewürztes, starkes blondes Bier mit 8,5 Prozent, das besser den wallonischen Geschmack zusammenfasst als das puristische Saison Dupont. Letzteres war lange nur mit 10 bis 15 Prozent im Sortiment vertreten - bis ein amerikanischer Importeur unter Einfluss der Bücher des britischen Bierautors Michael Jackson beschloss, das Bier stärker zu promoten und den eher bitteren Geschmack der IPA-Welle in Amerika zu bedienen. Das war zu Beginn der 2000er Jahre. Für belgische Klein- und Familienbrauereien, die oft zwischen 40 und 70 Prozent vom Export leben, ist das natürlich ein Argument. Und tatsächlich wurde Saison Dupont zum Export-Flaggschiff in den Vereinigten Staaten. Andererseits habe ich flämische Freunde, die von dem Bier noch nie etwas gehört haben. Saison Dupont ist in Belgien bei weitem nicht so flächendeckend vertreten wie Duvel, Hoegaarden oder Rodenbach. Und doch gilt es nicht nur bei amerikanischen Craftbrauern als Goldstandard für den Saison-Stil. Die Sauerbiere von Rodenbach haben ja einen ungemein komplexen Brauprozess hinter sich. [caption id="attachment_3794" align="alignleft" width="350"] Frank Geeraers in der Brauerei Rodenbach[/caption] Rodenbach ist für mich das ultimative belgische Bier. Nicht nur wegen der faszinierenden Geschichte der Familie Rodenbach - der Gründervater aus Andernach bei Koblenz war als Militärarzt unter den Habsburgern in Flandern abgesackt, seine Nachfahren haben eine wichtige Rolle in der flämisch- und französischsprachigen Literatur sowie in der Unabhängigkeitsbewegung des Landes gespielt - ist es leicht, nostalgisch zu werden bei diesem Bierstil. Das einzigartige „Vlaams Roodbruin“/Flämische Rotbraune ist von gemischter Gärung: Nach der ersten Obergärung findet in riesigen stehenden Eichenholztonnen, den foeders, eine wilde Gärung an der Umgebungsluft mithilfe von natürlich auftretenden Milch- und Essigsäurebakterien statt. Bei Rodenbach kommt so vieles zusammen, was Belgien als Pufferstaat charakterisiert. Die Brauerei liegt im westflämischen Roeselare am linken Ufer der Schelde, wo bis ins späte Mittelalter hinein nicht mit Hopfen, sondern mit Grut, einer Bierkräutermischung, gebraut wurde. Gleichzeitig wurde Bier auf dieser nicht-germanischen Seite des fränkischen Reichs, um es haltbarer zu machen, verschnitten - ein Jungbier, das noch eine gewisse Süße hat, wird mit einem älteren Bier gemischt, das lange im Eichenfass gelagert und kontrolliert sauer gemacht wurde. Diese Technik hat man beibehalten, auch zu Zeiten, in denen sich der Hopfen aus dem Osten schon längst durchgesetzt hatte. Westflandern war immer schon die erste Andockstelle für englische Brauer und auch für flämische Brauer, die sich in England das Ale-Brauen abschauten. Dort gab es einen regen Austausch. Die Engländer machten schon viel länger Verschnittbiere und old ales, um in ihrem Weltreich Biere exportieren zu können. In Westflandern ist eine Art Amalgam aus diesen verschiedenen Lagerungspraktiken entstanden. Interessant ist auch, dass Rodenbach lange mit dem Spruch „C‘est du vin/'t is Wijn!“ warb. Hier zeigt sich die Nähe zur französischen Grenze und die Konkurrenzsituation zum Wein als gastronomischem Produkt. Für Belgier ist Rodenbach das Feinschmecker-Bier schlechthin. Früher wurde nur ein Basis-Bier vermarktet. Seit der Craftbier-Welle und der Übernahme durch die Palm-Gruppe bietet man auch deutlich ältere und sauer schmeckende Cuvées an. Das Basisbier finde ich neuerdings etwas zu süß, aber ich mag das „Grand Cru“. Dessen pH-Wert von um die 3,5 entspricht etwa dem eines badischen Spätburgunders. Michael Jackson, „The Burgundies of Belgium“ (1989)

***

Als Trinkerlebnis empfehlen Sie auch das Tripel Karmeliet. Wie ist dessen Geschichte? Tripel ist ebenfalls einer dieser typischen Bierstile, die alt erscheinen, aber eine Braukreation aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg sind. Der hochvergorene blonde Ale-Stil wurde erstmals in den 1930ern von den Westmaller Trappisten angeboten. Das Rezept von Bosteels' Tripel Karmeliet wurde sogar erst 1998 umgesetzt. Diese Familienbrauerei hat ihren kommerziellen Aufstieg in den letzten Jahrzehnten auf zwei Biere gestützt, die eigentlich beide pseudo-historisch sind. Da kommt wieder der typische belgische Pragmatismus zum Tragen und ein Sinn für Marketing. Tripel Karmeliet beruft sich auf ein Rezept der Karmeliter, angeblich aus dem 17. Jahrhundert, in dem verschiedene Getreide verwendet werden, ein Mehrkornbier also. [caption id="attachment_3798" align="alignleft" width="250"] Karmeliet und Chimay in der Magnum-Version[/caption] Laut einer deutschen Braubibel von 1831 war das typisch für die belgische Braukunst, im Gegensatz zur „bairischen“, dass sowohl vermälzte als auch unvermälzte Getreidesorten verwendet wurden, mit unterschiedlichen Methoden. So werden beim Tripel Karmeliet neben Gerste Hafer und Weizen verbraut, vermälzt und unvermälzt, was dazu führt, dass das Bier trotz seiner acht Prozent Alkohol nicht so massig wirkt, wie es ein deutsches Bockbier nach dem Reinheitsgebot tun würde. Durch die spätere Zugabe von Brauzucker wird die Zweitgärung angekurbelt und es entstehen in den Flaschen typisch belgische Aromenprofile aus Fruchtestern und Phenolen. Und doch bleibt das Karmeliet fast süffig und rund fruchtig. In Frankreich mit seinem fruchtigeren Biergeschmack ist es unheimlich beliebt und läuft dort in besseren Bierbars mittlerweile Leffe den Rang ab. Leffe, das ebenfalls mit einem Tripel am Markt ist, stellt für mich einen der großen Spielverderber der belgischen Bierkultur dar, weil es aus meiner Sicht ein reines industrielles Zuckerbier geworden ist, das überhaupt keine regionale Kultur mehr vertritt. 2016 wurde nun auch die Brouwerij Bosteels von ABInbev aufgekauft, wie seinerzeit Leffe. Man wird sehen, wie sich das Karmeliet weiterentwickelt ... Woher rührt der häufige Einsatz von Zucker im belgischen Bier? Neben dem Einfluss des genannten Vandervelde-Gesetzes mit seiner selektiven Prohibition rührt er wahrscheinlich auch von der Mittelverknappung nach den Weltkriegen her. Getreide durfte nicht mehr verschwendet werden. Trappisten- und dann kommerzielle Brauereien experimentierten mit der sogenannten Chaptalisation, bei der ein Teil des Alkohols aus der Verzuckerung statt aus der Frucht entsteht, wie es in der französischen Weinkultur gang und gäbe war und immer noch bis zu einem gewissen Grad erlaubt ist. Wieder haben wir hier eine Art Crossover. [caption id="attachment_3800" align="alignnone" width="620"] Flaschengärung in der Wärmekammer[/caption] Macht Sie als in Freiburg lebender Belgier die Offenheit und Flexibilität der belgischen Bierkultur nicht auch manchmal schwindelig? Können Sie sich mit ihr durchweg identifizieren? Sie wirkt offen, ist aber oft einfach von pragmatischen Sachzwängen vorgegeben, die von außen nur schwer nachzuvollziehen sind, weil Belgien ein solch komplexes Land ist. Der Belgier sagt von sich nicht nur gerne, er sei ein „burgundischer “ Lebensgenießer, sondern auch ein „Bricoleur“, ein Bastler. Er werkelt ständig an kleinen Lösungen herum. Ein leichter Surrealismus ist dabei immer präsent, der zeigt: Wir gehen nicht von idealistischen Leitsätzen oder wohlgeordneten Systemen aus, sondern von ganz konkreten Herausforderungen, die dieses kleine Land, eingezwängt zwischen Großmächten und ehemaligen Besatzern, ausmachen. Dieses „von überall etwas hernehmen“ und daraus das Beste machen, ist für mich typisch belgisch und etwas womit ich mich gerne assoziiere. Diese Eigenart, ausgeprägt in einer regionalen Bierkultur, öffnet ein unendliches Fass von Möglichkeiten und Erzählungen. Die Fragen stellte Uwe Ebbinghaus
Lesen Sie auch dieses Interview mit Frank Geeraers im Bierblog: "Vom belgischen Bier lernen?"

***

Frank Geeraers, Jahrgang 1979, aufgewachsen in Ostflandern. Studium der Anglistik, Germanistik, Vergleichenden Literaturwissenschaft in Gent, Salzburg und Tübingen. Seit 2003 im Ländle: Tübingen, Stuttgart, Freiburg i.B. Arbeit als freier Übersetzer (Niederländisch, Deutsch, Dänisch, Englisch) für europäische Unternehmen, in der akademischen Recherche (neue Berner Humboldt-Ausgabe) und gelegentlich als Copywriter/Verkoster für Brauereien und Bierimporteure. Erweckungserlebnis zum Bierreisenden während einer Reise in die Vereinigten Staaten 2008, Bierverkostungstagebuch auf ratebeer.com als bartlebier seit 2012, @bartlebeer.

von <a href="https://blogs.faz.net/bierblog/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Reinheitsgebot ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/bierblog/2018/12/12/das-bier-der-moenche-und-bastler-3785/feed/ 4
Warum Erwachsene wieder an den Weihnachtsmann glauben sollten https://blogs.faz.net/schlaflos/?p=624 https://blogs.faz.net/schlaflos/?p=624#comments Tue, 11 Dec 2018 09:00:51 +0100 Janosch Niebuhr https://blogs.faz.net/schlaflos/2018/12/11/warum-erwachsene-wieder-an-den-weihnachtsmann-glauben-sollten-624/ Magisches Denken ist kein Vorrecht der Kinder. Im Gegenteil. Erwachsene sind auch dafür empfänglich. Bei ihnen ist es nur nicht so schön. Mehr

von Janosch Niebuhr erschienen in Schlaflos ein Blog von FAZ.NET.

