Seventasticeminar

Studieren ist schwer, abbrechen noch mehr

An diesem Donnerstag stellt die Bundesbildungsministerin eine Studie über Uni-Abbrecher vor. Hier schildert eine frühere Studentin, wie es ist, wenn man feststellt, die falsche Wahl getroffen zu haben.

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Abbrechen, aufgeben, versagen. In vielen Situationen des Lebens können diese unerfreulichen Zustände eintreten. Doch ist es wirklich eine Schande zu merken, dass man mit seinem gewähltem Studienfach falsch gelegen hat? Dass man als unwissender Abiturient eine Entscheidung getroffen hat, die zu übereilt war? Sich einzugestehen, dass man sich in seinen Vorstellungen getäuscht hat?

Nach dem Abitur wird jährlich eine riesige Schar von Schülern aus der Schulpflicht entlassen. Plötzlich frei. Es wird gefeiert, geschlafen und genossen. Die ersten Schritte sind gemacht. Aber nur einige wenige, die sich schon in der Grundschule als Ärztin in spe gesehen hatten, besitzen einen genauen Plan, wie sie ihr weiteres freies Leben gestalten wollen. Die meisten fühlen sich nach der Schule nicht wirklich vorbereitet und haben keine Ahnung, welcher weitere Weg sich am besten für sie eignet. Viele versuchen im Ausland neue Erfahrungen zu machen und hoffen auf Inspiration und einen Wegweiser, der ihnen sagt, wohin es gehen soll. Aber die vielen Möglichkeiten die es heutzutage gibt, erschlagen einen. Es ist so unendlich schwierig herauszufinden, mit welcher Weiterbildung man sich die beste, passendste Grundlage fürs eigene Leben schafft. Obwohl man in der Schule schon einige Berufsberatungen und Zukunftstests hinter sich gebracht hat, kann man mit den Ergebnissen selten etwas anfangen.

Genau in dieser Situation befand ich mich Ende des letzten Jahres. Eine Überlegung für mich war, einfach mal ein Studium anzufangen – vielleicht hat man ja Glück und es ist wie geschaffen für einen. Ich entschied mich für ein Studienfach, einen Studienort, suchte eine Wohnung und erledigte den ganzen Papierkram. Alles Dinge, die anstrengend sind, aber wenn erst einmal alles erledigt ist und man sich in der neuen Umgebung wohlfühlt, ist die Freude groß. Neue Freunde finden, die Stadt erkunden, das ganze Drumherum des Studentenlebens vollends auskosten. Jetzt musste nur noch das Studienfach passen.

Doch leider kam es anders. In den täglichen Vorlesungen und Tutorien merkte ich, dass die Themen nur spärlich bis gar nicht mein Interesse weckten. Die Vorlesungen besuchte ich irgendwann nur noch selten, Pflichtveranstaltungen brachte ich schlechtgelaunt hinter mich. Spätestens bei den Klausuren, wenn man sich mit dem Stoff gezwungenermaßen auseinandersetzten muss, entscheidet sich, ob man sich durchkämpfen will oder nicht. Wobei: Dass ein Studium von vorne bis hinten Spaß macht, ist natürlich eine Wunschvorstellung. Dass man sich durch Fächer und Kurse auch mal hindurchquälen muss, ist ganz normal und auch machbar, solange es andere Studienbausteine gibt, die einem das Herz erfüllen. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, ist es schwer, ein dreijähriges Studium zu bewältigen, und natürlich stellt sich die Frage, ob das überhaupt Sinn macht.

Ein Studium ist ja eigentlich dazu da, einen Menschen mit seinen speziellen Interessen weiterzubringen, man wird darauf vorbereitet und ausgebildet, mit dem entsprechendem  Abschluss Nützliches zu erreichen und sich den Beruf zu ergattern, der einem Spaß macht. Laut einer   bricht aber fast ein Drittel der Bachelor-Studenten ihr Studium frühzeitig ab. Ist ein Studium heute also zunächst vor allem ein Experiment? Ist der Druck heutzutage nicht mehr so hoch, bei dem zu bleiben, was man angefangen hat? Die hohe Zahl der Studienabbrecher zeigt auf jeden Fall, dass man nicht mehr so festgefahren ist wie früher. Das allgemeine Umfeld hat offenbar keinen so abwertenden Blick mehr auf einen Studiengangwechsel oder einen Abbruch. Des Öfteren bekommt man sogar Lob für die mutige Entscheidung, sich eingestanden zu haben, dass man sich geirrt hat. Und ja, es fühlt sich mutig an!

Natürlich kann man immer noch denken, dass „Abbrecher“ nur aus Bequemlichkeit handeln. Doch ihnen ist durchaus klar: die Zeit nach dem Abbruch ist mit sehr viel mehr Aufwand verbunden, als einfach weiterzustudieren. Man muss sich jetzt wieder den Kopf darüber zerbrechen, was man als nächstes anfangen will, und der innere Druck ist sogar um einiges höher, denn nochmal danebenliegen will man natürlich nicht. Im Grunde durchläuft man das gleiche Prozedere wie vor Beginn des Studiums noch einmal. Es ist also durchaus keine einfache Entscheidung abzubrechen.

Und dann sind da die inneren Konflikte. Dass man in den Dingen gut ist, die einem Spaß machen, ist ja bekannt. Nur weiß man viel zu oft gar nicht, was einem wirklich Spaß macht. Deshalb kann man die Sache auch so sehen: Ein angefangenes Studium kann einem helfen, genauer herauszufinden, worin man gut sein könnte – was einem Spaß macht. Auch wenn es nicht beim ersten Versuch klappt, ist es keine verschwendete Zeit, denn man lernt sehr viel dabei, zum Beispiel wird man schneller selbständig.

Aber es ist auch so: Studieren ist nicht für jedermann etwas, auch eine Ausbildung ist mittlerweile eine angesehene Alternative. Von Anfang an etwas Geld zu verdienen und allgemein mehr Praxisbezug zu haben, ist durchaus attraktiv, und die Chancen, danach einen guten Beruf zu finden, keinesfalls klein. Vielleicht ist einem aber auch während des kurzen Studiums eine brennende Idee gekommen und man ist jetzt bereit, ein Start-Up zu gründen, mit dem man womöglich noch groß rauskommt. Die Alternativen heutzutage sind schier unendlich, und man kann fast mit jeder etwas erreichen.

Viele Dinge im Leben, sage ich mir, brauchen mehrere Anläufe, damit sie sich zum Besten wenden. Warum sollte das mit dem Studium anders sein? Zumal es eine überdurchschnittlich wichtige und schwere Entscheidung ist. Das Leben ist lang und Abiturienten sind jung, man darf sich also nicht zu viel Druck aufbauen, keine Zeit zu verlieren.

Ich jedenfalls habe mein Studium nach dem ersten Semester beendet. Im Nachhinein habe ich nicht bereut, es probiert zu haben. Nach einer kurzen Phase der Ratlosigkeit hatte ich ein so genanntes „Perspektiven Coaching“. Es hat sehr gut getan, mit jemanden zu reden, der einen nicht persönlich kennt und darauf spezialisiert ist, genau mit dieser vorhanden Ratlosigkeit umzugehen. Das alles hat mir gezeigt, dass man einfach nicht verzweifeln darf, sondern den Mut haben muss, weiter zu suchen. Ich bin gespannt, welchen Umweg ich als nächstes gehe.

Und wer weiß schon, ob er nach seinem fertigen Jurastudium nicht doch eine Kaffeerösterei übernimmt?

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Hier geht es zu einem Blog-Artikel über „Studienzweifler“

http://best-cooler.reviews

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