Seventasticeminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Leben unter Wasser: Es wird immer gemütlicher

Zwei Kunststudenten aus Düsseldorf sind für ihre Abschlussarbeit fünf Tage lang abgetaucht. Auf zwölf Quadratmetern haben sie sich ein eigenes Aquarium eingerichtet. Zwischendurch haben wir mit einem von ihnen gesprochen.

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© Felix ContzenMan gewöhnt sich im Alltag an fast alles – auch an 15 Grad kaltes Wasser in der Küche? Tomas Kleiner (links) und Marco Biermann

F.A.Z.: Tomas, du hast schon einige Stunden im Container verbracht. Wie lebt es sich unter Wasser?

Tomas Kleiner: So langsam wird es richtig schön. Wie bei jedem Umzug war der Einzug sehr anstrengend. Jeder Gegenstand musste teilweise sehr aufwendig präpariert werden, damit er unter Wasser bleibt und nicht nach oben schwimmt oder sich gar auflöst. Da gab es ganz viele Fragen, die wir vorher nicht klären konnten. Jetzt sind aber alle Gegenstände an ihrem Platz und man kann gemütlich vor sich hin leben. Wir möchten einen möglichst unspektakulären Alltag herstellen und uns von den Anstrengungen der letzten Tage erholen. So langsam fühle ich mich wie zuhause. Leider müssen wir alle ein bis zwei Stunden aus dem Wasser, weil es doch enorm kalt ist. Eigentlich war geplant, dass wir zwei bis drei Stunden am Stück unter Wasser bleiben. Wir sehen aber zu, dass mindestens einer immer im Wassertank bleibt.

Gibt es etwas, das du in deinem neuen Zuhause vermisst?

Ja, das gemütliche Essen. Ich esse einfach sehr gerne – und unter Wasser haben wir doch eine starke Einschränkung. Wir können nur essen, was sich nicht sofort auflöst: Bananen, Äpfel, Birnen, Gurke, eine Wurst geht vielleicht auch mal. Gerade präparieren wir noch Suppen in Beuteln. Aber ein gemütlicher Brunch mit Brötchen und Croissant wie zuhause geht natürlich nicht. Vieles ist aber auch wider Erwarten möglich unter Wasser. Alle technischen Sachen wurden vakuumiert: Akkulampen, DVD-Player und sogar Handys. Das Einzige, das wir unten nicht machen, ist auf Toilette gehen. Wir hätten zwar die technischen Möglichkeiten gehabt, aber das war uns einfach zu kompliziert. Das kann man dann vielleicht in einem späteren Projekt machen (lacht).

Wie hast du dich auf dieses Projekt vorbereitet?

Wir sind im Kontakt mit einer Tauchschule in Düsseldorf, die uns mit Equipment und Know-how unterstützt. Meistens ist auch einer von der Tauchschule vor Ort, der nach dem Rechten schaut. Wir haben beide schon lange Interesse am Tauchen, aber es hat sich bisher nicht ergeben. Das Projekt hat uns jetzt ermöglicht, dass Marco schon fast seinen Tauchschein hat und ich auch verschiedene Tauchkurse gemacht habe. Den Container haben wir aus Österreich kommen lassen. Für uns stand fest, dass wir ihn auch richtig bewohnen wollen – mal auf dem Sofa liegend, am Tisch zu sitzend, Abspülen in der Küche.

Das Thema deiner Abschlussarbeit „Unter Wasser – Lebensentwurf“ ist „Alltag“. Wie beziehst du ihn in dein Projekt ein?

Wir haben beobachtet, dass man im Alltag immer wieder handelt, ohne wirklich zu bemerken, was man eigentlich tut. Unser Ansatz ist, alltägliche Momente stärker in den Blick zu fassen. Wir haben zum Beispiel über verschiedene Möglichkeiten nachdenken müssen, wie man mit oder unter Wasser arbeiten kann. Wobei das Schöne an der Arbeit mit Wasser ist, dass sehr ästhetische Bilder entstehen. Gleichzeitig finden wir Zukunftsszenarien wie zum Beispiel das Reisen ins All sehr spannend. Vielleicht müssen wir in der Zukunft auch alle mal unter Wasser leben. Wir nehmen diese Möglichkeit mit Humor. Es geht um keinen ernsthaften Versuch, sondern um ein leicht skurriles Szenario.

Sind nach den fünf Tagen unter Wasser noch Folgeprojekte geplant?

Wir werden das Projekt auf alle Fälle nachbereiten. Vielleicht werden wir es in einem Videoprojekt verarbeiten. Die vakuumierten Gegenstände würden wir auch gerne ausstellen oder zum Verkauf anbieten. Wir haben auch überlegt, das Projekt an anderen Orten ohne den Container zu wiederholen: möglicherweise eine Ausstellung der Spezies Mensch im Aqua-Zoo. Das ist aber noch nicht sicher. Auf jeden Fall werden wir aber weitere Projekte zusammen machen.

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Tomas Kleiner (27): studierte zunächst als Lehramtsstudent Malerei, wobei sich im Zuge einer Klassenausstellung die gemeinsame Arbeit mit Marco Biermann ergeben hat. Er studiert voraussichtlich noch ein Semester an der ESADMM in Marseille und begibt sich von dort aus auf ein Reiseprojekt, bevor er sich wahrscheinlich zunächst einmal in Wien niederlassen wird.

Marco Biermann (32): hat ebenfalls an der Düsseldorfer Kunstakademie als Maler mit dem Lehramtsstudium begonnen und wendete sich später auch in München und Düsseldorf mit den Jahren immer intensiver dem performativen Medium zu. Nach der Beendigung des Freie-Kunst-Studiums hat Marco Biermann bereits mit seinem Referendariat begonnen, um als zweites Standbein den Lehrerberuf zu etablieren.

Die Fragen stellte Sabrina Leretz


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