Schlaflos

]]>
So viel Freude wie dem Weihnachtsmann möchten die echten Paketboten auch mal entgegengebracht bekommen.[/caption] Es ist bald soweit – ich spüre es schon, und es macht mich, ja, ziemlich wehmütig: Der Weihnachtsmann wird uns verlassen. Für immer. Es muss sein. Unsere jüngste Tochter verlässt langsam das Stadium der „Präoperationalen Intelligenz“ (so hätte es der Entwicklungspsychologe Jean Piaget ausgedrückt). Bald wird auch bei ihr das Bild des jovialen, rauschebärtigen Rentierschlitten-Benutzers und Geschenkbringers vollständig von der Realität verdrängt werden, also von adventsgestressten Eltern, die überarbeiteten Paketboten die Online-Einkäufe aus der Hand reißen. Noch aber ist alles im grün-magischen Bereich. Ich habe das kürzlich bei unserer Fünfjährigen abgeprüft: „Was glaubst du, wer bringt wirklich die Weihnachtsgeschenke?“ „Der Weihnachtsmann. Ist doch klar.“ „Und wie macht er das?“ „Mit einem Sack.“ „Und wie kommt er hier rein?“ „Er klettert durch ein Fenster.“ „Und wenn das Fenster zu ist?“ „Dann kommt er durch die Tür.“ „Wenn wir schlafen und die Tür verschlossen ist?“ „Dann kommt er eben durch den Schornstein.“ An dieser Stelle habe ich das Verhör abgebrochen, weil ich die Entmagisierung so kurz vor Weihnachten nicht beschleunigen wollte. Das besorgen dann schon die beiden älteren Geschwister. Forscher sind sich uneinig, ob das weihnachtliche Anlügen der Kinder und die irgendwann mit Notwendigkeit folgende Ent-Täuschung schädlich sind für die Eltern-Kind-Beziehung oder nicht. Auch unsere eigenen Erfahrungen damit sind bisher uneindeutig. Während unsere älteste Tochter, inzwischen zwölf Jahre alt, völlig geräuschlos und schadenfrei in die kalte Wirklichkeit geglitten ist, hat die mittlere doch sehr deutlich Kritik geübt, als ihr vor drei Jahren die Illusionen genommen worden: „Jetzt mal ganz ehrlich, wirklich: Stimmt das denn jetzt mit dem Weihnachtsmann oder nicht?“, wollte sie plötzlich in der Adventszeit wissen. Eine ehrliche Frage einer damals Sechsjährigen. Woraufhin sie einfühlsam aufgeklärt wurde, unter anderem mit dem Verweis auf historische Figuren (Nikolaus von Myra, Jesus, Schafe) und auf die tiefere Botschaft, die hinter dem Weihnachtskonstrukt verborgen ist. Die erste Reaktion der frisch Aufgeklärten war dennoch niederschmetternd: „Weißt du, vielleicht möchten die Kinder auch nicht mehr bei den Eltern bleiben, wenn die einen so anlügen!“ Sie ist dann Gottseidank geblieben. Und sie hat erklärt, dass sie sich ab sofort jedes Jahr neu entscheidet, ob sie an den Weihnachtsmann glauben möchte. Das ist eine pragmatische Herangehensweise. Bin gespannt, ob sie das wirklich durchhalten kann. Jetzt gibt es sicher Eltern, die ihren Kindern von Anfang an reinen Wein einschenken, also: Kind wünscht sich XY, Eltern oder Großeltern kaufen XY, und XY gibt es dann zur Jahresendfeier als Geschenk. Oder zumindest einen Amazon-Gutschein. Nix Rentierschlitten, Rauschebart und Ruprecht-Knecht. Das ist eine edle, eine aufklärerische Geisteshaltung. Schon früh den Kindern einen realistischen Blick auf die Wirklichkeit vermitteln. Aber dazu sind die wenigsten Eltern oder Großeltern bereit oder in der Lage, denn natürlich werden die Illusionen nicht der Kinder wegen, sondern fürs eigene Erwachsenen-Gemüt gezaubert. Und welcher Erwachsene will darauf verzichten? (Ich nicht!) Nochmal den magischen Momenten der eigenen Kindheit nachhängen dürfen, wenn Fünfjährige Erklärungen für Unerklärliches suchen: „Der/Die/Das *** (setze hier je nach Region und Weltanschauung den zutreffenden magischen Wunscherfüller ein) weiß, dass ich mir den Bauernhof wünsche – ich hab es ### (setze hier den Namen des persönlichen Kuscheltiers ein) gesagt.“ Ach, war das Leben mal einfach! Magisches Denken bei Kindern schafft Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, die von poetischer Schönheit sein können: Dann fliegen Zahnfeen durch die Stadt auf der Suche nach wertvollen Milchzähnen für ihre Sammlung. Ampeln werden plötzlich grün, wenn dem Kind der richtige Zauberspruch einfällt (Spoiler: Es ist immer der richtige!). Und sollte mal tatsächlich ein schlechter Traum durch den Traumfänger gerutscht sein – was muss man da tun? Klar: Papa muss das indianische Kultobjekt einmal kräftig durchpusten. Irgendwann ist das dann alles vorbei, die Zahnfeen, Weihnachtsmänner und Osterhasen verschwinden. Und das ist auch okay. Schade, aber okay. Es gibt da nur ein Problem: In den meisten Fällen bleibt das magische Denken erhalten, es sucht sich nur Ausdrucksformen, die in der Erwachsenenwelt (oder zumindest in bestimmten Kreisen) akzeptiert werden – und bei Bedarf, wenn die Welt zu kompliziert wird, taucht es wieder in Reinform auf. Nur brutaler, ideologischer, rücksichtsloser – und noch egozentrischer. Als Glaube in eine „Schicksalsmacht“, in einen politischen Heilsbringer, in einfache Lösungen. Plötzlich wird – wie in Kindheitstagen – Wünschen mit dem Bekommen gleichgesetzt. Nix kritisches Denken, nix Rationalität. Das magische Denken kann sich sogar fortschrittlich geben, Wunscherfüllung versprechen durch Künstliche Intelligenz und Smart Irgendwas. „Alexa, mach mal, dass nicht so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen müssen. Und jetzt spiel irgendeine traurige Musik.“ In der Kindheit wird der Egozentrismus des magischen Denkens irgendwann durch die Fähigkeit zur Perspektiven- und Rollenübernahme überwunden, ein großer Schritt auf dem Weg zur reifen Persönlichkeit. Kinder können also tatsächlich irgendwann Mitleid entwickeln, wenn sie verstehen, wie viele Pakete der Zusteller vor Weihnachten rechtzeitig ausliefern muss. Die meisten Erwachsenen dagegen halten es inzwischen für eine Selbstverständlichkeit und ihr marktgegebenes Recht, dass die absurdesten Online-Käufe doch bitteschön am nächsten Tag angeschleppt werden. Erwachsene mit ihrem uneingestandenen Hang zum magischen Denken sind die liebsten Adressaten von Propaganda und Marketingkampagnen. Sie verfallen der Illusion und halten sich gleichzeitig für vernunftbegabt. Ich behaupte jetzt mal, dass selbst die, die nie an den Weihnachtmann oder die Zahnfee geglaubt haben, in der Gefahr stehen, als Erwachsene auf magisches Denken zurückzugreifen. Vielleicht ist sogar ein guter Weihnachtsmann-Glaube in der Kindheit die beste Impfung gegen den Rückfall in magisches Denken als Erwachsener. Oder, wie es unsere Jüngste ausdrücken würde: „Mit den Geschenken haben die Erwachsenen gar nichts zu tun. Das machen alles die Kinder und der Weihnachtsmann miteinander aus.“

von <a href="https://blogs.faz.net/schlaflos/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Schlaflos ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/schlaflos/2018/12/11/warum-erwachsene-wieder-an-den-weihnachtsmann-glauben-sollten-624/feed/ 2
Das wiederbelebte Meisterwerk https://blogs.faz.net/comic/?p=1298 https://blogs.faz.net/comic/?p=1298#comments Mon, 10 Dec 2018 14:56:13 +0100 Andreas Platthaus https://blogs.faz.net/comic/2018/12/10/das-wiederbelebte-meisterwerk-1298/ In acht Jahren 1949 bis 1956 zeichnete Maurice Tillieux 67 Abenteuer seiner Detektivserie „Félix“. Über Jahrzehnte gerieten sie in Vergessenheit. Jetzt erweckt sie die großartige Gesamtausgabe eines belgischen Kleinverlags wieder zum Leben. Mehr

