Seventasticeminar

Seventasticeminar

Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Dollase vs. Mensa (17)

| 21 Lesermeinungen

Kann Mensa-Essen zwangsläufig nur eine Art kulinarische Mängelverwaltung sein? Es ist ein ständiger Kampf, sagt der Chef-Koch der Marburger Studentenküchen im Schlagabtausch mit Jürgen Dollase.

***

Video: Jürgen Dollase im Gespräch mit dem Chefkoch der Marburger Mensen

Alle Mensatests finden Sie hier.

******

Liebe Leser, das Interview mit dem Chef der Mensabetriebe an der Uni Marburg bringt weitere Erkenntnisse darüber, welche Faktoren qualitativen Verbesserungen im Wege stehen. Wer immer nur schnell ans Geld (also mehr Subventionen oder höhere Preise) denkt, erfasst nur einen Teil der Möglichkeiten. Ich habe in den letzten Kommentar-Folgen erläutert, dass Präzision und allgemein ein besseres sensorisches Verständnis bei der Herstellung von Mensa-Gerichten quasi kostenneutral sind. Natürlich wäre der Ist-Zustand darüber hinaus schon mit Beträgen von 50 Cent oder einem Euro pro Gericht deutlich zu verbessern, wobei noch geklärt werden müsste, wo ein verbesserter Etat eigentlich nützlicher ist: beim Einkauf von Produkten oder bei der Verbesserung der technischen Voraussetzungen in der Küche für eine differenziertere Arbeit. Dazu ein Beispiel aus anderen Großküchenbereichen: Es wäre auch denkbar, ganze, angerichtete Teller herzustellen, sie zu kühlen und im letzten Moment zu „regenerieren“ (also zu erwärmen). Im engeren Sinne wäre das dann zwar nicht „frisch gekocht“, ermöglicht aber oft beeindruckende Ergebnisse.

Herr Baumgarten weist auf zwei Zeitprobleme hin, die eine bessere Qualität verhindern. Eines ist eher institutionell bedingt, das andere eher ein Mentalitätsproblem. Wie der Massenandrang durch das gleichzeitige Ende von Lehrveranstaltungen zu entzerren wäre, ist eine schwierige Frage. Kann man das Ende von Vormittagsveranstaltungen – sagen wir: von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr halbstündlich so staffeln, dass sich in etwa gleich große Nachfrageströme ergäben? Besser gesagt: kann sich irgendjemand vorstellen, dass der Lehrkörper bei seinen Planungen an die Entzerrung von Essenszeiten denken würde?

Dollase Marburg 2 Standbild 10Die Uhren sind schon abgehängt in der Marburger Mensa, aber lässt sich so die „To Go“-Mentalität besiegen?

Die Küche schaffe das, sagt Baumgarten. Aber – was schafft sie? Machen wir doch mal eine einfach Rechnung auf. Drei Mal „Klatsch“ pro Teller für Kartoffelpüree, Sauce und Fleisch oder Fisch macht vielleicht 5 Sekunden. Macht 12 Teller pro Minute, macht immer noch nur 360 Teller in dreißig Minuten. Es ist ein Wahnsinn, der klar macht, dass Massenbetrieb der unentzerrten Art vielleicht mit mehreren Ausgabestellen und einem Anteil von Selbstbedienung zu schaffen ist, dabei aber das Essen so simpel wie eben möglich sein muss. Wie will man bei diesen Voraussetzungen Gerichte schaffen, die einigermaßen ersprießliche Proportionen haben sollen? Wie solche, bei denen auch ein paar interessante kleinere Elemente zur Komposition gehören? Kann Mensa-Essen zwangsläufig nur eine Art kulinarische Mängelverwaltung sein?

