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Hart, härter, am härtesten - Comic- seventastic.info
Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Hart, härter, am härtesten

Vom Titelbild blickt uns ein Mädchen über Mohnblüten an, im Hintergrund ein idyllischer Ort. Doch das Mädchen schaut böse drei und ihr Gesicht ist transparent. Olivia Viewegs Comic schaut hinter ihre Fassade.

Hui, das ist eine Entwicklung! Drei Comics hat Olivia Vieweg seit 2012 publiziert: „Endzeit“, „Huck Finn“ und jetzt „Antoinette kehrt zurück“ (für diesen dritten Band gewann sie vor zwei Jahren das erstmals ausgeschriebene Comic-Stipendium der Egmont-Verlagsgesellschaften, in denen das Buch jetzt auch erscheint). „Endzeit“ war eine Art Zombie-Comic , sehr dunkel, sehr hart. „Huck Finn“ war eine federleichte Aktualisierung von Mark Twains „Huckleberry Finn“, sehr hell, trotzdem sehr hart. Und „Antoinette kehrt zurück“ ist das, was der Titel sagt: eine Heimkehrergeschichte, wieder sehr dunkel und noch härter als die beiden ersten Bände.

Nichts ist heimelig in dem kleinen Kaff Harzberg, dem Antoinette nach der Schule endlich entkommen ist. Sie ging nach Los Angeles, machte Karriere, heiratete einen Schauspieler, und nun kehrt sie doch als Endzwanzigerin noch einmal zurück – zur Begeisterung ihrer ehemaligen Schulkameraden, die sie nur noch aus den Illustrierten kennen. Selbst Jonathan freut sich, obwohl er früher an der Spitze derer stand, die das schöne kluge Mädchen peinigten. Heute liegt er querschnittgelähmt im Pflegeheim.

Das könnte eine gefühlige Geschichte werden, aber Antoinette kennt kein Mitgefühl. Dafür hat Olivia Vieweg ein grandioses Gespür für Spannungsaufbau und Überraschung. Es passiert zunächst gar nichts Schreckliches in ihrem Comic: Ein Mädchen erinnert sich an die Schikanen, denen es ausgesetzt war. Schlimm genug, aber leider Alltag. Ganz und gar nicht alltäglich ist, was sich dann im Rückblick zeigt.

Dieser Comic ist eine Sensation, denn er zeigt, wie man Manga-Ästhetik und westliche Erzählweise verbindet (leider bietet die Homepage des Verlags nur wenig Anschauung: ). Das war schon immer Olivia Viewegs Ziel. In den beiden Bänden zu Songs der Musikgruppe „Subway to Sally“ machte sie erste Gehversuche, mittlerweile aber läuft sie an der Spitze der deutschen Comicszene. Ganz leise ist die dorthin kommen, aus der Weimarer Provinz heraus, wo sie sich seit dem Studium wohl fühlt. Und diese Provinz ist der Schauplatz ihrer Geschichten. Beschreibungen werden der Erzählkunst nicht gerecht. Also lesen! Und das Fürchten lernen.