von Andreas Platthaus erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

Comic

]]>
Kürzlich war in ich in Paris, an einem Tag ohne Demonstrationen oder Krawalle. Aber die Absperrungen vom Wochenende zuvor ließen noch die angespannte Situation spüren. Mich trieb die Neugier zum Rond-point des Champs Élysées, einem Platz nicht weit vom Präsidentenpalast, an dem aber auch das Auktionshaus Artcurial seinen Sitz hat. Das hatte zehn Tage zuvor eine Comic-Auktion vom Samstag auf den Sonntag verlegen müssen, weil vor dem Gebäude die Proteste der Gelbwesten tobten. Seitdem hat es am Wochenende keine Versteigerungen mehr bei Artcurial gegeben. Paris als Schauplatz von Gewalt – das führt einen Comicleser unweigerlich zurück in die fünfziger Jahre, als in Belgien und Frankreich zahlreiche Comics erschienen, die parallel zur Série noir des französischen Kinos die düstere Stimmung aus der Besatzungszeit während des Kriegs wiederbelebten: als latentes Gefühl der Bedrohung. Und das typischste Beispiel dafür war „Félix“ von Maurice Tillieux, einem belgischen Zeichner, der seine Serie in dem wöchentlich erscheinenden Comicmagazin „Héroïc-Albums“ publizierte, sie aber vor allem in Frankreich spielen ließ, weil dort größere Abenteuer und brutalere Verbrechen zu erwarten waren als im kleinen Belgien. „Félix“ erschien von 1949 bis zur Einstellung des Magazins Ende 1956 alle paar Wochen als jeweils abgeschlossene meist dreizehnseitige Geschichte; insgesamt brachte Tillieux es auf 67 Abenteuer um den titelgebenden Detektiv und dessen beide Helfer Cabarez und Allume-Gaz. Einiges aus diesem Geschichtenschatz beruhte auf älteren Comics des 1921 geborenen Zeichners, der schon mit achtzehn seine Karriere begonnen hatte. Noch mehr aber sollten die 67 „Félix“-Episoden selbst zu Anregungen werden: für Tillieux selbst, der diverse Stoffe daraus später recycelte und zu längeren Geschichten ausweitete, vor allem für seine heute berühmteste Setie, „Gil Jourdan“ (auf deutsch „Jeff Jordan“), die mit ihren drei Hauptfiguren das Erfolgsrezept von „Félix“ wiederholte und auch die Charakterzüge der Protagonisten weitgehend übernahm. Im Gegensatz zu dieser heute mythischen Serie, einem der populärsten Klassiker des frankobelgischen Comics, drohte „Félix“ in Vergessenheit zu geraten. In Deutschland kann man das niemandem vorwerfen; die Serie wurde nie übersetzt. Aber im französischen Sprachraum brauchte es einen kleinen belgischen Liebhaberverlag, die Éditions de l`Élan aus Waterloo, um endlich eine Gesamtausgabe der umfangreichsten Serie herauszubringen, die Tillieux gezeichnet hat: „Félix intégrale“. 2015 erschien als Auftakt der chronologisch angelegten Reihe der fünfte Band mit sechs Abenteuern aus den Jahren 1951 und 1952, und ein Comicfreund konnte sich kaum mehr wünschen, als hier geboten wurde: schöne Reproduktionen der Schwarzweißseiten, aber auch farbenprächtige Wiedergabe der Titelblätter, die seinerzeit als einziger Bestandteil des Magazins bunt waren. Dazu sämtliche Ankündigungen und kurzen Überleitungsepisoden. Eingeleitet wird jeder Band von mehreren reich bebilderten Texten zur Publikationsgeschichte der Serie (eine Anschauung vom Aussehen der Gesamtausgabe kann man sich hier machen: http://www.editionselan.be/page2.html#…intégrale). Und ungeachtet dieses publizistischen Mühsals ist seitdem jedes halbe Jahr ein weiterer Band herausgekommen, so dass nun sieben der insgesamt elf Ausgaben vorliegen. Als jüngste ist vor ein paar Wochen der vierte Band publiziert worden, und er schloss damit die Lücke zwischen den zunächst erschienenen Teilen 5 bis 7 und 1 bis 3. Nun fehlt nur noch das letzte Drittel der Serie. Diese recht kostspielige Nachdruck-Serie (jeder Band kostet dreißig Euro) zusammenzutragen ist ein Abenteuer für sich. Der Auftaktband, also die Nr. 5, war sofort ausverkauft, denn den Druck vieler Exemplare wollte der Verlag nicht riskieren, und leider hat sich daran nichts geändert, so dass man immer schnell sein muss. Mein Besuch in Paris sah deshalb auch den Kauf des neuesten Bandes vor, aber in meinem favorisierten Laden, „Super Héros“, wurden Exemplare nur an Kunden abgegeben, die ihn vorab reserviert hatten. Ausgerechnet in einem eher kommerziell, also weniger ästhetisch oder comic-historisch ausgerichteten Geschäft jedoch lag der Band stapelweise herum. „Félix“ scheint in Frankreich wieder in Mode zu kommen. Womöglich passt er in die Zeit. Denn hier geht es hart zur Sache. Tote sind in dieser Serie nicht selten, und „Héroïc-Albums“ war in den fünfziger berüchtigt für seine gewaltsamen Geschichten, was letztlich auch zum Untergang des Magazins führte. In der letzten Geschichte des vierten Nachdruck-Bandes erschießt Allume-Gaz auf der letzten Seite einen verfolgten Verbrecher – solche visuelle Drastik war selbst auf den Seiten von „Héroïc-Albums“ nicht eben häufig. Der Reiz von „Félix“ liegt aber nicht in seiner zeittypischen Hard-Boiled-Stimmung, sondern im Epochenporträt. Kaum jemand sonst fing wie Tillieux seine Gegenwart, deren Autos, Wohnungseinrichtungen, Kleidungsstil, derart lustvoll-akribisch ein. Die Publikationsdichte der „Félix“-Abenteuer kam ihm dabei entgegen: Sie wandelten sich mit dem schnelllebigen Lebensstil der französischen Nachkriegszeit. Ästhetisch löste sich der belgische Zeichner in dieser Serie vom Vorbild Hergés und übernahm amerikanische Einflüsse, vor allem von Milton Caniff. Die zweite in Band 4 enthaltene Geschichte, „Continentale“, zeigt es überdeutlich. In den Auftakttexten mit Erläuterungen zu den jeweils in den einzelnen Bänden enthaltenen Geschichten geht der Herausgeber der Gesamtausgabe, Daniel Depessemier, solchen Themen nach, und diesmal gibt es einen ganz besonders schönen größeren Essay von Etienne Borgers zu den Automobilen in „Félix“. Tillieux war ein Auto-Narr, was ihn später umbringen sollte; er starb 1978 an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Zuvor hatte er viele solche Unglücke in seinen Comics gezeichnet. Wer wissen will, wie sich der frankobelgische Comic zu der Meisterschaft und Popularität entwickeln konnte, die ihn heute auszeichnet, kommt um „Félix“ nicht herum. Die Serie ist in ihrer Wirkung (nicht nur auf spätere Tillieux-Arbeiten, sondern auch auf andere Zeichner, allen voran Yves Chaland) kaum zu überschätzen. Zwischen Hergés „Tim und Struppi“ und André Franquins „Spirou“ nimmt sie in Humor, Zeichenstil und Zeitaktualität eine hochspannende Zwischenstellung ein. Man könnte auch sagen: eine Vermittlerposition. Du das heißt nicht Mittelmaß, sondern Spitzenklasse. Nur weiß es kaum jemand. Was den Vorteil hat, dass man für die wunderbaren Originalseiten kaum etwas bezahlen muss. Gestern habe ich eine bei einer sonntäglichen Comic-Auktion ergattern können. Glücklicherweise fand die Versteigerung in Brüssel statt. In Paris hätte sie wohl wieder verschoben werden müssen.

von <a href="https://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">Andreas Platthaus</a> erschienen in Comic ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/comic/2018/12/10/das-wiederbelebte-meisterwerk-1298/feed/ 0
Links und rechts – zwei Spielarten des Populismus https://blogs.faz.net/essay/?p=176 https://blogs.faz.net/essay/?p=176#comments Mon, 10 Dec 2018 10:00:18 +0100 FAZ.NET- Politik https://blogs.faz.net/essay/2018/12/10/links-und-rechts-zwei-spielarten-des-populismus-176/ Im Süden Europas ist der Populismus tendenziell links, im Norden Europas tendenziell rechts – eine Folge der unterschiedlichen Verletzbarkeit der jeweiligen Politischen Ökonomien durch die... Mehr

von FAZ.NET- Politik erschienen in F.A.Z. Essay Podcast ein Blog von FAZ.NET.

F.A.Z. Essay Podcast

]]>
Daniel Deckers, Politikredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlich für das Ressort „Die Gegenwart“, trägt den Essay vor. Den Podcast können Sie gleich hier auf FAZ.NET hören oder hier abonnieren. Den Essay von Professor Dr. Philip Manow lesen Sie hier (mit F+). Alle Essays des Ressorts „Die Gegenwart“ finden Sie hier.]]> https://blogs.faz.net/essay/2018/12/10/links-und-rechts-zwei-spielarten-des-populismus-176/feed/ 0
Birgit und Thomas Rabe helfen der Bauhaus-Universität in Weimar https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1524 https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/?p=1524#comments Sun, 09 Dec 2018 09:56:33 +0100 Jan Hauser https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/2018/12/09/birgit-und-thomas-rabe-helfen-der-bauhaus-universitaet-in-weimar-1524/ Bertelsmann-Chef Thomas Rabe und seine Frau Birgit Rabe sind Kunstsammler. In Weimar zahlen sie für die Restaurierung einer Bronzestatue von Rodin, die bald auf ihren Platz an der Universität... Mehr

von Jan Hauser erschienen in Medienwirtschaft ein Blog von FAZ.NET.

Medienwirtschaft

]]>
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe und seine Frau Birgit Rabe sind Kunstsammler. In Weimar zahlen sie für die Restaurierung einer Bronzestatue von Rodin, die bald auf ihren Platz an der Universität zurückkehrt. [caption id="attachment_1525" align="alignnone" width="300"] Thomas Rabe und Birgit Rabe[/caption] Was fangen reiche Menschen nur mit ihrem Vermögen an? Viele Türen stehen einem oberhalb der gehobenen Mittelschicht offen. Manche stecken Geld in die Kunst, andere werden zu Wohltätern. Mitunter lässt sich das eine mit dem anderen verbinden. Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Bertelsmann mit den Beteiligungen an RTL und Gruner + Jahr, und seine Frau Birgit Rabe haben nun der Bauhaus-Universität in Weimar geholfen, die Bronzestatue „Eva“ des Pariser Bildhauers Auguste Rodin zu restaurieren. Mehr als hundert Jahre schmückte die anfangs umstrittene Aktfigur die Uni, doch vor fast drei Jahren wurde sie gewaltsam vom Sockel gestoßen und an Arm und Schulter schwer beschädigt. Am Mittwoch kehrt „Eva“ wieder wohlerhalten mit einem Festakt zurück auf ihren Platz im Foyer. Den Großteil der aufwendigen Restaurierung zahlte das Ehepaar Rabe. Von einem fast sechsstelligen Betrag ist die Rede. „Wir sind kunstinteressiert und wir sammeln Kunst“, sagte Thomas Rabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Das gilt auch dem Wirken des belgischen Architekten Henry van de Velde. Er hat das Hauptgebäude der Uni entworfen, in dem „Eva“ bald wieder steht. „Das Gebäude ist der Gründungsort des Bauhauses. Es wirkt durch seine ästhetische Klarheit und vor allem das Treppenhaus durch seine schwungvolle Dynamik“, sagte Rabe. Überhaupt haben sie ein Faible für sein Wirken: „Vor knapp drei Jahren haben wir in Brüssel die Nouvelle Maison, ein Wohnhaus von Henry van de Velde, erworben und restaurieren es gerade.“ Auf den Spuren von Schiller, Goethe und vom Bauhaus streiften Frau und Herr Rabe im vergangenen Jahres durch Weimar. Dabei sahen sie den Spendenaufruf der Universität an der Stelle, an der die Skulptur fehlte. Am Mittwochabend werden sie noch nicht die Rückkehr der „Eva“an ihren Platz verfolgen. In Gütersloh wird Bundesverteidigungsministerin von der Leyen zu Gast beim Bertelsmann-Forum sein und Thomas Rabe ebenfalls. Dafür reisen sie zusammen Anfang des nächsten Jahres nach Weimar, um die restaurierte „Eva“ zu besuchen. Mehr im Blog: Millionenprämie ausgezahlt: RTL-Mitarbeiter erhalten 7000 Euro im Durchschnitt „Deutschland sucht den Superstar“ zieht nach Amerika Gruner + Jahr baut um und zieht um Buchclub-Aus kostet doch noch Die Höhle der Löwen: Wie Vox Deutschland zum Start-up-Land macht Fernsehserien aus Europa ziehen um die Welt _____________________________________________________________ F.A.Z.-Blog Medienwirtschaft www.faz.net/medienwirtschaft Twitter: www.twitter.com/jan_hauser Snapchat: hauserhier

von <a href="https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Medienwirtschaft ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/medienwirtschaft/2018/12/09/birgit-und-thomas-rabe-helfen-der-bauhaus-universitaet-in-weimar-1524/feed/ 0
Merle Travis/Tennessee Ernie Ford: „Sixteen Tons“ https://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1625 https://blogs.faz.net/pop-anthologie/?p=1625#comments Sat, 08 Dec 2018 07:51:53 +0100 Katharina Cichosch und Daniel Urban https://blogs.faz.net/pop-anthologie/2018/12/08/tennessee-ernie-ford-sixteen-tons-1625/ Dieser Arbeiter-Song wurde erst zum populären Klassiker, als sich ein echter Performer seiner annahm. Die Geschichte des Lieds führt zurück in die Kohlereviere Kentuckys - und die Tiefen menschlicher Grundgefühle. Mehr

von Katharina Cichosch und Daniel Urban erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von FAZ.NET.

Pop-Anthologie

]]>
Dieser Arbeiter-Song wurde erst zum populären Klassiker, als sich ein echter Performer seiner annahm. Die Geschichte des Lieds führt zurück in die Kohlereviere Kentuckys - und die Tiefen menschlicher Grundgefühle.