Das zweite Zeitproblem ist nach Herrn Baumgarten die „To Go“-Mentalität, eine Mischung aus schnellstmöglicher Triebbefriedigung, Missachtung von Nahrungsmitteln wegen einer mehr oder weniger rein funktionalen Betrachtung der Nahrungsaufnahme („Tankstellen-Syndrom“) und weitgehenden Desinteresses an kulinarischen Details oder so etwas wie der Einordnung des Essens in etwas größere kulturelle Zusammenhänge. Mir fällt dazu immer ein, dass in Frankreich selbst in den Lokalzeitungen oft das tägliche Schulessen abgedruckt wird – oft sogar mit Bild. Wobei ein Essen bei unseren kulinarisch im Schnitt wesentlich interessierteren Nachbarn als Basis nach wie vor drei Gänge hat: Vorspeise, Hauptgericht, Dessert. Dazu kommen Brot, Wasser und ein weiteres Getränk, so dass man mit 6 Teilen zu tun hat. Ein Tablett mit einem kompletten Essen sieht dann schon ziemlich bevölkert aus. Selbstverständlich isst man so etwas anders, langsamer, genüsslicher, variierender, kurz: mit einer anderen Gewichtung. Und diese andere Gewichtung ist einer der wichtigsten Schlüssel für jede kulinarische Veränderung.

Einen weiteren Punkt bei Herrn Baumgarten finde ich bedenklich. Was nicht läuft, kommt weg – sagt er sinngemäß. Man weiß, dass Kinder, Jugendliche und jüngere Erwachsene Phasen haben, in denen sie – kulinarisch gesehen – engstirnigen alten Leuten nicht unähnlich sind. Wenn sie nicht immer ihre Lieblingssachen bekommen, wird die Laune schlecht. Ich werde versuchen, dieses komplexe Feld, diesen kulinarischen Populismus und seine Auswirkungen, in späteren Folgen und mit einer genaueren Betrachtung der Verhältnisse diesseits der Mensa-Theken zu erhellen – mit Ihrer Hilfe, um die wir Sie demnächst bitten werden.

Mit den besten Grüßen, Ihr Jürgen Dollase

Alle Mensatests finden Sie hier.

 


21 Lesermeinungen

  1. Schmorgerichte
    Linsen- und Erbsensuppe gehen immer, höre ich, und denke, dass man in dieser Richtung unheimlich viel kochen kann in einer Mensa. Gerichte, die nicht so auf den Punkt gegart werden müssen, also eine sehr hohe Gartoleranz haben, sind doch eigentlich perfekt. Ich meine, Herr Dollase hätte in einer früheren Episode seiner Mensa-Storys auch dafür plädiert und an anderer Stelle die sogenannte Brauhaus-Küche gelobt, in der sich ebenfalls viele Schmorgerichte finden lassen.

  2. Manchmal tut Mittelmaß gut
    Ich habe einmal eine Dokumentation gesehen über den Klavierstimmer von Steinway, Stefan Knüpfer. Darin berichtete dieser, dass er sich eigentlich keine Klaviermusik von der CD anhören könnte, weil er immer die verbesserungswürdigen Feinheiten hören würde. Was will ich damit sagen? Manchmal, vielleicht sogar oft, lebt man meiner Ansicht nach besser, wenn man nicht nach Perfektion strebt. Ich kann nur über die Mensen in Münster und Osnabrück berichten, aber mit diesen war ich immer sehr zufrieden. Freunde von mir, die etwas höhere Ansprüche hatten, jedoch nicht, die kochten lieber selbst. Habe ich dadurch an Lebensqualität verloren? Ich denke nicht, denn ich hatte (für mich) leckeres Essen und weniger Aufwand.
    Und ganz abgesehen davon, „besseres“ Essen würde den Preis nach oben treiben und ich bin ganz froh, für 2,30 € gut speisen zu können.

