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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Rendite mit Bärenfellen

| 3 Lesermeinungen

Eignet sich Kunst als Geldanlage? Vor gut einem Jahrhundert erwirtschaftete ein legendärer Fonds eine überdurchschnittliche Rendite. Auf lange Sicht sehen die Ergebnisse aber weniger attraktiv aus: Bescheidene Renditen verbinden sich mit hohen Preisschwankungen.


Am House of Finance der Frankfurter Goethe-Universität war dieser Tage der mit einem Vortrag über Kunst als langfristige Kapitalanlage zu Gast. Oosterlinck gilt als ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet und wie viele Experten sprach er vor allem über Gemälde als langfristige Geldanlage. Lohnt sich das – gerade in Zeiten niedriger Zinsen?

Was die Zukunft bringt, weiß bekanntlich niemand und so blickte Oosterlinck auf die Vergangenheit. Und hier zitierte er eingangs den vielleicht berühmtesten auf Kunst beruhenden Investmentfonds der Geschichte, der in solchen Darstellung fast stets erwähnt wird. Im Jahre 1904 wurde in Paris ein Fonds namens „Le Peau de l’Ours“ – übersetzt „Bärenfell“ – gegründet.

Das Grundprinzip war einfach. Der Fondsgründer André Level tat sich mit 11 Partnern zusammen und gemeinsam kauften sie mehr als 100 Kunstwerke, darunter Gemälde von Paul Gauguin, Henri Matisse und Pablo Picasso. Die Idee war, die Gemälde nach zehn Jahren wieder zu verkaufen. Jedem Partner wurde eine jährliche Rendite von 3,5 Prozent in Aussicht gestellt. Darüber hinaus gehende Gewinne sollten zu je 20 Prozent an den Fondsgründer Level und an die Künstler und zu 60 Prozent an die elf Partner gehen.

Als die Gemälde im Jahre 1914 auf einer Auktion versteigerten wurden, brachten sie das Vierfache ihres Einstiegspreises. Für die Künstler wie für die Anleger erwies sich „Bärenfell“ als eine Goldgrube. Im Nachhinein kann man sagen, dass Level nicht nur ein Händchen für die Auswahl vielversprechender Gemälde an den Tag legte. Auch das Timing war perfekt, denn kurz nach der Versteigerung brach der Erste Weltkrieg aus, wonach die Preise für Kunst in den Keller rauschten. Der Fonds hatte gerade noch rechtzeitig verkauft.

Aber ist Kunst jenseits dieser Erfolgsgeschichte eine vielversprechende Anlage? Empirische Untersuchungen aus den vergangenen Jahrzehnten wecken begründete Zweifel. So kommt eine empirische Untersuchung für die Jahre 1957 bis 2007 auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 3,97 Prozent , wobei sich hinter dem Durchschnittswert aber erheblich jährliche Schwankungen verbergen.

Eine hohe Volatilität bei einer bescheidenen Rendite ist aber nicht das, was Anleger gerne mögen. Wenn Kunst alleine betrachtet kein attraktives Investment ist, stellt sich die Frage, ob sie sich als Bestandteil einer breit bestreuten Vermögensanlage eignet, indem sie sich sehr gut zu Aktien ergänzt. Die vorhandenen Studien dazu sind allerdings sehr widersprüchlich.  „Kunst ist eine armselige Kapitalanlage“, konzedierte Oosterlinck.

Woran liegt das? Oosterlinck bot mehrere Erklärungen an:

  • Anleger in Kunst erhalten gewöhnlich keine jährlichen Dividendenausschüttungen.
  • Die Anlageobjekte sind sehr heterogen.
  • Der Markt ist trotz der Existenz von Händlern und Auktionshäusern sehr illiquide zum Beispiel im Vergleich zu einer Aktienbörse.
  • Die Transaktionskosten sind hoch; auch ist der Markt intransparent. Ein Ökonom würde von einem sehr ineffizienten Markt sprechen.
  • Es existiert kein theoretisches Modell, auf dessen Basis sich ein „fundamentaler“ Wert berechnen ließe.
  • Kunst ist in gewisser Weise auch ein Konsumgut; sein Nutzen kann auch in der reinen Besitzerfreude und in der Freude des Betrachtens bestehen. Aber auch der Nutzen als Konsumgut ist schwer quantifizierbar.