***

[caption id="attachment_1632" align="alignnone" width="694"] Tennessee Ernie Ford[/caption] Ein Blick in die amerikanischen Billboards von 1955 zeigt: Vor allem Liebes-Schnulzen und gut gelaunte Rock’n’Roll-Nummern dominieren die Charts – von „Unchained Melody“ über „Love is a Many Splendored Thing“ zu „Rock Around the Clock“. Ein Titel tanzt bei all der lyrischen Unbekümmertheit dann aber doch aus der Reihe: Tennessee Ernie Fords „Sixteen Tons“, das zunächst die Country-Billboards anführte, bis das Lied schließlich acht Wochen lang auch zur Nummer Eins der Pop-Charts wurde. Ein Klarinetten-Riff und ein paar geschnipste Off-Beats, schon zieht Ford mit seinem sonoren Bass-Bariton a cappella in die düstersten Untiefen vom Leben eines Malochers: „Some people say a man is made outta mud, “ wird da auf die biblische Vorstellung vom aus Staub erschaffenen Menschen angespielt. Eine Band in ihrer reduziertesten Form besorgt das rhythmische Grundgerüst: Mit Upright-Bass und Schlagzeug folgt der grimmige Angriff auf die Erzählung von der angeblich gottgegebenen Klassenstruktur der Gesellschaft, hier aus Sicht des vermeintlich dümmlichen, aber körperlich kräftigen Armen: „A poor man's made outta muscle and blood / Muscle and blood and skin and bones / A mind that's a-weak and a back that's strong.“ Später, in der zweiten Strophe, wird diese Außen- zur Selbstzuschreibung, wenn der Protagonist seine Biografie in wenigen, fatalistischen Zeilen skizziert: Düster war es am Tag der Geburt, und dann ging es auch mehr oder weniger direkt in die Mine, Kohle abbauen und sich vom Vorarbeiter einen blöden Spruch anhören: „I was born one mornin' when the sun didn't shine / I picked up my shovel and I walked to the mine / I loaded sixteen tons of number nine coal / And the straw boss said 'Well, a-bless my soul'". Um „Sixteen Tons“ historisch zu begreifen, muss man nochmals sieben Jahre früher ansetzen – beim Country-Musiker Merle Travis, der als Urheber von Musik und Text gilt. „You load sixteen tons, what do you get? / Another day older and deeper in debt“ , so beschreibt der Refrain lakonisch die knochenharte Arbeit des Minenarbeiters, die keinen auskömmlichen Lohn mit sich bringt, sondern die Malocher nur weiter in die Schuldenfalle treibt. Bezahlt wurden die Kumpel nicht mit Bargeld, sondern mit trucks und tokens – einer Art Guthaben in Münzform, das passender Weise ausschließlich in firmeneigenen Warenläden, den Company Stores, eingelöst werden konnte. Um die Quasi-Leibeigenschaft zu vervollständigen, hausten Arbeiter oft in firmeneigenen Unterkünften, deren Miete selbstredend ebenfalls vom Lohn abgezogen wurde. Travis übersetzte diesen Umstand in eine Anrufung seines  Protagonisten an den heiligen Petrus, ihn nicht ins Himmelreich zu rufen, schließlich schulde er seine Seele doch dem Company Store: „Saint Peter don't you call me ’cause I can't go / I owe my soul to the company store“. Ob die Zitate allerdings tatsächlich von Travis’ Vater und Bruder stammten, wie dieser behauptete? Beide arbeiteten seinerzeit tatsächlich in einer solchen Mine in Muhlenberg, Kentucky. „Did Coal Miners 'Owe Their Souls to the Company Store'?”, fragte das Journal of Economic History 1986 nach dem Dichtungs- und Wahrheitsgehalt von ‚Sixteen Tons‘. Den menschenunwürdigen Arbeitsumständen wurde 1938 jedenfalls im Rahmen des “Fair Labor Standard Acts“ teilweise ein Ende bereitet. (Später meldete sich gar ein weiterer angeblicher Urheber zu Wort: Der Folksinger George S. Davis behauptete, den Song bereits in den dreißiger Jahren als „Nine-to-ten tons“ verfasst zu haben – als Autor vermerkt ist bis heute aber Travis.) Merle Travis’ Version strotzt vor Sarkasmus. Als Prolog erklärt er in wenigen Worten das Company-Store System, endend mit den Worten: “That sounds pretty bad, but even that's got a brighter side to it”. Den synkopischen Rhythmus, der dem Song sein dringliches Treiben verleiht, prägt hier schon das Gitarrenspiel Travis‘. Unfassbar smooth trägt wiederum Tennessee Ernie Ford den trotzigen Fatalismus gut sieben Jahre später vor, der schließlich zum beschriebenen Charterfolg wird. Die spartanische musikalische Begleitung bleibt nahezu im gesamten Song identisch und in der Struktur repetitiv, lediglich eine einsame Trompete begleitet den Sänger im Refrain, am Ende gesellt sich noch ein E-Piano dazu. Unversöhnlich von Anfang an Beschreiben die ersten Strophen noch reale Lebensumstände, werden die letzten in eine kampfeslustige Groteske überhöht: „Fightin' and trouble are my middle name“. Bei „Can't no-a high-toned woman make me walk the line” – von nichts und niemandem und schon gar keiner schrillen Frauenstimme lässt sich der Sänger zur Raison bringen – hört man Ford gar kurz auflachen. Ob die rohe Gewalt, die in der finalen Strophe geschildert wird, als Resultat von Unterdrückung und Ausbeutung präsentiert oder nicht vielmehr das Bild eines realen oder vermeintlichen Arbeiter-Machismo der Lächerlichkeit preisgegeben wird, bleibt dem Zuhörer überlassen: „If you see me comin', better step aside / A lotta men didn't, a lotta men died” – schon viele Männer, warnt der Vortragende, seien gestorben, weil sie ihm nicht aus dem Weg gehen wollten. Seine Fäuste nämlich sind aus Eisen und Stahl, und mindestens eine davon wird ihr Ziel schon treffen: „One fist of iron, the other of steel / If the right one don't a-get you, then the left one will”. Erst Tennessee Ernie Ford vermochte es, "Sixteen Tons" zu Pop und Plattengold werden zu lassen – ob trotz oder gerade wegen seines Textes, darüber lässt sich streiten. Ausschlaggebend waren sicher auch die zeitgenössische Instrumentierung, die lässige Coolness sowie der zeitliche Abstand zu den im Song beschriebenen Umständen. Innerhalb der Americana-Arbeiterlieder sticht "Sixteen Tons" heraus: Wo zum Working-Man-Epos sonst die Identifikation mit der harten, aber letztlich doch ehrlichen und in jedem Fall identifikationsstiftenden Knochenarbeit gehört, ist Travis’ Songtext bei allem Unterhaltungswert von Anfang an unversöhnlich und bleibt es bis zur letzten Zeile. Vielleicht brauchte es die Zwischenstufe des reinen Performers, um das Kumpel-Thema massentauglich zu machen. Tragik plus Zeit ergibt hier vielleicht einfach Pop. Selbst als irgendwie Lohnabhängiger konnte man lautstark seine dem Arbeitgeber geschuldete Seele abfeiern, so fern die eigene Lebensrealität auch von der leibhaftigen Ausbeutung entfernt sein mochte. Dass der Weg vom Konkreten zum Allgemeinen funktioniert, bezeugen nicht zuletzt die 1001 Coverversionen, von Johnny Cash bis hin zur biederen Nachkriegsschmonzette eines Freddy Quinn, in diversen Sprachen und Stilen, die wiederum aus Fords seinerseits bereits gecovertem Lied entstanden. Das Arbeiter-Sujet blitzt manchmal gar visuell aufbereitet durch, schön auf Zeitgeist gebürstet und hochglanzlackiert: Wenn das Saxofon-Solo in der cheesy Achtzigerr-Jahre-Version von Eric Burdon im zugehörigen Videoclip durch das nebelverhangene Stahlwerk dröhnt, zum Beispiel. Das Prinzip "Pop" wirkt indes auch in die Gegenrichtung: Als der Song erst einmal populär geworden ist, wird der Countrysänger Merle Travis auf die große Bühne geladen, um das Original vorzutragen - und er greift dabei auf jenes Opening-Riff zurück, mit dem sein Nachfolger das Lied zum unverkennbaren Markenzeichen gemacht hat.   "Sixteen Tons" Some people say a man is made outta mud A poor man's made outta muscle and blood Muscle and blood and skin and bones A mind that's a-weak and a back that's strong You load sixteen tons, what do you get? Another day older and deeper in debt Saint Peter don't you call me ’cause I can't go I owe my soul to the company store I was born one mornin’ when the sun didn't shine I picked up my shovel and I walked to the mine I loaded sixteen tons of number nine coal And the straw boss said "Well, a-bless my soul" You load sixteen tons, what do you get? Another day older and deeper in debt Saint Peter don't you call me ’cause I can't go I owe my soul to the company store I was born one mornin’, it was drizzlin’ rain Fightin’ and trouble are my middle name I was raised in the canebrake by an ol’ mama lion Can't no-a high-toned woman make me walk the line You load sixteen tons, what do you get? Another day older and deeper in debt Saint Peter don't you call me ’cause I can't go I owe my soul to the company store If you see me comin’, better step aside A lotta men didn't, a lotta men died One fist of iron, the other of steel If the right one don't a-get you, then the left one will You load sixteen tons, what do you get? Another day older and deeper in debt Saint Peter don't you call me ’cause I can't go I owe my soul to the company store

von <a href="https://blogs.faz.net/pop-anthologie/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Pop-Anthologie ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/pop-anthologie/2018/12/08/tennessee-ernie-ford-sixteen-tons-1625/feed/ 6
Was gegen „Wirtschaft“ im Unterricht spricht https://blogs.faz.net/blogseminar/?p=6303 https://blogs.faz.net/blogseminar/?p=6303#comments Thu, 29 Nov 2018 16:43:59 +0100 Philipp Frohn https://blogs.faz.net/blogseminar/was-gegen-wirtschaft-im-unterricht-spricht/ Um die ökonomische Bildung der Schüler zu verbessern, führen viele Bundesländer das Fach "Wirtschaft" ein. Ob das gut ist, hängt von der Art des Unterrichtens ab, findet @ThBeschorner im Gespräch mit @philipp_frohn Mehr

von Philipp Frohn erschienen in Blogseminar ein Blog von FAZ.NET.

Blogseminar

]]>
Um die ökonomische Bildung der Schüler zu verbessern, führen viele Bundesländer das Fach "Wirtschaft" ein. Ob das gut ist, hängt von der Art des Unterrichtens ab, sagt der Wirtschaftsethiker Thomas Beschorner.