    • Titel eingeben
      Lieber Gast, besseres Essen muß nicht unbedingt teurer sein. Wenn alle Mensen so arbeiten würden, wie die besten Beispiele, die ich schon probieren konnte, wäre das schon ein erheblicher Gewinn. An der Stelle, wo man sich fragen kann (und muß..) welche Art von Essen eigentlich hier angeboten wird, sind wir noch nicht angekommen. Sie kommt aber. Was die Lebensqualität angeht: ich war bis zum 35.Lebensjahr Fastfood-Konsument und habe ansonsten nur ein paar wenige Dinge gegessen. In diesem Zustand habe ich mir nie im Leben vorstellen können, welch phantastisches Universum von Genüssen und Erfahrungen das Kulinarische für uns bereithält.

  3. Zufriedenheit in der Hochschulgastronomie
    Gute Sendung und gute Antworten von Herrn Baumgarten. Auch an alle Mitarbeiter,besonders die Köche und das Ausgabepersonal nett und freundlich.
    Ein Dank auch an die Leute der Info und an den Kassen. Besonderen Dank an Stephan,
    er soll auch bitte mal lächeln und nicht die Last die auf seinen Schultern ruht so ernst nehmen. Noch ein besonderer Dank an das gesammte Personal im Bistro. Ich bin besonders zufrieden mit dem ganzen Personal in der Hochschulgastronomie der Uni-Marburg. Freue mich das sogar Samstags die Mensa geöffnet ist. Das ist nicht mehr so selbstverständlich. Herzlichen Dank was Ihr alle so leistet für unser leibliches Wohl.
    Ein treuer Besucher der Mensa

  4. Iss deinen Spinat
    Dollase:
    „Einen weiteren Punkt bei Herrn Baumgarten finde ich bedenklich. Was nicht läuft, kommt weg – sagt er sinngemäß. Man weiß, dass Kinder, Jugendliche und jüngere Erwachsene Phasen haben, in denen sie – kulinarisch gesehen – engstirnigen alten Leuten nicht unähnlich sind. Wenn sie nicht immer ihre Lieblingssachen bekommen, wird die Laune schlecht. Ich werde versuchen, dieses komplexe Feld, diesen kulinarischen Populismus und seine Auswirkungen (…)
    Es scheint wirklich nur eine Frage von Minuten, bis beim modernen deutschen Journalisten der Missionar durchkommt. Hier eben Essensmission. Und wer nicht isst, was der Missionar für gut befindet, ist „engstirnig“, du liebe Güte. Die Mensa als Pädagogikhilfswerk, das fehlte noch. Die Leute brauchen keine Nachhilfe, was sie essen wollen und was nicht, weder in der Mensa noch sonstwo, weder mit 5 noch mit 100 Jahren.

    • Titel eingeben
      Lieber Herr Strittburger, da sind wir wieder bei dem Punkt, wo man sagen muß, daß das Bestehen darauf, Essen sei individuellen „Geschmackssache“ uns exakt die ganzen Probleme mit dem Tierwohl, Probleme gesundheitlicher, ökologischer und durchaus auch kultureller Art eingebrockt hat. Ich glaube, daß eine solche Tunnelblick-Haltung heute nicht mehr zu vertreten ist.
      Das Missionarische hält sich bei mir übrigens sehr in Grenzen. Ich bin erst einmal Profi, der für gute Arbeit eintritt.

  5. Titel eingeben
    Sehr geehrte Herr Dollase,
    ich bedanke mich sehr für ihren differenzierten Beitrag,vor allem ihr Interview,es ist in meinen Augen ein besonderes Highlight😂
    Der Schnitt ist doch noch etwa bewusst gewählt oder?
    Natürlich nicht…
    vor allem bewundere ich ihren Hinweis auf ihre harte Knochen Mentalität😜
    Und als harter Knochen,weiß man ja,dass man bloß keinen Bruch erleiden möchte😘
    zunächst spricht hier nicht der Küchenchef,sondern es ist ihre Meinung…vielen dank.
    Und worauf sie relativ wenig hinweisen,ist der Kostenfaktor…gebe zu,dass macht das ganze auch recht easy😎
    weil wie sie es auch darstellen,man macht sich in GV’s(Großküchen) keinerlei Gedanken über wirts. Prozesse(Personalkosten) und Sensorik(Geschmack) Gedanken