Immerhin: Oosterlincks Dokoarbeit belegt, dass Kunst in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Verwerfungen hohe Renditen bringen kann, unter anderem, weil sie sich anonym kaufen lässt.In heutigen Zeiten mag der Kunstmarkt von Steuerflüchtlingen und Geldwäschern profitieren. Aber ob sich darauf eine vernünftige Anlagestrategie aufbauen lässt, ist zweifelhaft. Besitzerfreude mag wichtiger sein als Rendite.


3 Lesermeinungen

  1. Rechtliche Risiken
    Der Markt für Kunst leidet sicherlich auch darunter, dass die Anleger hier ziemlich hohe rechtliche Risiken gegenwärtigen müssen. Ganz real ist zum Beispiel die Gefahr, eine Fälschung zu erwerben. Allein Wolfgang Beltracchi hat wohl hunderte von Fake Pictures produziert. Dutzende von Beltracchi-Bildern sollen noch unerkannt in Museen hängen.

    Zweitens ist oft nicht sicher, ob angebotene Kunstwerke von den Vorbesitzern rechtmäßig erworben wurden. Die Nazis haben jüdischen Sammlern Zehntausende von Gemälden, Skulpturen und Antiquitäten geraubt. Bei zahllosen verdächtigen Kunstwerken ist die Provenienz immer noch nicht geklärt. Kein prominenter Sammler aber möchte in der Zeitung lesen, dass er – wissentlich oder unwissentlich – Naziraubkunst gekauft hat.

    Ferner tummeln sich auf dem Kunstmarkt nicht wenige dubiose Berater, die reichen Unternehmern und Erben sachkundige Hilfe beim Aufbau von Kunstsammlungen versprechen. Tatsächlich haben die Advisor vor allem ihr eigenes Wohl im Auge. Hinter dem Rücken ihrer Kunden kassieren sie von Galeristen und Händlern Kickbacks, die oft sieben oder acht Prozent des später gezahlten Kaufpreises betragen, zuweilen aber wohl auch ein Viertel ausmachen können. Ein solcher Berater hat offenbar ein Mitglied des Aldi-Clans geschädigt und verbüßt jetzt eine mehrjährige Haftstrafe.

    Schließlich gibt es auch bei Auktionen verschiedene Möglichkeiten, Einlieferer, Mitbieter und Auktionshäuser übers Ohr zu hauen. All dies ist ja nicht ganz unbekannt. Mehrere europäische Banken wie Berenberg in Hamburg oder die UBS in Zürich, die wohlhabende Kunden einst beim Aufbau von Kunstsammlungen beraten haben, haben sich aus diesem Art Banking zurückgezogen.

    Als gutbetuchter Sammler in spe würde ich nicht wissen, wem man da noch trauen kann. Und es dann lieber bleiben lassen.

  2. Errata
    …liegen lässt .So lässt …

  3. Bärenfell und Bärenfang :Einige bemerkenswerte Vorgänge
    oder Belehrungen aus was geschehen ist,und wie es geschehen ist,
    oder nichts bleibt wo es sein sollte ,und nichts wie es sein sollte ,aber…
    doch so könnte es sein dass es Bärenfelle gibt worauf es sich gut und langfristig leben und liegen lässt Do lässt sich lesen im W.G.Sebald‘s
    „The Rings of Saturn“,A conversation about Sugar ,Vintage Books,London,
    2002,Übersetzung Michael Hulse :“…the fact that many important museums,such as the Mauritshuis in The Hague or the Tate Gallery in London,were originally endowed by the sugar dynasties….
    The capital amassed in the eighteenth and nineteenth centuries through
    various forms of slave economy is still in circulation ,… still bearing interest
    increasing many times over and continually burgeoning anew. …
    …legitimizing this kind of money has always been patronage of the arts the purchase and exhibiting of paintings and sculptures,… ,…leading to a relentless escalation of prices paid at major auctions.”[Seite 193,194…]

    Sebald ein herausragender Chronist.

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