***

Lange hallte der Ruf nach einer stärkeren Berücksichtigung von ökonomischer Bildung durch die deutsche Schullandschaft. Schüler wüssten zu wenig über Wirtschaft, so klagten – von Studien untermauert – vor allem Zunftvertreter. Seit einiger Zeit hat die Bildungspolitik nun damit begonnen, dem Rechnung zu tragen. In Bayern und Thüringen werden Schüler schon seit  Jahren in "Wirtschaft/Recht" unterrichtet, in Baden-Württemberg wurde das Schulfach "Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung" vor kurzem eingeführt. Vor wenigen Tagen präsentierte nun die NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erste Details zur Einführung eines entsprechenden Schulfachs, das die schwarz-gelbe Landesregierung verpflichtend einführen will. Demnach werden Gymnasiasten vom Schuljahr 2019/20 an im Fach "Wirtschaft - Politik", Realschüler in "Wirtschaft" und Hauptschüler im Lernbereich "Wirtschaft und Arbeitslehre" unterrichtet. Ziel soll es nach Angabe der Ministerin sein, dass die Schüler ökonomische Nachrichten einordnen und die Wirtschaft später mitgestalten können, und nebenbei auch, dass sie wissen, wie man einen Handyvertrag mit Bedacht abschließt. Doch nicht alle beobachten die Entwicklung ohne Skepsis. Kritiker warnen vor einem unkritischen Lobby-Unterricht, der die Schule von einer Stätte reflektierter Bildung hin zu einem Lebensratgeber umgestalte. Zu ihnen gehört Thomas Beschorner, Professor für Wirtschaftsethik und Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen. Er sorgt sich um die Ausrichtung des Fachs: „Es muss die Frage diskutiert werden, welche Art von Ökonomie vermittelt werden soll“, sagt er im Gespräch mit dem Studentenblog. Beschorner hat die Befürchtung, dass der Wirtschaftsunterricht zu einseitig ausgerichtet werden könnte. Bereits in den Wirtschaftsstudiengängen an den Universitäten würden neoklassische Denkansätze dominieren. Andere Sichtweisen seien deutlich unterrepräsentiert. Mehr und mehr Studierende und Dozenten rufen daher nach einer pluralen Ökonomik. Auch keynesianische, marxistische und feministische Perspektiven auf die Wirtschaft müssten im Studium vermittelt werden. Gleiches gelte für die Schule, findet Beschorner. Die Neoklassik sei immerhin nur ein Ansatz von vielen, ökonomische Zusammenhänge zu erklären. Dabei ist ihm Multiperspektivität wichtig. Schon der Beutelsbacher Konsens schreibt Lehrern der Sozialwissenschaften vor, den Unterricht kontrovers zu gestalten und keine Denkweise priorisiert darzustellen. Beschorner drückt es so aus: „Das Fach darf kein ideologisches Scharmützel sein.“ Unzureichende Ausbildung Jederzeit sei deutlich zu machen, dass ökonomische Entscheidungen Konsequenzen sowohl für soziale als auch politische Begebenheiten hätten, sagt Beschorner. Zum Beispiel müsse eine umfassende Bewertung der Sparpolitik in Griechenland auch die sozialen Folgen in den Blick nehmen. Ein Garant für die Vermittlung tiefgreifenden wirtschaftlichen Wissens sei das Schulfach jedenfalls nicht unter allen Umständen, so Beschorner. Viel spräche auch dafür, Sozialwissenschaften als Integrationsfach aus Politik, Soziologie und Wirtschaft zu begreifen und die ökonomische Bildung in diesem Rahmen zu erweitern. Eine Aufstockung der sozialwissenschaftlichen Bildung ermögliche es, ökonomische Fragen in politische und gesellschaftliche Kontexte einzubetten. Problematisch mag auch sein, dass die universitäre Ausbildung der Lehrkräfte höchst unterschiedlich ausfällt und nicht alle nach Abschluss derselben ausreichend Kompetenzen mitbringen, um den Schülern einen multiperspektivischen Blick auf Wirtschaft zu ermöglichen. Von Bundesland zu Bundesland, gar von Hochschule zu Hochschule schwanken die Rahmenbedingungen. Während an manchen nordrhein-westfälischen Universitäten dezidiert sozioökonomische Elemente im Studium der Sozialwissenschaften enthalten sind, haben Lehrkräfte in Baden-Württemberg nur Kenntnisse in Politik oder Wirtschaft – wenn sie nicht beide Fächer studiert haben. Natürlich gebe es, so Beschorner, noch die Möglichkeit, Berufsschullehrer mit dem Wirtschaftsunterricht zu betrauen. Doch auch sie würden nicht über das notwendige Kombinationswissen verfügen, um den Facettenreichtum unterrichtlich aufzubereiten. Für Beschorner entsteht daher die Frage: Wer soll das Fach unterrichten? Eine Angelegenheit, die auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) umtreibt. Einseitiges Unterrichtsmaterial Dass die Lehrerausbildung an den Universitäten diese neuen Schwerpunktsetzungen ins Visier nimmt und die Studiengänge dahingehend reformiert werden, dürfte noch auf sich warten lassen. Doch vor allem für Pädagogen, die bereits im Schuldienst tätig sind, heißt es aus Beschorners Sicht: „Lehrerinnen und Lehrer müssen sich einiges an ökonomischen Fachkompetenzen aneignen.“ Dabei stehen sie vor großen Hürden. Der Schulbuchmarkt fürs Fach "Wirtschaft" ist noch stark ausbaufähig, und in den vorliegenden Veröffentlichungen macht sich das Problem bemerkbar, dass zum Großteil keine sozialwissenschaftliche Einbettung stattfindet. Mittlerweile gibt es viele Angebote im Internet. Zum Nulltarif geben Stiftungen und Initiativen Unterrichtsmaterialien heraus, die im Unterricht verwendet werden dürfen. Darauf greifen Lehrer natürlich gerne zurück. Vor einer unkritischen Inanspruchnahme warnt Beschorner aber ausdrücklich. Denn die Materialien ignorieren nicht selten Aspekte, die für die jeweils vertretene Position missbillig sind. Aufgabe der Lehrer ist es in solchen Fällen, im Sinne des Kontroversitätsgebotes Material zu ergänzen, das den Schülern eine kritische und umfassende Urteilsbildung ermöglicht. In der Konsequenz bedeute das, so Beschorner, neben Material der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft etwa auch solches der globalisierungskritischen Nichtregierungsorganisation Attac in den Unterricht einfließen zu lassen. „Ökonomische Bildung ist ein wichtiges Thema für die Gesellschaft, aber es hängt davon ab, welche Art von Wirtschaft unterrichtet wird“, so Beschorner. Die Grundstrukturen für das Fach Wirtschaft erweisen sich jedenfalls als ungünstig. Bestenfalls oberflächlich ausgebildete Lehrer sollen mit oftmals einseitigem Unterrichtsmaterial einen kontroversen Wirtschaftsunterricht gestalten. Ob damit das Ziel, Schülern zu ökonomischer Mündigkeit zu verhelfen, erfüllt wird, darf angezweifelt werden.

von <a href="https://blogs.faz.net/blogseminar/author/annkatringehrmann/">Ann-Katrin Gehrmann</a> erschienen in Blogseminar ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/blogseminar/was-gegen-wirtschaft-im-unterricht-spricht/feed/ 19
3:0 im Stechen – Carlsen bleibt Weltmeister https://blogs.faz.net/schachblog/?p=1623 https://blogs.faz.net/schachblog/?p=1623#comments Wed, 28 Nov 2018 16:57:33 +0100 Stefan Löffler https://blogs.faz.net/schachblog/2018/11/28/liveticker-zum-stechen-seit-16-uhr-1623/ Hier habe ich vom Stechen getickert.... Mehr

von Stefan Löffler erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

Berührt, geführt

]]>
Hier habe ich vom Stechen getickert.

von <a href="https://blogs.faz.net/schachblog/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Berührt, geführt ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/schachblog/2018/11/28/liveticker-zum-stechen-seit-16-uhr-1623/feed/ 0
Wenn’s im Kessel pfeift – die Auflösung unseres Herbsträtsels http://blogs.faz.net/planckton/?p=1782 http://blogs.faz.net/planckton/?p=1782#comments Sat, 10 Nov 2018 10:42:38 +0100 Jochen Reinecke https://blogs.faz.net/planckton/2018/11/10/wenns-im-kessel-pfeift-die-aufloesung-unseres-herbstraetsels-1782/ „Das war eine harte Nuss!“, „schwierig wie selten“, „vielen Dank für das Gehirnjogging, jetzt bin ich richtig verunsichert“, „kompliziert und kniffelig“ – so und ähnlich... Mehr

von Jochen Reinecke erschienen in Planckton ein Blog von FAZ.NET.

Planckton

]]>
von <a href="https://blogs.faz.net/planckton/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Planckton ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/planckton/2018/11/10/wenns-im-kessel-pfeift-die-aufloesung-unseres-herbstraetsels-1782/feed/ 0
Das war die Messe http://blogs.faz.net/buchmesse/?p=1839 http://blogs.faz.net/buchmesse/?p=1839#comments Sun, 14 Oct 2018 14:02:05 +0200 Andrea Diener https://blogs.faz.net/buchmesse/2018/10/14/das-war-die-messe-1839/ Leserschwund und Bastellösungen: Die Buchmesse wurde bestimmt von Hilflosigkeit angesichts der sinkenden Verkaufszahlen, aber die Stimmung war interessanterweise trotzdem gut. Mehr

von Andrea Diener erschienen in Literaturblog ein Blog von FAZ.NET.

Literaturblog

]]>
Leserflut am Messesamstag[/caption] Die Messe ist, wie wir jedes Jahr an dieser Stelle zuverlässig kalauern, wieder einmal gelesen. Und im Gegensatz zu den meisten davor hatte sie ein bestimmendes Thema: Die Leserschwundstudie, die alarmierende Zahlen über die Buchbenutzung zumindest im deutschsprachigen Raum erkennen lässt und die Hilflosigkeit der Verlage angesichts eines augenscheinlich wegbrechenden Geschäftsmodells. Was tun? Man weiß es nicht, testet aber vorläufig alles, sogar dieses Internet. Und sagt die Messeparty ab. Was die feierwütigen Massen nicht wirklich interessiert, denn die stellen sich einfach mit einem Getränk irgendwohin. Die Rowohlt-Party fehlte, aber dann wurde es zunehmend egal. Im Literaturhaus bekam man ohnehin immer und egal wann man auftauchte eine Flasche Bier, was wirklich nicht das Schlechteste ist, was man über eine Kulturinstitution sagen kann, die in einem etwas übertriebenen Marmorschlösschen haust. Außerdem wurde ein Haufen Preise verliehen, und man bekam viele Bilder von glücklichen Autoren zu sehen. Dass der wichtigste Preis diesmal wegen Zank in der Jury nicht verliehen wurde, riss auch keine große Lücke. Man bastelte eine Zwischenlösung. Vielleicht war es überhaupt die Messe der gebastelten Zwischenlösungen, und die funktionierten ja alle ganz gut. Zeit also, sich darauf zu besinnen, dass es gar nicht viel braucht, keine großen Rahmen, keine Repräsentationen. Eine Flasche Bier wäre halt gut, aber zur Not geht eben jemand zum Kiosk. Wir bedanken uns für Ihr Interesse, wünschen ein gutes Lektürejahr, was angesichts der vielen starken Neuerscheinungen kein Problem darstellen dürfte, und lesen uns im nächsten Jahr wieder!

von <a href="https://blogs.faz.net/buchmesse/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Literaturblog ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/buchmesse/2018/10/14/das-war-die-messe-1839/feed/ 2
Das dressierte Pferd – Wie weit darf der Sport gehen? http://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=635 http://blogs.faz.net/platzfuertiere/?p=635#comments Sun, 14 Oct 2018 09:59:44 +0200 Henrike Schirmacher https://blogs.faz.net/platzfuertiere/2018/10/14/das-dressierte-pferd-wie-weit-darf-der-sport-gehen-635/ Stute Bella Rose tänzelt leichtfüßig wie ein Topmodel. Westernpferde geben Vollgas, um kurz darauf abzubremsen. Erfog im Reitsport, wird mit einer innigen Beziehung zwischen Tier und Mensch begründet. Das hört sich schöner an, als es vermutlich ist. Mehr

von Henrike Schirmacher erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von FAZ.NET.