  6. Nebelkerze
    Das mit dem Zeitproblem ist auch nur eine Nebelkerze. Stellt man nämlich mehr Personal an die Ausgabe, dann kann man im Fliessbandbetrieb – trotz Sekundentaktes – mehr Handgriffe machen, also mehr als „3 Mal Klatsch“. Z.b. einmal frische Petersilie oder andere Kräuter drüber streuen. Frische Croutons oder Dressing über den Salat, statt vorgefertigte eingeweichte Salatpampe. Und so weiter.
    Damit sind wir aber schon wieder bei der Kostenfrage… Bei 360 Tellern die Stunde macht das bei einem durchschnittlichen Stundenlohn (incl Nebenkosten, Verwaltung etc.) von 30Eur pro Nase auch wieder nur bei ein par cent pro Teller… Wenn man wollte, ginge also durchaus was.

  7. "To Go" Mentalität?
    Die Marburger Mensa war einer der Gründe für mich, kochen zu lernen! Und bereits damals habe ich mich über gruselige Kompositionen und einen verunstaltenden Umgang der Mensaköche mit den Zutaten aufgeregt. Es gab zwar auch Studierende mit der beschriebenen Mentalität, aber sie waren in meiner Erfahrung eher in der Minderheit. Nicht, dass die Mensa in Marburg schlechter wäre als andere Mensen. Aber es geht auch in der Massenverpflegung mit all ihren systeminhärenten Beschränkungen besser, dies haben mir bei späteren Forschungsreisen Truppenlehrküchen und andere Einrichtungen gezeigt, die unter ähnlichen Bedingungen arbeiten müssen. Also, Ausrede nicht akzeptiert!

    • Titel eingeben
      Liebe Frau Näser-Lather,
      ja, das ist eine klare Erkenntnis: ein guter Teil der Schwächen beruht auf ungenauer oder vielleicht auch gedankenloser Arbeit. Man kann solche Dinge kostenneutral beseitigen – zum Beispiel wenn die Verantwortlichen eine bessere Qualitätskontrolle realisieren oder die Mitarbeiter besser schulen/sensibilisieren. Eine solche Schulung, die ein permanenter Prozess sein muß, läuft üblicherweise in der Küche während der Arbeit ab. Außerdem: es gibt ja immer wieder gute Gerichte oder gute Ansätze, die qualitative Konkurrenz kommt also auch von denen, die genau so arbeiten…

  8. Schöne Gedanken, nur nicht umsetzbar
    Vielen Dank für die Beiträge die Sie veröffentlichen.
    Ich lese Sie gerne und versuche auch mein Leben bewusster zu leben/essen.