Der Platz für Tiere

]]>
Landauf, landab finden Reitturniere statt. Die Jury beäugt Ross und Reiter.[/caption] Weitaus rebellischer als in der Dressur oder beim Springreiten geht es an ganz anderer, nicht so prominenter Stelle im Kosmos des Reitens zu, ohne Gerte und schwarze Reiterstiefel. Wer freilich kein ausgewiesener Pferdenarr ist, bekommt vom so genannten Westernreiten kaum etwas mit. Der Reitstil der Cowboys ist weder olympische Disziplin, noch genießt er sonderlich hohes Ansehen unter Kollegen der klassischen Kür. Auch ich bringe lediglich den Vorspann zur US-amerikanischen Westernserie „Bonanza“ damit in Verbindung. Die Wiederholungen des in den 1960ern gedrehten Vorabendprogramms liefen, als ich klein war, bei meinen Großeltern über die Mattscheibe. Markant ins Gedächtnis eingebrannt hat sich mir allerdings mehr die Titelmusik als die im Western-Style wild und freizügig gerittenen Pferde. Nun denn, eine genauere Recherche zeigt: Landauf, landab treten Cowboys und -girls regelmäßig gegeneinander an, beispielsweise zur hessischen Landesmeisterschaft auf der Freestyle Ranch in Erbach. Dort hängen meist Westerngirls, je nach Talent mehr oder weniger lässig, im Sattel und halten nur eine Hand locker am Zügel. Mit der anderen ließe sich rein theoretisch noch ein Lasso schwingen. [caption id="attachment_632" align="alignnone" width="580"] Die Wettkämpfer in der Disziplin "Reining" galoppieren im Zirkel.[/caption] [caption id="attachment_630" align="alignnone" width="578"] Wer's mag, glitzert.[/caption] Die Turnierteilnehmer unterliegen wie ihre Kollegen in den klassischen Reitsportarten einem Dress Code. Doch ist dieser  weniger streng und züchtig als in der von englischer Etikette geprägten Dressur.  Angesagt sind hier eher grobe Westernboots, Cowboyhüte, fransige Leder-Chinks - das sind bis knapp unters Knie reichende gesäßfreie Beinkleider, und – wie ich finde – geschmacklose, paillettenbesetzte Gürtel mit glitzernder Schnalle. Ich verfolge die Choreographie von Pferd und Reiterin in der Disziplin „Reining“, einer Art Dressur der Westernreiter. Am meisten beeindruckt mich der „Sliding Stop“ in der Kür. Im Galopp bremst das Pferd abrupt mit den Hinterbeinen und kommt leicht aufgebäumt fast sitzend zum Stillstand. Das sieht brutal aus. Aber die Western-Pferde wirken kompakter, eher wie rechteckige Ackergäule. Die Reiter, zumindest würde ich als mit der Disziplin nicht so vertrauter Beobachter das so beschreiben, wippen rhythmisch im Takt. Ich stelle mir die hochbegabte, anbetungswürdige Bella Rose, die feingliedrig wie ein Topmodel in einer Art Schwebezustand durch das Viereck tanzt, vor. Sie würde sich beim Sliding Stop vermutlich die Haxen brechen. Was mit Isabell Werth passieren würde, weiß ich nicht. Vermutlich fühlt sich für die weltbeste Dressurreiterin jede Disziplin auf dem Rücken ihres Lieblingspferdes, das nach ihren Worten „nur das Beste aller ihrer bisherigen Pferde bündelt“, wie ein Heimspiel an.     [caption id="attachment_634" align="alignnone" width="573"] "Sliding Stop": Der Gaul kommt schlitternd zum Stehen.[/caption] Wieviel Mühe muss jemand, der solche Spitzenpferde im Kader hat, eigentlich noch in die Ausbildung der Tiere investieren? Spätestens seit Berichten zu vermeintlich tierschutzwidrigen Trainingsmethoden wie der Rollkur, die der berühmte Dressurhengst Totilas vor einigen Jahren angeblich über sich ergehen lassen musste, ist die Ausbildung der Pferde im Spitzensport ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Folglich ist Isabell Werth nach ihrem Sieg bei den Weltreiterspielen auch ein gerne geladener Gast in Talkrunden, kürzlich bei Markus Lanz. In der illustren Runde scherzt der Moderator: „Die Pferde, die ich kenne, laufen anders.“ „Die Ausbildung eines Pferdes ist wie Kindererziehung. Das braucht Zeit.“, erwidert die Dressurreiterin harmlos. Etwas unverblümter formuliert, Zuckerbrot und Peitsche, denke ich. Mir wird sofort klar, was der Moderator im Schilde führt. Er will der Reiterin martialischere Formulierungen wie „Gerte“ und „Druck machen“ entlocken, die schon wenig später auch von Werth benutzt werden. Welches Pferd würde schon freiwillig seitwärts im Viereck traben oder galoppieren? Die Quittung bekommt Isabell Werth nach der Sendung via Twitter hinterhergerufen. „Ich kann diese Pferdesportler nicht ab“, entrüstet sich einer. Diese sollten doch „mal selber so tanzen und über Holzstangen hüpfen“. Ein anderer bekommt „das Kotzen“, wenn er Werth erzählen hört wie sie die Gerte einsetzt, um dem Pferd Beine zu machen. Ich werde nicht so ganz schlau aus der Sache. Aber der Verdacht, dass in diesem so streng reglementierten und auf Formen achtenden Sport keinerlei aufmüpfiges Verhalten des Pferdes geduldet wird, liegt auf der Hand. Wie um ihre Seele reinzuwaschen, ordnet denn auch die weltbeste Dressurreiterin in ihren Antworten, ähnlich, wie es Besitzer von Haustieren gerne tun, ihren Pferden menschliche Wesenszüge zu, die ihre innige Beziehung zu den Tieren unterstreichen sollen. Sie erzählt vom „neidischen“ Pferd, das ihr mit wütenden Hufhieben gegen die Tür signalisiert, komm rüber zu mir und steh nicht so lange an der anderen Box. Sie berichtet von Verzweiflungstaten, die sie begehen würde, sofern diese die Lösung für Probleme mit einem Pferd lieferten. Sie würde am Ende gar nackig nachts um den Kirchturm laufen. Jede Extremsportart hat ihre Tücken.  Ein kaum überwindbarer Konflikt, mit dem sich auch die Reitsport-Gemeinde wohl oder übel immer wieder wird auseinandersetzen müssen. Nur beim Westernreiten in Erbach scheint die Welt noch in Ordnung. Dort bleiben die Pferdenarren unter sich.    

von <a href="https://blogs.faz.net/platzfuertiere/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Der Platz für Tiere ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/platzfuertiere/2018/10/14/das-dressierte-pferd-wie-weit-darf-der-sport-gehen-635/feed/ 4
Breitwand, durch den Türspalt gesehen http://blogs.faz.net/filmfestival/?p=1329 http://blogs.faz.net/filmfestival/?p=1329#comments Fri, 07 Sep 2018 13:08:08 +0200 Dietmar Dath https://blogs.faz.net/filmfestival/2018/09/07/breitwand-durch-den-tuerspalt-gesehen-1329/ Die coolste Show (was nicht heißt: der beste Film, gute Filme sind ja noch mehr und anderes als Show) des Festivals hat die Volksrepublik China vorbeigeschickt, schön, schwer, scheppernd und... Mehr

von Dietmar Dath erschienen in Filmfestival ein Blog von FAZ.NET.

Filmfestival

]]>
Zhang Yimou (links), der Fachmann für geschmackvoll Übertriebenes, mit den Schauspielern Guan Xiaotong und Kai Zheng bei der Pressevorführung von "Ying"[/caption] Die coolste Show (was nicht heißt: der beste Film, gute Filme sind ja noch mehr und anderes als Show) des Festivals hat die Volksrepublik China vorbeigeschickt, schön, schwer, scheppernd und blutig. Es hat sogar der Allerbesten gefallen, die neben mir saß und sonst ja eigentlich nicht dauernd rotes Zeug im Film rumspritzen sehen muss, um sich unterhalten zu fühlen. Aber bei „Ying“, möglicher deutscher Titel: „Schatten“, vom Fachmann für geschmackvoll Übertriebenes Zhang Yimou, wird vor perfekt aufeinander abgestimmten schwarzen, weißen und allenfalls grauen Hintergründen im kühlen Dauerregen um die zu erobernde altchinesische Stadt, die Pläne des Königs, Doppelgängerrätsel, Verrat, den Konkubinenstatus der Königsschwester und das beste Solo auf der Laute gekämpft, dass es nur so ratscht und rasselt, inklusive Regenschirm aus Messern, und die gefährlichsten Blicke werden nicht auf dem Schlachtfeld getauscht, sondern dringen durch Türspaltöffnungen  und betreffen Geheimnisse eher intimer als militärischer Art, von denen letztlich alles abhängt. Was will man denn sonst noch, als Ausblick darauf, wie das Blockbusterkino aussehen wird, wenn die lieben Chinesen nach dem nächsten großen echten Krieg (oder vielleicht bevorzugterweise: stattdessen) die Weltherrschaft übernehmen? Nichts will man sonst noch, ist doch perfekt. Das Festival selber war natürlich nicht perfekt, aber voll genug mit solchen Momenten, auch kleineren, zum Beispiel bei den Kurzfilmen – wann, wenn nicht auf Festivals, kriegt man denn heute noch Kurzfilme zu sehen? Und wo kommen die guten her, wenn nicht abermals aus China, wie zum Beispiel „Na Li“ (ungefähr: "Da unten") von Yang Zhengfan, der einfachsten Idee überhaupt: Eine Hausaußenwand mit erleuchteten Fenstern, in einem Raum spielt ein Kind mit Seifenblasen, in einem anderen steigt eine Party, draußen ist es dunkel, dann schreit wer und wir belauschen Leute, die sich darüber unterhalten, ob man nachsehen soll, was unten passiert, oder die Polizei rufen, oder lieber nicht, wir müssen ja morgen alle früh raus. Die reine Wahrheit über Städte von China bis Amerika oder Europa also, und keine ganz angenehme, aber eben deshalb: Spitzenfilm, elf Minuten, alles klar. Nicht so toll, aber im Wettbewerb: „Capri-Revolution“ von Mario Martone, eine endlose Hippie-Nackthopserei mit historischem Kostümkram, in der ein Malerjesus einer Ziegenhirtin das Fliegen beibringt, hoffentlich kommt das bald ins deutsche Kino, damit man es nicht besprechen und auch sonst komplett ignorieren kann, vielleicht reicht das als kleine Strafe für Herrn Martone. Bestraft wurde auch der Schwachsinnige, der nach der Pressevorführung von Jennifer Kents „Nightingale“, einer auf historischen Recherchen beruhenden Vergewaltigungs- und Rache-Geschichte aus dem kolonialen Australien, als die strafgefangenen Weißen dort sozial unter den Militärs, aber über den Ureinwohnern standen, bei der Einblendung des Namens der Regisseurin laut auf italienisch „Hure“ in den Saal gebrüllt hat. „Nightingale“ ist nicht nur ein Film von einer Frau, der einzige im Wettbewerb, sondern über Unrecht, das an Frauen  begangen wurde, aber das hinderte den Idioten nicht daran, als sein Name bekannt wurde, im Internet zu erklären, es sei zwar ein Wutausbruch gewesen, den er jetzt bedaure, er habe es aber doch nicht frauenfeindlich gemeint (man will nicht mal wissen, wie er das im Hirn zusammengekocht hat oder was er, wenn nicht das Wort „Hure“, das die Frauenhasser im Film mehrfach gebrauchen, um ihren Status gegenüber der Hauptfigur zu befestigen,  wohl gerufen hätte, wenn der Film von einem Mann gedreht worden wäre). Die Akkreditierung hat man ihm entzogen, seine Erklärung, er habe doch nur „Buh!“ rufen wollen und dann stattdessen eine „übertriebene“ Alternative gewählt, weil ihm nicht ganz klar gewesen sei, dass er sich nicht in geselliger Runde mit seinen Kumpels (die man auch nicht kennenlernen will) befunden habe, hat ihn nicht davor bewahrt, jetzt woanders nach Gelegenheiten zu suchen, die politischen Botschaften von Filmen durch sein Verhalten zu bestätigen (vielleicht geht er ja jetzt in irgendein Multiplexkino und schreit rassistisches Zeug während „Black Panther“). Weniger Schönes und Schönes, so sind Festivals zusammengesetzt, genau wie im Leben oder wie das heißt. Na gut, Bilänzchen, die diesjöhrigen Löwen-Ahnungen: Wird wohl gewinnen (und soll‘s ruhig): „Roma“ von Alfonso Cuarón, wer sonst kann persönliche und historische Geschichten dermaßen nahtlos miteinander verfugen? Sollte gewinnen (wird‘s aber vielleicht sogar): „Nuestro Tiempo“ von Carlos Reygadas, alle Kunstmittel des Films für alle Gefühlswirklichkeiten der Liebe, das ist schon was. Könnte gewinnen (ist der Jury aber wohl zu finster witzig): „The Favourite“ von Giorgos Lanthimos, Kammerkillerkomödie zwischen drei Frauen. Gewinner der (offenen, noch schlagenden, sehr grusligen) Herzen: „Suspiria“  von Luca Guadagnino. Ich würde mich für das Original ja mit jedem prügeln, aber nicht mit Guadagnino, der hat es nämlich verstanden und einleuchtend neu ausgelegt. Sonderpreis für ein Popkonzert, das irgendwie ein Film war oder umgekehrt: „Vox Lux“ von Brady Corbet, hat zwar einige Schwächen und fällt zum Schluss leicht ab, aber wer will Natalie Portman nicht als seltsame Legierung von Taylor Swift, Miley Cyrus und Sia erleben? Weiß nicht, wer. Ich schon. Ach so, eins noch: Wahrscheinlich kommt alles ganz anders, im Urteilsvermögen der Jury fällt plötzlich der Strom aus und Florian Henckel von Donnersmarck kriegt sämtliche Ehren für sein enormes Monumentum „Werk ohne Autor“, weil: Dieses Opus ist für die Kunst und gegen Hitler, ein mutiges, ungewöhnliches Statement, wie man es nicht alle Tage sieht oder was. Mehr Zeug dieser Art dann garantiert im nächsten Jahr, herzlichen Glückwunsch!

von <a href="https://blogs.faz.net/filmfestival/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Filmfestival ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/filmfestival/2018/09/07/breitwand-durch-den-tuerspalt-gesehen-1329/feed/ 0
53. Lesung: Abschied, nicht nur von New York http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1405 http://blogs.faz.net/cresspahl/?p=1405#comments Sat, 25 Aug 2018 08:46:35 +0200 Birte Förster https://blogs.faz.net/cresspahl/2018/08/25/53-lesung-abschied-nicht-nur-von-new-york-1405/ „Endlich sind wir angekommen, wo meine Erinnerung Bescheid weiß,“ sagt Marie am Ende des letzten South-Ferry-Tages. Am 17. August 1968 ist die Vergangenheit ihrer Mutter dann auch die eigene,... Mehr

von Birte Förster erschienen in Die Woche mit Frau Cresspahl ein Blog von FAZ.NET.

Die Woche mit Frau Cresspahl

]]>
„Endlich sind wir angekommen, wo meine Erinnerung Bescheid weiß,“ sagt Marie am Ende des letzten South-Ferry-Tages. Am 17. August 1968 ist die Vergangenheit ihrer Mutter dann auch die eigene, wenn die Rede von beider Ankunft in New York im Jahr 1961 ist. Am 19. August 1968 rasen Johnson und seine Hauptfigur durch die Nachrichten, die in sechs Jahren New York prägend waren, dann brechen Marie und Gesine Cresspahl über Kopenhagen nach Prag auf, wo sie am „Last and Final“-Jahrestag den alten Lehrer Kliefoth treffen. Die letzte Wochenlektüre ist nur noch eine halbe.

***

Darum ging es in diesem Blog Bibliographie zum Blog

***

Ein Wiedersehen (20. August 1968) Anita Gantlik hat es arrangiert, dass Marie und Gesine Cresspahl auf dem Weg nach Prag in Klampenborg bei Kopenhagen Halt machen. Dort treffen sie nicht die Freundin, sondern einen alten Bekannten.

„Der Herr steht auf der Terrasse, geschrumpft, eigenwillig aufrecht, schwarzweiß gekleidet, unter schlohweißen Haaren, mit erhobenen Armen kostet er den Empfang aus, der seine Bewegung verbergen will.“

[caption id="attachment_1422" align="aligncenter" width="474"] Bellevue Strand, Klampenborg[/caption] Es ist Julius Kliefoth, Gesines ehemaliger Lehrer „für Englisch und Anstand“, der in England studiert hat, ihren Studienwunsch unterstützte und bei dem sie im Sommer 1952 das (in ihrer Sicht) dritte Abitur, das gelten soll, abgelegt hat (neben den eigentlichen Prüfungen und dem Prozess gegen Dieter Lockenvitz). Anita hat ihm eine Reisererlaubnis besorgt und ihn an der dänischen Küste „eingemietet für zehn Tage“. Nach Gesines Ausreise hat Jakob Kliefoth fünfmal im Jahr besucht: „Ihr Vater war ein verläßlicher, ein fürsorglicher Mann, verehrtes junges Fräulein Cresspahl.“ In dieser Begegnung fallen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen, kann Marie von einem anderen als von ihrer Mutter etwas über den Vater erfahren. Ausgerechnet bei Kliefoth, der bereits Vorkehrungen für seinen Tod getroffen hat, hinterlässt Gesine die 1875 Seiten Aufzeichnungen „wie es uns ergeht“. Beim Abschied bittet Kliefoth Marie

„– Will you take care of my friend who is your mother and Mrs. Cresspahl?“ – Ich verspreche es, Herr Kliefoth. Meine Mutter und ich, wir sind befreundet.“

Gesine Cresspahl verspricht ihm, nach der Ankunft in Prag anzurufen. Wie Norbert Mecklenburg im Nachwort zum Romanfragment „Heute Neunzig Jahr“ anmerkt, das die Geschichte Heinrich Cresspahls von 1888 bis 1947 erzählt, lässt Johnson die Leser*innen vollkommen im Unklaren darüber, was mit Marie und Gesine Cresspahl passieren wird, wenn sie gleichzeitig mit den Truppen des Warschauer Paktes in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 in Prag ankommen. Ihre Geschichte wird nicht weitererzählt, sie endet an einem Strand in Dänemark.   Mein Jahr mit Frau Cresspahl [caption id="attachment_1424" align="alignright" width="213"] Uwe Johnson, 1971.[/caption] Unter den Leser*innen von Uwe Johnson gibt es zuweilen Debatten darüber, was der wichtigste Satz in diesem Romanwerk ist. Für mich ist es ein Satz, der am 7. Februar 1968 fällt: „Damit du nicht raten mußt, so wie ich.“ Gesine Cresspahl sagt ihn zu ihrer Tochter Marie, und mir scheint er aus drei Gründen besonders wichtig. Einmal nennt er den Grund für das Gespräch zwischen Mutter und Tochter über die Jerichower Vergangenheit und damit für den Roman oder das Gesprächsprotokoll des Genossen Schriftsteller. Dann sagt er etwas über das Verhältnis der Hauptfigur zu ihren Eltern aus, denn beide lassen sie raten. Schließlich ist er Ausdruck ihrer Fürsorge für die Tochter, denn die soll eben nicht raten müssen. Nach einem Jahr Lektüre bleiben für mich vor allem die vielen Lesarten des Romans, seine ganz unterschiedlichen Erzählweisen, die Formen der Geschichtserzählungen, auf die man immer wieder trifft. Virginia Woolf hat einmal über den Roman "Middlemarch" von George Eliot gesagt, er sei ein Buch für Erwachsene. Gleiches gilt für die „Jahrestage“ – für mich ein Werk radikaler Offenheit und Komplexitätsbejahung, das Fragen stellt, vor allem aber Raum für Fragen öffnet und seinen Leser*innen viel zumutet, aber eben auch viel zutraut. Der Roman ist darüber hinaus wohl einer, dessen Lektüre nicht zu Ende geht, auch wenn man bei der letzten Seite angelangt ist. Über Uwe Johnsons Roman „Jahrestage“ zu schreiben hat nicht nur Augen, sondern auch Türen geöffnet. Zum Schluss möchte ich dafür danken: Uwe Ebbinghaus für sein Redigat, für ihr stetes Interesse und vielerlei Ermutigung: Patrick Bahners, Christina Dongowski, Hanne Einloft-Achenbach, Holger Helbig, Hedwig Richter und Rupert Levi Scheuermann. Vor allem aber danke ich all jenen, die ein Jahr lang diesen Blog als Leserinnen und Leser sowie mit Kommentaren hier, auf Twitter und per E-Mail, begleitet und die Treue gehalten haben. Die mir von ihren Johnson-Lektüren erzählt haben. Es hat mich mehr gefreut, als diese Zeilen zu sagen vermögen. Das letzte Wort kann natürlich nur einer haben:

„Beim Gehen an der See gerieten wir ins Wasser. Rasselnde Kiesel um die Knöchel. Wir hielten einander an den Händen: ein Kind; ein Mann unterwegs an den Ort wo die Toten sind; und sie, das Kind das ich war.“

***

Literatur: Norbert Mecklenburg, Nachwort zu: Uwe Johnson. Heute Neunzig Jahr, Frankfurt am Main 1996, S. 129-142.

von <a href="https://blogs.faz.net/cresspahl/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Die Woche mit Frau Cresspahl ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/cresspahl/2018/08/25/53-lesung-abschied-nicht-nur-von-new-york-1405/feed/ 14
Die Digital-Charta ist zurück und sie will noch immer Verfassung sein http://blogs.faz.net/wort/?p=547 http://blogs.faz.net/wort/?p=547#comments Tue, 24 Apr 2018 13:00:47 +0200 Hendrik Wieduwilt https://blogs.faz.net/wort/2018/04/24/die-digital-charta-ist-zurueck-und-sie-will-noch-immer-verfassung-sein-547/ Die Zeit-Stiftung will am Mittwoch die nächste Version ihrer “Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union” veröffentlichen. Darüber spricht dann unter anderem auch die... Mehr

von Hendrik Wieduwilt erschienen in Das letzte Wort ein Blog von FAZ.NET.