    In Ihrem Artikel sehe ich ein starkes Zeichen das wir uns wieder mehr Zeit nehmen und uns mit unserem Essen & Verhalten auseinandersetzen sollten. Dem stimme ich ohne Umschweife zu. Wer einmal den Unterschied von TK-Produkten zu Gerichten aus Eigenregie geschmeckt hat wird versuchen sich die Zeit zu nehmen besser zu essen. Damit kommen wir auch zum Knackpunkt, welchen Sie auch im Artikel aufgeführt haben. 5 Sekunden für einen Teller mit 3 Schlacks Essen. In dem Fach Arbeitswissenschaft werden genau diese Bewegungen in Aufgaben etc. definiert und lassen sich daraufhin messen und in einem Prozess anordnen. Dies geht nur wenn das Ziel und alle notwendigen Arbeiten und Parameter bekannt sind. Daher ist der Ansatz dieses Arbeitspaket „5 Sekunden pro Teller = 12 Teller/Min.“ zum ersten mal nicht haltbar. Das macht nur jemand der weiß was er möchte, sich richtig einreiht etc. Sollte auch nur einer daher kommen der sich kurzfristig erkundigt (erste positive Entwicklung) was in seinem Menü ist, wo es herkommt und ob es ggfs. noch Zusatzstoffe hat (auf die man ja allergisch sein kann), ist die Rechnung mit den 12 Tellern/Min. hinfällig. Folgerichtig haben Sie erkannt: zu wenig Zeit und gleichzeitige Entlassung in die Pause führen zur flotten Abfertigung an der Theke. Um hier gegenzuwirken und mehr Kassen in’s Spiel zu bringen ist ebenfalls kontraproduktiv, da zu viele gleichzeitig sich dann setzen wollen -> Rückstau in der Mensa. Das jedoch führt unweigerlich zu einer Hatz bei der Essensaufnahme, was man ja auch nicht haben möchte, da Essen nur noch eine Funktion und kein Gefühl mehr ist. Und der Rattenschwanz ebbt dadurch ja nicht ab. Es stauen sich immer mehr nach dem Bezahlvorgang, ungewollte Sitzmöglichkeiten werden geschaffen (anlehnen, Laufwege sind voll) die in einer Notsituation schnell in unkoordinierte Panik übergeht (und der letzte Ort bei dem ich in einer Panik sein möchte ist eine Mensa).
    Also die Verlangsamung an der Kasse ist ein gezielt einzusetzendes Mittel um die Sicherheit aller Gäste zu gewährleisten (Pardon, hier bin ich jetzt abgedriftet). Worauf ich hinaus möchte: Den Menschen aufzufordern sich mehr Zeit zu nehmen hat zur Folge das Sitzzeiten sich erhöhen und ein Vorab-Stau entsteht. Ich begrüße es sehr sich Zeit zu nehmen, doch ich habe das im Studium nicht vor. Im Studium hat die höchste Priorität (oder sollte) die Vermittlung von Wissen und der Reifung des Charakters (seit Bologna ein sehr streitbares Ziel). In meiner Zeit als Student (zweiter Bildungsweg mit 28) war das letzte worüber ich nachdachte die Essensaufnahme. Häufig erst mit Magenschmerzen erinnerte ich mich überhaupt etwas zu essen. In der Mensa länger zu sitzen als notwendig (zur Stoßzeit wohlgemerkt) wäre mir nie eingefallen, da ich (persönlich) Mensen als den absolut unentspanntesten Ort wahrgenommen habe (ausnahmslos jede – den hier herrscht der Auftrag „alle satt kriegen“). Es ist kein Ort der Entspannung, kein Ort des Austauschs. Es ist nur noch eine Mastanlage für Lernende. Ich warte auf den Tag an dem der Mastbetrieb in der Mensa ohne menschliche Bedienung auskommt. Dann schieben wir den Mund vor eine Öffnung, welche uns in 3 Sekunden den Magen mit Mais vollpumpt. Dann klappen auch 20 Objekte pro Minute (leichte Systemkritik, mehr nicht).
    Worauf ich hinaus möchte: Ihre Vorstellung ist lobenswert, doch unnötig. Wenn ich lerne, bin ich zum lernen da. Ich muss nicht auf kulinarische Reise in meiner Mensa. Dafür hat man nach dem Studium Zeit genug. Und ich glaube das es viele Lernende so sehen. Essen ist im Studium Mittel zum Zweck. Überlebenswichtig erst nach längerer Missachtung. Wenn das Café jedoch geschlossen ist werden sofort Petitionen und sonst was gestartet. Also wie wollen Sie jemanden, für den der Morgenkaffee wichtiger ist als eine Hauptmahlzeit am Tag, hierfür sensibilisieren?
    Ich möchte gleich eine Lösung aus der Wirtschaft anführen, wobei ich hier darauf verweise das dies nur ausserhalb des Uni-Alltags funktioniert.
    Ein globales Unternehmen mit 30000 MitarbeiterInnnen in Deutschland hat an mehreren Standorten seine MitarbeiterInnen sitzen. Nicht jeder Standort verfügt über eine Kantine.
    – Entzerrung von Essen und Post-Essen (Kaffee, Snacks, alles was so danach noch kommen kann).
    – Kommunikation für alle Mitarbeiter das über 4 Stunden (jedoch) mind. zur vollen Stunde (bis auf die letzte) das Essen frisch aufgefüllt wird
    – Bereitstellung vom Essensplan für die ganze Woche (immer eine Woche vorher) für jeden Standort.
    – Bereitstellung des Essensplan über ein unternehmenseigene App (als auch Navigation zur nächstliegenden Kantine/Kartenaufladeterminal etc; entsprechend den eigenen Vorlieben werden nur Essen angezeigt Bsp. vegetarisch).

    Das angestrebte Ziel war es die einrückenden Horden zeitlich zu stückeln. Desweiteren wurde die Kaffee-Ecke (ich tue mich immer noch schwer 3 x ein E hintereinander zu schreiben) vor- bzw. nachgelagert um Räume und Gänge freizuhalten. Der Lärmpegel hatte zur Vergangenheit deutlich abgenommen (wurde mir gesagt) und die Verweildauer am Tisch wurde verringert. Der Austausch der Kommunikation ging besser. Die MitarbeiterInnen sind an sich gelassener beim Essen, da sie sich auch nicht mehr um das Beste Essen abhetzen.
    Einen Versuch diesen Raum Mensa zu entzerren würde ich noch die meisten Chancen einräumen um Besucherflüsse zu steuern, mit vielleicht dem Ergebnis das sich die Gäste mehr/überhaupt Zeit nehmen ohne vom Hintermann gehetzt zu werden.

    • Titel eingeben
      Lieber Abdullah, erst einmal ganz herzlichen Dank für Ihre Bemühungen, die natürlich eine ganze Reihe von bedenkenswerten Aspekten enthalten. Ich möchte allerdings zu Ihrem Fazit einer notwendigerweise sehr funktionalen Betrachtung etwas anmerken. Wir haben uns daran gewöhnt, daß schlechtes Essen und Fehlernährung und zuviel Kalorien usw. usf. nicht gut für unseren Körper sind, und das nicht nur erst in höherem Alter, sondern schon in Kindheit und Jugend. Kaum jemand denkt daran, was negative Aspekte der Ernährung mit unserem Kopf machen, ob wir abhängig von bestimmten Überdosierungen werden, ob wir jede Sensibilität verlieren oder ob wir durch unser kulinarisches Wahlverhalten (also u.a. Kaufverhalten und Gaststätten-Konsum) kulturelle Weichen stellen, die eigentlich niemand so haben will. Deshalb sollte man m.E. immer nach Lösungen suchen. Sie deuten sich längst an, auch schon nach den 15 Mensen, die ich besucht habe. Ich danke auch deshalb für jeden neuen Aspekt, der die Überlegungen aller Beteiligten ergänzt.

    • Zu kurz gedacht, doch Realität
      Hallo Abdullah,
      ich halte den Essensvorgang als reine Nahrungsmittelaufnahme für zu kurz gedacht. Auch, wenn er aktuell den Gegebenheiten entspricht. Essen entspricht doch, ebenso das Träumen, einem Umschaltvorgang im Kopf. Das Lernen hat jetzt mal Pause, es kommen andere Eindrücke, die neurologisch in anderen Hirnbereichen wirken dran. Ähnlich wie das Träumen erfüllt das Essen eine Kreativitäts- bzw. Aufräumfunktion im Kopf. Sicher, das Gemeinschaftserlebnis in Mensen ist Mastanlage. Aber auch das kann man mit wenigen Gestaltungskniffen, wie man sie aus Unternehmenscasinos kennt, zumindest erträglicher machen.