Das letzte Wort

]]>
Die Zeit-Stiftung will am Mittwoch die nächste Version ihrer “Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union” veröffentlichen. Darüber spricht dann unter anderem auch die Bundesjustizministerin Katarina Barley. Mir liegt ein aktualisierter Text vom 21. Dezember (PDF) vor und um den soll es offenbar gehen, das teilen jedenfalls mehrere mit dem Thema vertraute Personen mit. Aus dem öffentlichen Diskussionsprozess ist wohl irgendwann ein nichtöffentlicher geworden, denn auf dem offiziösen Internetauftritt steht noch die alte Variante. Die Autoren haben manche der umstrittensten Passagen entschärft - so etwa den von allen Seiten nahezu einhellig verdammten Artikel 5, der aus Sozialen Netzwerken Totalüberwacher gemacht hätte. Harmlos ist das Projekt allerdings noch immer nicht, sieht man sich die Präambel und die einzelnen Artikel näher an - und das lohnt sich, immerhin wurde die Idee einer Digitalcharta inzwischen durch eine Erwähnung im Koalitionsvertrag geadelt. Was ist die “Digital-Charta”? Die Digital-Charta ist ein mit umfangreichen Presseanzeigen beworbenes Projekt der “Zeit-Stiftung”, maßgeblich unterstützt durch den früheren EP-Präsidenten und SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz und propagiert von Promis, darunter Heinz Bude, Juli Zeh, Johnny Haeusler, Ulrich Wilhelm, Christoph Keese, Jeanette Hofmann, Sascha Lobo und Rebecca Casati. Es war von Anfang an auf eine Änderung der EU-Verfassung ausgelegt. Manche der Artikel propagierten eine Art Netzwerkdurchsetzungsgesetz auf Steroiden: Internetanbieter sollten praktisch jedes Ungemach im Keim ersticken: “Digitale Hetze, Mobbing sowie Aktivitäten, die geeignet sind, den Ruf oder die Unversehrtheit einer Person ernsthaft zu gefährden, sind zu verhindern”, hieß es in der wohl meistkritisierten und nun gestrichenen Passage. Unklar blieb, warum die Promis, Politologen und mit ins Boot geholten Staatsrechtler den Text in Form einer Verfassung gegossen haben, denn diesem Anspruch wurde die Charta an keiner Stelle gerecht. (Details dazu auch auf diesem Blog.) So richtig wissen die Organisatoren wohl noch immer nicht, was sie sein wollen: Das Papier beschreibt sich mal als "Entwurf einer Digital-Charta" (siehe Präambel), mal als "politisches Manifest in Gestalt eines gesetzesähnlichen Textes". Auch der Inhalt ist weiterhin diffus: "Vorschläge für neue Grundrechte" sollen es sein, die in ein "bindendes Grundrechte-Dokument" münden - dann wieder ist die Rede von "Stärkung und Konkretisierung bestehender Grundrechte", was ja gerade nicht nach neuen Rechten klingt. Wo es grad passt, ist wiederum von "geistigen und materiellen Interessen" die Rede, das meint dann wohl die hinter manchem Paragrafen stehende Kreativindustrie. An anderer Stelle geht es dann um "Rechte und Prinzipien", worunter man nun wieder alles und nichts verstehen kann. Zwischenergebnis: Auch bei dieser Version der Charta hat kein Jurist oder gar Staatsrechtler die Schlussredaktion übernommen. Peinliche Paragrafen-Scharade Tatsächlich setzt die "Charta" damit ihre peinliche Paragrafen-Scharade fort: Sie möchte Gesetz sein, weil es sexy klingt und mehr Bumms hat als ein bloßes Thesenpapier - obwohl sie mehr nicht ist. Aufgeplustert beginnt das Werk mit einer bizarren Präambel, in der in Kapitalen geschrieben steht, was "WIR, DIE AUTORINNEN UND AUTOREN" über dies und jenes denken. Die prätentiöse Einleitung wirkt ein wenig wie ein 6jähriger, der sich als "König" zum Karneval einen falschen Hermelinpelz überwirft und huldvoll seine neuesten "Dekrete" von einer Haushaltsrolle abliest. So viel Zeremoniell erlaubt sich nicht einmal die heutige EU-Grundrechtecharta - die beginnt recht trocken und ohne Glamour für die Verfasser. Das Grundgesetz hat auch eine Präambel, dort geht es aber erst einmal um Gott, dann um das deutsche Volk, aber nicht die Verfasser - und sie hält sich kürzer als das lange Intro der Charta-Autoren. Die Charta ist damit quasi das Instagram-Selfie unter den Verfassungen. [caption id="attachment_550" align="aligncenter" width="711"] Präambel der Charta. Spüren Sie die Grandeur?[/caption] Immerhin: Es ist nicht länger verharmlosend die Rede von "einer Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern" - zu den Initiatoren des Textes gehörte immerhin ein gewisser Martin Schulz (SPD) und Springerlobbyist Christoph Keese, also keineswegs Menschen aus der uneigennützig tätigen Zivilgesellschaft. Inhaltlich geht es letztlich um einige fromme Wünsche, überwiegend längst bekannte und debattierte Plattitüden, aber bisweilen auch eher haarsträubende Kulturdiktate. Pluralität per Dekret: Artikel 12 Gefährlich bleibt es in Artikel 12, dort ist weiterhin die Forderung nach zwingendem Pluralismus in sozialen Netzwerken enthalten: "In der digitalen Welt sind Pluralität und kulturelle Vielfalt zu fördern". Das klingt nach dem Wunsch der Bundesjustizministerin Katarina Barley, die Facebook und Co. zwingen will, den Nutzern mehr Gender-Themen zu zeigen. Der Staat würde so zum Weltverleger, zur ganz großen Brille, durch die jeder Nutzer der digitalen Welt künftig blicken muss. Auch Artikel 4 (ehemals Artikel 5) zur Meinungsfreiheit ist in diesem Geist geschrieben: Dieses "Grundrecht" ist eigentlich eine Grundpflicht, denn Betreiber von Plattformen im Internet ("Betreiber öffentlicher Diskursräume") sollen die Beachtung der Grundrechtecharta gewährleisten. Es handelt sich also um eine Art Regulierung im schmeichelhaften Gewand eines Grundrechts. Harmloser, aber wohl etwas redundant sind Sätze wie “Netzneutralität ist diskriminierungsfrei zu gewährleisten” (Art. 11). Ist denn eine diskriminierende Netzneutralität überhaupt neutral? Personenbezogene Daten sollen “nur nach Treu und Glauben” erhoben und verarbeitet werden (Art. 7), was die Autoren aus der bald in Kraft tretenden Datenschutzgrundverordnung abgeschrieben haben. Inwieweit der Art. 7 gegenüber dieser gewaltigen Reform nun ein Fortschritt ist, bleibt rätselhaft - allerdings schwächelten die Initiatoren beim Thema Datenschutz auf ihrer eigenen Seite kürzlich noch derart, dass der Datenschutzbeauftragte aus Hamburg sie zu Nachbesserungen ermahnen musste. Es geht wohl einmal mehr um Wohlklang statt Substanz. Weniger Schutz als im Grundgesetz Undeutlich bleibt Artikel 16: "Im digitalen Zeitalter ist effektiver Arbeitsschutz und Koalitionsfreiheit zu gewährleisten." Hier möchte man fragen: Jetzt erst? Vorher nicht? Artikel 9 unseres bestehenden Grundgesetzes zu lesen kam den Autoren womöglich nicht in den Sinn. Vielleicht finden sie ihre kürzere Formulierung schlicht besser als die in unserer Verfassung. Die Charta bleibt allerdings hinter dem Grundgesetz zurück. Möchten die Charta-Autoren etwa den Schutz der Arbeitnehmer einschränken? Ähnlich verhält es sich mit der Unverletzlichkeit der Wohnung. Man kann sich ein Grundgesetz übrigens kostenlos bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellen. Staatsgeheimnisse werden abgeschafft Artikel 5 besteht aus allerlei Vorschriften zu "Automatisierten Systemen". Am Ende soll jedenfalls ein Mensch entscheiden - das steht in dem Paragrafen gleich mehrfach, in Bezug auf Entscheidungen "von erheblicher Bedeutung", solche, die "in Grundrechte eingreifen", aber auch bei solchen über Leben und Freiheitsentzug - sind letztere denn nicht von erheblicher Bedeutung und greifen sie etwa nicht in Grundrechte ein? Egal. Artikel 6 schafft quasi im Vorbeigehen sämtliche Staatsgeheimnisse ab. Er gewährleistet uneingeschränkte Transparenz gegenüber jedermann. Ein Vorbehalt soll nur zum Schutz personenbezogener Daten gelten, also nicht etwa aus Gründen der Sicherheit, der Außenpolitik oder was das Informationsfreiheitsgesetz sonst noch an Ausnahmen kennt. Mit einem Schlag sind sämtliche Archive der Ministerien, aber auch von privaten Unternehmen, sofern sie öffentliche Aufgaben wahrnehmen, offen. Gerichte werden überflüssig Der juristisch wohl größte Knaller verbirgt sich in Artikel 17 und ist ein alter Bekannter: Die Charta soll nämlich nicht nur für staatliche Stellen gelten, sondern "die Rechte und Prinzipien" (was immer das ist) auch gegenüber "nichtstaatlichen Akteuren" greifen. "Dabei ist eine Abwägung mit den Grundrechten dieser Akteure vorzunehmen". Wägt man also Prinzipien mit Grundrechten ab? Egal. Der Artikel widerspricht jedenfalls wie schon die Vorgängerversion unserem Grundgesetz. Denn das sieht eine Grundrechtsbindung gemäß dem - unveränderlichen - Artikel 1 Absatz 3 GG grundsätzlich nur für den Staat vor (Ausnahme: Art. 9 GG). Die Rechtsprechung hat dazu eine lediglich mittelbare Grundrechtsbindung entwickelt. Im Aktienrecht debattiert die Fachwelt seit vielen Jahren, ob ein Unternehmen nun den Aktionärsinteressen dient (shareholder value, so steht es derzeit im Gesetz) oder der Allgemeinheit. Man darf davon ausgehen, dass sich die Charta-Autoren auch mit diesen Diskussionen nicht unnötig aufgehalten haben. Noch immer "Freiheitsfressendes Monster"? Den Verfassern dürfte noch immer nicht klar sein - obwohl ihnen dies von vielen Kritikern mehrfach erklärt wurde -, dass eine totale Grundrechtsbindung für alle nicht bedeutet, dass alle automatisch glücklich sind und Regenbögen ausatmen. Es bedeutet vielmehr, dass über jeden einzelnen Streit künftig das Bundesverfassungsgericht urteilen müsste  und man sich die Ausarbeitung einfacher Gesetze sparen könnte. Beispiel: Wenn ich schlecht gelaunt bin und unter diesem Beitrag einen kritischen (aber legalen!) Kommentar löschen möchte, darf ich das. Künftig würde ich damit gegen das Grundrecht des Kommentators verstoßen, an das ich gebunden bin. Um das zu klären, müssten wir nach Karlsruhe gehen - denn einfache Gerichte haben nicht zu (nachkonstitutionellen) Verfassungsfragen zu entscheiden. Also, wie es zur alten Charta der bloggende Anwalt Thomas Stadler formulierte: "(W)er wacht darüber? Diese Rolle wird selbstverständlich der Staat einnehmen. Was das bedeutet ist klar. Die Charta macht ihn zum Leviathan: zum freiheitsfressenden Monster." Die Freiheit nimmt also deutlich ab und nicht zu. Doch was auch immer die Charta-Autoren im Sinn haben, etwa Kollektivierung, Verstaatlichung, neue Staatsmedien oder einfach nur Selbstmarketing - Freiheit für den Einzelnen ist es ganz sicher nicht. Das muss sich jeder vergegenwärtigen, der diese PR-Sause mit seinem Namen unterzeichnet.

von <a href="https://blogs.faz.net/wort/author/fazadmin/">fazadmin</a> erschienen in Das letzte Wort ein Blog von FAZ.NET.

]]>
https://blogs.faz.net/wort/2018/04/24/die-digital-charta-ist-zurueck-und-sie-will-noch-immer-verfassung-sein-547/feed/ 1