      An Herrn Dollase:
      Schwierig finde ich die scheinbare Kundenorientierung „Was nicht geht, fliegt raus“. Das führt nur zu Mittelmaß und Durchschnitt, ich nenne es mal provokant „Geschmackssozialismus“, also Gleichmacherei auf niedrigem Niveau. Dabei geht es nicht um Erziehung, sondern um die Möglichkeit für Studierende auch mal was neu zu entdecken. Um hier Wunsch und Wirklichkeit zusammenzubringen, wären Online-Befragungen (zum Beispiel zum Speiseplan der nächsten Woche) sinnvoll.
      Effizienzsteigerungen sehe ich in automatisierten Zahlungs- bzw. Guthabensystemen (Karten oder Handys, die im Vorübergehen zahlen), oder der angesprochenen Regenerierung (bei Dampfgarern geht das nahezu ohne Qualitätsverlust). Dafür bräuchte man aber eine Art „Safesystem“, aus dem man sein Essen abholt. Eine große Wand mit vielen Tellern in einzelnen Dampfgarern, die man – z.B. via Handy – aktivieren kann. Damit könnte man den Flaschenkopf bei der Ausgabe erweitern.

  9. Frankreichs Mensen sind gruselig
    Frankreich als vermeintlich positives Beispiel in Sachen Mensa anzuführen, ist leider ein schwerer Fehlgriff. In den vergangen Jahren haben wir nahezu ausschließlich gruselige Erlebnisse gehabt. Auch nur ein Mal solch ein Essen an einer deutschen Schule oder Uni, und der Laden würde niedergebrannt. Die französische Küche ist leider in öffentlichen Einrichtungen, allzu oft auch in normalen Gaststätten, nichts als ein Mythos.

    • Titel eingeben
      Lieber Messi, ich habe keine französische Mensa als Vorbild genommen, sondern mich nur mit der ausgeweiteten Form des ganz normalen Essens befaßt. Daß der Inhalt oft von ausgesprochen schwacher Qualität ist (zum Beispiel in Cafeterias in Einkaufszentren etc. oder in den vielen Restaurants links und rechts der Straßen, die Menüs für „Handwerker“ anbieten), ist klar. Das macht die Form und ihre Wirkung aber nicht grundsätzlich anders.
      Daß in Deutschland allerdings wegen schlechtem Essen eine Mensa niedergebrannt wird, muß ich nach den bisherigen Erfahrungen bezweifeln. Das Problem ist ja auch, daß man schlechtes Essen überhaupt erst einmal als schlechtes Essen erkennt…

    • Titel eingeben
      Ich war 4 Monate in Frankreich auf einem Internat, das mit Abstand schlechteste Essen das ich je erleiden musste

    • cocodi cocoda
      stimmt & besseres als Senf und Weissbrot ist nicht zu erwarten

  10. Vorlesungszeiten
    Essenstechnisch mag es eine gute Idee sein, die Vorlesungszeiten zu staffeln. Das würde aber auch bedeuten, dass die Stundenplanung für alle StudentInnen sehr viel schwieriger würde, denn während man bisher ohne Probleme 2 Vormittagsveranstaltungen in den Slots hintereinander besuchen, müsste man auf diese Weise auf mögliche Ueberlappungen achten.

    • Titel eingeben
      Lieber Gast, vielen Dank für Ihre Anregung, die ich nutzen möchte, auf eine andere Anregung hinzuweisen, die mich über meinen Facebook-Account erreicht hat. Sie stammt von Boris-Alexander Beissner, der anregt, aktuelle technische Mittel zu benutzen, um die Sache zu entzerren und gute Qualität mit großen Nachfragemengen zu kombinieren. Kurz gesagt: per App bestellen, zu einem fixen Termin das Tablett abholen. Das hätte Perspektive, weil ich mir gut vorstellen kann, daß eine mögliche Individualisierung ebenso wie eine verstärkte Berücksichtigung wichtiger kulinarischer Details auf einer solchen Schiene wesentlich besser funktionieren würden. Wir werden bei Gelegenheit darauf weiter eingehen.

Kommentare sind deaktiviert.

Был найден мной классный портал , он описывает в статьях про ковер цена.
www.eurobud.com.ua/metallocherepitsa-kitaj/

Этот популярный веб сайт со статьями про раскрутка.